Düsseldorf - die junge NRW-Landeshauptstadt
Die Briten schufen Land und Landeshauptstadt / Stahlhof im Mittelpunkt / Geburtstag am 1. August / Im Opernhaus konstituierte sich der Landtag / Vom Ständehaus zum neuen Landtag
Düsseldorfs Rolle als Landeshauptstadt ist jungen Datums. Im Sommer 1946 gründeten die Briten das Land North Rhine-Westphalia und bestimmten Düsseldorf zur Hauptstadt. Das Leben im Rhein-Ruhr-Gebiet war damals noch ganz und gar von den Folgen des Krieges geprägt. Die Städte waren zerstört, das Land lag darnieder. Hunger und Not beherrschten das Leben. Düsseldorf hatte 243 Luftangriffe und eine sechswöchige Belagerung erlebt. Im Stadtkern waren 85 Prozent aller Gebäude zerstört, im ganzen Stadtgebiet 41 Prozent der Industriebetriebe, 45 Prozent der öffentlichen Gebäude und 79 Prozent aller Geschäfts- und Lagerhäuser. Allein 6.000 Tote waren unter der Zivilbevölkerung zu beklagen. In dieser Lage wurden die Weichenstellungen der Besatzungsmacht kaum wahrgenommen.
Rheinprovinz geteilt
Das Kriegsende hatte sich für Düsseldorf in mehreren Schritten vollzogen. Am 3. März 1945 rückten die amerikanischen Truppen bis ans linke Rheinufer vor. Eine sechswöchige Beschießung begann, denn rechtsrheinisches Gebiet wurde noch von der Wehrmacht gehalten. Erst am 17. April 1945 konnten die Amerikaner das Stadtgebiet besetzen. Schon im Februar 1945 hatten sich die Alliierten über die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen geeinigt. Das Rheinland fiel zusammen mit ganz Norddeutschland den Briten zu. Aber auch die Franzosen wurden als Besatzungsmacht anerkannt. Ein eigenes Territorium wurde nicht vorgegeben, Briten und Amerikaner sollten Teile ihrer Zonen abtreten. Am 12. Juni 1945 übernahmen die Briten Düsseldorf. Schon am 20. Juni wurde die Abtretung von Gebietsteilen wirksam: Die Briten gaben die südlichen Teile der alten Rheinprovinz, die Regierungsbezirke Koblenz und Trier, an Frankreich ab. Ein Jahr später wurden sie Bestandteil des neuen Landes Rheinland-Pfalz.
Zentrale Stahlhof
Die Briten siedelten ihre Führungsgremien nun in Düsseldorf an. Der unzerstörte Stahlhof wurde Quartier für die militärischen wie die zivilen Institutionen. Für Nordrhein und Westfalen wurden je 100 Köpfe starke Provinzialräte ins Leben gerufen. Der rheinische Provinzialrat trat bereits am 14. Dezember 1945 im Düsseldorfer Stahlhof zusammen, der westfälische am 6. Februar 1946 in Münster.
Im Düsseldorfer Stahlhof hatte damals nicht nur der militärische Befehlshaber sein Quartier, hier residierte auch der "Regional Commissioner". Ab 1. Mai 1946 war das William Asbury, ein Mann, der wusste, was zu tun war: Asbury hatte sich Erfahrungen als Kommunalpolitiker in Sheffield erworben. Er war es, der bei der Bestimmung von Düsseldorf zur Landeshauptstadt wohl eine wichtige Rolle spielte. Jedenfalls stellten die Briten nun bald Überlegungen an zum weiteren Staatsaufbau. Franzosen und Sowjets waren dafür, das Ruhrgebiet als die deutsche Waffenschmiede zu internationalisieren. Doch die Pariser Außenministerkonferenz im Frühjahr 1946 brachte keine Einigung darüber. Da handelten die Briten.
"Operation Marriage"
Die Idee der Zusammenlegung der beiden traditionsreichen Provinzen Rheinland und Westfalen wurde geboren, Düsseldorf erstmals als künftige Hauptstadt benannt. Anfang Juni 1946 stimmte das britische Außenministerium diesen Vorstellungen zu. Zum 15. Juli wurden führende westdeutsche Politiker ins britische Hauptquartier nach Berlin beordert, dort von der bevorstehenden Vereinigung der beiden Provinzen unterrichtet. Zwei Tage später gab es eine Pressekonferenz in Berlin und am 18. Juli 1946 erfuhr dann die deutsche Öffentlichkeit über BBC London, daß die Zusammenlegung vorgesehen sei. Das weitere war Abwicklung: Per Direktive legte das Hauptquartier fest: Die "Operation Marriage" findet am 1. August 1946 statt und lapidar dann: "Capital: Düsseldorf".
Ministerpräsident aus Münster
Die Düsseldorfer Zeitgenossen nahmen die neue Ehre kaum zur Kenntnis. Sie hatten andere Sorgen, man sah neue Pflichten auf sich zukommen. Immerhin hatten die Briten den Verwaltungschef Walter Kolb schon am 20. Juli verständigt, der die Neuigkeit in der Verwaltungskonferenz bekanntgab. Am 5. August gab Oberbürgermeister Karl Arnold die Veränderung dann auch vor dem Stadtrat bekannt. Höchst offiziell wurde die Sache aber erst durch die Direktive Nr. 46, die am 23. August 1946 im zweisprachigen Amtsblatt der Militärregierung veröffentlicht wurde. Inzwischen war die Gründung des Landes schon vorangekommen. Die Zivilkommissare suchten am 24. Juli den Präsidenten des westfälischen Provinzialrates, Dr. Rudolf Amelunxen, auf und forderten ihn auf, Ministerpräsident im neuen Lande zu werden. Amelunxen willigte ein. Die Briten machten ihren bis dahin rheinischen Zivilkommissar nun zuständig fürs ganze neue Land. Asbury, der weiter im Stahlhof residierte, bestellte sich Amelunxen dorthin, erteilte ihm die Anweisungen: "Sie und Ihr Kabinett werden unter meiner Anleitung arbeiten".
Neuer Landtag in der Oper
Die nächsten Schritte standen bereits fest. Am 28. August 1946 lud Asbury die Provinzialräte für den 2. Oktober zur konstituierenden Sitzung des ernannten Landtages nach Düsseldorf ein. Am 30. August stellte Amelunxen sein zehnköpfiges Kabinett vor, dem auch der Düsseldorfer Oberbürgermeister Karl Arnold angehörte. Alle Gespräche, alle Direktiven gingen vom Stahlhof aus. Von dort übte die Besatzungsmacht ihre militärische wie zivile Kontrolle aus. Der neue Landtag kam am 2. Oktober im Opernhaus zur ersten Sitzung zusammen. Er wählte den Düsseldorfer Sozialdemokraten Ernst Gnoss zum Präsidenten, Vize wurde Karl Arnold.
Der Landtag kehrte nicht mehr ins Opernhaus zurück. Die nächste Sitzung wurde im Theatersaal der Firma Henkel in Holthausen einberufen. Doch auch das war Provisorium. Schon im November 1946 beschloss der Landtags-Hauptausschuss, das kriegszerstörte Ständehaus für die Zwecke des Landtags wieder aufzubauen. Erste Wahlen wurden ausgeschrieben und am 20. April 1947 trat der erste frei gewählte Landtag von Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf zusammen. Der Düsseldorfer Josef Glock wurde zum Präsidenten gewählt. In Düsseldorf merkte man nichts von der neuen Ehren. Man hungerte inmitten der Ruinen. Auch die Wiederherstellung des Ständehauses wurde kaum registriert: Am 15. März 1949 zog dort der Landtag ein.
Kein Regierungsviertel
Auf Jahre hinaus tat sich nun nichts mehr in Sachen Landeshauptstadt. Es scheint, als hätten alle Verantwortlichen die von den Briten getroffene Lösung nur als Provisorium angesehen. Der Ministerpräsident fand Unterkunft im alten Behördenhaus am Rheinufer, das sich einmal der Rheinische Provinzialverband errichtet hatte. Und für die Repräsentation des Regierungschefs des einwohnerstärksten Landes reichte fortan die Villa aus, die dem Landeshauptmann als Dienstwohnung gedient hatte. Vorstöße der Stadt, für die Landesregierung ein regelrechtes Regierungsviertel zu schaffen, stießen auf keine Gegenliebe. Das Land lehnte ein solches Viertel an der neu entstehenden Berliner Allee ebenso ab wie im Kleingartengelände In der Lohe, dem späteren Büroviertel Kennedydamm.
Erst Anfang der sechziger Jahre einigten sich Land und Landeshauptstadt auf eine dezentrale Unterbringung der Regierungseinrichtungen mit Schwerpunkt an der damals erst geplanten Rheinkniebrücke. Inzwischen steht dort ein Neubau, in dem das Innenministerium untergebracht ist. Andere Ministerien sind in der Innenstadt und am Ortsrand von Hamm beheimatet. Seit 1988 hat aber der Landtag von Nordrhein-Westfalen, immerhin die Vertretung von 17 Millionen Landeskindern, ein modernes Domizil. Im Berger Hafen entstand der Neubau nach Plänen der Architekten Eller, Maier, Moser, Walter & Partner. Bewegung kam ins Regierungsviertel, als Wolfgang Clement, eben zum Ministerpräsidenten gewählt, 1998 seine Absicht bekanntgab, die Staatskanzlei in das Hochhaus "Stadttor" zu verlegen. Ende März 1999 zogen Clement und die 305 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Staatskanzlei um.
Landeshauptstadt Düsseldorf
Amt für Kommunikation
(Stand: August 2005)

