Wo einst die Ritter von Flingern herrschten
Zwischen die pulsierende Innenstadt und den ruhigen Grafenberger Wald schiebt sich der Stadtbezirk 2: die drei Stadtteile Düsseltal, Flingern-Nord und Flingern-Süd. Ein gutes Stück sehr altes Düsseldorf. Schon 1193 wird der zum Grafenberg hin gelegene Wald Flingern erwähnt. Das in früherer Zeit dünnbesiedelte, von Wald und Landwirtschaft geprägte Vorstadtgebiet entwickelte sich im Lauf seiner Geschichte zu zwei Stadtvierteln unterschiedlicher Prägung: Düsseltal, bekannter als Zooviertel, als bevorzugte Wohn- und Villengegend auf der einen; Flingern, dichtbesiedeltes Arbeiter- und Handwerkerviertel mit seinen überragenden Wahrzeichen Kraftwerk und Müllverbrennungsanlage auf der anderen Seite der Grafenberger Allee.
Diese wichtige Verkehrsader der Stadt ist nicht etwa nach den Stadtgründern, den Grafen von Berg benannt, sondern soll auf das mächtige "rittergebürtige Geschlecht Hayc von Flingern" zurückgehen. Die Ritter arbeiteten als Holz- und Markgrafen. Im ersten Jahrhundert ihres Bestehens wuchs die Stadt Düsseldorf zum großen Teil auf Grund und Boden der Flinger Ritter, deren Besitztümer bis in die Altstadt reichten. Ihr Hof lag auf dem Mühlenplatz. Kurfürst Jan Wellem war es, der die Verbindung von Flingern zum Stadtkern festigte, indem er den Flinger Steinweg, die heutige Schadowstraße, pflastern ließ. Eine wichtige Verbindungsstraße bis hinaus zu den Gerresheimer Höhen war auch schon in früherer Zeit der Hellweg durch Flingern. Flingern gehört zu den ältesten Düsseldorfer Stadtteilen. An alte Flinger Höfe erinnern heute noch traditionsreiche Gaststätten: beispielsweise der Eulerhof oder der Enger Hof (früher der Hof, der am Ende lag). Der Kürtenhof steht heute noch.
Die bekanntesten Höfe im heutigen Düsseltal, die beiden Spekkerhöfe, schenkte Jan Wellem 1707 den Zisterzienser-Mönchen, die aus Mönchenwerth vor dem Hochwasser des Rheins geflohen waren. Die "Speckermönche" (deren Warenzeichen mit Schnupftabak gefüllte "Speckermönchsdosen" waren) fühlten sich in Flingern so wohl, daß sie über dem Eingangstor ihres später Düsselthal genannten Klosters die Inschrift anbrachten: "Wir leben ohne Sorge".
Das Kloster lag an der heutigen Graf-Recke-Straße. Deren Namensgeber, Graf Adelberdt von der Recke-Volmerstein, richtete hier 1822 die Rettungsanstalt Düsseltal für Waisenkinder ein. Mitfinanziert wurde sie durch den Verkauf von an der Düssel gebrautem "echt Kölnisch Wasser". Rosenknospen und der Spruch "Für Gott und die Waisen" zierten die Etiketten der Duftwasserfläschchen aus Düsseltal.
1835, ein Jahr früher als Theodor Fliedner, so überliefert eine alte Chronik, gründete der Graf in Düsseltal die erste Diakonissenanstalt der Welt. Zeugnisse der einstigen Abtei und der Anstalt Düsselthal sind heute noch das "Hungertürmchen" und der "Himmelsgarten", Düsseldorfs ältester und kleinster Friedhof.
Auf dem Land der ehemaligen Speckerhöfe entstand in den letzten Jahren Düsseldorfs größtes Sanierungsobjekt: der Wohnpark Grafenberg - 640 Wohnungen (die aber in Düsseltal liegen). An der Vergangenheit der Gutehoffnungshütte, später Haniel & Lueg, erinnert hier auch noch der alte, unter Denkmalschutz stehende Uhrenturm an der Grafenberger Allee.
Schöner wohnen wollen auch die Flingerer, aber nicht nur in Neubauten, sondern auch in alten Häusern - und in deren Innenhöfen. Im Hinterhof-Wettbewerb der Stadt lagen sie ganz vorn. Ihr Eifer ist verständlich, denn Grün ist so knapp in Flingern, dass für Bäume Patenschaften übernommen werden.
Der bekannteste der frühen Einwohner Düsseltals war wohl Johannes de Buscho. Dessen Buscher Mühle, die ehemals mit Windflügeln betrieben worden sein soll, wird bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts erwähnt. Sie ist heute eine der wenigen erhaltenen, früher recht zahlreichen Getreidemühlen längs der Düssel. Mühle und Mahlwerk wurden in den letzten Jahren renoviert. Zusammen mit ihrer idyllischen Umgebung, einem Weiher und altem Baumbestand, ist die Buscher Mühle nun ein Stück lebendiger Heimatkunde.
Für viele Düsseldorfer ist Düsseltal heute noch das Zooviertel. Die Anregung zu einem Düsseldorfer Tierpark kam von dem bekannten Zoologen und Tierschriftsteller Alfred Brehm. Er war oft Gast des Düsseldorfer Tierschutzvereins "Fauna" der gemeinsam mit dem städtischen Hofgärtner Hillebrecht den Zoologischen Garten baute. Feierliche Eröffnung war am 31. Mai 1876.
Höhepunkt der Geschichte dieses Stadtteils war die große Gewerbe-Ausstellung im Jahre 1880. Mehr als 3 000 Firmen stellten in 100 Hallen aus. Kaiser Wilhelm zählte zu den prominentesten Besuchern.
Der Düsseldorfer Zoo versank 1943 in Schutt und Asche. Anziehungspunkt für Natur- und Tierfreunde war bis 1987 der gegenüber dem ehemaligen Zoo gelegene Luftschutzbunker, in dem das Löbbecke-Museum und Aquarium mit Sammlungen zu "Zwei Milliarden Jahre Erdgeschichte" provisorisch untergebracht waren. Beide Einrichtungen zogen im Sommer 1987 in einen Neubau am Nordpark um.
Das eigenwillige Geschlecht der Ritter von Flingern verlor bereits im 14. Jahrhundert an Bedeutung. Heute sind es vor allem zwei populäre Sportmannschaften, die im Stadtbezirk 2 - und darüber hinaus - großes Ansehen genießen: Die DEG - Düsseldorfer Eislaufgemeinschaft - lockt im Winter immer wieder Scharen von Eishockey-Fans ins Eisstadion an der Brehmstraße. Ihre Gegner fürchten nicht selten das Düsseldorfer Publikum mehr als die Mannschaft. Und im Stadion in Flingern trainiert "Fortuna" für ihre Fußball-Kämpfe.

