Gutachterverfahren ''Gerresheim Süd verbinden'' (2010)
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| Josef Höhenrieder josef.hoehenrieder@ duesseldorf.de |
89-96860 | 89-36860 |
Termine und Ablauf
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Moderation und Verfahrensbegleitung
ISR Stadt + Raum GmbH & Co. KGMemeler Straße 30
42781 Haan
Telefon 02129-566209-0
Telefax 02129-566209-16
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Luftbild der heutigen städtebaulichen Situation
Hintergrund des Gutachterverfahrens
Unter reger Beteiligung der Öffentlichkeit fand im Jahr 2008 das Werkstattverfahren "Perspektiven für Gerresheim Süd" statt. Dabei wurde für das Glashüttengelände ein Nutzungskonzept mit Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungsbereichen, sowie zentralen Grünflächen entwickelt. Im weiteren Planungsprozess gilt es nun, die einzelnen Bereiche zu optimieren und, wo nötig, zu modifizieren.
Noch nicht überzeugend gelöst ist die Situation des Gerresheimer Bahnhofs und seines Umfeldes. Hier gilt es, Lösungen zu finden, wie die Ortsteile nördlich und südlich der Eisenbahntrasse durch eine Brücke oder einen Tunnel für Fußgänger und Radfahrer barrierefrei und attraktiv miteinander verbunden werden können. Zugleich muss die Qualität und Erreichbarkeit des S-Bahnhaltepunktes optimiert werden.
Zur Bewältigung dieser anspruchsvollen Aufgabe wurde ein dreistufiges moderiertes Gutachterverfahren durchgeführt. Vier qualifizierte Planungsteams aus Stadtplanern, Verkehrsplanern und Bauingenieuren erarbeiteten Brücken- und Tunnellösungen. Die drei öffentlichen Veranstaltungen wurden mit reger Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger durchgeführt. Geäußerte Wünsche und Anregungen konnten so in den Planungsprozess einfließen.
Prämierter Entwurf des Gutachterverfahrens

Verbindung zwischen den Stadtquartieren durch eine Unterführung: Lageplan
Die Jury prämierte den Entwurf des Planungsteams Pesch + Partner Architekten Stadtplaner GbR, Wörzberger Ingenieure GmbH und Büro StadtVerkehr. Das Konzept beruht auf der Schaffung einer neuen großzügigen und barrierefreien Unterführung zur Verbindung der Stadtteile sowie zur Erreichbarkeit der Bahnsteige des S-Bahn-Haltepunktes Gerresheim.
Diese Bündelung der Wegebeziehungen wird durch die unmittelbar am Ende der Bahnsteige gewählte Lage der Unterführung erreicht. So werden Bahn-Fahrgäste die Unterführung ebenso nutzen wie Personen die einfach zum anderen Stadtteil gelangen wollen; sei es zu Fuß oder mit dem Rad. Durch die Bündelung soll eine hohe Fußgänger- und Radfahrerfrequenz erreicht werden, die ein erhöhtes subjektives Sicherheitsgefühl bei den Menschen bewirkt. Der Durchgang mit einer Gesamtlänge von 24,90 m besitzt im Bereich des Mittelbahnsteigs eine Öffnung zur zusätzlichen Belichtung und Belüftung. An den Tunnelzugängen wird der Querschnitt erheblich auf 12 bis 13 m erweitert.
Die Stützwand an den Rampen und die Unterführung selbst erhält eine beleuchtete Glaswand, die den Nutzer durch die Unterführung begleitet, so dass durchgängig alle Bereiche tagsüber und nachts gut ausgeleuchtet sind. Alle Ecken an den Unterführungen sind ausgerundet, um frühzeitig andere Personen erkennen zu können. Die Rampe zu der Unterführung hat eine Längsneigung von ca. 6%, ein ausreichendes Maß für mobilitätseingeschränkte Nutzer, Personen mit Kinderwagen und Radfahrer. Für mobilitätseingeschränkte Personen sind im Bereich der Unterführung ferner drei Aufzüge vorgesehen (Bahnsteig 1, 2 und 3 sowie in der Nähe zum Bahnhofsgebäude). Auf beiden Seiten der Unterführung werden großzügige Freitreppen errichtet, um dem negativen Tunneleffekt von Rampen entgegenwirken zu können. Die Freitreppen sorgen für eine verbesserte Belichtung und Sichtbeziehungen im Durchgangsbereich. Zudem sind sie als Sitzmöglichkeit nutzbar. Im Süden endet die Rampe unmittelbar an der Glashüttenstraße, die durch die geplante Ortsumgehungsmaßnahme deutlich verkehrsberuhigt wird.
Konstruktive Gestaltung der Unterführung
Das Tunnelbauwerk kann in einzelnen Bauabschnitten in Massivbauweise errichtet werden. Dabei können die abschließenden Decken aus Spannbetonelementen mit Tragquerschnitten vorgefertigt und montiert werden. Somit kann eine stufenweise, wirtschaftlich und betriebsablauftechnisch sinnvolle Montage erfolgen.

Querschnitt Belichtung/Belüftung
Bike+Ride- und Park+Ride-Anlage sowie Taxi
Das Konzept sieht vor, auf beiden Seiten der Unterführung Park+Ride-Plätze einzurichten. Im Süden werden bis zu 50 Parkstände für die P+R-Anlage und mehrere Taxi-Stellplätze angeordnet. Westlich des Bahnhofsgebäudes sind Taxihaltebereiche, Kiss&Drive-Vorfahrt und eine P+R-Anlage mit ca. 45 Parkständen vorgesehen. Diese sind komfortabel über die geplante "Ortsumgehung Gerresheim" direkt erreichbar. Östlich des Bahnhofsgebäudes wird eine Bike+Ride-Anlage angelegt und an die geplante Radstation im Bahnhofsgebäude angegliedert. Im Süden werden die B+R-Plätze unmittelbar an der Rampenzufahrt errichtet.
Nutzung des Bahnhofsgebäudes
Das bestehende Bahnhofsgebäude erlangt durch den nördlich angrenzenden Stadtplatz und durch seine zentrale Lage eine neue städtebauliche und straßenräumliche Bedeutung. Er ist nicht nur ein Blickfang aus einer alten Eisenbahnepoche, sondern erhält auch neue Aufgaben. Im östlichen Teil des Bahnhofsgebäudes wird die Errichtung einer Radstation vorgeschlagen. Im westlichen Teil kann ein Kiosk, ein Zeitschriftenhandel und eine Gastronomieeinrichtung Einzug nehmen. Die Obergeschosse könnten für Kulturveranstaltungen bzw. Stadtteiltreffs genutzt werden. Das revitalisierte Bahnhofsgebäude kann mit neuen, tiefer gelegten Eingangsbereichen versehen werden, die eine barrierefreie Querung ermöglichen und die Nutzer direkt über die südliche Freitreppe bzw. Fahrstuhlanlage in die Unterführung leiten.
Straßenführung und öffentlicher Nahverkehr
Ein zentrales Element der Platzgestaltung vor dem Bahnhof Gerresheim ist die ebenerdige Führung der geplanten "Ortsumgehung Gerresheim". Dazu werden die Fahrbahnen der vierspurigen Straße im Bereich der Platzquerung so verjüngt, dass dieser Flächen sparende Straßenquerschnitt hier eine stadtverträgliche Lösung darstellt. Mit dieser angepassten Fahrbahnbreite können zwei Pkw je Richtung mit verminderter Geschwindigkeit nebeneinander fahren. Lastkraftwagen beanspruchen die gesamte Breite.
Die bisherige Straßenbahnwendeschleife wird auf den Stadtplatz integriert. Die kombinierte Bus- und Straßenbahnhaltestelle liegt parallel zum Bahnhofsgebäude. Im Norden des Stadtplatzes ist ein Abstellgleis vorgesehen. Die zweite nördlich gelegene Bushaltstelle wird ebenfalls von der geplanten "Ortsumgehung Gerresheim" erreicht. Durch die Verlegung der Straßenbahnhaltestelle unmittelbar vor das Bahnhofsgebäude erhält der Bahnhof Gerresheim besonders attraktive Umsteigebeziehungen. Für den Umstieg zwischen Bus, Straßenbahn und S-Bahn wird für die Fahrgäste eine Querung der "Ortsumgehung Gerresheim" nicht mehr erforderlich.
Platz, Straße, Straßenbahn und Bahnhofsgebäude sollen sichtbar und bewusst auch von Fußgängern und Radfahrern erlebbar sein. Die zentrale Platzfläche wird entsprechend der Masterplanung eine hohe Aufenthaltsqualität aufweisen. Ziel dieses Entwurfes ist die Schaffung eines stadtverträglichen Gleichgewichtes des gesamten Verkehrs mit dem sozialen Leben, der Kultur und Geschichte des Stadtraums am Gerresheimer Bahnhof. Zusätzlich zur Lebensqualität wird so auch die Sicherheit im öffentlichen Straßenraum verbessert werden. Durch die Klassifizierung des Platzraumes als verkehrsberuhigte Straße kann eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h erfolgen.

Bündelung der Verkehrsbeziehungen
Aus der Beurteilung der Empfehlungskommission zum Siegerentwurf
Nach eingehender Diskussion aller Vor- und Nachteile der einzelnen Entwürfe beschließt die Empfehlungskommission einstimmig, der Stadt Düsseldorf und ihren politischen Entscheidungsgremien den Entwurf des Teams 1 als Grundlage der weiteren Planungen zu empfehlen. Die Lösung des Teams 1 besticht als pragmatische, machbare Lösung. Sie bietet sowohl aus städtebaulicher Sicht als auch in der Funktionalität der Wegebeziehungen überzeugendes nachhaltiges Konzept. Sie ist zudem unabhängig von der Realisierung der Ortsumgehung. Auch ist eine Integration dieses neuen Querungsbauwerkes im Rahmen des Attraktivierungsprogrammes der anstehenden Umbaumaßnahmen des Bahnhofsbereichs durch die DB sehr gut möglich. Die Integration der Straßenbahn in das Konzept der kurzen Wege besticht durch seine Einfachheit. Die Lösung des Teams 1 wird dem Ort und dem Ziel einer zeitnahen Umsetzung am überzeugendsten gerecht. Für die weitere Bearbeitung des Projektes wird empfohlen, die Breite der Unterführung auf 8 bis 9 m aufzuweiten, so dass noch mehr Tageslicht einfallen und mögliche Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern vermieden werden können.
Hervorzuheben ist, dass Team 1 bei der detaillierten Planung eine mögliche Entfernung des 5. Gleises herausgearbeitet hat. Dies konnte mit der Deutschen Bahn während des Gutachterverfahrens positiv abgestimmt und auch den anderen Teams mitgeteilt werden. Hierdurch ergibt sich die Möglichkeit einer sehr knappen, kurzen und präzisen Unterführung mit einer großzügigen Aufweitung der nördlichen Rampe. Besonders hervorzuheben ist in diesem Entwurf die sowohl kurze Wegebeziehung zwischen allen Verkehrsarten, insbesondere die Einbeziehung der Straßenbahn durch Verlegung der Wendeschleife als auch die kurze Verbindung zwischen den Ortsteilen, die von Radfahrern und mobilitätsbehinderten Personen uneingeschränkt nutzbar ist. Das Freistellen des Bahnhofgebäudes als selbstverständliches und prägendes Element des Ortes ergibt die Möglichkeit, hier alte Bausubstanz als neues "Highlight" zu definieren. Die Vorschläge zur Gestaltung der Unterführungswand mit der Assoziation zur Glashütte, beispielsweise der Gestaltungsvorschlag mit Glasgabionen, überzeugt sehr.

Luftbild des Wettbewerbsgebietes






