Auf den Spuren Gustav Lindemanns in Tallinn
Direktor des Theatermuseums Düsseldorf stellt Fotosammlung vor und macht Entdeckung zur Vorgeschichte des Düsseldorfer Schauspielhauses Dumont-Lindemann
Auf Einladung des Estnischen Theater- und Musikmuseums in Tallinn nahm Dr. Winrich Meiszies, Direktor des Theatermuseums der Landeshauptstadt Düsseldorf, an einer Tagung über Theaterfotografie und Dokumentation in der estnischen Hauptstadt teil. In seiner Eigenschaft als Präsident des Weltverbandes der Theatermuseen (SIBMAS) begrüßte er die Initiative zum fachlichen Austausch auf internationaler Ebene. Neben Fachleuten aus den Bereichen Fotografie und Museum waren auch Mitarbeiter einer Reihe von estnischen Theatern anwesend, die die Archive ihrer Theater vertraten. Weitere internationale Referenten kamen aus Finnland und Litauen.
Plakat Gastspiel von Gustav Lindemann mit "Hedda Gabler" 1902 in Reval (heute: Tallinn). Plakat: Estnisches Theater- und Musikmuseum.
In einem Vortrag zu "Grenzen und Möglichkeiten der Theaterfotografie", den er zusammen mit Anne Blankenberg erarbeitet hatte, konnte Dr. Meiszies über die reichen Erfahrungen in Bezug auf die Fotobestände des Düsseldorfer Theatermuseums berichten. So gehören die Werkarchive der Düsseldorfer Fotografen Liselotte Strelow, Lore Bermbach, H.J. Witkowski, Rudolf Eimke und Eduard Straub u.a. zur Fotosammlung des Theatermuseums der Landeshauptstadt Düsseldorf, die insgesamt ca. 300.000 Fotografien und Negative seit dem 19. Jahrhundert umfasst.
Bei Hintergrundgesprächen und Theaterbesuchen lernte Dr. Meiszies die deutsch-estnische Theatergeschichte kennen, zu der auch der Mitbegründer des Schauspielhauses Düsseldorf und Ehemann Louise Dumonts, Gustav Lindemann, zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Beitrag leistete.
Plakat Gastspiel von Gustav Lindemann mit "Rosmersholm" 1902 in Reval (heute: Tallinn). Plakat: Estnisches Theater- und Musikmuseum.
Mit dem von ihm 1900 gegründeten "Internationalen Ibsen-Theater" besuchte er Österreich, Polen, Lettland, Russland, Schweden und die Schweiz. Jüngste Forschungen zur Geschichte des "Eesti Draama teatri" (Estnisches Schauspielhaus), das noch heute im Gebäude des 1910 eröffneten "Deutschen Theater" residiert, weisen für 1902 Gustav Lindemanns Tourneetheater mit Gastvorstellungen von "Hedda Gabler" und "Rosmersholm" im deutschsprachigen "Stadttheater Reval", der heutigen estnischen Hauptstadt Tallinn, nach. Der internationalen Forschung war das Gastspiel bisher noch nicht bekannt. 1903 konnte Gustav Lindemann Louise Dumont als Schauspielerin verpflichten. 1905 gründeten Beide das Schauspielhaus Düsseldorf.
Estnisches Theater- und Musikmuseum
Zum Gedenken an den begabten estnischen Komponisten und Organisten Peeter Süda (gest. 1920) gründete der estnische Künstler und Sammler von Antiquitäten und Volksmusik August Pulst im Jahr 1920 das Vorläufige Komitee des Gedenkvereines Peeter Süda. 1924 wurde dieser Verein offiziell registriert. Im selben Jahr wurde im Schloss Kadriorg schon das Gedenkzimmer für Peeter Süda eröffnet.
1931 wurde der Gedenkverein P. Süda in den Verein des Musikmuseums umgewandelt. So wurde das Estnische Musikmuseum ins Leben gerufen. Im Frühling 1934 wurde die erste Ausstellung in den Räumen des Tallinner Konservatoriums, Müürivahe-Straße 12, eröffnet. Dort befindet sich das Museum noch heute.
Der Verein des Estnischen Theaters wurde 1937 gegründet. Man hatte wohl schon angefangen, theaterhistorische Materialien zu sammeln, zu einem Theatermuseum ist es aber erst 1941 gekommen, als die Theatersammlungen im Musikmuseum untergebracht wurden. Als Grundlage des Theaterbestandes diente die Kollektion des Schauspielers Heino Vaks. Das gemeinsame Museum bekam den neuen Namen Theater- und Musikmuseum. Heute gibt es hier ein wertvolles Archiv der Musik und des Theaters aus Estland, eine Spezialbibliothek, eine reichhaltige Sammlung von Musikinstrumenten, unter denen die estnischen Volksinstrumente und Hausorgeln einen wertvollen Teil darstellen. Das Museum verfügt auch über eine Kunst- und Schallplattensammlung.

Gustav Lindemann in Düsseldorf 1904

