Stadtentwässerungsbetrieb - Prüfung
Die Dichtheitsprüfungen
Ab einem gewissen Alter der Leitungen muss aufgrund der damals verwendeten Dichtungsmaterialien davon ausgegangen werden, dass diese nicht mehr dicht sind. Bei unterkellerten Gebäuden die vor 1965 errichtet wurden, ist es eventuell sinnvoll auf aufwendige Untersuchungen der Grundleitungen zu verzichten und abzuklären inwieweit sich die alten Leitungen unter der Bodenplatte stilllegen lassen. Es bietet sich an, neue Abwasserleitungen unter der Kellerdecke oder an die Kellerwand zu verlegen und aus dem Gebäude zu leiten. Dies hat den Vorteil, dass diese Leitungen nie mehr auf Dichtheit geprüft werden müssen, da sie im Kellerraum einer ständigen Sichtkontrolle unterliegen.
Wie muss untersucht werden?
Aufgrund der sehr komplexen Materie, der unterschiedlichen Prüfverfahren und der Vielzahl von technischen Regelwerken, kann nur der Sachkundige vor Ort objektbezogen entscheiden, welches das technisch beste Prüfverfahren ist.
Die Prüfung sowie die Bewertung des Prüfergebnisses erfolgt durch den Sachkundigen.
Zur Vorbereitung der Prüfung ist es hilfreich, wenn der Leitungsverlauf im Vorfeld soweit als möglich bekannt ist. Sollten keine Pläne aus denen der Leitungsverlauf hervorgeht, vorhanden sein, bietet das Bauaufsichtsamt die Möglichkeit im Bauaktenarchiv in die Bauakte des Gebäudes Einsicht zu nehmen.
Für eine freie Zugänglichkeit der Revisionsöffnungen, -schächte und Bodeneinläufe im Haus beziehungsweise auf dem Grundstück ist durch den Eigentümer zu sorgen.
Im Rahmen der Dichtheitsprüfung kommen drei unterschiedliche Verfahren zur Anwendung.
Die optische Inspektion
Unmittelbar vor einer optischen Inspektion ist in der Regel eine Reinigung der Leitungen erforderlich. Dies geschieht durch den Einsatz von Hochdruckspüldüsen, die entweder über Revisionsschächte oder -klappen eingeführt werden und die Rohre reinigen.

Nach der Reinigung der Leitungen erfolgt die optische Inspektion mittels einer Kanal-TV-Kamera. Dafür gibt es auf dem Markt unterschiedliche Modelle, von der einfachen Schiebekamera, Fahrwagenkamera bis hin zur Satellitenkamera, die mit Hilfe von Kreis-/ Schwenkköpfen Farbaufnahmen der Leitungen herstellt. Somit lässt sich der bauliche Zustand der Leitungen feststellen und dokumentieren.
Die Schadensauswertung lässt Rückschlüsse auf die Dichtheit des Kanals zu. Aufgrund von vielen Verzweigungen oder starken Krümmungen im Leitungssystem kann es vorkommen, dass nicht alle Bereiche mittels TV-Kamera erfasst werden können. In diesem Fall ist ein anderes Prüfverfahren zu wählen. Werden bei der optischen Inspektion Schäden festgestellt, sollte von weiteren kostenintensiven Prüfverfahren abgesehen und stattdessen mit der Sanierungsplanung begonnen werden.
Die Prüfung mit Wasser (einfacher Betriebsdruck)

Bei der Dichtheitsprüfung mit einfachem Betriebsdruck (Wasserfüllstandsprüfung) müssen zuerst an geeigneten Stellen die Leitungen mittels Absperrvorrichtungen geschlossen werden.
Nach Füllung des Leitungsnetzes bis zur Oberkante des tiefsten Entwässerungs- gegenstandes, zum Beispiel einem Bodenablauf oder bis zur Unterkante der Reinigungsöffnung, muss der Wasserstand für einen bestimmten Zeitraum gehalten werden. Der eventuell auftretende Wasserverlust, nötige Menge an Wasserzugabe ist zu messen und zu dokumentieren.
Die Prüfung gilt als bestanden, wenn in einem bestimmten Zeitraum die gemessene Verlustmenge die zulässige Menge nicht überschreitet.
Die Prüfung mit Wasserdruck (0,5 bar), Luftüberdruck und Luftunterdruck
Für erdverlegte Leitungen kann die Dichtheitsprüfung mittels Wasserdruck, Luftüberdruck und Luftunterdruck erfolgen. Wie vor beschrieben muss auch hier zuerst an geeigneten Stellen die Leitung mittels Absperrvorrichtungen geschlossen werden. Je nach angewandten Prüfverfahren gilt es unterschiedliche Anforderungen sowie Prüfparameter zu berücksichtigen.
Die Prüfung gilt auch hier als Bestanden, wenn bei der Prüfung mit Wasser der Wasserverlust und bei Prüfung mit Luft der Druckverlust innerhalb der geforderten Grenzen liegt.
Schäden
Mit der Zeit können bei Abwasserleitungen Schäden der unterschiedlichsten Art auftreten. Diese beruhen manchmal schon auf Baufehlern während der Herstellung. Durch Materialermüdung beziehungsweise Verschleiß oder durch äußere Einflüsse können ebenfalls Schäden entstehen. Übliche Schadensbilder sind Risse jeglicher Art, Lageabweichungen, Scherbenbildungen, Ablagerungen, Wurzeleinwüchse und insbesondere Muffenversätze an den Rohrverbindungen.

Hier sehen sie Bilder von Schäden: Links - Wurzelschaden; Rechts - Muffenschaden

Hier sehen sie Bilder von Schäden: Links - Scherbenbildungen; Rechts - Einsturz


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