Aquazoo Löbbecke Museum - Haltung und Zucht von Insekten
Käfer (Coleoptera)
So artenreich wie die Ordnung der Käfer ist, so unterschiedlich sind auch ihre Lebensweisen. Im folgenden sind die Haltungsbedingungen für tropische Rosenkäfer, für den südamerikanischen Herkuleskäfer und den mittelamerikanischen Nashornkäfer aufgeführt.
Tropische Rosenkäfer

Rosenkäfer Pachnoda marginata
Rosenkäfer sind eine sehr beliebte und farbenfrohe Käfergruppe, deren Formenreichtum auf dem afrikanischen Kontinent am größten ist. Sie lassen sich in der Regel leicht halten und vermehren und werden daher häufiger auf Insektenbörsen angeboten. Die Larven dieser Tiere haben das typische engerlingförmige Aussehen.
Die Käfer ernähren sich von Baumsäften, Nektar und Blütenpollen, in der Gefangenschaft sind sie sehr genügsam mit einer vollreifen Banane zu ernähren. Die Engerlinge fressen sich zersetzendes pflanzliches Material und sind ohne weitere Probleme in der Laubeinstreu zu züchten, wie sie auf dem Boden eines jeden Laubwaldes zu finden ist, wenn diese etwas zerkleinert wird.
Das Substrat wird in geeignete Behälter gefüllt, eine halbe Banane wird mit der Schnittkante nach oben auf das Substrat gelegt. Es empfliehlt sich, das Fruchtfleisch kreuzweise mit dem Messer einzuschneiden. Das verhindert ein Austrocknen der Banane.

Engerlinge von Chelorrhina polyphemus
Die Käfer versammeln sich recht bald an der Banane um zu fressen. Eierlegende Weibchen verkriechen sich, um in der Tiefe des Substrates ihre Eier abzulegen.
Bei einer Temperatur von 25-27°C schlüpfen nach etwa 14 Tagen die kleinen Larven aus den weißen Eiern und ernähren sich von weichen Pflanzenfasern. Innerhalb von 3 bis 4 Monaten wachsen die Engerlinge zu recht stattlichen Exemlaren heran.
Danach bauen sich die Engerlinge aus dem sie umgebenen Material einen Kokon, in dem sie sich verpuppen können. Um den Larven den Bau eines stabilen Puppenkokons zu ermöglichen, wird bei den größeren Larven der Erdanteil in der Futtermischung erhöht.
Riesenkäfer
Die Dynastes-Arten gehören zur Unterfamilie der Dynastinae (Riesenkäfer), zur Familiengruppe der Lamellicornia (Blatthornkäfer) und der Familie der Scarabaeidae.
Dynastes tityus hat sein Verbreitungsgebiet in den nordöstlichen USA, Dynastes hercules kommt im tropischen Mittel- und Südamerika und auf den Antillen vor.

Herkuleskäfer Dynastes hercules.
Der größte Vertreter der Dynastinae ist der männliche Herkuleskäfer (Dynastes hercules) mit einer Körperlänge bis zu 17 cm, wovon allerdings etwa die Hälfte auf das Halsschild mit seinem langen Horn entfällt. Die Größe der Hörner variiert auch im natürlichen Lebensraum zwischen 2 und 10 cm, wobei der Durchschnitt bei 5 bis 7 cm liegt. Das Horn auf dem Halsschild der Männchen hat in seiner vorderen Hälfte zwei nach außen weisende Zähnchen, das etwas kürzere Horn auf der Stirn mehrere nach oben weisende Zähnchen.
Durch Heben des Kopfes kann das Stirnhorn gegen das andere Horn bewegt werden, wodurch das Männchen eine wirkungsvolle Zange besitzt, etwa um einen Nebenbuhler wegzutragen. Die Kraft dieser Zange ist so groß, dass dabei die harten Flügeldecken des Kontrahenten eingedrückt werden können. Die Färbung der Flügeldecken ist abhängig von der Feuchtigkeit, sie reicht von tief schwarzbraun glänzend bei einem Tier, das gerade aus dem Erdreich kommt, bis olivbraun glänzend. Die bis zu 7 cm großen Weibchen haben außer einem kleinen Stirnhöcker keinen Kopfschmuck und seidenmatte, regelmäßig skulpturierte, dunkelbraune Flügeldecken. Sie sind am ganzen Körper goldbraun behaart, die Männchen sind auf den Flügeldecken und auf der Körperunterseite weniger auffällig behaart.

Nashornkäfer Dynastes tityus
Die Männchen des kleineren Nashornkäfers Dynastes tityus werden bis zu 6 cm groß, die Weibchen sind etwas kleiner. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt, Tiere in feuchtem Substrat sind einfarbig dunkelbraun, in trockenerer Umgebung sind sie olivbraun mit schwarzbraunen Punkten. Das Halsschild der Männchen ist zu einem etwa 15 mm langen Horn ausgezogen. Das Horn ist etwas nach unten gebogen, ungezahnt und zweispitzig. Beiderseits des Hornes entspringen dem Halsschild je ein 5 mm langes Zähnchen. Das ungezahnte, nach oben gebogene Stirnhorn ist etwa 10 mm lang. Auch bei dieser Art trägt das Weibchen außer einem kleinen Stirnhöcker keinen Kopfschmuck.
Beide Arten werden seit 1982 im Löbbecke-Museum und Aquazoo in Düsseldorf gezüchtet. Für die Zucht bekam das Institut vom Cincinnati-Zoo (USA) ein Paar vom Herkuleskäfer (Dynastes hercules) und zwei Männchen, drei Weibchen vom Nashornkäfer (Dynastes tityus). Es waren Wildfänge von der Karibik-Insel Trinidad - Herkuleskäfer (Dynastes hercules) - und aus Alcorn County, Mississippi, USA - Nashornkäfer (Dynastes tityus).
Die Käfer ernähren sich von herabgefallenen Früchten, unsere Tiere nehmen sehr gerne halbierte Bananen an. Sie halten sich fast den ganzen Tag an der Banane auf, wobei es bei den Männchen zu Rivalitäten kommen kann.
Die Männchen vom Herkuleskäfer sind gute Kletterer, was bei der Gestaltung des Insektariums beachtet werden sollte. Als Dekorationsmaterial kommen Äste in Betracht, die so dick sein müssen, dass sie von den Käferbeinen nicht umgriffen werden können. Läßt es die Größe des Beckens zu, kann auch sehr gut eine lichte Pflanze entsprechender Größe, etwa eine Bananenstaude Verwendung finden. Bietet man dem Käfer die Möglichkeit, sich in der Sonne oder unter einem Heizstrahler aufzuheizen, wird er bald zu einem laut brummenden Flug aufbrechen.
Die Zuchtbedingungen für beide Arten sind im wesentlichen gleich. Zur Eiablage werden etwa zwei Männchen und drei Weibchen von Dynastes hercules oder drei Männchen und fünf Weibchen von Dynastes tityus in 100-l-Aquarien gehalten. Die Becken werden mindestens 30 cm mit morschem Laubholz gefüllt. Das Holz hat dann die beste Konsistenz, wenn man es bereits mit bloßen Händen auseinanderbrechen kann. Beim Befüllen des Beckens entstehende Zwischenräume werden mit einem Gemisch aus Torf und Laubholzmulm aufgefüllt. Das Substrat ist leicht feucht zu halten.
Zur Eiablage graben sich die Weibchen in das Substrat ein. Die Eier werden einzeln in kleine Höhlen im Fraßsubstrat der Larven abgelegt. Die Käferweibchen sind recht produktiv, während ihres etwa halbjährigen Lebens legen sie rund 100 Eier ab.
Bei einer Temperatur von 22-25° C schlüpfen die Engerlinge nach 4-6 Wochen, wobei für Dynastes hercules der obere Temperaturbereich einzuhalten ist.
Die frisch geschlüpften Larven ernähren sich zunächst von kleinen Holzfasern in ihrer nächsten Umgebung und fressen mit zunehmender Größe auch härteres, aber morsches Holz. Mit Hilfe von Darmbakterien sind sie in der Lage, Zellulose zu verdauen.
Der Besatz mit Engerlingen kann anfangs 100 Tiere je 100 Liter Volumen betragen, muss mit zunehmender Größe der Tiere bei jedem Substrat-(Futter-)wechsel jedoch verringert werden. Die Tiere sind zwar nicht kannibalisch, stören sich bei dichtem Besatz aber gegenseitig bei den Häutungen und später besonders bei der Verpuppung. Genügend Platz und nicht zu feuchtes Substrat sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Verpuppung des Engerlings. Sind die Umstände während der Vorbereitung zur Verpuppung ungünstig, kommt es insbesondere bei Männchen zu Missbildungen an den Hörnern. Daher empfiehlt es sich, vor der Verpuppung noch einmal einen Substratwechsel vorzunehmen und die Individuenzahl pro Zuchtbecken zu reduzieren.

Engerling von Dynastes hercules.
Die Engerlinge von Dynastes hercules hatten in der ersten Generation kurz vor der Verpuppung ein Gewicht von 100 Gramm bei einer Länge von etwa 18 cm. Die Entwicklung vom Ei bis zum Käfer dauerte zwischen 16 und 24 Monate, bei Dynastes tityus 10 bis 15 Monate. Der Engerling verpuppt sich in einer selbstgeschaffenen Höhle mit einer festen Wand aus zusammengedrücktem Erdreich, welches mit einem erhärtenden Sekret verfestigt wird. Vom Bau der Höhle bis zur vollständigen Verpuppung vergeht etwa 1 Woche, nach weiteren 6 Wochen Puppenruhe ist der Käfer fertig. Er bleibt noch etwa 2 Wochen in der Höhle, um sich dann auszugraben.
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