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Aquazoo Löbbecke Museum - Haltung und Zucht von Insekten

Aquazoo - Löbbecke Museum, Haltung und Zucht von Ampulex compressa

Die Juwelwespe Ampulex compressa —
Eine Wespe auf Schabenjagd

Ampulex Männchen
Männchen von A. compressa

Grabwespen, von denen weltweit rund 5.000, in Mitteleuropa etwa 260 Arten vorkommen, sind ausschließlich Einzelgänger, im Gegensatz zu den staatenbildenden (sozialen) Wespen. Sie graben kleine Löcher in den Boden oder nehmen auch vorhandene Höhlungen an, in die sie durch einen Stich mit dem Giftstachel gelähmte Beutetiere als Larvennahrung eintragen. Die einzelnen Grabwespenarten sind in der Regel streng auf eine ganz bestimmte Beuteart spezialisiert.

Eine für Schauinsektarien wegen des hohen Ausstellungswertes besonders geeignete Grabwespe ist die aus Indien stammende Juwelwespe Ampulex compressa. Die 2cm große Juwelwespe ist auf Schaben der Gattung Periplaneta (P. americana, P. australasiae) spezialisiert und fasziniert den Besucher durch ihr quirliges Umherlaufen und die attraktive metallisch schillernde Färbung. Hat das Weibchen eine Schabe aufgespürt, folgt für den Besucher eine spannende Abfolge verschiedener Verhaltensmuster, die sich über mehrere Stunden erstreckt:

  • Jagd
  • Stechen des Opfers
  • Putzen
  • Suchen einer Nisthöhle
  • Abtransport und
  • Einmauern der Schabe

Jagd

Hat die Wespe das Versteck einer Schabe aufgespürt, versucht die Schabe plötzlich eilig zu flüchten, dabei bleibt ihr die Wespe dicht auf den Fersen. Durch plötzliche Richtungsänderungen versucht sie die Wespe abzuschütteln. Versteckt sich die Schabe zwischendurch, wird sie immer wieder von der Wespe aus dem Versteck herausgetrieben. Die Juwelwespe nähert sich nun der Schabe seitlich vorn. Heftige Fühlerbewegungen zeugen von ihrem Eifer. Sie versucht, sich so in Position zu bringen, dass sie die Wespe durch eine kurze Attacke seitlich am Rand des Halsschildes oder des Flügelansatzes mit den kräftigen Mandibeln ergreifen kann. Nicht selten gelingt es der Schabe, vorher wegzulaufen, woraufhin die Wespe sofort wieder die Verfolgung aufnimmt. Es kommt auch vor, dass eine kräftige Schabe es schafft, sich aus dem Griff der Wespe zu befreien, davon zeugt dann meist eine kleine ausgebissene Stelle an Halsschildseitenrand. Bei der Verfolgung der Schabe bewegt sich die Wespe fast stets laufend und seltener fliegend vorwärts.

Stechen des Opfers

Ampulex 1. Stich
1. Stich

Ampulex 2. Stich
2. Stich

Hat die Wespe die Schabe ergriffen, sticht sie die heftig zappelnde Schabe in den Brustbereich. Die Schabe, obwohl wesentlich größer als die Wespe, hat keine Chance mehr. Ihr Kampf wird schwächer. Nun sticht Ampulex ein zweites Mal. Dieser Stich wird sorgfältig in das Hirn der Schabe plaziert. Dabei wird der membranöse Hals der Schabe langgestreckt. Die Schabe wird bewegungslos und die Wespe lässt von ihr ab.

Putzen

Ampulex betrachtet ihr Opfer noch einmal, zieht sich dann aber zurück und schenkt der Schabe vorerst keinerlei Beachtung mehr. Sie hat es während des Kampfes mit der Schabe schon weitgehend vermieden, diese mehr als nötig zu berühren. Nach der Schlacht mit dem übelriechenden Riesen beginnt sie nun damit, sich ausgiebig zu reinigen. Etwa eine halbe Stunde benötigt die Wespe für die sorgfältige Körperpflege.

Giftwirkung

Einige Minuten nach den Giftinjektionen wird die Schabe wieder aktiv. Auch sie beginnt sich zu putzen. Wird sie angestoßen, vermag sie ein Stück zu laufen, offensichtlich ohne dass sie durch den Giftstich eine Behinderung erfahren hat. Sie bleibt aber irgendwo wieder stehen, ohne das Bedürfnis, ein Versteck aufzusuchen. Sie scheint jede Antriebskraft verloren zu haben. Der Sinn des Giftstiches liegt darin, das Beutetier ruhig zu stellen und als lebende Nahrungsquelle für die sich entwickelnde Wespenlarve zu konservieren.

Suchen einer Nisthöhle

Nach dem Putzen begibt sich Ampulex auf die Suche nach einer geeigneten Nisthöhle. Hat die Wespe eine geeignete Höhle für ihr Opfer gefunden, sucht sie die Schabe auf und ergreift einen der Fühler nahe der Basis mit der Spitze ihrer kräftigen Mandibeln, zieht den Fühler bis zu dessen Mitte zwischen den Mandibeln hindurch und beißt ihn dann ab. Einen austretenden Blutstropfen (Hämolymphe) saugt die Wespe auf. Mit dem anderen Fühler verfährt die Wespe ebenso. In dem Behälter, in dem über längere Zeit die Grabwespen gehalten wurden, findet man am Boden verstreut eine Vielzahl abgebissener Fühlerenden.

Abtransport der Schabe

Ampulex Transport
Die Schabe wird zur Nisthöhle gezerrt

Nachdem sich die Wespe nochmals davon vergewissert hat, dass die ausgewählte Höhle geeignet ist, kehrt sie zur Schabe zurück, ergreift sie an der Fühlerbasis und zerrt sie, selbst rückwärts laufend, mit etlichen Starts und Stops durch das Becken in die Grabkammer. Dabei benimmt sich die Schabe nicht selten wie ein "störrischer Esel".


Eiablage

Ampulex Ei
Schabe mit Ampulex-Ei

Ist die Schabe endlich unter der Erde, bleibt die Wespe einige Minuten bei ihr und heftet ihr ein einziges zarthäutiges, gelbweißes Ei an eine der Hüftplatten der Mittelbeine.


Einmauern der Schabe

Ampulex mauert
Das Weibchen beim Einmauern der Schabe

Nach der Eiablage verlässt die Juwelwespe die Schabe und reinigt sich wieder gründlich. Dann beginnt sie, in der Nähe des Einganges nach kleinen Ästchen und Kieseln zu suchen, mit denen sie die Röhre verschließt. Dabei wird das Baumaterial möglichst eng an die Schabe gelegt, so dass diese weitgehend bewegungsunfähig bleibt. Immer wieder schafft sie mit ihren kräftigen Mandibeln neues Baumaterial herbei, welches sorgfältig zwischen das vorhandene Material eingepasst wird. Der Raum zwischen den Steinchen wird mit Sand und Erde verfüllt.


Entwicklung

Die Juwelwespe Ampulex compressa
Die Larve saugt an der Schabe

An der Stelle, an der die Wespe der Schabe das Ei angeheftet hat, ist dieses recht gut davor bewahrt, durch Beinbewegungen abgestreift zu werden. Das dickere Ende des Eies, aus dem nach drei Tagen die Larve schlüpfen wird, liegt nahe an einer membranösen Partie, die die Hüfte des Mittelbeines mit dem Brustabschnitt verbindet. Diese leicht zu durchdringende Stelle punktiert die geschlüpfte Larve und ernährt sich als Parasit von der Körperflüssigkeit des Wirtes.

Die Juwelwespe Ampulex compressa
Die Larve ist in die Schabe hineingekrochen und verpuppt sich dort

In den nächsten Tagen häutet sich die Larve viermal und wird deutlich größer. Mit der fünften Häutung bekommt die Larve kräftigere Mandibeln, mit denen sie sich eine ausreichend große Öffnung in das Innere der immer schwächer werdenden Schabe beißen kann. Die Larve gräbt sich in ihren Wirt ein und gefräßig höhlt sie die nun sterbende Schabe aus.


Ampulex Puppe
Freigelegte Puppe von Ampulex

Danach umwebt sie sich zunächst mit einem lockeren goldfarbenen Seidengespinst. Daran schließt sich der Bau eines dunkelbraunen Tönnchens mit einem Nippel an jedem Ende an. Die Larve verpuppt sich in der schützenden Hülle. Nach zwei Wochen Puppenruhe nagt die fertige Wespe die obere Kappe des Kokons kreisrund auf, nagt sich anschließend durch die pergamentene Schabenhülle und gräbt sich den Weg durch die verschlossenen Brutröhre nach außen frei.

Die Entwicklung vom Ei bis zum Ausschlüpfen der fertigen Wespe dauert unter Laborbedingungen (konstant 25°C) beim Weibchen 45, beim Männchen etwa 40 Tage.



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16. Mai 2012 | 22:57 Uhr

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