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Stadterneuerung durch Umnutzung

Aktuelle Umstrukturierungsgebiete in Düsseldorf

Düsseldorf hat sich sich in den letzten vierzig Jahren von einer Industriestadt zur Handels-, Dienstleistungs-, Medien- und Kommunikationsstadt gewandelt. Die Düsseldorfer Stadtentwicklung wurde in diesem Zeitraum von dem Prozess des Strukturwandels bestimmt: Firmen - hauptsächlich der Eisen verarbeitenden Industrie - gaben ihre Produktionsstandorte auf und setzten Flächen frei, zusätzlich gab die Bundesbahn Flächen ab und der Hafen reduzierte seine traditionell hafengebundene Nutzung.

Aufgrund der nur noch begrenzt verfügbaren Flächenressourcen konzentrieren sich die vielfältigen Aktivitäten der Düsseldorfer Stadtplanung auf die Entwicklung mehrerer Umstrukturierungsgebiete. Diese freigesetzten Flächen wurden und werden in der Regel vom Stadtplanungsamt über städtebauliche Rahmenpläne, städtebauliche Wettbewerbe und Bebauungspläne überplant und in der Folge über den Markt realisiert. Die Überplanung der Umstrukturierungsgebiete vollzieht sich zur Vermeidung einseitig genutzter Stadtbereiche mit dem Ziel einer gemischten Nutzung. Sie trägt daher wesentlich zur Innenentwicklung im Sinne der Lokalen Agenda 21 bei.

Diagramme zu den Umstrukturierungsflächen in Düsseldorf
Gliederung der Umstrukturierungsgebiete

Gegenwärtig befinden sich 30 Gebiete mit rund 431 ha in der Umwandlung. Von 30 Gebieten entstammen 18 (55%) mit 244 ha (58,4%) aus dem Strukturwandel von Gewerbe- und Industrie. Manche dieser Gebiete befinden sich schon seit über 10 Jahren in der Umwandlung. Die durchschnittliche Dauer der nicht abgeschlossenen Umwandlungen sämtlicher Umstrukturierungsgebiete von dem Wettbewerbsergebnis bis zum heutigen Stand liegt bei 5,8 Jahren. Hier wird deutlich, dass Umstrukturierungsgebiete als eine langfristig verfügbare Bauflächenreserve der Innenentwicklung anzusehen sind.

Die langen Umwandlungszeiten haben auch zur Folge, dass Planungsvorstellungen, die zu Beginn einer Umwandlung etwa über einen Wettbewerb, ein Gutachten oder ein Werkstattverfahren ermittelt wurden, an Änderungen der Rahmenbedingungen angepasst werden müssen und u.U. aufgegeben werden und zu neuen Planungsüberlegungen und Wettbewerbsverfahren führen (Beispiele: Rheinmetall, Landesgrundstück Tannenstraße, Bahngelände Oberkassel u.a.).

Die Überplanung der Flächen weist rd. 22% Flächen für den Wohnungs-, rd. 27% für den Gewerbe- und rd. 44% für den Bürobau aus, 4% sind für Freiflächennutzung vorgesehen.

Strukturwandel und Stadtentwicklung in Düsseldorf

Wie sich der Strukturwandel in der Düsseldorfer Stadtentwicklung vor dem Hintergrund der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und der De-Industrialisierung am Ende des 20. Jahrhundert abzeichnete wird in den folgenden Ausführungen dargelegt.

1. Industrialisierung in Düsseldorf ab 1850 bis 1914


Karten zur Entwicklung der Industrieflächen in Düsseldorf zwischen 1879 und 1997...

Die großflächige Industrialisierung der Stadt Düsseldorf begann etwa nach 1850. Der Aufstieg Düsseldorfs zur Industriestadt war eng mit dem Ausbau des Eisenbahnwesens verbunden. Die Stadt entwickelte sich seit 1850 in ein Eisenbahnzentrum, das Zugang zu allen Industriegebieten von West- und Osteuropa hatte und zugleich selbst Abnehmer für große Mengen Halbfertig- und Fertigprodukte der Eisen- und Maschinenbauindustrie war. Diese zentrale Verkehrsgunst innerhalb der sich vervollständigenden nationalen und internationalen Eisenbahnnetze bot günstige Voraussetzungen für die eigentliche Industrialisierung. Die Industrie siedelte sich schwerpunktmäßig zentral in den von allen Eisenbahnrichtungen am besten erreichbaren Flächen am Rand der damaligen Flächenausdehnung der Stadt an. An der Stelle, wo sowohl die Nord- und Südlinien (Ruhrrevier - Köln) als auch die Ost - Westlinien (Bergische und Krefelder Industriegebiete)zusammen trafen, ließen sich hauptsächlich Eisen verarbeitende und später Stahl verarbeitende und Stahl erzeugende Industrien (Kesselwerke, Eisenbahnwaggonbau, Stahlwerke, Röhrenwerke u.a.) nieder. Zusätzliche Industrien siedelten sich später an Bahnstrecken im Linksrheinischen (Oberkassel: Gussstahlwerk, Maschinenbau), im Norden (Rath: Röhrenwerke), im Osten (Grafenberg: Stahlwerke) und im Süden (Reisholz, Benrath: Röhrenwerke, Chemie) an.

2. Industrialisierung in Düsseldorf ab 1914

Den ersten Höhepunkt der Industrialisierung erreichte die Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis etwa zum Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914. Die Einwohnerzahl wuchs in dem Zeitraum 1905 - 1914 um 140 000 von etwa 250 000 auf 390 000 an, die Arbeitsplätze von etwa 70 000 auf etwa 120 000. Der erste Weltkrieg, die Nachkriegszeit mit Inflation und später die Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 30er Jahre und schließlich der 2.Weltkrieg brachten tiefe Einschnitte in die wirtschaftliche Entwicklung. Trotzdem wuchs nach dem ersten Weltkrieg die Flächenausdehnung der Gewerbe- und Industrieflächen weiter.

3. Parallele Entwicklung Düsseldorfs zum "Schreibtisch des Ruhrgebietes" und "Internationalen Handelszentrum"

Parallel zur Industrialisierung entwickelte sich die Stadt schon frühzeitig zu einem Standort für bedeutende Gewerbeausstellungen, für Firmenverwaltungen und Wirtschaftsverbände, für öffentliche Verwaltungen und private Dienstleistungen. Aus diesen Wurzeln erwuchs ab den 20er Jahren mit dem Zusammenschluss der westdeutschen Stahlindustrie mit Verwaltungssitz in Düsseldorf der Ruf der Stadt als "Schreibtisch des Ruhrgebiets" und, in Weiterführung der Ausstellungstradition zahlreicher Gewerbe- und Industrieausstellungen, als Ausstellungs- und Messestadt, die nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Neubau der Messe noch an Gewicht gewann. Ebenfalls erwuchs in diesem Zeitraum die Bedeutung der Stadt als "Internationales Handelszentrum": ein großer Teil des Außenhandels der Bundesrepublik Deutschland wird über Düsseldorfer Schreibtische abgewickelt. In jüngster Zeit gewann Düsseldorf erhebliche Bedeutung als Standort für Medien- und Mobilfunkfirmen.

Auch die heutige Funktion Düsseldorfs als Landeshauptstadt und Zentrum öffentlicher Verwaltungen war bereits im 19. Jahrhundert mit dem Sitz der Provinzialregierung der Rheinlande und der Bezirksregierung angelegt.

4. Industrialisierung in Düsseldorf ab 1945

Den Höhepunkt der gewerblich - industriellen Flächenausdehnung und der Beschäftigung in Gewerbe und Industrie erreichte die Stadt aber erst nach dem 2.Weltkrieg: Bis zum Jahr 1961 stieg die Beschäftigtenzahl von Industrie und Gewerbe auf nahezu 198.000 an und erreichte damit den Höchststand an gewerblich/industriellen Arbeitsplätzen in Düsseldorf. Auch die Flächenausdehnung von Gewerbe- und Industriegebieten erreichte mit 1.740 ha ihren höchsten Wert.

5. Entindustrialisierung in Düsseldorf

5.1 Strukturwandel und Arbeitsplatzentwicklung

Der Strukturwandel setzte spürbar erst nach 1961 mit dem Abbau gewerblicher und industrieller Arbeitsplätze ein und ist bis heute noch nicht abgeschlossen. Seit 1961 verlor Düsseldorf bis 2000 ca. 117.000 "sekundäre" Arbeitsplätze (Produzierendes Gewerbe und Baugewerbe). Die Arbeitsplätze in den produzierenden Branchen und Baugewerbe schrumpften von ca. 194.000 (1961) auf ca. 77.000 (2000). Im gleichen Zeitraum stiegen die "tertiären" Arbeitsplätze (Dienstleistungen, Gebietskörperschaften, Kredit und Versicherungen, Verkehr und Nachrichten) v0n 217.000 (1961) auf 381.000 (2000) an und glichen den gewerblichen Arbeitsplatzverlust der Stadt zum größten Teil wieder aus.

5.2 Entindustrialisierung und Flächenaufgabe

Das Umfeld des Hbf. um 1970
Das Umfeld des Hauptbahnhofes im Jahr 1970

Startschuß für Rückzug von Gewerbe und Industrie aus der Fläche war der 1958 erfolgte Verkauf des Grundstückes des Thyssen Stahlwerkes Oberbilk östlich des Hauptbahnhofs an die Stadt Düsseldorf mit der im Kaufvertrag geregelten Bebauung erst nach 1980.

Das Gebiet um den Hbf. vor und nach der Umstrukturierung
Das Umfeld des Hauptbahnhofes vor und nach der Umstrukturierung

Folgende Gewerbe- und Industrienutzungen, hier insbesondere Stahl-, Röhren- und Maschinenbauwerke, stellten seitdem bis heute ihre Produktion ein:

  • Thyssen Stahlwerk, Oberbilk (Umwandlung abgeschlossen)
  • Gutehoffnungshütte, Grafenberg (Umwandlung abgeschlossen)
  • Mannesmann Röhren, Oberbilk (Umwandlung abgeschlossen)
  • Mannesmann Röhren, Lierenfeld (Umwandlung abgeschlossen)
  • Mannesmann, Reisholz (Umwandlung abgeschlossen)
  • Mannesmann Sack, Rath
  • Rheinmetall, Rath
  • Rheinmetall, Derendorf
  • Schwietzke, Mörsenbroich (Umwandlung abgeschlossen)
  • Thyssen Gußstahlwerk, Heerdt (Umwandlung abgeschlossen)
  • Rhode u.Dörrenberg, Oberkassel (Umwandlung abgeschlossen)
  • Vereinigte Kesselwerke, Oberbilk
  • Jagenberg, Bilk (Umwandlung abgeschlossen)
  • Stadtwerkegelände. Flingern-Süd (Umwandlung abgeschlossen)

Internationales Handelszentrum
Das Gelände der Mannesmann Röhrenwerke in Oberbilk beherbergt heute das IHZ

Daneben sind kleinere Betriebsaufgaben mit erfolgten oder noch durchzuführenden Umstrukturierungen wie die Kammgarnspinnerei (2 ha) in Unterbilk, Ziegelei (2 ha) in Gerresheim, Milchhof (1,6 ha) in Derendorf und die Dietrich Brauerei (1 ha) in Derendorf zu nennen. Insgesamt sind seit 1961 etwa 103 ha gewerbliche und industrielle Flächen für etwa 13.100 neue Arbeitsplätze und 4.390 neue Wohnungen umstrukturiert worden. Die Gründe der Verlagerungen und Betriebsaufgaben waren und sind vielschichtig und oft in der Weltmarktsituation und den daraus abgeleiteten großräumigen Planungen der Konzerne (z.B. Konzentration der Stahlstandorte und Zusammenschlüsse von Firmen) begründet, sie lassen sich aber nur in wenigen Fällen auf mangelnde Entwicklungschancen an dem vorhandenen Standort zurückführen.

5.3 Neue Umstrukturierungsgebiete

Neben der Aufgabe von Industrienutzung entstanden in den 90er Jahren weitere Umstrukturierungen durch Aufgabe von Flächen z.B. der Bundesbahn, der Post und des Militärs (Wegzug der britischen Rheinarmee).

Im Zeitraum 1995 bis heute gab die Deutsche Bahn (vormals Deutsche Bundesbahn) folgende Flächen für eine städtebauliche Neunutzung frei:

  • Bahnhof Oberkassel
  • Bahngelände an der Mindener Str.
  • Teile des Güterbahnhofes Derendorf/Pempelfort
  • Containerbahnhof Bilk

Diese Flächen sind bereits beplant und stehen zur Neunutzung an.

Die Düsseldorf Arcaden
Auf dem Gelände des Bilker Güterbahnhofs haben im Jahr 2008 die Düsseldorf Arcaden eröffnet.

Im Zuge der Umstrukturierung der Bundespost zur Deutschen Post entstanden mit der Aufgabe des bereits in den 1980er Jahren gebaute Briefpostamts am Konrad-Adenauer-Platz sowie von Postgebäuden an der Worringer Straße neue Umwandlungsflächen, deren Gebäude neu genutzt oder durch Neubauten ersetzt werden. Ein weiteres Gelände zur Neuplanung entsteht mit dr Verlagerung des Postamtes an der Erkrather Straße.

  • Postgelände Worringer Str.
  • Postgelände südlich der Erkrather Str.
  • Kasernengelände südlich des Flughafens

Mit dem Abzug der Rheinarmee wurde ein größeres Kasernengebiet und Wohngebiete aufgegeben. Das freigesetzte Kasernengebiet südlich des Flughafens ist mit einem großen Büropark mit Hotelnutzung unter dem Namen "Airportcity" in der Planung und in der Teilrealisierung.

Mit Strukturveränderungen der Bundeswehr und der Veränderung der militärischen Aufgaben nach dem kalten Krieg wurde die Reitzensteinkaserne freigesetzt. Das 22 ha große Gebiet befindet sich als ein hochwertiges Wohngebiet in der Planung.

Ab 2012 soll die Nutzung der Bergischen Kaserne durch die Bundeswehr aufgegeben werden.

Ein Sonderfall ist die Umwandlung des Hafens. 1975 beschloss der Rat der Landeshauptstadt für Teile des Hafens eine neue Nutzung zu finden. Grund war die schlechte wirtschaftliche Situation des der Stadt gehörenden Haupthafens.

Siehe Hafenentwicklung seit 1976...

Seit 1976 werden Teile des Düsseldorfer Hafens in Entwicklungsphasen umgewandelt:

  • Berger Hafen/Zollhafen
    Entwicklungsphase 1: Umwandlung ist abgeschlossen.
  • Handelshafen/Hammer Straße
    Entwicklungsphase 2: Die Umwandlung im Mediengebiet ist bis auf den Bau einzelner Projekte nahezu abgeschlossen.
  • Hafen Speditionstraße
    Entwicklungsphase 3: Die Planung der Umwandlung ist weit fortgeschritten, die Bauprojekte auf der Ostseite der Speditionstraße weitgehend realisiert. Für die Westseite läuft das Bebauungsplanverfahren
  • Hafen Kesselstraße
    Entwicklungsphase 4: Der Bebauungsplan für die Kesselstraße ist mit der Ausweisung Mischgebiet für Wohn-, Büro- und Gewerbenutzung im Verfahren.

Ansprechpartner Fon 0211 Fax 0211
N.N.
 
   

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13. März 2010 | 11:37 Uhr

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