Fayence Deutschland

Truthahnterrine
Fayence
Modell: Georg Friedrich Becker
Staffierung: Johannes Zeschinger
Höchst, um 1750
Die älteste deutsche Fayencemanufaktur wurde 1661 in Hanau gegründet und kurz darauf folgte 1666 Frankfurt am Main. Bei beiden Gründungen konnten die Kenntnisse niederländischer Fachleute genutzt werden. Wie bei weiteren Manufakturgründungen im gesamten deutschen Raum, waren die Erzeugnisse deutlich durch niederländische Einflüsse - sowohl in Farbgebung als auch in den Formen - gekennzeichnet. Die Chinoiserien, für die ganz Europa eine Vorliebe hatte, sind ebenfalls durch die Niederländer und ihre Handelsbeziehungen mit Ostasien nach Deutschland gelangt und nahmen bei der Gestaltung der Fayencen einen breiten Raum ein.
Während bei der Hanauer Manufaktur festgefügte Blumensträuße das Bild prägen, zeigen die Frankfurter Arbeiten Wappen oder ganze Bildfelder in Blaumalerei oder mehrfarbig in Manganviolett, Gelb und Grün. Die bedeutenden süddeutschen Manufakturen entstanden in der Zeit zwischen 1710 und 1720 in Ansbach, Bayreuth und Crailsheim, den so genannten ABC-Manufakturen. Jede Manufaktur ist durch eigene Stilmerkmale gekenn-zeichnet. Während bei der Ansbacher Manufaktur die Grüne Familie hervorzuheben ist - eine Orientierung am gleichnamigen chinesischen Porzellandekor - besticht Bayreuth durch feine Blaumalerei. Die Crailsheimer Fayencen weisen in der so genannten Gelben Familie eine spezielle Art Blumenmalerei auf.
Eine der kleinsten und kurzlebigsten deutschen Manufakturen ist Künersberg, die nur von 1745 bis 1760 bestand. Die dort geschaffenen Fayencen zählen allerdings zu den schönsten des 18. Jahrhunderts. Auffallend sind die eleganten Formen und die ausgezeichnete, oft porzellanartig glatt wirkende, weiße Glasur. Um die weiße Fläche zur Geltung zu bringen, ist die Bemalung in der Regel recht sparsam. Bevorzugt werden deutsche Blumen, seltener ostasiatische. Eine Eigenart, die die Fayence wie Porzellan erscheinen lässt, besteht in Dekoren mit Chinoiserien und sehr feiner Goldmalerei.

Teller mit allegorischer Wachstums-Symbolik
Schwarzlotbemalung
Hausmaler: Johann Ludwig Faber
Fayence
Nürnberg, um 1680


