Die Sozialräumliche Gliederung
-Auszug-
Fünf Fragen zur Sozialräumlichen Gliederung
Wozu dient eine sozialräumliche Gliederung?
Selbstverständlich nehmen die meisten Menschen Unterschiede in der baulichen und sozialen Organisation ihrer Umwelt wahr. Sowohl eigene Erfahrungen als auch vermitteltes Wissen werden genutzt, die Stadt in der man lebt, in überschaubare Einheiten aufzuteilen. Die Rede ist dann häufig von "der Stadt", dem "Gurkenland", der "Paulsmühle". Den verschiedenen Quartieren werden Eigenschaften und Qualitäten zugeschrieben. Quartiere gelten als bevorzugt oder belastet, gemütlich oder provinziell. Einzelne Adressen werden als "mondän" oder aber auch als "stigmatisierend" empfunden.
Eine solche gedankliche Strukturierung des Stadtgebietes wird in der Regel kaum von den politischen Grenzen der Stadtteile und Stadtbezirke beeinflußt. Sie orientiert sich vielmehr an der konkreten sozialen Wirklichkeit einer Stadt. Hier drückt sich das Bewusstsein der Einwohner der Stadt über soziale Unterschiede aus und verdeutlicht sie.
Geht man davon aus, dass die Entwicklungs- und Entfaltungschancen der Einwohner in den verschiedenen Arealen einer Großstadt unterschiedlich sind, und strebt man ferner an, diese unterschiedlichen Lebensbedingungen bei Planungsvorhaben der Stadt zu berücksichtigen, besteht eine erste Aufgabe jeder Analyse darin, diese Strukturen zu erfassen.
Diese Aufgabe wird von der sozialräumlichen Gliederung der Stadt Düsseldorf erfüllt. Die sozialräumliche Gliederung ermöglicht es, Sozialräume in nahezu allen Bereichen als Planungsgröße zu nutzen und sie für fachliche und politische Diskussionen und Konzeptentwürfe heranzuziehen.
Wie wurden die sozialräumlichen Strukturen erfasst?
Die sozialräumliche Gliederung wurde erstmalig in Zusammenarbeit mit dem Bezirkssozialdienst des Jugendamtes von Juni 1996 bis Mai 1997 erarbeitet.
Aufgrund der stadtteilorientierten, dezentral organisierten Arbeit des Sozialdienstes und seines breiten Aufgabenspektrums im Bereich der Jugend-, Sozial- und Gesundheitshilfe sind Bezirkssozialarbeiter und Bezirkssozialarbeiterinnen in Düsseldorf in besonderer Weise geeignet, diese Aufgabe zu bewältigen.
Sie reflektieren ihre Arbeit u.a. in Bezirkskoordinierungskreisen, Stadtbezirkskonferenzen und durch vielfältige Kontakten zu anderen Trägern, Institutionen und Vereinen. In ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen kennen
sie die Strukturen der unterschiedlichen Wohnumfelder genau und verfügen zudem über
eine Vielzahl von Einzelinformationen und Eindrücken über Beziehungen, Vorstellungen und Bedürfnisse der dort lebenden Menschen. In jeweils drei moderierten Arbeitssitzungen wurden daher die zehn Düsseldorfer Stadtbezirke durch den jeweils zuständigen Bezirkssozialdienst in Gebiete unterschiedlicher Größe aufgeteilt.
Es entstand so zunächst eine Gliederung des Stadtgebietes in 156 Bereiche, die Düsseldorfer Sozialräume.
Die beteiligten Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen nutzten neben vorhandenen
Kenntnissen über die sozioökonomische Situation und die Wohnsituation der Bevölkerung, auch ihr Wissen über die Entstehungsgeschichte von Siedlungen, das Zugehörigkeitsgefühl und die Gewohnheiten der Bevölkerung.
Die Grenzen der Sozialräume wurden zunächst ermittelt und in großformatige Karten übertragen. In einem zweiten Arbeitsschritt wurden die Sozialräume anhand eines einheitlichen Schemas beschrieben und mit einer kurzen Gebietskennzeichnung versehen. Diese qualitativen Beschreibungen lieferten so auch eine Begründung für die erfolgte Gliederung und ermöglichten eine erste Plausibilitätsprüfung. Einzig die subjektiven Eindrücke der Bezirkssozialarbeiter und Bezirkssozialarbeiterinnen über sozialräumliche Strukturen waren also entscheidend für das Arbeitsergebnis.
Wird die Sozialräumliche Gliederung regelmäßig fortgeschrieben?
Die sozialräumliche Gliederung des Stadtgebietes bietet eine Momentaufnahme der kleinräumigen Strukturen in Düsseldorf.
Veränderungen der Bevölkerungs- und Bebauungsstrukturen durch Sanierungen, Abriß
oder Neubausiedlungen müssen berücksichtigt werden.
Zweimal 2001 und aktuell 2005 wurde die Gliederung überprüft und fortgeschrieben.
Eingeflossen in diese Fortschreibung sind selbstverständlich auch in den letzten Jahren neu gewonnene Erfahrungen über sozialräumliche Strukturen in Düsseldorf.
Die Strukturierung des Stadtgebietes erfolgt nun in 165 Sozialräume.
Wie können vorhandene Datenbestände sozialräumlich ausgewertet werden?
Die sozialräumliche Gliederung der Stadt Düsseldorf wird als wesentliche Grundlage zur inhaltlichen und organisatorischen Ausgestaltung von Planungsvorhaben der Jugend-, Sozial- und Gesundheitshilfe genutzt.
Dies ist möglich, da es gelang, die neue sozialräumliche Gliederung mit der städtischen Gebietsgliederungsdatei des Amtes für Statistik und Wahlen zu verknüpfen. Umfangreiche Datenbestände konnten so auch für die neuen Sozialräume ausgewiesen werden.
Bei diesen Datenbeständen handelt es sich vor allem um die im Amt für Statistik und Wahlen vorgehaltenen und gepflegten Daten.
Eine Auswahl von Merkmalen aus diesen Dateien wurde in einer Datenbank zusammengefasst und wird jährlich vom Amt für Statistik und Wahlen fortgeschrieben.
Um die Auswertung der Daten überhaupt erst möglich zu machen, wurde jeder in der
Gebietsgliederungsdatei geführten Baublockseite die Kennziffer eines Sozialraums zugeordnet. In der Regel handelt es sich bei einer Baublockseite um einen Straßenseitenabschnitt zwischen zwei Straßeneinmündungen. Insgesamt mußten über 10000 Baublockseiten jeweils einem Sozialraum zugeordnet werden.
Die Darstellungsmöglichkeiten, die sich durch diese Verknüpfung ergeben, lassen sich anhand eines einfachen Beispiels aus dem Düsseldorfer Stadtbezirk 2 verdeutlichen: Am 31.12.2004 lebten in Düsseldorf 11,7 % der minderjährigen Personen von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt.
Betrachtet man ausschließlich den Stadtteil Düsseltal im Stadtbezirk 2, so liegt hier mit 9,1% im gesamtstädtischen Vergleich eine unterdurchschnittliche Quote vor.
Weist man nun jedoch die Sozialhilfequote der minderjährigen Personen unterhalb der Ebene "Stadtteil", nach einzelnen Sozialräumen aus, treten deutlichere Unterschiede zutage.
Im gut situierten "Gesicht" des Stadtteils Düsseltal, dem Zooviertel (Sozialraum 207), leben nur 5,5 % der Minderjährigen im Sozialhilfebezug. Im Wohngebiet Vautierstraße (Sozialraum 201) sind es dagegen 16 %.
Welche Wirkungen hat eine solche Sozialstrukturanalyse für die Planungen des Jugendamtes konkret?
Die sozialräumliche Gliederung legt unterhalb der Ebene der Stadtteile eine überschaubare Anzahl von Planungsräumen fest, die sich an der konkreten sozialen Wirklichkeit der Stadt orientiert. Die Gliederung ermöglicht somit eine kleinräumige Datenerhebung für homogene Gebiete.
Durch die Ergänzung der Düsseldorfer Gebietsgliederungsdatei um die Information
"Sozialraum" wird ein umfangreicher Datenbestand kleinräumig verfügbar.
Die Datenbestände, die inzwischen genutzt werden können zeigt die folgende Übersicht:
Sozialräumlich auswertbare Dateien:
- Sozialhilfedatei
- Einwohnerdatei
- Schülerdatei
- Gebäudedatei
- Daten zur Arbeitslosigkeit und Beschäftigung
- Daten zu den Hilfen zur Erziehung
- Daten zur Jugendgerichtshilfe und Straftaten strafunmündiger Kinder
- Daten zu Gewaltdelikten gegen Kinder
- Daten des Bezirkssozialdienstes
- Daten der Schuleingangsuntersuchung
Die sozialräumliche Gliederung unterstützt den kleinräumigen Vergleich unterschiedlicher Datenbestände, seien es Sozialstrukturdaten, Interventionsdaten oder qualitative Kenntnisse. Dies ermöglicht eine detaillierte Einschätzung der
Lebenslage der Bewohner in den verschiedenen Wohngebieten der Stadt.
Nicht nur die Planung und Umsetzung, sondern vor allem auch die Evaluation gezielter
Sozialinterventionen in den einzelnen Sozialräumen wird erheblich verbessert.
Es wird auch möglich, den unterschiedlichen Versorgungsgrad verschiedener Regionen zu verdeutlichen, insbesondere Erreichbarkeit, Umfang und Qualität der sozialen Infrastruktur. Mit Hilfe einer Clusteranalyse ausgewählter Sozialdaten, war es in Düsseldorf zudem möglich, den Grad der sozialen Belastung der verschiedenen Sozialräume zu veranschaulichen und für Budgetierungsmodelle erfolgreich einzusetzen.
Je nach Planungsvorhaben können aus einzelnen, ähnlich strukturierten Sozialräumen größere Einheiten zusammengestellt werden oder Verknüpfungen zur bestehenden Stadtbezirksgliederung erfolgen.
Die Datenanalysen auf der Basis der Sozialräumlichen Gliederung wurden u.a. bereits für folgende Anwendungen genutzt:
- Armutsberichte der Stadt Düsseldorf
- Gesamtbericht über die Lage der Familien in Düsseldorf
- Wohnungsmarktanalyse
- Jugendhilfeplanung für den Bereich Hilfe zur Erziehung
- Budgetierung im Bereich HzE (Einführung eines Sozialindikators)
- Stellenverteilung des Bezirkssozialdienstes
- Anträge auf Landesförderung u.a. für das Programm "Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf"
- Auswahl sozialer Einrichtungen nach Standorten in sozial belasteten Gebieten (z.B. Sprachförderung und Schulsozialarbeit)
Die zusammengeführten Informationen können im Bereich der Jugendhilfe Fachleuten aus Verbänden und Initiativen zur Verfügung gestellt werden. Die Einigung auf nachvollziehbare Grenzen sozialräumlicher Zusammenhänge erleichtert Diskussionen, Absprachen und Zusammenarbeit in den verschiedenen Arbeitsfeldern der Jugendhilfe.
Die Kenntnisse der Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen des Jugendamtes über
sozialräumliche Strukturen fanden zudem Beachtung in anderen Ämtern und
Arbeitsbereichen auch außerhalb der Stadtverwaltung.
Die Sozialräumliche Gliederung wurde inzwischen nachgefragt von Dienststellen der
Schulverwaltung, des Amtes für soziale Sicherung und Integration, des Gesundheitsamtes, des Planungsamtes, des Wohnungsamtes, der Polizei, von Schulen, Universitäten und Fachhochschulen.
Zunehmend mehr Bereiche strukturieren ihre Daten nach sozialräumlichen Gesichtspunkten und erweitern die Anwendungsmöglichkeiten für alle Nutzer.
Durch die Nutzung der Gliederung ergaben sich bis heute so vielfältige neue Formen und Strukturen der Zusammenarbeit.
Wegweiser durch die Sozialräumliche Gliederung
Der folgende Text bietet zunächst eine Darstellung der, im Stadtgebiet der Landeshauptstadt Düsseldorf identifizierten Sozialräume, geordnet nach Stadtbezirken.
Stadtteilgrenzen werden von den Sozialräumen nur als Trennung akzeptiert, soweit es sich gleichzeitig um Stadtbezirksgrenzen handelt.
Jeder Sozialraum erhielt eine Kennziffer, die aus der Nummer des Stadtbezirkes und einer laufenden Nummerierung zusammengesetzt wurde. Ferner wurde jeder Sozialraum mit einem Arbeitsnamen versehen.
Beispiel Stadtbezirk 1:
Sozialraum 01 "Bahnhofsgegend" [Nummer des Stadtbezirks] 01 [lfd. Nummer]
Die Sozialräume erhielten des weiteren jeweils eine kurze Gebietskennzeichnung und wurden nach folgenden Strukturmerkmalen (diese Strukturierung orientiert sich an einem Vorschlag des Deutschen Instituts für Urbanistik, 1978 CI, S) beschrieben:
b) Wohnsituation/Bebauungsstruktur
c) Familienstrukturen
d) Bildungssituation der Bevölkerung
e) Besonderheiten
Das Jugendamt hält ein Straßenverzeichnis vor, in dem jede Baublockseite der Düsseldorfer Gebietsgliederungsdatei mit einer Sozialraumangabe verknüpft wird.
So ist es möglich, jeder Adresse den richtigen Sozialraum zuzuordnen.
In dieser Veröffentlichung werden lediglich wichtige Straßen aufgeführt, die die Lage des Sozialraums im Stadtgebiet kennzeichnen helfen.
Für Fragen und weitergehende Informationen
Telefon 0211.89-96032


