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Stadterneuerung Hauptzentrum Garath

Ausgangssituation

Das Garather Hauptzentrum entstand zwischen 1967 (West) und 1975 (Ost), in der Zeit der höchsten Wertschätzung des grauen Betons. Es umfasst ca. 12.000 m² Geschäfts- und Nutzflächen, die für ursprünglich 28.000 Garather, heute für ca. 26.000 Einwohner in Garath und Hellerhof wirtschaftlicher, kultureller und administrativer Mittelpunkt sein sollen.

Bei der Erfüllung dieser Aufgaben haben sich inzwischen etliche Mängel mit negativen Entwicklungen gezeigt. Das gesamte Garather Hauptzentrum brauchte eine attraktivere Gestaltung; daher hat das Stadtplanungsamt Anfang 2001 gemeinsam mit dem Büro Kammerichs/Wündrich begonnen, eine Wohnumfeldverbesserung zu planen.

Lichtband Nahaufnahme
Das Blaue Band - Kennzeichen des Garather Hauptzentrums

Verfahren

In drei öffentlichen Workshop-Terminen wurden Entwurfsideen für das Hauptzentrum in einem offenen Dialog mit der Bürgerschaft entwickelt. Während im 1. Workshop eine Bestandsanalyse und die Formulierung von Planungszielen und ersten Ideen im Vordergrund standen, wurde im 2. Workshop die Konkretisierung der favorisierten Planungsideen präsentiert und diskutiert. Gegenstand des 3. Workshops war die Präsentation der mit den angrenzenden Eigentümern und den städtischen Ämtern abgestimmten weiteren detaillierten Planung.

Bestandsanalyse

Im 1. Workshop wurden ausführlich Materialien, Erscheinungsbild und Funktionalität des Hauptzentrums analysiert. Insbesondere wurden folgende Kernpunkte näher beleuchtet:

  • Fußgängerzone in Ost-West-Richtung mit dem Hauptzentrum West (hohe Nutzungsintensität vor allem im Bereich Karstadt), einem Zentrum Mitte um die Freizeitstätte und einem Zentrum Ost (geringe Nutzungsintensität und Verkaufsflächen)
  • Städtebaulicher Mangel: fehlender östlicher Endpunkt
  • Keine einheitliche Gestaltung der Fußgängerzone (viele unterschiedliche Materialien und Ausstattungselemente)
  • Unzureichende nächtliche Beleuchtung
  • Geringe Aufenthaltsqualität (wenig Bänke und Spielbereiche)
  • Kunstwerke schaffen Orientierung und Identität
  • Kaum Regenschutz für Passanten (wenige Vordächer)
  • Bauliche Mängel: sanierungsbedürftige Bodenbeläge, Treppen und Mauern

Planungsideen

Die Planungsideen aus dem 1. Workshop wurden im 2. Workshop konkretisiert und im 3. Workshop durch Fotomontagen und 3D-Animationen visualisiert. Gegenüber dem 2. Workshop wurden folgende Punkte geändert und weiter ausgearbeitet:

  • Definition eines klaren, östlichen Endpunktes der Fußgängerzone durch optionale Baukörper und eine Platzgestaltung: neue punktförmige bzw. pavillonartige Bebauung statt schlankem 2-geschoßigem Zeilengebäude an der südlichen Raumkante des neuen Ostplatzes
  • Gestalterische Aufwertung und Erhöhung der Nutzbarkeit des Platzes vor der Montessori-Grundschule. Es werden zwei Vorschläge präsentiert:
    • Variante A mit einer Sitzpyramide als gestalterischem Schwerpunkt,
    • Variante B nimmt in Form von Spielskulpturen assoziativ das Thema Mond und Sterne auf (als Pendant zur geplanten Sonnenuhr im Osten)
  • Neue Bäume in der bisher baumlosen Wolfgang-Döring-Straße
  • Verbindungscharakter der Fußgängerzone stärken durch ein lineares Element in Form eines blauen Pflasterbandes, teilweise mit einem schmalen, im Boden verlaufendem Lichtband im Bereich der Unterführungen kombiniert
  • Zwei potenzielle Brunnenstandorte befinden sich an der Treppenanlage westlich des S-Bahn-Haltepunktes und vor der Freizeitstätte. Sie sind als Wassertreppen konzipiert und werden in das blaue Pflasterband integriert. Für den Unterhalt müssen jedoch Brunnenpaten gefunden werden
  • Aufwertung der Brücke über die Frankfurter- und Koblenzer Straße durch attraktive Bepflanzung in neuen Trögen, welche die vorhandenen Brüstungselemente ersetzen sollen. Zusätzlich Lichtstelen auf der Brücke, die eine bessere Ausleuchtung für Passanten und eine positive Außenwirkung bei durchfahrenden Autofahrern erzielen sollen
  • Inszenierung der wichtigsten vier Eingänge zur Fußgängerzone durch einen blauen "Pflasterteppich" und ein "Lichttor" aus jeweils zwei Lichtstelen
  • Verbesserte funktionale Ausleuchtung des öffentlichen Freiraumes durch neue Mastleuchten. Im Bereich der DB-Unterführung ist zur Aufhellung eine teilweise Öffnung der niedrigen Decke mit integrierter, neuer Deckenbeleuchtung geplant
  • Kleine Spielstationen für Kinder und Jugendliche werden in die Fußgängerzone integriert. Robuste, multifunktionale Spielelemente sowie Sitzelemente sollen die Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raumes steigern
  • Die sieben vorhandenen Rampen werden teilweise auf Grund der starken Nutzung deutlich verbreitert, teilweise mit flacherer Neigung umgebaut
  • Sanierung des Bodenbelages, der Treppen und Betonmauern:
    zurückhaltender grauer Belag aus hochwertigem Betonstein mit Splittvorsatz. Die gestalterische Akzentuierung erfolgt durch das blaue Pflasterband, blaue Platzrahmen sowie durch die blauen Eingangsteppiche. Einzelne Stützwände sollen farbig akzentuiert werden
  • Einbeziehen von Jugendlichen über Schulen und Kunstlehrer für die künstlerisch-handwerkliche Gestaltung von Sitzelementen mit Bruchkeramik-Oberfläche und Farbgebung von Betonwänden.

Diskussion der Planungsinhalte

Die Bürgermeinungen wurden im 3. Workshop zusammengetragen. Alle Wortmeldungen beurteilten die vorgestellte Planung äußerst positiv. Folgende weitere Anregungen und Hinweise wurden von den Bürgern geäußert:

  • Der vorgesehene neue Marktstandort auf dem Nikolaus-Groß-Platz wird nochmals ausdrücklich begrüßt
  • Die unter der Einschränkung der Finanzierbarkeit vorgeschlagenen beiden potenziellen Brunnenstandorte (Wassertreppe und Marktbrunnen) werden im Grundsatz positiv beurteilt. Einige Bürger sind skeptisch bezüglich Pflege und Unterhaltung. Wichtig ist, dass die Brunnen optisch auch dann attraktiv bleiben, wenn kein Wasser läuft
  • Zur frühzeitigen Veranschaulichung der Planungsidee des blauen Pflasterbandes wird probeweise eine Markierung mittels Farbe vorgeschlagen
  • Ein blauer Pflasterrahmen wird auch für den Platz vor der Freizeitstätte und für den Platz im Zentrum Ost angeregt
  • Die Fußgängerzone soll nicht nur primär in West-Ost-Richtung aufgewertet werden, sondern zusätzlich zu der vorgesehenen Inszenierung der Eingänge in die Fußgängerzone auch die Nord-Süd-Straßenzüge, wie z.B. Wolfgang-Döring-Straße
  • Beleuchtung: Bei den Mastleuchten ist auf Kosten, Robustheit und Funktionalität zu achten
  • Die Verbreiterung der Rampen wird begrüßt. Einigen Bürgern geht die Verbreiterung nicht weit genug
  • Attraktive Pflanzflächen, auch für jahreszeitliche Wechselpflanzungen, sind nicht zu vergessen
  • Als Sofortmaßnahme wird die Aufwertung der Grünfläche vor dem Anne-Frank-Haus durch Sitz- und Spielelemente gewünscht, auch wenn es angesichts der geplanten Baumaßnahmen nur provisorisch ist.

Beschlussfassung, Finanzierung

Die Bezirksvertretung 10 beschloss am 26.02.2002 über die gesamte Neugestaltung des Hauptzentrums. Für Teilbereiche wurde die Planung aufgrund von Anregungen aus der Bevölkerung und entsprechenden Beschlüssen der Bezirksvertretung noch einmal überarbeitet (abgeänderte Gestaltung des Sonnenplatzes und flachere Rampenneigungen/barrierefreie Wege im Hauptzentrum).

Der Bau- und Finanzierungsbeschluss für die gesamte Maßnahme wurde im März 2003 in zwei Ratsausschüssen und am 08.05.2003 im Rat der Stadt gefasst. Darin sind Gesamtkosten in Höhe von ca. 1,709 Mio. Euro enthalten.

Am 29.9.2005 erhöhte der Rat der Stadt das Gesamtkosten-Budget wegen flacherer Rampenneigungen, Flächenvergrößerungen und sonstiger Mehrkosten auf 2,485 Mio. Euro.

Bauausführung

1. Bauabschnitt

Der erste Spatenstich
1. Spatenstich

Für den ersten Bauabschnitt im Hauptzentrum West wurden Ausschreibung und Vergabe unter Hochdruck erarbeitet mit dem Ziel, den Nahbereich um das Aldi-Kaufhaus bis zur Eröffnung fertig zu stellen. Am 30.04.2003 erfolgte der erste Spatenstich für die Neugestaltung des Hauptzentrums durch den Bezirksvorsteher Klaus Mauersberger. Die Arbeiten sind so zügig abgelaufen, dass der Teil der Fußgängerzone vor dem Aldi-Kaufhaus zur Eröffnung am 24.07.2003 fertig war. Von Herbst 2003 bis Frühjahr 2004 wurde der Teil zwischen Stadtsparkasse und Hotel Achteck bis zum Beginn der Brücke über die Koblenzer Straße fertig gestellt. Hier wurde auch erstmals das "blaue Band" mit nachts leuchtendem Streifen in der Mitte eingebaut.


2. Bauabschnitt

Pflanztröge als Brüstung
Pflanztröge als Brüstung

Im Herbst 2004 wurde im Hauptzentrum Ost mit dem ersten Teilabschnitt begonnen: als erste Maßnahme wurde der Fußgängerbereich Fritz-Erler-Straße zwischen Brücke über die Frankfurter Straße und Ecke Sonnenplatz neu gepflastert. Im Jahr 2005 wurde dann die Brücke selbst neu gestaltet mit den o.g. Lichtstelen, Pflanzkästen mit attraktiver Ginsterbepflanzung und mehreren Sitzgruppen - einschließlich des Objektes Sonnenuhr, das im Kunstunterricht der Alfred-Herrhausen-Schule erstellt wurde. Weiter nach Westen über Treppen und Rampen wurde die Neugestaltung bis zum Eingang der Freizeitstätte fortgesetzt. Aufwändige Betonsanierungen, die Farbgebung von zwei großen Wandscheiben - ausgeführt von Schülern und einem Kunstlehrer der Alfred-Herrhausen-Schule - waren erforderlich. Der in das "Blaue Band" integrierte neue Marktbrunnen am Eingang der Freizeitstätte wurde am 11.06.2006 feierlich durch den Oberbürgermeister eingeweiht.

Blick in Richtung Zentrum-Ost: vor (links) und nach der Umgestaltung mit neuem Marktbrunnen (rechts)
Blick in Richtung Zentrum-Ost: vor (links) und nach der Umgestaltung mit neuem Marktbrunnen (rechts)

3. Bauabschnitt

Er umfasste ab Mai 2006 zunächst die Unterführung am S-Bahn-Haltepunkt bis einschließlich der Brücke über die Koblenzer Straße, wo im Jahr 2007 auch ein zusätzlicher Supermarkt errichtet wurde, der für ein durchgehendes Geschäftsangebot zwischen S-Bahn und Hauptzentrum West sorgt. An dieser Stelle konnte am 22.05.2007 der neue Brunnen "Wassertreppe" durch den Bezirksvorsteher feierlich eingeweiht werden.

Blick in Richtung Zentrum-West: vor (links) und nach der Umgestaltung (rechts)
Blick in Richtung Zentrum-West: vor (links) und nach der Umgestaltung (rechts)

4. Bauabschnitt

Ab Sommer 2008 wurden die restlichen Flächen im westlichen Teil des Hauptzentrums neu gestaltet: Teilstücke aus der Hermann-Ehlers-, Wolfgang-Döring- und Erich-Ollenhauer-Straße sowie der James-von-Moltke-Platz. Hier wurden 8 Sitzpoller, die mit bunten Fliesenbruchstücken belegt sind - eine Arbeit aus dem Kunstunterricht der angrenzenden Hauptschule - realisiert. Danach ist der abschließende Bereich im Hauptzentrum Ost zwischen Stettiner- und Carl-Friedrich-Goerdeler-Straße neu gestaltet worden. Der Sonnenplatz wurde - nach einer Planung, die gemeinsam mit einer Bürgerinitiative entworfen wurde - im Jahr 2009 umgestaltet. Der Sonnenplatz wurde im Sommer 2010 dann fertig gestellt und den Bürgern übergeben. Damit hat die Neugestaltung des Garather Hauptzentrums ihren Abschluss gefunden.

Die umgestaltete Brücke aus mehreren Perspektiven tags und nachts
Die umgestaltete Überführung aus verschiedenen Perspektiven am Tag und nachts



Ansprechpartner Fon 0211 Fax 0211
im Stadtplanungsamt:
Daniel Gürich
daniel.guerich@
duesseldorf.de
89-96700 89-36700
sowie das Büro:
G. Kammerichs
g.kammerichs@t-online.de
www.kammerichs.de
443011 4930095

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10. Februar 2012 | 00:13 Uhr

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