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Vor 60 Jahren eröffnete das Düsseldorfer Schauspielhaus

Konzessionslose Kühnheit

"Wenn ich sechs Leute fragen muß, ob ich die Gage von dem Schauspieler erhöhen kann oder nicht, dann ist er schon sauer und abgefahren." Gustaf Gründgens, seit 1947 Generalintendant der Städtischern Bühnen Düsseldorf, fühlte sich durch die Einbindung in die hierarchische Struktur der städtischen Verwaltung in seinem künstlerischen Spielraum eingeschränkt. Schon 1949 hatte es Überlegungen, die Städtischen Bühnen aus dem Zuständigkeitsbereich des Amtes für kulturelle Angelegenheiten herauszunehmen, gegeben.

Am 11. Februar 1951 bat Gustaf Gründgens den mit der Stadt Düsseldorf geschlossenen Vertrag am Ende der Spielzeit auslaufen zu lassen, weil ihm "die Struktur der subventionierten Stadttheater veraltet und unrentabel erscheint". Die Spitzenkräfte des Ensembles wollten mit ihm Düsseldorf verlassen. Innerhalb von wenigen Tagen legte der spätere Kultusminister des Landes, Werner Schütz, Vorschläge zur Gründung des Düsseldorfer Schauspielhauses vor. Am 10. April 1951 unterzeichneten Vertreter von Stadt und Land, des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Gesellschaft der Freunde des Düsseldorfer Schauspieles den Vertrag über die Neue Schauspiel-GmbH. Zur Erinnerung an die von seinen Lehrern Louise Dumont und Gustav Lindemann mit dem privaten Schauspielhaus Düsseldorf zwischen 1905 und 1933 geprägte Theatertradition schlug Gründgens für das Theater den Namen Düsseldorfer Schauspielhaus vor.

Auf der Suche nach einem vollwertigen Theater schied ein Wiederaufbau des weitgehend zerstörten Schauspielhauses an der Kasernenstraße. Ein Neubau hätte die finanziellen Möglichkeiten der Stadt überfordert und so entschloss man sich entgegen gutachterlichem Rat schließlich das frühere Operettenhaus an der Jahnstraße, auch Kleines Haus genannt, wiederaufzubauen und in ihm das Schauspiel zu etablieren. Trotz zahlreicher kleinerer Umbauten in den folgenden Jahren blieb dieses Haus stets ein Provisorium.

Aussenansicht Schauspielhaus in der Jahnstrasse
Außenansicht Schauspielhaus in der Jahnstrasse

Der Erfolg der Eröffnungspremiere von Schillers "Die Räuber" am 13. September 1951 gab dem Anspruch, den Gründgens verfolgte recht. Die Kritik bescheinigte der Inszenierung von Gründgens in den Bühnenbildern von Willi Schmidt mit Antje Weisgerber, Ulrich Haupt, Hans Schalla, Adolf Dell u.a. "konzessionslose Kühnheit und Konsequenz, karg in der äußeren Apparatur, grandios in der Verdichtung des Thematischen, unerbittlich folgerichtig in der dramaturgischen Akzentuierung und getragen von einem Ensemblegeist, wie ihn nur eine echte ganz gar vom Ethos des Werkdienstes erfüllte Arbeitsgemeinschaft hervorzubringen vermag. Mit dieser Aufführung hat Gründgens vom ersten Tage an den Rang seines neuen Theaters festgelegt".

Die Spielstätte, die man für das Düsseldorfer Schauspielhaus an der Jahnstraße fand, war und blieb bis zur Eröffnung des heutigen Gebäudes 1970 ein Provisorium. Die Geschichte des Gebäudes beschreibt ein Untersuchungsbericht des städtischen Hochbauamtes vom 25. Mai 1970: "Das Ursprungsgebäude des alten Schauspielhauses ist das 1904 erbaute Hotelrestaurant Artushof . Etwa 1910 wurde das Hotel aufgegeben und darin ein Kleines Haus für Schauspiele eingerichtet, das wiederum 1927 umgebaut wurde, wie aus alten Plänen und stat. Berechnungen ersichtlich ist. Von kleineren baulichen Änderungen abgesehen, blieb das Haus bis zur Zerstörung seinem Zustand unverändert und diente als Operettenhaus; gelegentlich auch als Lichtspieltheater. (...) Zwar war das Düsseldorfer Schauspielhaus nach seiner Eröffnung im Jahre 1951 für das Kulturleben Düsseldorfs ein großer Gewinn, doch blieb es stets nur ein Provisorium. Schon bald stellte sich heraus, dass dieses Haus mit einer Mittelbühne den Wünschen der Theaterleitung und den Erwartungen des Publikums nicht genügte. Es wurde weiter improvisiert und dem zu engen Haus die Funktion einer Vollbühne aufgezwungen. Die Anzahl der Zuschauerplätze wurde trotz anderslautender baurechtlicher Bestimmungen und feuerpolizeilicher Vorschriften von 960 auf über 1000 gebracht. Dieser Zustand wurde bis zur Eröffnung des neuen Schauspielhauses stillschweigend geduldet..." (StAD VI 8734)

Zuschauerraum Schauspielhaus in der Jahnstrasse
Zuschauerraum Schauspielhaus an der Jahnstrasse. Foto: Lore Bermbach

In seinem Abschiedsbrief an den Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Neuen Schauspiel GmbH, den Regierungsrat Kurt Baurichter, 1955 nehmen die Klagen über den "Stall" und die "Scheune" und die unübersehbare Bevorzugung der Oper durch den großzügig finanzierten Umbau des Opernhauses den breitesten Raum ein. Diese Situation machte den Wechsel für Gründgens an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg leicht.



DSH Szenenfoto Schiller Die Räuber 1951 (128)
Schiller: Die Räuber, Premiere: 12.9.1951. Mit Gustaf Gründgens und Antje Weisgerber. Foto: Liselotte Strelow

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24. Mai 2012 | 21:21 Uhr

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