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Ausstellungen

Taxile Doat – Meister des »Grand Feu«
Die Sammlung Gerda Vedder

27. Februar bis 21. September 2014

Teller mit Athena-Kopf, Porzellean/Steinzeug mit Pâte-sur-Pâte-Malerei, Manufaktur Sèvres, um 1905
Teller mit Athena-Kopf
Porzellean/Steinzeug mit Pâte-sur-Pâte-Malerei
Manufaktur Sèvres, um 1905
Foto: Horst Kolberg

Taxile Doats (1851–1938) Talent der technischen wie künstlerischen Gestaltung von Porzellan und Steinzeug ist heute vor allem Kennern des Jugendstils und des Art Déco bekannt. Doat gehörte als einer der ersten Studiokeramiker überhaupt zu den einflussreichsten Keramikkünstlern seiner Zeit. Seine Rezepturen und Techniken des »Décor flambé«, der Kristall- und Lüsterglasuren sowie die ungewöhnliche Zusammenfügung von Porzellan und Steinzeug dokumentierte er für die Nachwelt in der Publikation »Les Céramiques de Grand Feu« im Jahr 1905.

Der in Albi (Midi-Pyrénées) geboren junge Doat entdeckte während seiner Anstellung im Amt für Post- und Telekommunikation in Limoges, der für Herstellung und Handel mit Porzellan und Emaille bekannten Stadt, seine Vorliebe für das Töpfern. Er nahm zunächst vor Ort Unterricht und wechselte dann zum Studium an die École des Beaux-Arts in Paris. 1877 wurde er von der Porzellanmanufaktur Sèvres als Künstler verpflichtet. Als ihm die Manufakturleitung ab 1895 die Eröffnung eines freien Ateliers mit einem eigenen Brennofen in der Rue de Brancas Nr. 47 in Sèvres gewährte, experimentierte er fortan auch mit Glasurtechniken aus Japan und China.

Seit der politischen Öffnung Japans in den 1870er Jahren wuchs das Interesse an den wirtschaftlichen wie kulturellen Besonderheiten des Landes. Dies wirkte sich künstlerisch aus – der Stil des Japonismus war geboren und floss überdeutlich auch in die Arbeiten Taxile Doats ein. Als Grundtyp seiner Gefäßformen wählte er vor allem Kürbisformen nach ostasiatischen Vorbildern, wie beispielsweise die Kalebasse oder die Koloquinte (»Teufelsapfel«). Seine Experimente zur Kombination von hoch gebranntem Porzellan mit Steinzeug unter Verwendung von charakteristischen kleinen Medaillons in der Technik des »pâte sur pâte« (dt.: »Schicht für Schicht«) stießen bei seinen Zeitgenossen auf großen Beifall. Auch in der internationalen Schmuckszene genossen seine kleinformatigen Gefäße, die miniaturartig aufgesetzte Dekormotive mit Darstellungen aus Antike und Renaissance im transparent anmutenden Kameen-Stil tragen, hohe Anerkennung.

Flaschenvase mit Medaillons und tanzenden Putti, 1903
Flaschenvase mit Medaillons und tanzenden Putti
Porzellan mit Pâte-sur-Pâte-Dekoration
Manufaktur Sèvres, 1903
Foto: Horst Kolberg

Als der Glaskünstler und Unternehmer Louis C. Tiffany nach seinem Besuch der Weltausstellung von 1900 dem Sammler und international tätigen Kunsthändler Samuel Bing von den neuen keramischen Entdeckungen in Paris berichtete, beschlossen beide, ausgewählte Werke von Pierre-Adrien Dalpayrat, Ernst Chaplet, Auguste Delaherche, Jean Carriès, Taxile Doat und anderen Künstlern in Tiffany?s Galerie in Manhattan zu zeigen. Unter den »Sang de boeuf«-Gefäßen und den matt glasierten Steinzeugen seiner Künstlerkollegen stachen die Exponate mit den feinen »pâte sur pâte«-Ornamenten Taxile Doats derart positiv hervor, dass er die Aufmerksamkeit des Verlegers und Kunstmäzens Edward Gardner Lewis (1869–1950) gewann. Lewis schätzte besonders das pädagogische Talent Doats und den offenen Umgang mit seinem Wissen, da viele Künstler ihre Rezepturen als »Arkanum« verheimlichten.

Er berief Taxile Doat 1909 zum Direktor der Keramikabteilung an die von ihm drei Jahre zuvor gegründete Kunstakademie von St. Louis (Missouri). Ziel des Verlegers war es, die künstlerische Kreativität, vor allem auch die von Frauen, unter Anleitung von Künstlern zu fördern. Doch schon sechs Jahre später musste Lewis Zahlungsunfähigkeit anmelden und das ambitionierte Unternehmen stoppen. Taxile Doat kehrte nach Frankreich zurück und führte hier seine Karriere fort.

Das raffiniert wie elegant gestaltete Kunsthandwerk der Jugendstilzeit gehört zu den besonderen Vorlieben der Sammlerin Gerda Vedder. In idealer Ergänzung zu Ihrem Mann Hugo Vedder, der Glasuren wie Gefäßformen Ostasiens bewunderte, und der bekannten Möbelkunst der Firma Vedder in Lüdinghausen, fand Gerda Vedder in den Werken Taxile Doats die ideale Symbiose der sie inspirierenden Umgebung. Die Taxile-Doat-Sammlung von Gerda Vedder wird erstmals öffentlich im Hetjens-Museum präsentiert.


Eröffnung: Mittwoch, 26. Februar 2014, 18 Uhr


Bitte beachten Sie auch das Veranstaltungsprogramm zu dieser Studioausstellung.




Resonanz
Institut für Künstlerische Keramik und Glas der Hochschule Koblenz

16. Oktober 2014 bis 22. Februar 2015

Alaa Aldin Nabhan, 'Zerstörung', 2014
Alaa Aldin Nabhan
»Zerstörung«, 2014
Foto: Helge Articus

Am Institut für Künstlerische Keramik und Glas des Hochschulstandorts Höhr-Grenzhausen werden die Werkstoffe Keramik und Glas als künstlerische Ausdrucksmittel im Kontext des zeitgenössischen Kunstdiskurses gelehrt. Jüngst entstandene keramische Arbeiten von Studierenden sind ab dem 16. August 2014 im Hetjens-Museum zu sehen.

Die Exponate der Ausstellung Resonanz treten in den Dialog mit der Sammlung des Hetjens-Museums. Sie verstehen sich als eine Intervention, die Fragen aufwirft: Woher kommt Kunst und worauf bezieht sie sich? Zugleich stellt die Präsentation eine Standortbestimmung des Instituts dar. Schwerpunkt ist das Material Keramik, dessen Grenzen ausgelotet und überschritten werden. Plastik, Installation, Video und Performance sind die Ausdrucksformen der künstlerischen Auseinandersetzung. Die konzeptionelle Idee, die hinter den Arbeiten steht, hatte ganz wesentlich Einfluss auf die Auswahl der Materialien und die Art der Gestaltung.

Unter dem Titel »Manchmal ist das Leben halt auch lustig« möchte Lisa Grütjens mit ihren leuchtend farbig glasierten Köpfen ein dezidiertes Zeichen für Humor in der Kunst setzen. Anne Köck spielt mit dem Voyeurismus des Publikums und gewährt nur einen kleinen Blick auf ihre, in einem Kubus installierte Arbeit. Grafischen Mittel bevorzugt Martin Randolf Hill für seine wandfüllende Papierarbeit in Kombination mit Tonplastiken. Und wenn Keramikgefäße in traditionellen Formen von Alaa Aldin Nabhan zu Bruch gehen, so bekommt seine Installation durch ihren Bezug auf die Zerstörungen in dem vom Krieg gezeichneten Syrien eine politische Dimension. Darüber hinaus gibt es Objekte von weitgehender Abstraktion, solche mit besonderen haptischen Qualitäten und andere von großer Doppeldeutigkeit. Glas und Schieferstein werden mit Ton kombiniert; Videos dokumentieren das performative Herangehen an das Material Ton.

Das Kunstinstitut hat in den 27 Jahren seit seiner Gründung international eine hervorragende Reputation erlangt. Es kooperiert weltweit mit renommierten Partneruniversitäten und international anerkannte Künstler dozieren jährlich als Gastprofessoren. Derzeit sind Studierende aus zehn unterschiedlichen Ländern am Institut und verleihen der Hochschuleinrichtung einen Status nicht nur als überregionale, sondern auch als internationale Ausbildungsstätte.


Eröffnung: Mittwoch, 15. Oktober 2014, 18 Uhr






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16. Sept. 2014 | 02:52 Uhr

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