Bauboom und steigende Rohstoffpreise machen Bau der Wehrhahn-Linie teurer
Ergebnisse der Submission sind jetzt ausgewertet/Höhere Zuschüsse erwartetDer allgemeine Kostenanstieg bei U-Bahn-Bauprojekten macht auch vor dem Bau der Düsseldorfer Wehrhahn-Linie nicht Halt. Das zeigt sich jetzt nach Auswertung der Submissionsergebnisse. Statt der ursprünglichen Nettosumme von 434,4 Millionen Euro müssen nun 548,8 Millionen Euro veranschlagt werden. Dies entspricht dann einem Bruttobetrag von 650,5 Millionen Euro. Da die Stadt zum Abzug der Vorsteuer berechtigt ist, spielt jedoch nur die Nettosumme eine Rolle. Hauptfaktoren für diese Entwicklung sind der Boom in der Bauindustrie sowie der weltweite Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise. Oberbürgermeister Joachim Erwin: "Es hat bei unserer Wehrhahn-Linie keine Planungsänderungen gegeben, die Mehrkosten nach sich gezogen haben. Einzig fremdbestimmte Gründe haben zu dieser Entwicklung geführt. Es ist nun eine Anpassung des Bau- und Finanzierungsbeschlusses durch den Rat erforderlich. Um mit dem Bau beginnen zu können, ist der Mehraufwand, der sich über die gesamte Bauzeit verteilt, zunächst bereits in die Haushaltsplanungen aufgenommen worden."
Der zusätzliche Eigenanteil der Stadt von 110 Millionen Euro verteilt sich über die gesamte Bauzeit wie folgt: 2008: 24 Millionen, 2009: 15 Millionen, 2010: 11 Millionen, 2011: 16 Millionen sowie ein Betrag von 44 Millionen Euro in den Jahren 2011 ff. Auf der Grundlage der erforderlichen Kostenanpassungen ist von einer gemittelten jährlichen Mehrbelastung des städtischen Haushaltes in Höhe von 15,7 Millionen Euro auszugehen.
Der Oberbürgermeister stellte klar, dass es sich hier um eine Entwicklung handelt, die vollkommen außerhalb der Einwirkungsmöglichkeiten der Stadt liegt. So ist es im System solcher Großvorhaben und ihrer langwierigen Genehmigungswege begründet, dass die angenommene Kostenbasis in der Regel Jahre zurück liegt. Im Fall der Wehrhahn-Linie beziehen sich alle Ermittlungen auf das Jahr 2003. "An den Kosten der Wehrhahn-Linie haben wir," so der OB weiter, "bereits in der Vergangenheit deutlich gearbeitet."
Mit Blick auf die Entwicklung bereits begonnener Projekte (wie U-Bahnbau in Köln, Sanierung Wuppertaler Schwebebahn) hatte sich das Land 2003 veranlasst gesehen, alle Vorhaben des ÖPNV-Ausbauplanes einer Überprüfung im Hinblick auf wesentliche Abweichungen der Projektinhalte und der Kosten zu unterziehen. In Verhandlungen mit Land und Bund wurde auf der Grundlage inzwischen vorliegender konkreter Planunterlagen und erheblicher Zugeständnisse der Stadt im Hinblick auf den Projektumfang (so Verzicht auf einen U-Bahnhof Wehrhahn), natürlich auf der Basis des damaligen Baupreisniveaus, ein Kostenrahmen (381 Millionen Euro netto) für die weiteren Verfahrensschritte (Planfeststellungsantrag, "Standardisierte Bewertung" und Zuwendungsantrag) festgelegt.
"Die explosionsartige Entwicklung der Baupreise in den letzten zwei Jahren war da in keiner Weise absehbar", so der Oberbürgermeister. Anpassungen an die Entwicklung des Baupreisindex in den laufenden Genehmigungsverfahren hätten zum Stopp der Verfahren und zum Neubeginn "bei Null" geführt. Der OB weiter: "Vor diesem Hintergrund ist es selbstverständlich, dass wir Bund und Land jetzt als Zuschussgeber angehen werden, die neue Situation bei der Zuschussfrage angemessen zu berücksichtigen."
Vollkommen außer Zweifel steht für das Stadtoberhaupt der Nutzen, den die Landeshauptstadt aus der Wehrhahn-Linie zieht. Er liegt neben den großen Pluspunkten bei der verkehrlichen Bedeutung ganz besonders bei den städtebaulichen Verbesserungen. So kommt es zu einer deutlichen Aufwertung stadtplanerischer Entwicklungsgebiete wie dem Bereich rund um den Güterbahnhof Derendorf, dazu werden die Stadträume entlang der Trasse profitieren und auch für das Stadtbild an der Oberfläche der Trasse ergeben sich neue Gestaltungsräume. Hinzu kommt, dass eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur und ein attraktives städtebauliches Umfeld bedeutende Standortfaktoren für die wirtschaftliche Entwicklung sind. Aus verkehrlicher Sicht wiegen insbesondere die Vervollständigung des Düsseldorfer Stadtbahnnetzes, die Verbesserungen der Reisezeiten und Umsteigebeziehungen im ÖPNV-Netz, die Verbesserungen in den Bereichen Barrierefreiheit sowie Zuverlässigkeit des ÖPNV und natürlich die Entlastung der Straßen durch eine steigende Verkehrsnachfrage im ÖPNV-Netz.
Unabhängig vom Ausgang der Gespräche mit Land und Bund über eine Erhöhung der Zuwendungen aufgrund der konjunkturell bedingten Baupreisentwicklung ist nach der Beschlussfassung des Rates über die Anpassung der Finanzierung die Beauftragung der Rohbauleistungen für Ende September/Anfang Oktober vorgesehen. Hierbei sind Angebotsbinde- sowie Einspruchsfristen zu beachten. Unmittelbar im Anschluss an die Vergabe sollen die vorbereitenden Bauarbeiten (Baustelleneinrichtung, Baufeldfreimachung, Leitungsverlegungen) beginnen. Zur Schonung des Weihnachtsgeschäftes starten die Rohbauarbeiten im Zentrum der Stadt erst ab Januar 2008.
(bla)
7. August 2007

