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Düsseldorf - die "Größte Kirmes am Rhein"

Neun Tage und mehr als vier Millionen Besucher / Jahrhundertealte Tradition / Anlass ist das Namensfest des Stadtpatron St. Apollinaris am 23. Juli

Die Kirmes im Juli ist das unangefochten erfolgreichste sommerliche Ereignis in Düsseldorf: neun Tage lang wird auf den Oberkasseler Rheinwiesen vis-a-vis der Düsseldorfer Altstadt gefeiert. Mehr als vier Millionen Besucher finden sich da regelmäßig ein. Die wahren Kirmesfreunde kommen aus der ganzen Rhein-Ruhr-Region und vom Niederrhein. Und mehr und mehr Nachbarn aus den östlichen Teilen Belgiens und der Niederlande sind dabei. Die systematische und konsequente Arbeit, die eine Handvoll Männer vom Sankt Sebastianus Schützenverein von 1316 leistet, zahlt sich aus. Düsseldorfs größte Kirmes am Rhein kann es mit jedem anderen Volksfest in Deutschland aufnehmen - von Hannover bis Stuttgart und München.

Das, was beim großen Publikum zählt, ist die einmalige Kirmesstadt auf den Wiesen. An die 350 Schausteller mit den verschiedensten Geschäften - von der Top-Neuheit bis zum Mäusezirkus und von der Reibekuchenbude und der Fischbraterei bis zu den Schlemmerständen des Französischen Dorfes - können auf der 17 Hektar großen Wiesenfläche vor dem Rheindeich und zwischen den beiden City-Rheinbrücken untergebracht werden. Die Auswahl aus der mehr als dreifachen Anzahl der Bewerber, die Planung und Anordnung dieser Kirmesstadt ist von entscheidender Bedeutung und zieht sich über Monate hin. Wenn dann die ersten Schausteller mit ihren Fahrgeschäften anrollen, steht der Plan längst, sind die Stellplätze an den viereinhalb Kilometer langen Kirmesstraßen verteilt.

Die Generalstabsarbeit ist dann aber noch nicht beendet. Aufbau und Betrieb, vor allem auch die Ver- und Entsorgung erfordern ein straffes Regiment, damit das größte niederrheinische Volksfest reibungslos abläuft. Sie wird von wenigen Vorstandsmitgliedern des Schützenvereins ehrenamtlich geleistet. Und die Entwicklung des Düsseldorfer Kirmes-Konzeptes ist aufs engste mit dem Namen des Architekten Ludwig Kreutzer verbunden, der von 1958 bis 1996 als Kirmesbürgermeister die Weichen stellte.

Gründliche Vorbereitungen sind aber auch rund um die Festwiesen erforderlich. Vor allem bringt eine solche Großveranstaltung mitten in der Stadt Verkehrsprobleme mit sich. Schützen, Polizei und der kommunale Nahverkehrsbetrieb arbeiten bei Vorbereitung und Abwicklung eng zusammen. Der ideale Besucher der Kirmes kommt mit dem Nahverkehr. Das war bis Mitte der achtziger Jahre anders. Da durften die Pkw auf den angrenzenden Flächen der Rheinwiesen parken. Doch die Zahl der Besucher stieg und die Kirmes wuchs. So wurde 1988 die autofreie Kirmes ausgerufen. Damals wurde die Tunnelstrecke der Stadtbahn zwischen Hauptbahnhof und Oberkassel eröffnet. Seitdem entwickelt die Rheinbahn, der Düsseldorfer Nahverkehrsbetrieb, allen Ehrgeiz, um die Besucher per Schiene zu befördern. Inzwischen liegt der Anteil derjenigen, die per Stadtbahn anreisen, bereits bei 75 Prozent. Wer dennoch mit dem Pkw anreist, muss abseits parken. Beispielsweise auf den großen Parkplätzen an der Messe im Stadtteil Stockum. Von dort geht es per Buspendel zum Festplatz. Damit die Anwohner des Festplatzes von Fremdparkern verschont werden, werden die linksrheinischen Stadtviertel Ober- und Niederkassel abgepollert, die Einfahrt ist nur mit besonderer Berechtigung möglich. Wer unbelehrbar ist, hat das Nachsehen. Die Polizei geht gegen Falschparker unnachsichtig vor, Abschleppen und Verwarnen sind ein teurer Spaß. Gezahlt werden muss sofort, sonst wird der Wagen nicht freigegeben.

Große Volksfeste haben in aller Regel eine lange Tradition. In Düsseldorf hat der älteste Schützenverein, der St. Sebastianus-Schützenverein von 1316, der in Düsseldorfs ältester Stadtpfarre im Herzen der Altstadt zuhause ist, das Fest begründet. Tradition ist, dass die Schützen anlässlich des Patrons ihr Fest feiern. Düsseldorfs Stadtpatron ist der Heilige Apollinaris, dessen Fest am 23. Juli begangen wird. Früher gehörte zu einem solchen Patronats- oder Kirchweihfest stets auch Marktgeschehen mit buntes Treiben. Daraus entwickelte sich das Kirchmess- oder Kirmestreiben, letztendlich dann auch die "Größte" Kirmes am Rhein.

Der Weg zum großen Erfolg war freilich lang. Das Vogelschießen ist seit dem 12. Jahrhundert verbürgt. Und Schützenfeste in größerem Umfange feiern die Sebastianer seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Ab 1824 ist der Hofgarten ihre Bühne, ab 1875 dann die angrenzende Golzheimer Insel, jener Bereich, wo heute der Ehrenhof steht. Nachdem der Rhein eingedeicht und die erste feste Straßenbrücke entstanden war, zogen die Schützen vor die Stadt: seit 1901 wird auf den Oberkasseler Rheinwiesen gefeiert.

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8. Februar 2012 | 21:26 Uhr

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