Düsseldorf - die Kulturstadt
Zwischen Tradition und Avantgarde
Seit Kurfürst Jan Wellem von der Pfalz im 17. Jahrhundert den Ruf Düsseldorfs als Kunststadt begründete, seit unter seinem Nachfolger Carl Theodor - dem Bauherrn des "Gesamtkunstwerks" Schloss Benrath - die Kunstakademie ihre Tore öffnete, hat sich die Stadt an der Düssel immer wieder zu ihrer kulturellen Tradition bekannt. Dass diese sich hier aber auch stets mit dem Wagemut freiheitlichen Aufbruchs paart, bewiesen nicht nur die jungen Kunstrevolutionäre der zwanziger Jahre um Mutter Ey. Düsseldorf ist auch heute als Plattform avantgardistischer Kunst in aller Welt bekannt und geht strukturell neue Wege.
Wie in kaum einer anderen Stadt, ist die Düsseldorfer Kulturlandschaft in Bewegung geraten. Tiefgreifende strukturelle und organisatorische Reformen begleiteten die letzte Jahrtausendwende: Die einst städtische Kunsthalle erprobt sich nun als gemeinnützige GmbH, das NRW-Forum Kultur und Wirtschaft erhielt ein privates Management, für Schloss Benrath trägt jetzt eine Stiftung Verantwortung. Und mit der Stiftung museum kunst palast, in der das frühere Kunstmuseum und der Kunstpalast zusammengeführt wurden, praktizierte Düsseldorf die erste große kulturelle public-private-partnership in Deutschland.
Neues Leben für die Kultur
Die Stiftung museum kunst palast bildet ein neues Schwergewicht am Ehrenhof: Den historischen Bogen von Jan Wellems Galerie bis hin zur Moderne (Zero zum Beispiel) schlägt die Sammlung des Kunstmuseums, das 1927 in das von Wilhelm Kreis errichtete Ehrenhof-Hauptgebäude einzog.
Im Grünen Gewölbe der Tonhalle zeigt das Kunstmuseum darüber hinaus kostbare Gläser - seine Glassammlung ist durch das vom Düsseldorfer Ehrenbürger gestiftete und nach im benannte "Glasmuseum Hentrich" an Breite und Geschlossenheit einzigartig. Der neue Kunstpalast schließlich ist zur Bühne für ein Ausstellungsprogramm von internationalem Rang geworden, sein Robert-Schumann-Saal ein Ort der Musik, der Literatur und des Disputs. Auch das neue Kunstarchiv Kaiserswerth, Anfang des Jahres 2002 am Suitbertus-Stiftsplatz eröffnet, fällt in den Verantwortungsbereich der Stiftung.
Das NRW-Forum Kultur und Wirtschaft komplettiert das Ensemble am Ehrenhof. Es wurde im Oktober 1998 eröffnet, ist Schauplatz für eine bunte Palette an Wechselausstellungen, aber auch für Konferenzen, Präsentationen und Events.
Neues Leben pulsiert in Schloss Benrath. Der Ostflügel wurde restauriert und beherbergt nun - seit April 2002 - ein gänzlich neu entwickeltes Museum, das international einmalig ist: das Museum für Europäische Gartenkunst . Zusammen mit dem Hauptschloss und dem Museum für Naturkunde im Westflügel bildet das historische Ensemble jetzt auch organisatorisch unter dem Dach der Stiftung Schloss und Park Benrath eine Einheit.
Neues Leben auch in der Kunsthalle am Grabbeplatz, die seit 2002 als gGmbH firmiert. Diekunsthalle setzt in ihrem Ausstellungsprogramm den Schwerpunkt auf junge, talentierte Nachwuchskünstler und Avantgardekunst mit historischen Bezügen. In der Kunsthalle hat auch der 1829 gegründete Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen seinen Sitz.
Modernes von Weltklasse
Eine Sammlung von Weltklasse, konzentriert auf Gemälde des 20. Jahrhunderts, erwartet den Besucher am Grabbeplatz 5, gegenüber der Kunsthalle, mit Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (K20); der Neubau wurde 1986 eröffnet. Auch große Wechselausstellungen tragen zur besonderen Attraktivität dieses Museums bei. Seit April 2002 verfügt die Kunstsammlung über die Dependance K21: An exklusivem Ort - im historischen Ständehaus (früherer Landtag) - wird die Arbeit, die die Kunstsammlung am Grabbeplatz für die moderne Kunst des 20. Jahrhunderts leistet, in das 21. Jahrhundert fortgesetzt.
Ein eigenes Ausstellungshaus hat 2005 die international renommierte Kunstakademie Düsseldorf erhalten. Im Herzen der Altstadt etablierte sie eine "Galerie", in der das Schaffen ihrer Künstler-Professoren dauerhaft dokumentiert und präsentiert wird. Damit knüpft Düsseldorf an die verschollene Tradition von Akademie-Galerien vergangener Jahrhunderte an - ein Ausstellungshaus dieser Art ist heute einmalig in Deutschland. Sitz ist das historische Gebäude Burgplatz 1 aus dem Jahre 1882/83, das einst als Kunstgewerbeschule diente und später als Verwaltungsgebäude in den Rathaus-Komplex am Rhein integriert war.
Als Pendant zur Akademie-Galerie startete 2007 das Ausstellungshaus KIT (Kunst im Tunnel), ein spektakulärer Szenetreff für zeitgenössische Kunst unter der beliebten Rheinuferpromenade. Der außergewöhnliche Kunstschauplatz liegt in einem bislang ungenutzten 888 Quadratmeter großen Raum zwischen den Tunnelröhren für den Autoverkehr. KIT ist organisatorisch der Kunsthalle angegliedert und will vor allem jungen, talentierten Absolventen der Kunstakademie erste Ausstellungsmöglichkeiten bieten. Ein Pavillon-Café auf der Promenade bildet den Eingangsbereich.
Publikumsliebling Aquazoo
Die Geschichte der Rheinmetropole wird anschaulich im Stadtmuseum, Berger Allee 2. Die Dauerausstellung umfasst Gemälde und Graphik, Möbel, Waffen, Silber, Medaillen, Bodenfunde und vieles mehr. Der 1991 eröffnete Erweiterungsbau bietet mehr Platz für die Präsentation auch der jüngeren Geschichte Düsseldorfs und Wechselausstellungen zum aktuellen Kunstgeschehen. Die zum Museum gehörende Modell-Sammlung zur deutschen Binnenschifffahrt hat seit 1984 im alten Schlossturm als SchifffahrtMuseum ihren Platz gefunden.
Das Hetjens-Museum/Deutsches Keramikmuseum, Schulstraße 4, präsentiert und erforscht als einziges deutsches Spezialmuseum seiner Art künstlerisch gestaltete und kunsthandwerklich bedeutende Arbeiten aus dem gesamten Bereich der Keramik aller Epochen und Provenienzen. 1994 feierte es die Eröffnung eines Erweiterungstraktes, präsentiert seine Schätze seither in neuer Konzeption und gewann neue Ausstellungskapitel hinzu.
Die Palette der Museen wird noch bunter durch den Aquazoo - Löbbecke Museum mit Tierschau und naturwissenschaftlichen Sammlungen. 1987 wurde im Nordpark der Neubau bezogen. In der maßgeschneiderten Architektur, mit einzigartiger neuer Ausstellungskonzeption, wurde es bald zum zugkräftigsten Düsseldorfer Museum überhaupt.
Zwei Literaturmuseen
Mit zwei literarischen Instituten gibt Düsseldorf ein bemerkenswertes Beispiel für kommunale Kulturpflege. Das Heinrich-HeineInstitut an der Bilker Straße 12-14 ist ein Zentrum der Heine-Forschung und erinnert mit Heine-Archiv, Nachlassbibliothek, Ausstellungen und Diskussionen (auch zu anderen literarischen Themen) an den großen Sohn der Stadt. Der Geist der Goethe-Zeit wird lebendig im Goethe-Museum, mit dem Düsseldorf neben Frankfurt und Weimar als dritte bedeutende Stätte der Goethe-Pflege gilt. Das Institut ging hervor aus der kostbaren Kippenberg-Sammlung, die als Stiftung in die Obhut der Stadt kam. Das Goethe-Museum residiert im Schloss Jägerhof, Jacobistraße 2.
Zwei andere Institute widmen sich der darstellenden Kunst. Das Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf eröffnete 1993 im Neubau an der Schulstraße 4, es versteht sich als "Schule des Sehens". Auch das Archivieren und Restaurieren historischer Filme gehört zu den Aufgaben des Filmmuseums. Das Kino "Black Box" ist hier ebenfalls zu finden. Das Theatermuseum im Hofgärtnerhaus, Jägerhofstraße 1, umfasst Exponate und Materialien zur lokalen Bühnengeschichte. Historische Höhepunkte waren die von Immermann 1834 bis 1837 unternommene Theaterreform mit der "Musterbühne" und das 1905 von Louise Dumont und Gustav Lindemann gegründete Schauspielhaus. Deren Schüler Gustaf Gründgens brachte diese Tradition nach dem Zweiten Weltkrieg zu neuer Blüte, führte als Generalintendant Oper und Schauspiel zu europäischem Rang.
Vielfältige Theaterszene
1971 - in der Ära Stroux - zog das Schauspielhaus in den von Bernhard Pfau entworfenen Neubau am Gustaf-Gründgens-Platz ein. Zwei Bühnen stehen für das vielfältige Spektrum der Theaterkunst zur Verfügung. Und an der Heinrich-Heine-Allee hat die Deutsche Oper am Rhein - eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg - ihren Sitz. Sie zählt zu den führenden deutschen Musiktheatern.
Bühnen wie das Kabarett Kom(m)ödchen in der Kunsthalle, das Boulevard-Theater "Komödie" an der Steinstraße 23 und nicht zuletzt das Düsseldorfer Marionettentheater an der Bilker Straße 7 erweitern das Theaterangebot. Die professionelle freie Szene fand 1999 im "Forum Freies Theater" ein neues Podium (Leitung: Kathrin Tiedemann). Zwei Bühnen stehen dem Forum zur Verfügung: die "Kammerspiele" an der Jahnstraße 3 und das "Junge Theater in der Altstadt" (JuTA), Kasernenstraße 6. Das Musical wurde in Düsseldorf heimisch mit dem privaten Umbau eines ehemaligen Straßenbahn-Depots an der Erkrather Straße zum "Capitol". Auch das "Tanzhaus NRW", das mit seinem Programm weit über Nordrhein-Westfalen ausstrahlt, fand 1998 in diesem Depot eine neue Adresse.
Mekka der Musikfreunde
Düsseldorfs Renommée als Musikstadt, das ebenfalls auf Jan Wellem zurück geht und sich im 19. Jahrhundert mit Namen wie Schumann, Mendelssohn-Bartholdy und Brahms verknüpft, hat seit 1978 seinen schönsten Schauplatz in der neuen Tonhalle, zu der das ehemalige Planetarium am Ehrenhof umgebaut wurde. Rock- und Jazzveranstaltungen, Shows und Revuen sind in der Philipshalle (Siegburger Straße 15) zuhause.
Das eher klassische Musikleben der Stadt, konzentriert auf Tonhalle, Robert-Schumann-Saal und den Kammermusiksaal des Palais Wittgenstein an der Bilker Straße 7-9, profiliert sich in den Konzerten der Düsseldorfer Symphoniker, in den Chorkonzerten des Städtischen Musikvereins, der einer der größten Laienchöre Europas ist, sowie in Kammer- und Meisterkonzerten mit internationalen Ensembles und Solisten.
Auch die über 100 Chorvereinigungen und zahlreichen Kirchenchöre tragen zum "Klangbild" der Stadt bei. Düsseldorf besitzt voll ausgebaute Musiklehrinstitute für die Laien- und Berufsausbildung, die sich weit über die Stadtgrenzen hinaus eines hohen Ansehens erfreuen: die Städtische Clara-Schumann-Musikschule und die Robert-Schumann-Hochschule für Musik. Neben Kunstakademie, Heinrich-Heine-Universität und Fachhochschule prägen diese Institute Düsseldorfs Ruf als Bildungszentrum ersten Ranges.
Kulturzentrum Carlstadt
Zum Kulturzentrum hat sich in den letzten Jahren die einst auf Geheiß von Kurfürst Carl Theodor angelegte Carlstadt gemausert, wo sich neben vielen der schon genannten städtischen Kulturinstitute in enger Nachbarschaft eine Fülle privater Galerien und Antiquitätenläden findet. Ein Privat-Museum mit besonderem Charme ist Conzens "Altes Haus" an der Bilker Straße 5 mit seiner Sammlung historischer Rahmen und Düsseldorf-Ansichten.
Im selben Haus hat sich auch das Literaturbüro NRW, getragen von einem gemeinnützigen Verein, in dem Stadt und Land vertreten sind, angesiedelt. Das Literaturbüro vermittelt zwischen Autoren, Publikum und Verlagen. Ein Bummel von der Karlstadt durch die Altstadt zum Ehrenhof vermittelt dem Düsseldorf-Besucher bereits einen anregenden Querschnitt durch die Vielfalt der Düsseldorfer Kulturszene.
Landeshauptstadt Düsseldorf
Amt für Kommunikation
(Stand: Juli 2006)

