Nach dem Wiederaufbau entstand das neue Düsseldorf
Stadtbild neu gefügt / Stadt rückte wieder an den Rhein/Weitere Verkehrsberuhigung durch Bau der Wehrhahn-Linie
Der Grundriss der Düsseldorfer Innenstadt wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in wesentlichen Teilen neu gefügt. Markanteste Veränderung ist die vollständig neu angelegte Berliner Allee, die auf dem Reißbrett der Stadtplaner als parallele Entlastungsstraße für die Königsallee - ohne Festhalten an überkommenen Grundstücksstrukturen und Straßenführungen - erdacht worden war. Der Phase des schnellen Wiederaufbaus, verbunden mit der Bereitstellung nötigster Infrastruktur, die in den sechziger Jahren abgeschlossen war, folgte der Stadtumbau, der das Gesicht der City neu und weitgehend endgültig modellierte.
Der U-Bahn-Bau der siebziger und achtziger Jahre als stärkster Einschnitt ist hier beendet, letzte Baulücken - wie an der früheren Dammstraße in der Altstadt - sind längst geschlossen und auch das Jahrhundertprojekt der Tieflegung der Rheinuferstraße als später Eingriff in das Stadtgefüge ist vollendet. Städtebauliche Veränderungen und Chancen für eine weitere Verkehrsberuhigung sehen die Planer im Bau der Wehrhahn-Linie als zweiter U-Bahn-City-Unterfahrung von Osten nach Süden. Sie soll bis 2014 fertiggestellt sein.
Für das "neue" Düsseldorf stehen heute die Universität mit ihren rund 15.500 Studierenden, das Messegelände in Stockum, die nach dem U-Bahn-Bau aufpolierte Kö, herausgeputzte Kaufhäuser mit Weltgeltung, mit erheblichem konservatorischem Aufwand restaurierte und ausgebaute Bankgebäude rund um die Königsallee, der bei Dunkelheit angestrahlte 240 Meter hohe Rheinturm, die weltbekannte Familie der Schrägseilbrücken über den Rhein, das markante Hochhaus "Stadttor" mit rhombenförmigem Grundriss auf dem Südende des Rheinufertunnels, in dem der Ministerpräsident mit seiner Staatskanzlei residiert, der umstrukturierte Hafen als Medienzentrum mit seinen von weltbekannten Architekten entworfenen Neubauten, die Kunstsammlung NRW am Grabbeplatz und ihr Ableger K21, die Hochhäuser der Versicherungsunternehmen Victoria und Arag, der Aquazoo Löbbecke-Museum als großartiger Publikumsmagnet im Nordpark, behutsam und liebevoll neugestaltete Gassen und Plätze in der Altstadt, der Rheinpark Bilk mit dem Landtag, der vollständig umgebaute Flughafen Düsseldorf International mit seinem Bahnanschluss für den regionalen und überregionalen Bahnverkehr, das erneuerte Ensemble am Ehrenhof mit museum kunst palast und der Hauptverwaltung der E.on und die Einzelprojekte zur Verbesserung des Wohnumfeldes in den Gründerzeitvierteln.
Dienstleistungen rücken in den Vordergrund
Eine Stadt verändert sich, wenn sich die Ansprüche ändern. Der Ausbau des modernen Düsseldorf geschah vor allem als Antwort auf den Bedeutungswechsel. Die Stadt entwickelte sich zum Dienstleistungszentrum, zum Außenhandelsplatz, zum internationalen Handelszentrum. Diese Entwicklung ist gekennzeichnet durch den Rückgang der industriellen Arbeitsplätze und den Ausbau der Büroberufe. Das Verhältnis der Arbeitsplätze im sekundären und im tertiären Bereich war in den fünfziger Jahren noch ausgeglichen. Heute liegt der Anteil der Dienstleistungsarbeitsplätze bei rund 80 Prozent, der der gewerblichen bei kaum 20 Prozent.
Eine andere entscheidende Entwicklung setzte ebenfalls in den sechziger Jahren ein. Viele Düsseldorfer, vor allem junge Familien, zogen ins Umland. Sie bauten dort ein Haus oder suchten das Wohnen in ländlicher Umgebung. Langsam kehrt sich der Trend um. Düsseldorf wächst wieder. Die Einwohnerzahl kletterte wieder auf über 580.000. Die Zahl der Arbeitsplätze stieg parallel dazu von 250.000 auf über 450.000 an. Täglich kommen mehr als 205.000 Menschen als Pendler zur Arbeit nach Düsseldorf. Das schafft Verkehrsprobleme. Schließlich gewann Düsseldorf internationale Bedeutung vor allem dank des Außenhandels und des Messegeschehens. Düsseldorfs Fachmessen, darunter auch der Modebereich, haben weltweiten Ruf und holen die Besucher in die Stadt.
Der Ausbau der Verkehrswege und die Verbesserung der Verkehrsanbindungen wie Erweiterung und Erneuerung des Flughafens Düsseldorf International und die Erweiterung und Erneuerung der Messe Düsseldorf, Fortsetzung der Umstrukturierung des Düsseldorfer Hafens an der Speditionstraße und auch die Autobahn A 44 im Norden der Stadt gehören zu den wesentlichen Bemühungen, die Position Düsseldorfs im internationalen Wettbewerb zu festigen. Mit der Freigabe der Flughafenbrücke wurde das Autobahntangentenviereck rund um Düsseldorf geschlossen.
Leistungsfähige Verkehrsverbindung
Die neuen leistungsfähigen Trassen für den überörtlichen Verkehr bescherten Verkehrsberuhigungen in vielen Wohnbereichen. Dafür stehen als in der Fachwelt vielbeachtete Paradebeispiele gleichermaßen der Ausbau des Werstener Kreuzes im Zuge der A 46 und der Abschnitt der Autobahn A 44 mit Anbindung von Messe Düsseldorf und Flughafen Düsseldorf International. Beim Ausbau der A 46 entstand - mit dem Tunneldeckel als Herzstück - im Vorfeld der Bundesgartenschau 1987 ein Grünzug von über 50 Hektar Größe mit ausgedehnten Fuß- und Radwegen, Spielbereichen und Erholungszonen und der Südpark. Im Norden gelang es, mit der Rheinquerung der A 44 die nördlichen Stadtteile, vor allem Stockum, Unterrath und Lichtenbroich, vom Durchgangsverkehr Richtung Messe und Flughafen zu befreien. Auch hier wurden auf den Deckeln von zwei großen Tunneln und im geschützten Umfeld der Autobahntrasse viel neues Grün sowie ein Netz von Geh- und Radwegen angelegt.
Ein großes Projekt im Bereich des Individualverkehrs mit deutlichen Verbesserungen für die Stadtqualität war die Tieflegung der Rheinuferstraße. Über den Deckel des 1.928 Meter langen Tunnels rückte die Stadt zwischen Oberkasseler und Kniebrücke wieder an den Rhein. Früher riegelte das von bis zu 55.000 Fahrzeugen am Tag belastete Verkehrsband der Bundesstraße 1 die Stadt vom Strom praktisch ab. Das Tunneldach mit seinen Baumreihen und Flanierzonen sowie der Freibereich des Unteren Rheinwerftes bieten Platz für Kurzweil und Erholung an der attraktiven Nahtstelle zwischen Stadt und Rhein.
Neue Planungen nur noch an den Randzonen
Das Augenmerk der Stadtplaner richtet sich jetzt in immer größerem Maß auf die Randzonen der Landeshauptstadt. Um den Nachfragedruck nach Büroraum von der engen Innenstadt zu nehmen, waren in den sechziger und siebziger Jahren Dienstleistungszentren am Rand der Innenstadt (Kennedydamm, Seestern) angelegt worden. Aktuell werden Flächen im direkten Umfeld des Flughafens neu erschlossen. Auch vollständig neue Wohnbereiche (Garath, Hellerhof, Einbrungen) sind entstanden. Neue Wohnbereiche nehmen nun im Süden der Stadt Gestalt an (Himmelgeist, Itter).
Besondere Bedeutung kommt deshalb der Umwandlung früher am Stadtrand gelegener Bahnflächen (wie dem 37 Hektar großen aufgegebenen Güterbahnhof in Derendorf) und der alten Industriebereiche an den City-Rändern zu, die nicht mehr für industrielle Zwecke genutzt werden. Die Neustrukturierung des alten Mannesmann-Röhrenwerkes in Lierenfeld und auch des Geländes des alten Oberbilker Stahlwerkes, früher unmittelbar neben dem Hauptbahnhof gelegen, stehen als Beispiele. Der U-Bahn-Bau löste die Öffnung der City nach Osten aus. Die Barrierewirkung des Stahlwerkes und der Bahnanlagen wurde mit dem vollständigen Umbau des Hauptbahnhofes, verbunden mit der Verknüpfung von U-Bahn, S-Bahn und Fernverkehr unter einem Dach, aufgehoben. Auf dem Gelände des früheren Stahlwerkes entstand die neue City-Ost mit Büro- und Verwaltungsbauten sowie Wohnungen. Eine ähnliche Entwicklung erlebt auch für das nördliche Derendorf, wo früher die Firma Rheinmetall zu Hause war.
Einen Eingriff in das Gefüge der Innenstadt wird der Bau der geplanten Wehrhahn-Linie bringen. Dies ist der unterirdische Stadtbahnabschnitt von Bilk in Richtung Grafenberger Allee. Entlang der Trasse bieten sich viele Chancen für städtebauliche Veränderungen, wie Platzgestaltungen und Verkehrsberuhigungen in großem Stil. Der Tunnel soll mit modernsten Methoden weitgehend unterirdisch bis zum Jahr 2014 gebaut werden.
Landeshauptstadt Düsseldorf
Amt für Kommunikation
(Stand: Juni 2007)

