Realisierungswettbewerb Solarsiedlung Garath (2005)
| Ansprechpartner | Fon 0211 | Fax 0211 |
|---|---|---|
| Daniel Gürich daniel.guerich@ duesseldorf.de |
89-96700 | 89-36700 |
Bauherr und Eigentümer:
Rheinwohnungsbau GmbHGladbacher Straße 95
40219 Düsseldorf
Telefon 0211-49873-0
Telefax 0211-49873-25
E-Mail info@rheinwohnungsbau.de
Internet http://www.rheinwohnungsbau.de/
Hintergrund
Die Rheinwohnungsbau bewirtschaftet in dem zu untersuchenden Wohnquartier über 400 Mietwohnungen, die zu einem Großteil zwischen 1954 und 1965 entstanden. Das Gebiet umfasst eine Fläche von ca. 23.500 qm. Die Bestandswohnungen entsprachen den Wohnbedürfnissen sowie dem Stand der Technik der damaligen Zeit. Neben der Bestandsoptimierung war das Ziel dieses Wettbewerbes, die an der Stadteilgrenze Urdenbach/Garath liegenden Gebäude in einen städtebaulichen Kontext zu bringen, um insgesamt eine Aufwertung des Mikrostandortes herbei zu führen. Daher führte die Rheinwohnungsbau GmbH in 2005 einen beschränkten interdisziplinären Realisierungswettbewerb als Einladungswettbewerb durch.
Der Wettbewerb umfasste im Wesentlichen folgende Aufgaben:
- Aufwertung der vorhandenen Bebauung bzw. möglicher Rückbau vorhandener Substanz,
- Breitstellung heute geforderter Wohnformen und Wohnungsgrößen unter Beachtung der Rahmenbedingungen des Mikrostandortes Düsseldorf-Garath-West,
- Abwägung zwischen Bestandserhaltung und Rückbau/Neubebauung nach technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten,
- Aufzeigen von Entwicklungsperspektiven für den Wohnungsbestand der Rheinwohnungsbau in diesem Quartier,
- Verzahnung und Einbindung der neuen Wohnanlage in den städtebaulichen Kontext,
- Prüfung der Nutzung alternativer Energien und natürlicher Ressourcen vor dem Hintergrund ständig steigender Betriebs- und Heizkosten sowie gesamtgesellschaftlicher Verantwortung.
- Neugestaltung des Wohnumfeldes und Schaffung von Wegeverbindungen zwischen der Lüderitzstraße und der Josef-Maria-Olbrich-Straße.
Folgende Teilnehmer wurden eingeladen:
- HGMB Architekten GmbH & Co. KG, Düsseldorf
- Kleszczewski + Partner Architekten, Grevenbroich
- Druschke + Grosser, Architekten BDA, Duisburg
- Büro Schwingen & Partner, Düsseldorf
- Architektei GmbH, Köln
Ergebnisse
Die Gebäude der Lüderitzstraße 53-63 werden, wie bereits vor längerer Zeit entschieden und wie auch weitestgehend durch die bereits erfolgten Mieterauszüge dokumentiert, komplett zurückgebaut und einer Neubebauung zugeführt.
Die Wettbewerbsarbeiten an der Lüderitzstraße 47-51 stellten übereinstimmend fest, dass die Modernisierung, insbesondere der Dachgeschossausbau und die Erweiterung wirtschaftlich nicht vertretbar sind. Die geschätzten Aufwendungen würden etwa 20% über den Neubaukosten liegen. Darüber hinaus ist die Gebäudestellung für die Neuentwicklung dieses Areals hinderlich.
Bis auf ein Architekturbüro stellten alle Wettbewerbsteilnehmer übereinstimmend fest, dass der schlechte bauliche Zustand der Hochhäuser Josef-Maria-Olbrich-Straße 28, 38, 48 und 58, welcher nicht auf mangelnde Pflege zurück zu führen, sondern konstruktiv bedingt ist, eine Sanierung und Modernisierung nicht zulässt. Selbst wenn die Bestandgebäude saniert würden, müsste man mit vielen Unzulänglichkeiten leben. So wäre eine barrierefreie Erreichbarkeit der Wohnungen nach wie vor ausgeschlossen, die Laubengangerschließung über ein zentrales Treppenhaus nach wie vor vorhanden und die Grundrisse nur mit vorgestellten Balkonen aufzuwerten. Der Rückbau bietet die Möglichkeit zum kosten- und flächensparenden Bauen ohne Verzicht auf städtebauliche Qualität.
In der Jurysitzung wurden zwei erste Preise vergeben, und zwar an:
- HGMB Architekten GmbH + Co KG aus Düsseldorf (Informationen zum Entwurf) und
- Druschke + Grosser, Architekten BDA aus Duisburg (Informationen zum Entwurf)
Dem Auslober empfahl die Jury, das städtebauliche Konzept von Druschke + Grosser, Architekten BDA zugrunde zu legen und das Konzept von HGMB Architekten GmbH + Co KG mit in die Überarbeitung des Raumprogramms und der Grundrisse einzubeziehen, da dieser Entwurf in der Durcharbeitung eine sehr hohe Qualität aufweist.
Beide Siegerarbeiten bestechen durch:
- ein ausgefeiltes und ausgereiftes Energiekonzepte, das für den Investor wirtschaftlich und für die künftigen Bewohner mit deutlich reduzierten Betriebskosten verbunden ist,
- einfamilienhausähnlichem Wohncharakter in den zweigeschossigen Gebäuden,
- "Baukastensysteme" bei den Grundrissen, die eine hohe Flexibilität zulassen,
- Mietergärten für die Erdgeschossbewohner sowie begrünte und großzügige Quartierinnenhöfe,
- eine maßvolle Ausnutzung der Grundstücksfläche.

Überarbeitetes städtebauliches Konzept
Das aus den beiden Siegerentwürfen entwickelte städtebauliche Konzept sieht in jedem Bauabschnitt acht Gebäude vor, die zwei ruhige Innenhöfe mit großem Spielbereich umschließen. Die Erdgeschosswohnungen erhalten private Mietergärten. Es wird ein vielfältiges Angebot mit unterschiedlichen Wohnlagen und differenziertem Wohnmix realisiert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Bereitstellung von preiswertem und familiengerechtem Wohnraum nach dem Prinzip "Wohnen mit eigener Haustür". Die Wohnungsgrößen der "gestapelten Reihenhäuser" sind mit denen im Geschosswohnungsbau vergleichbar, der Eigenheimcharakter gibt ihnen eine hohe Attraktivität. Durch die geplanten Tiefgaragen bleibt das Wohnquartier nahezu autofrei.
Insgesamt werden alleine in den ersten beiden Bauabschnitten 114 moderne Wohnungen entstehen, davon 39 2-Zimmerwohnungen, 36 3-Zimmerwohnungen und 39 4-Zimmerwohnungen.

Vorgegebene Bauabschnitte
Das Wohnquartier hat vom Land Nordrhein-Westfalen den Status einer Solarsiedlung erhalten (Landesprogramm: "50 Solarsiedlungen in NRW").
Durch den Einsatz verbesserter Dämmung, 3-Scheiben-Wärmeschutzverglasung, einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und thermischer Solaranlagen -welche ca. 40% des Warmwasserverbrauches deckten- kann der Heizenergieverbrauch auf Niedrigenergiestandard (3-Liter-Haus) gebracht werden. Damit die Option der aktivsolaren Nutzung der Sonnenenergie gewahrt bleibt, sind die Dächer der Gebäude flach ausgebildet. So ist es möglich, unabhängig von der Orientierung der Gebäude optimal nach Süden ausgerichtete Sonnenkollektoren zu installieren. Die Solarenergienutzung ist dadurch mit maximalem Wirkungsgrad möglich. Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung ergänzen das Energiekonzept.

