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Europäisches Porzellan

Der chinesische Kaiser
Der chinesische Kaiser
Porzellan, Höchst um 1765
Entwurf: Johann Peter Melchior (um 1747 in Lintorf bei Düsseldorf - 1825 Nymphenburg)
Dies ist die einzig bekannte Ausformung ohne begleitendes Laubenwerk

Das 17. und 18. Jahrhundert ist die Zeit, in der zum ersten Mal die große Faszination des chinesischen Porzellans die europäischen Fürstenhöfe erfasste. Das ferne Asien wusste bereits seit rund 1000 Jahren um die Kunst der Porzellanherstellung. Es ist ein Prestigeobjekt, bei deren Erwerb die europäischen Könige untereinander wetteiferten. August der Starke, gleichzeitig Kurfürst von Sachsen und König von Polen, war nicht nur Sammler der begehrten Ware, sondern wollte seine Leidenschaft mit der Nacherfindung von Porzellan krönen. In seinen Diensten standen der Naturwissenschaftler Walter Ehrenfried von Tschirnhaus und der Alchimist Johann Friedrich Böttger. Zuerst entwickelten sie das so genannte Böttgersteinzeug, eine Vorstufe zum Hartporzellan. Bald gelang es, die Zusätze Kaolin und Feldspat im richtigen Mischungsverhältnis miteinander zu verbinden. Damit war das erste europäische Hartporzellan entwickelt, das seit 1710 in Meissen hergestellt wird. Eine weitere Schwierigkeit, die es zu meistern galt, war es, die richtigen Farben zu finden und ihr Verhalten unter hohen Temperaturen zu testen. Ab 1720 wurden eigene Maler in der Manufaktur verpflichtet, die eigene - zuerst chinesisch anmutende - Dekore entwarfen und ausführten.
Für die Entwicklung der Porzellanmalerei wurde Johann Gregorius Höroldt von großer Bedeutung, der, aus Wien kommend, sehr bald in Meissen einen Farbenkatalog von äußerster Strahlkraft und Hitzebeständigkeit erstellte.

 

Liebespaar Anette und Lubin
Liebespaar Anette und Lubin
Biscuitporzellan
Entwurf des Bildhauers Etienne Maurice Falconet 1764
Frankreich, Sèvres, 1770/80

Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen verbreitete sich das Geheimnis der Porzellanherstellung, das Arkanum, schnell über ganz Europa. Zwei entlaufene Mitarbeiter aus der Manufaktur in Sachsen unterstützten Claude Innocent du Paquier 1718 bei der Gründung einer eigenen Manufaktur in Wien.
Bereits 1670 war man in Frankreich in der Manufaktur von St. Cloud imstande Weichporzellan herzustellen. Die Kenntnis breitete sich bald in ganz Frankreich aus. 1745 gelang der neu gegründeten Manufaktur von Vincennes die Erfindung einer weichen Masse, die zur Porzellanherstellung geeignet war. Bald darauf wurde diese Manufaktur nach Sèvres verlegt, wo ihr Ludwig XV. 1752 den Titel Königliche Porzellanmanufaktur verlieh. Durch die Entdeckung von Kaolinvorkommen bei Limoges 1768/69 wurde auch in Sèvres die Herstellung von Hartporzellan möglich.
1761 entstand in Berlin eine weitere Manufaktur unter Königlicher Obhut. Als letzte dieser königlichen Gründungen nahm Kopenhagen unter Königin Juliane Marie 1775 ihre Produktion auf.
Während Meissen als erste Manufaktur in Europa bis etwa 1760 als ästhetisches und technisches Vorbild das Gesicht im Stil des Louis Quinze prägte, wurde mit dem Louis Seize in Frankreich die Manufaktur Sèvres richtungsweisend.
Diesem Frühklassizismus schlossen sich Wien, Berlin und zuletzt auch Kopenhagen an. Nach der industriellen Revolution etablierte sich in Europa eine Vielzahl von größeren und kleineren Porzellanfabriken.



 Prunkterrine
Prunkterrine

Unterschale
Unterschale
Bemalung in der Art von Christian Friedrich Herold
Formermarke von Andreas Schiefer
Porzellan, Meissen 1739
Geschenk Irmel und Udo van Meeteren, 1996

Prunkterrine, Detail
Prunkterrine mit Unterschale
Detail

Augustus-Rex-Vase
Augustus-Rex-Vase
mit Holzschnittblumen
Porzellan, Meissen um 1740
Trägt die Signatur AR
eine Auftragsarbeit für den sächsischen Hof

Bildteller
Bildteller
Die verlassene Ariadne
Porzellan nach Angelika Kauffmann
Wien 1821

Paar Kratervasen
Paar Kratervasen
mit Blumenmalerei und Vergoldung
Porzellan, Kgl.
Porzellanmanufaktur Berlin, um 1830

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17. März 2010 | 00:09 Uhr

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