Handlungsfeld Soziale Infrastruktur - Zusammenleben im Stadtteil
Gesellschaftliche Probleme wie Jugendarbeitslosigkeit, Drogensucht, Gewalt, Zunahme von Vereinzelung und Hilflosigkeit bei Eltern und Erziehern sind auch in Flingern/Oberbilk spürbar. In dieser Situation benötigt der Stadtteil Unterstützung durch die Aktivierung und Einbeziehung von bestehenden Einrichtungen, der Bewohner und besonders die Förderung des ehrenamtlichen Engagements.
Unterstützung erhält das Programmgebiet, indem Kristallisationspunkte für ein öffentliches Leben geschaffen werden, vorhandene Strukturen sich neuer Themen annehmen oder neue Netzwerke gegründet werden, um Veränderungen in Gang zu setzen. Bewohner werden aktiviert und das Potenzial der Kindergärten, Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen mit ihren Kontakten zu den Kindern, Jugendlichen und Eltern wird für den Erneuerungsprozess genutzt. Die Stadtteilbüros initiierten, organisierten oder unterstützten eine Vielzahl von Projekten, zum Beispiel:
Familienpatin

Familienpatinnen
Im Projekt "Familienpatinnen" werden Migrantinnen, die schon länger in den Stadtteilen Flingern und Oberbilk leben, qualifiziert, um anderen Frauen und deren Familien mit Zuwanderungsgeschichte das Einleben zu erleichtern, sie in Erziehungsfragen zu unterstützen und mit ihnen "bürokratische" Angelegenheiten zu bewältigen. Der Stadtteilladen der Diakonie in Flingern und die efa - Familienbildung in Düsseldorf - für Oberbilk als Träger der Maßnahme führten gemeinsam die Schulung von 30 engagierten, lebendigen, erfahrenen Frauen aus 15 Ländern mit Sprachkenntnissen von 18 Sprachen durch. Erste Kontakte zu Familien haben die Frauen aufgebaut und können so ihre Erfahrungen weitergeben.
Mit dem Projekt ist ein passgenaues Instrumentarium geschaffen worden, das für viele hier lebende Frauen und deren Familien mit Zuwanderungsgeschichte erfolgversprechend umgesetzt wird. Das Projekt wurde im Rahmen des Modellvorhabens des Landes NRW "Wir setzen Zeichen" wettbewerbsorientiert von einer interministeriell besetzten Jury zur Förderung ausgewählt.
Forum Schule - Unternehmen
Ziel des "Forum Schule - Unternehmen" ist der Aufbau eines sozialraumorientierten Netzwerkes von lokalen Betrieben und Schulen, um Schülerinnen und Schülern den Einstieg in Ausbildung und Arbeit zu erleichtern. Über die gezielte Kontaktaufnahme in einer aktivierenden Befragung durch die FH Düsseldorf konnten 120 Betriebe gewonnen werden, die grundsätzlich die Bereitschaft äußerten, mit den Schulen zusammen zu arbeiten. Eine Qualifizierung und Ausweitung des Angebotes an Praktika in der Nähe der Schule fördert die Kommunikation, erleichtert Wege und die Unterstützung.
Ergänzt wird das Angebot durch die Akquise von "Berufswahlpaten", die einzelne Schüler individuell bei der Berufswahl und -vorbereitung unterstützen. Langfristig ist die Entwicklung einer "Lehrstellenbörse" zur Festigung der Kooperation und als Angebot an die Schüler und Schülerinnen im Quartier geplant.
Quartierspaten

Quartierspaten im Einsatz
Ob der Stadtwerkepark, der Sonnenpark oder neue Spielhöfe - im Programmgebiet Soziale Stadt Flingern/Oberbilk sind zusätzlich an die 73.000 m² Grün-, Frei- und Spielflächen für Alt und Jung neu gestaltet worden. Um die Qualität dieser Flächen zu wahren, haben die Stadtteile durch die Arbeit der vier Quartierspaten (zwei für Flingern, zwei für Oberbilk) Verstärkung bekommen: Auf ihren täglichen Rundgängen durchs Quartier beobachten sie den öffentlichen Raum, veranlassen die Beseitigung von Verschmutzungen oder Beschädigungen an Spielgeräten. Im Kontakt mit Bewohnern, Geschäftsleuten und Einrichtungen werden Auskünfte erteilt und Hilfsdienste angeboten.
Das zweijährige Projekt funktioniert in Trägerschaft der Zukunftwerkstatt Düsseldorf gGmbH. Die Kosten werden anteilig durch das Programm Soziale Stadt, durch das Kombilohnmodell der ARGE und durch die Landeshauptstadt Düsseldorf getragen.
Oberbilker Kita-Tisch

Netzwerkarbeit
Alle Kitas in Oberbilk sind trägerübergreifend vernetzt. Der Arbeitsverbund organisiert Fortbildungen und Netzwerke je nach aktuellem Themenbedarf und ist ein wichtiges Austauschgremium unter den teilnehmenden Kitas unterschiedlichster Trägerschaften geworden.
Arbeitskreis Kita/Grundschule Flingern - Süd

Aktion Flingern-gesund-bewegt
In ihm arbeiten Kindertagesstätten, Kinder- und Jugendeinrichtungen, die Grundschule und die Diakonie Düsseldorf. Er führt in 2005/2006 das Projekt "Flingern gesund bewegt" durch. Mit einem Aktionstag am 2. September 2005 ist das Projekt gestartet und während eines Jahres bildeten die Themen Gesundheit, Ernährung und Bewegung einen Schwerpunkt in den einzelnen Einrichtungen. In 2006 fand ein Ernährungstag im Mai statt. Auch in 2007 und 2008 gab es Aktionen in den Einrichtungen sowie ein gemeinsames Fest "Spiel ohne Grenzen" im Stadtwerkepark.
Sozialräumlich orientiertes Netzwerk "KiGru"
Zwölf Kindertagesstätten und die drei Grundschulen Oberbilks arbeiten gemeinsam mit vier Zielen: Umsetzung der Bildungsvereinbarung des Landes NRW, Aufbau einer gleichwertigen Bildungspartnerschaft, Schaffung einer Erziehungspartnerschaft zwischen Familien, Kita und Grundschule sowie die gemeinsame Gestaltung des Übergangs der Kinder von einer in die andere Institution. Das Stadtteilbüro unterstützte den Vernetzungsprozess durch drei professionell geleitete Workshops (2006 / 2007) und mit der Moderation der regelmäßigen Treffen der Einrichtungen.
Sprachförderung und Integration

Integration und Kommunikation
In Flingern / Oberbilk organisierten die Stadtteilbüros ein Unterstützungs- und Qualifizierungssystem zur Sprachförderung und Stärkung der Erziehungsverantwortung der Eltern. Akteure sind Kindertagesstätten kommunaler und freier Träger aus Flingern / Oberbilk, Diakonie für Düsseldorf, Ev. Familienbildungsstätte efa, RAA Düsseldorf, städt. Jugendfreizeiteinrichtung V24, das Jugendamt und das Land NRW.
In 14 Kindertagesstätten finden im Programmgebiet Sprachförderkurse für die Vorschulkinder statt. Flankiert werden diese durch elf, aus dem Programm "Soziale Stadt NRW" finanzierte Sprachförderkurse für die Eltern der geförderten Kinder.
Internationale Küche
Aus einem Sprachkurs entstand der Wunsch, Sprache lebendig werden zu lassen. Das Stadtteilbüro Ellerstraße entwickelte und organisierte ein lebendiges Integrationsprojekt: Junge Migrantinnen eines Frauensprachkurses des Stadtteiltreffs "efa" kochten gemeinsam mit Senioren des Caritas-"Zentrum plus Oberbilk" in 2004 traditionelle Gerichte aus ihrer Heimat. Aus all den Rezepten entstand in 2008 ein internationales Kochbuch "Oberbilk traditionell - Internationale Küche für Genießer". Auf 44 Seiten finden sich Gerichte aus aller Welt, garniert mit Erzählungen von Bewohnern Oberbilks. Gegen eine Spende für den nächsten internationalen Kochkurs gibt es das Kochbuch bei den Kooperationspartnern efa, zentrum plus Oberbilk (Kölner Straße).
Sport und Bewegung im Stadtteil

Abenteuer Spielplatz
Motorische Defizite, Konzentrationsmangel, Übergewicht oder schlechte schulische Leistungen sind immer häufiger wahrzunehmende Merkmale bei Kindern in benachteiligten Quartieren. Konzepte, die das Lernen mit dem ganzen Körper ermöglichen, sind notwendig, ebenso wie das Entdecken und Erfahren von Bewegungsmöglichkeiten, erlebnispädagogische Offerten und Sportangebote für Jungen und Mädchen .
Um die Bewegungsmöglichkeiten auf Grün- und Spielflächen in Flingern und Oberbilk vorzustellen und die Eltern zu deren Besuch anzuregen, entwickelte der Oberbilker KiTaTisch (OKT), unterstützt durch das Stadtteilbüro die Broschüre " Abenteuer Spielplatz - Familien in Bewegung". Hier werden die in Oberbilk und Flingern vorhandenen und neu gebauten Grünflächen, Spielplätze und Schulspielhöfe und ihre Bewegungsangebote (ca. 60.000 qm) anschaulich für Eltern und ihre Kinder dargestellt. Seit Herbst 2006 wird dieser Leitfaden durch die Einrichtungen an Eltern ausgegeben.
Die qualifizierte Sonderausbildung "Bewegungserziehung im Kleinkind- und Vorschulalter" fand mit 20 Kitas, Sportvereinen und dem Sportamt statt.
Zwei Kitas in Flingern und in Oberbilk sind als "Bewegungskindergarten" durch den Landessportbund NRW zertifiziert worden. Einige Kindertagesstätten haben Kooperationsverträge mit Sportvereinen und Schulen im Quartier, nutzen Sportplätze, Sporthallen und Großgeräte für die Bewegungserziehung der Kita-Kinder.
www.wir-im-sport.deMit der "Werkstatt Sport" existierte von 2001 bis 2005 ein Förderprogramm des Landessportbundes, das zum Ziel hatte, Sportvereine, gemeinnützige Organisationen und Bürgergruppen zu unterstützen, die in ihren Stadtteilen durch, mit und über den Sport tätig sind. Mit deren finanzieller Unterstützung konnten die Stadtteilbüros folgende Angebote realisieren:

Sport und Spaß im Stadtteil
- In 2003 einen Impuls-Workshop:
"Kinder mit mangelnder Bewegungserfahrung" mit Kitas, Sportvereinen, Kinderärzten, Ev. Familienbildungswerk aus Flingern/Oberbilk, Verwaltung. - Schwimmkurse und Selbstbewusstseinstraining für Migrantenfrauen

Werkstatt Sport-Boxring
- "Nacht-Aktiv": Jede Woche können Jugendliche in einer Turnhalle von 22 bis 1 Uhr Basketball und Fußball spielen unter dem Motto "Mit Sport und Musik gegen Drogen und Gewalt". Angeleitet wird das Projekt von Mitarbeitern des SportActionBusses des StadtSportBundes, der das Projekt bis 2007 finanziell absichert.
- Bau und Installation des "Box-Ring" in der Jugendfreizeiteinrichtung Icklack in Flingern, um Jugendlichen regelmäßiges Boxen und Fitness-Training als Sport zu ermöglichen. www.fe-icklack.de
LOS - Lokales Kapital für soziale Zwecke

Verkauf von Oberbilk Souvenirs
Die Landeshauptstadt Düsseldorf ist durch die Zugehörigkeit zum Programm "Soziale Stadt NRW" in das EU-Förderprogramm LOS aufgenommen worden. Von April 2004 bis 2008 unterstützte das Programm Projekte von Stadtteilinitiativen. Die Palette der Themen reicht von der ehrenamtlichen Tauschbörse über eine Schülerfirma für Schreib- und Papierwaren und die Eröffnung eines afrikanischen Frauentreffs bis hin zur Produktion von Souvenirs aus Oberbilk. Ziel von LOS ist die Vermittlung von Fähigkeiten und Kernkompetenzen bei Jugendlichen und Erwachsenen, die zu einer Verbesserung der Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt führen sollen. Ein regelmäßig tagender Projektstammtisch sorgt für die Vernetzung der teilnehmenden Institutionen und Vereine im Quartier.
www.los-online.deAKKI - Aktion + Kultur mit Kindern e.V.
Am nördlichen Eingang zum Südpark wurde das neue Akki - Haus, ein Kinder-Kulturzentrum errichtet. Das neue Gebäude bietet neue Mölichkeiten und erweitert die Aufgaben des Vereins Akki: Neben den exzellenten stadtweiten Kunst- und Projektprogrammen geht es Akki nun auch speziell um ein Angebot für den Stadtteil Oberbilk, um die Auslotung der Vielschichtigkeit eines multikulturellen Stadtteils. Die Institutionen, Kinder und Jugendlichen des Quartiers nehmen das neue Angebot im neuen Haus mit Begeisterung an.
www.akki-ev.deKunst- und Kulturaktionen auf Plätzen im Stadtteil - PLATZ DA!
Im Sommer 2005 und 2006 beteiligte sich Oberbilk erneut an PLATZDA!: Gesponsert durch die quartiersansässigen Firmen Stora Enso und Gentes Baumanagement fanden in neuen Grünflächen und einem Wohnungsbauprojekt ("it's") Lesungen zum Mitmachen und Zuhören statt. Über die Lesebeteiligung hinaus übernahmen Schüler und Jugendliche aus dem Stadtteil die Dekoration der Aufführungsorte des jeweiligen Abends. Ein literarischer Höhepunkt wurden die beiden Kabarett-Abende mit Frank Meyer, der Texte des Düsseldorfer Satirikers Hermann Harry Schmitz "aufführt".
Platz DA!Im Juni 2004 fand eine mehrtägige Kunst-Mitmach-Aktion auf dem Oberbilker Markt statt.
Die Bevölkerung Oberbilks, Kitas und Grundschulen realisierten die Aktion "Eimerweise Oberbilk", die das Umbaumotiv der Kölner Straße auf ironisierende Weise aufgriff und über mehrere Tage - durch eine ständig wachsende Eimerskulptur im Zentrum des Stadtteils - bunt leuchtend sichtbar machte. Ein mehrstündiges Fest mit internationalen Snacks und Musik, organisiert durch den Zusammenschluss der bosnischen Vereine, bildete einen würdigen Abschluss dieser Stadtteilaktion. Neben der großen Aktion fanden unterschiedliche Themen - Stadtspaziergänge durch das Projektgebiet statt.

Aktion auf dem Hermannplatz
Auf dem Hermannplatz in Flingern finden seit Juli 2004 Kulturfrühstücke statt, organisiert von PLATZ DA!, Stadtteilbüro, Kinderspielhaus u.v.a. Mit Auftritten von Schülern und Life-Bands aus Flingern findet ein kulturelles Programm als Marktbegleitung statt.
Ebenfalls auf dem Hermannplatz wurde die "Flingeraner Tafelrunde" abgehalten. Zu dem öffentlichen Picknick brachte jeder für sich und seine Nachbarn Essen und Trinken mit, für ein musikalisches Rahmenprogramm wurde gesorgt.
Wo sind Sie Zuhause? - Künstlerinnen und Künstler in Oberbilk

Oberbilker Straßenmuseum
Seit 2003 beschäftigt sich die Künstlerinitiative auf verschiedene Weise mit dem Leben und der Kultur in Oberbilk. Sie gaben den Anstoß zu dem Fest Kultur vor der Tür in Oberbilk im Juni 2006. Geschichtensammlungen Viele Seiten Oberbilk Teil I + Teil II, die Führung Entführung hinter den Bahnhof sind Anlass, sich mit der Geschichte des Viertels intensiv auseinanderzusetzen.
Die Ausstellung Oberbilk Arbeiten im November 2005 im "CentralParkOffice" am Oberbilker Markt zeigte 22 künstlerische Positionen zum Stadtteil Oberbilk.
Ein Teil der Ausstellung war im Stadtteilbüro in 2006 zu sehen. Leonore Araki, Hans-Jürgen Söffker und Klemens Golf stellten ihre Oberbilker Bilder aus: Fotos mit ungewohnten Stadtteilansichten, farbige expressionistische Pappdrucke von Innen- und Außenansichten, die vergangen sind oder sich im Umbruch befinden.
Im August 2006 wurde die Kölner Straße zum Ausstellungsraum für die bewegte Geschichte des Stadtteils und seiner Bewohner. Das Oberbilker Straßenmuseum konnte in den Schaufenstern der Läden bewundert werden. Im November 2006 stellte die Künstlerinitiative mit Künstlern aus Lüttich im "CentralParkOffice", Oberbilker Markt aus: "Où vous sentez-vous chez vous?". Das französische Motto nimmt Bezug auf die Geschichte: Lütticher Industrielle bebauten als erste das Brachland um den heutigen Oberbilker Markt vor 150 Jahren.
Im LOS-Projekt "Oberbilk Souvenirs" wurden 2008 im Stadtteilbüro aus afrikanischen, pakistanischen und türkischen Stoffen Taschen genäht, Blumensticker, Buttons, Postkarten, "Solidarnosc-Oberbilk"-Magnet-Klemmen hergestellt und vertrieben.
Weitere Projekte:
- Schöner Wohnen: Graffiti Mitmach Aktion im Sommer 2004 in der Kiefernstraße 1-5
- Neue Medien: Ausstattung des Internet-Cafés der Evangelischen Jugendfreizeiteinrichtung Oberbilk mit PCs, www.ejuzo.de
- PC-Kurse für Mädchen,
- das Video-PC-Projekt "Leben in Oberbilk" von und mit Jugendlichen,
- das Theaterprojekt "Bretter, die die Welt bedeuten": Ein theaterpädagogischer Prozess gegen Ängste und Vorurteile der HIV-positiven Mieter des Wohnprojekts Care 24 in der Schmiedestraße.
- Streetball im Sonnenpark: seit September 2005 trainieren Streetworker des Jugendamtes regelmäßig die "Sonnenpark"-Mannschaft, drei Turniere fanden in 2006 statt.
- Hilfe und Beratungsangebot: Im Sommer 2002 gaben Kath. und Ev. Kirchengemeinde, Ausländerbeirat, Caritas, Jugendamt und Stadtteilbüro den Sozialkompass "Wir in Oberbilk" heraus.

Titelblatt LOS

Wegweiser "Sozialkompass"

