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Frisch gepresst - Neue Bücher aus Düsseldorf

Im Jahr 2012 wird die Reihe "Frisch gepresst. Neue Bücher aus Düsseldorf" fortgesetzt. Ins Leben gerufen wurde die Reihe gemeinsam vom Literaturbüro und der Zentralbibliothek, um ein größeres Bewusstsein zu schaffen für die Vielfalt der Düsseldorfer Literaturszene, die oft im Schatten ihrer Schwester, der Kunst, steht. Die Veranstalter waren zunächst selbst gespannt, wie lange es möglich sein würde, in jedem Jahr zehn Termine mit neuen Büchern zu füllen, die nicht nur aus der Feder einer Düsseldorfer Autorin oder eines Autors bzw. aus einem Düsseldorfer Verlag stammen müssen, sondern auch den Qualitätskriterien standhalten können. Das Potential ist noch immer nicht erschöpft und die OrganisatorInnen Michael Serrer und Annette Krohn entdecken immer neue AutorInnen.

Dienstag, 15. Mai 2012 um 18 Uhr

Christof Hamann "Nur ein Schritt bis zu den Vögeln"

(Steidl Verlag)
Sicher weiß man nur, dass Simon Ende dreißig, Journalist, Porschefahrer und Besitzer eines Hauses in bester Lage am 14. Mai hinunter zu den Gleisen am Ufer des Bodensees gegangen ist. Ob er sich absichtlich bei Nacht auf die Gleise gelegt hat oder versehentlich vor den Zug geraten ist, vermag keiner zu sagen. Karl ist jedoch vom Selbstmord seines Freundes überzeugt. Mithilfe von Notizheften, die Simon zurückgelassen hat, begibt er sich auf eine Erinnerungsreise, um zu begreifen, was seinen ehrgeizigen und kompromisslosen Begleiter seit Kindertagen, den erfolgreichen Spezialist für Innere Sicherheit, derart aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Karl, der sein Geld mit dem Verfassen von Heiligenlegenden verdient, tastet sich vorsichtig zurück, um seinen Simon wiederzufinden, der ihn, den Stotterer und augenscheinlich viel Schwächeren, zurückgelassen hat. Behutsam und präzise beschreibt Hamann die innere Reise seiner Protagonisten, die jeder für sich auf der Jagd sind nach ein paar Schlupflöchern des Glücks.

Christof Hamann wurde 1966 am Bodensee geboren. Seine mehrfach ausgezeichneten Romane Seegfrörne (2001), Fester 2003) und Usambara(2007) sind ebenfalls bei Steidl erschienen.

Moderation: Michael Serrer, Literaturbüro NRW e.V.

Dienstag, 19. Juni 2012 um 18 Uhr

Mechtild Borrmann liest "Wer das Schweigen bricht"

(Pendragon Verlag)
August 1939: In den Wirren des Zweiten Weltkriegs verfangen sich sechs junge Menschen in einem Netz aus Freundschaft, inniger Liebe und tiefgreifendem Hass. Was aber hat das mit Robert Lubisch zu tun, der beinahe 60 Jahre später im Nachlass seines Vaters, einem Industriemagnaten der Nachkriegszeit, den SS-Ausweis eines Unbekannten und das Foto einer schönen Frau findet? Lubisch' Neugierde ist geweckt: War sein Vater doch nicht so makellos, wie er immer angenommen hatte? Und wer ist die Fremde? Auf der Suche nach Antworten stößt Robert Lubisch auf die ehrgeizige Journalistin Rita Albers, die sofort eine große Story wittert. Doch die Wahrheit lockt die Geister der Vergangenheit wieder hervor und zieht grausame Folgen nach sich. Lubisch ahnt, dass die Geschichte seines Vaters noch viel dunkler ist, als er befürchtet hat. "Mechtild Borrmann ist keine der üblichen Krimiautoren hierzulande. Sie spürt in ihren präzise und komplex erzählten Geschichten die Untiefen der menschlichen Psyche nach. In ihrem neuen Buch - "Wer das Schweigen bricht" - führt sie uns in die Nazizeit und fragt nach der Schuld ganz normaler Menschen. (...) Ein leises Buch, das lange nachwirkt." Willi Keinhorst, Welt am Sonntag

Mechtild Borrmann, geboren in Köln, verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Kleve am Niederrhein und lebt heute in Bielefeld. Sie machte Ausbildungen zur Erzieherin, Gestalttherapeutin, Personalmanagerin, Tanz- und Theaterpädagogin und zur Groß- und Außenhändlerin. Sie arbeitete u.a. in einer Drogenberatungsstelle, führte Familien- und Seniorenfreizeiten durch, leitete eine Einrichtung für verhaltens-auffällige Kinder und lebte achtzehn Monate auf Korsika. Seit fünf Jahren betreibt sie ein eigenes Restaurant.

Moderation: Michael Serrer, Literaturbüro NRW e.V.

Dienstag, 21. August um 18 Uhr

Marie T. Martin liest aus "Vier Wände"

Marie T. Martin erzählt in "Vier Wände", erschienen in der Edition "12 Farben", von der Suche nach Heimat in Istanbul und in der Sprache. Anschließend gibt es eine Diskussionsrunde mit Marie T. Martin und Bettina Hesse, der Herausgeberin der Reihe "Zwölf Farben", unter der Moderation von Michael Serrer.

Marie T. Martin, geboren 1982 in Freiburg, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und lebt in Köln. Ausbildung zur Theaterpädagogin. Veröffentlichungen von Gedichten und Erzählungen in Anthologien und Zeitschriften, im Deutschen Lyrik-Kalender und 2011 im ersten Erzählband. Sie erhielt u.a. den Förderpreis des MDR-Literaturwetbewerbs und diverse Stipendien (zuletzt 2011 das Arbeitsstipendium der Kunstiftung NRW).

Moderation: Michael Serrer, Literaturbüro NRW e.V.

Dienstag, 18. September 2012 um 18 Uhr

Dietmar Sous liest aus "Sweet about me"


Als der wenig lebenstaugliche Musikjournalist seine große Liebe Betty kennenlernt, beginnt für ihn ein Familienleben, wie es normaler nicht sein kann. Die schlimmsten Probleme bereiten ihm Tochter Mayas kommerzieller Musikgeschmack und ihre Leidenschaft für den Schutz der Natur. Bis Maya einmal zu oft den wunden Punkt des Vaters trifft. Er rastet aus, sie flieht und läuft in ein Auto, ist tot. Das Leben des Erzählers wird plötzlich zum Horrortrip: Er verliert seinen Job an die eigene Tatenlosigkeit, die potenzielle Adoptivtochter an die Bitterkeit, die sich im Leben des Paares eingenistet hat, und schließlich Betty an die kruden Heilsversprechen einer religiösen Sekte. Doch das ist noch längst nicht alles.

Dietmar Sous erzählt mit lakonischem Humor von der Zerbrechlichkeit eines ganz normalen Lebens. Dabei schaut er in die Abgründe der menschlichen Seele und führt uns auf den schmalen Grat zwischen Alltag und Albtraum.

Moderation: Michael Serrer, Literaturbüro NRW e.V.

Dienstag, 16. Oktober 2012 um 18 Uhr

Rumjana Zacharieva liest aus "Transitvisum fürs Leben"


Als frisch gebackene Ehefrau eines erfolgreichen Architekten kommt die junge Mila aus der bulgarischen Stadt Russe, der Stadt der geretteten Zunge Elias Canettis, Anfang der 1970er Jahre in die damalige deutsche Hauptstadt Bonn. Alles ist neu für sie: die Sprache, die familiären Lebensumstände, die Gesellschaft. Sie bemüht sich um Anpassung, aber der Konflikt bleibt nicht aus: Soll sie alles, was sie früher liebte und was ihr vertraut war, verleugnen? Die Großfamilie, die Nähe zur Natur, das Dichten, ihre erste Liebe, ja sogar die sozialistische Mangelwirtschaft, die Kreativität und Solidarität erforderte. Jahrelang kommt sie sich wie eine Verräterin vor. Mit der Eroberung der deutschen Sprache und der Geburt der Kinder kehrt Milas Selbstwertgefühl zurück. Die Ehe scheitert, aber sie hat jetzt eine zweite Heimat gewonnen und schafft es, beide Welten miteinander zu verbinden, aus beiden zu schöpfen und Glück neu zu definieren. Mit "Transitvisum fürs Leben" knüpft Rumjana Zacharieva an ihren ersten Roman "7 Kilo Zeit" an, in dem sie Milas meist fröhliche Kindheit im sozialistischen Bulgarien beschreibt. Sie bleibt bei ihrem heiteren Stil, doch schildert sie auch ernste Begebenheiten mit so viel Einfühlungsvermögen, dass sie dem Leser unter die Haut gehen. Ein intimer Blick in ein Migrantenleben und in die Seele und Lebenswirklichkeiten von Menschen, die zur Europäischen Union gehören und doch im Westen noch weitgehend fremd bleiben.

Rumjana Zacharieva wurde 1950 in Bulgarien geboren. Nach ihrer Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland 1970 studierte sie Anglistik und Slawistik in Bonn. Seit 1975 schreibt die Autorin ausschließlich auf Deutsch. Die Arbeit an ihrem Roman "Transitvisum fürs Leben" wurde durch ein Stipendium der Kunststiftung NRW (2004) und ein Arbeitsstipendium des Kultusministeriums des Landes NRW (2008) gefördert.

Moderation: Michael Serrer, Literaturbüro NRW e.V.

Dienstag, 20. November 2012 um 18 Uhr

Barbara Ming liest aus "fallambula"


Barbara Ming wird ihr neues Buch "fallambula", das im Oktober erscheint, vorstellen. Im anschließenden Gespräch mit Michael Serrer wird sie auch von ihrer bisherigen literarischen Arbeit erzählen.

Moderation: Michael Serrer, Literaturbüro NRW e.V.

Dienstag, 18. Dezember um 18:00

Saskia Fischer liest aus "Ostergewitter"


Ein Osterfest wie aus dem Bilderbuch: das Wetter prächtig und die ganze Familie versammelt um den Ostersonntagmittagstisch. Da kippt Aleit, blauverfärbt und speichelschäumend, auf die Schulter ihres Stiefvaters - ein epileptischer Anfall. Ohne Grunderkrankung, doch nicht ohne Grund. Die Ärzte zucken die Schultern, aber Aleit schaut genauer hin. Was sie sieht, ist der Genesung nicht zuträglich: Der eigene Mann versteckt sich hinter Jointschwaden, die Schwester hinter ihrer Unschuldsmiene; die Mutter vergräbt sich in den Erstlesebüchern aus der DDR-Schulzeit ihrer Kinder, und der Stiefvater verschwindet mit Aleits fünfjähriger Tochter in seinem verdunkelten Zimmer. Schon fährt der nächste Blitz Aleit ins Gehirn, und dergestalt erleuchtet, sieht sie die Chance gekommen, mit den Verleugnungsstrategien ihrer Familie endlich aufzuräumen ... Wütend, unversöhnlich, voller Sarkasmus: In ihrem Romandebüt "Ostergewitter" schleudert Saskia Fischer Blitze und setzt ein Familienidyll, das in Wahrheit die Hölle ist, in Flammen.

Saskia Fischer wurde 1971 in Schlema im Erzgebirge geboren. 1986 übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Nordrhein-Westfalen. Sie studierte kurzzeitig Germanistik und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an der Ruhruniversität Bochum. Sowohl das Land NRW als auch die Stadt Düsseldorf gewährten ihr für ihr literarisches Schaffen Arbeitsstipendien. Nach einem Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats für Nicht-Berliner Autoren am Literarischen Colloquium zog sie 2006 nach Berlin um.

Moderation: Michael Serrer, Literaturbüro NRW e.V.


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24. Mai 2012 | 13:25 Uhr

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