Schlangenhaus für Feuerwehr-Schulungen
Feuerwehr Düsseldorf nutzt Räume im Tierpark Brüggen zur Aus- und Weiterbildung von Reptilienfachleuten
48 Einsätze verzeichnete die Reptilienfachgruppe der Feuerwehr Düsseldorf im Jahr 2010. Gefragt ist dass 112-Expertenteam, wenn es darum geht, entflohene Kriechtiere wieder einzufangen oder auch, wenn ein Tierhalter von einer Schlange gebissen wurde. Als neuer Stützpunkt für die Reptilienfachleute wurde nun das Schlangenhaus im Natur- und Tierpark Brüggen am Freitag, 25. März, nach rund einem Jahr Bauzeit offiziell eröffnet.

Das Schlangenhaus im Tierpark Brüggen.
Der Initiator, Michael Harzbecker von der Feuerwehr Düsseldorf, wird dort Schulungen im Umgang mit Giftschlangen, sowohl für Fachkräfte wie Feuerwehrleute, Veterinäre, Tierpfleger als auch für Privatpersonen abhalten. Außerdem dient das Schlangenhaus zukünftig als Auffangstation für Giftschlangen, die im Kreis Viersen aufgefunden werden. Zur weiteren Vorbereitung auf Unfälle mit Schlangen in der Landeshauptstadt wird in der Universitätsklinik Düsseldorf vom Serumdepot Berlin e.V. ein Depot mit Immunserum zur Behandlung von Schlangenbissen eingerichtet.

Keine Angst vor großen Tieren: Michael Harzbecker und Sebastian Schreiber von der Feuerwehr (von rechts).
Michael Harzbecker, seit 27 Jahren ein großer Reptilienfreund, hatte bereits vor mehr als zwölf Jahren bei der Feuerwehr der Landeshauptstadt Düsseldorf den Bedarf einer Fachgruppe für Tierexoten erkannt und umgesetzt. Er betont: "Die Zahl privat gehaltener Reptilien wie zum Beispiel Schlangen nimmt zu. Gleichzeitig steigt aber auch die Zahl der Unfälle mit diesen Tieren. Immer öfter reißen Tiere aus ihren Terrarien aus - auch, weil sie schlichtweg falsch gehalten werden."
Harzbecker nahm schon oft verletzte oder erkrankte Kriechtiere mit nach Hause, wo sie aufgepäppelt werden mussten. Von daher lag es nahe, einen Partner zu finden, der solche Tiere artgerecht aufnehmen kann. Mit dem Natur- und Tierpark Brüggen konnte der Feuerwehrmann, selbst gebürtig aus Brüggen, einen verlässlichen Bündnispartner gewinnen. Auf dem Gelände des Parks ist auch ein Schulungsraum vorhanden. Dort wird Michael Harzbecker zukünftig in seiner Freizeit Seminare und Lehrgänge für Privatleute, Feuerwehrleute, Veterinäre oder Tierpfleger abhalten.

Von beeindruckender Länge: Eine der Schlangen.
Der Natur- und Tierpark Brüggen ist ein privatwirtschaftlicher Zoo. Am 1. Mai 1958 wurde die Anlage eröffnet. Seit nunmehr 32 Jahren unterhält Familie Kerren den Tierpark. Im Zoo leben 130 Tiere, wie Zwergesel, verschiedene Ponys, Hühner, Ziegen, Schafe und unterschiedliche Vogelarten, um nur einige Beispiele zu nennen. "Die neue Attraktion des Tierparks wird nun das Schlangenhaus sein", ist sich Stephan Kerren, Inhaber des Tierparks, sicher. Das Haus für die Reptilien verfügt über 80 Quadratmeter. Die Baukosten von rund 35.000 Euro, die Tiere eingeschlossen, hat die Familie Kerren aufgebracht. Das Schlangenhaus wird im Kreis Viersen als Schlangenauffangstation genutzt. Amtstierarzt Dr. Helmut Theißen vom Kreis Viersen begrüßt die Einrichtung der Auffangstation im Kreis Viersen sehr: "Durch die Auffangstation im Kreis Viersen erleichtert sich künftig unsere Arbeit, wenn wir aus Tierschutzgründen Reptilien dem Tierhalter wegnehmen müssen. Es ist gut zu wissen, dass ein Sachverständiger vor Ort zur Verfügung steht."

60 Gift- und Riesenschlangen beherbergt das Schlangenhaus. Die Besucher können dort zum Beispiel einen 4,50 Meter langen Tigerpython und einen jungen Netzpython, Kobras aus Indien und Afrika, Klapperschlangen, eine Gabunviper und europäische Vipern bestaunen. Ergänzt wird das Schlangenaufgebot von diversen Natterarten.
Parallel zur Errichtung des neuen Schlangenhauses sind die Vorbereitungen zur Einrichtung eines neuen Antivenindepots bei der Universitätsklinik Düsseldorf gelaufen. Dabei handelt es sich um ein speziell für die Behandlung von Schlangenbissen entwickeltes Immunserum. Diese Aktion hat Harzbecker über den Verein Serumdepot Berlin e.V. initiiert. Der Verein besteht seit 1982 und versorgt überwiegend Tierhalter von Giftschlangen, die im Falle eines Unfalls kostengünstig mit den benötigten Antiveninen versorgen werden müssen.
(25. März 2011)
Hintergrund: Reptiliengruppe der Feuerwehr Düsseldorf
Die Reptiliengruppe ist eine von mehreren Sondergruppen der Feuerwehr Düsseldorf. Dort engagieren sich speziell ausgebildete Feuerwehrleute, die Giftschlangen und andere Exoten einfangen. Damit werden bestehende Gefahren für Mensch und Tier entgegengewirkt. Eine anschließende Betreuung und Versorgung der oft verletzten Tiere gehört zum Selbstverständnis der Feuerwehrmänner. Der Umgang mit Giftschlangen erfordert eine besondere Ausbildung. Eine solche Ausbildung bietet die Düsseldorfer Feuerwehr ihren Einsatzkräften bereits seit zwölf Jahren an. Sie gilt damit unter den deutschen Feuerwehren als Vorbild.
Ausbilder ist der Reptilienbeauftragte Michael Harzbecker, der selber jahrelang Seminare und Lehrgänge besucht hat, um den Umgang mit Reptilien und Giftschlangen zu erlernen. Er selbst wurde von dem Sachkundefachmann Roger Aeberhard aus der Schweiz ausgebildet, der Harzbecker auch seine Zustimmung zur Übernahme des Schulungskonzeptes erteilte. Michael Harzbecker ist 39 Jahre alt, verheiratet und hat eine elfjährige Tochter. Die Hobbys des Brüggeners sind neben den Reptilien Karate, Motorradfahren, Natur- und Artenschutz. Er ist seit 1992 bei der Feuerwehr Düsseldorf und versieht seinen Dienst als Disponent auf der Leitstelle.

