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Die Bildenden Künste

Hofkünstlertum

Jan Wellem verfolgte das Ziel, seine Residenz in Düsseldorf zu einem Kunstzentrum europäischen Formats zu verwandeln. Vorbild war der Hof von Versailles des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Entscheidend dafür waren Künstler mit internationalem Ansehen, die er versuchte an seinen Hof zu binden. Zu seinem Regierungsantritt beschäftigte er etwa 180 Angestellte, darunter auch Künstler, 1704 waren es schon 368 bei nur circa 8.500 Düsseldorfer Einwohnern.

Johann Spilberg: Bildnis Herzog Philipp Wilhelm, Öl/Lw., Dauerleihgabe des museum kunst palast Düsseldorf im Rathaus
Johann Spilberg: Bildnis Herzog Philipp Wilhelm, Öl/Lw., Dauerleihgabe des museum kunst palast Düsseldorf im Rathaus

Bei seinem Regierungsantritt fand Jan Wellem für den Hof von Pfalz-Neuburg tätige Künstler vor wie den Düsseldorfer Johann Spilberg (1619 - 1690), der in Amsterdam bei Govaert Flinck in die Lehre gegangen war, und seine Tochter, die Malerin Adriana Spilberg (geb. 1652). Fürstenbildnisse von Spilberg schmücken heute die "Barockgalerie" des Düsseldorfer Rathauses.

Tauf- und Trauregister der Stadt belegen zahlreiche familiäre Bindungen unter den Künstlern aus Düsseldorf und den Niederlanden. Adriana Spilberg heiratete in erster Ehe den Künstler Wilhelm Breekvelt und in zweiter den Rotterdamer Künstler Eglon Hendrik van der Neer, der 1690 in Düsseldorf die niederländische Feinmalerei heimisch machte.

Durch die mit Porträt-Medaillons illustrierte Huldigungsschrift des Sprachsekretärs am Hof, Giorgio Maria Rapparini (1660-1722), sind Aufgaben und Ränge der Hofkünstler überliefert. Sie genossen zahlreiche Vergünstigungen, waren aber auch an das höfische Zeremoniell gebunden. Unter ihnen hatten der Oberbaudirektor Conte Matteo Alberti (1647-1735), der "Hofstatuarius" Gabriel de Grupello (1644-1730), der "erste Maler" Adriaen van der Werff (1659-1722) und der "Cabinetsmaler" Jan Frans Douven (1656-1727) besonders privilegierte Stellungen.

Jan Frans van Douven: Doppelbildnis Jan Wellem und Anna Maria Luisa de' Medici, 1708, Öl/Lw., Florenz, Uffizi, Corriforio Vasariano
Jan Frans van Douven: Doppelbildnis Jan Wellem und Anna Maria Luisa de' Medici, 1708, Öl/Lw., Florenz, Uffizi, Corriforio Vasariano

Andere wie die Stilllebenmalerin Rachel Ruysch (1664-1750) erhielten den niedrigeren Status als Ausstatter der Privatgemächer und Kabinette. Jan Wellem versuchte die Künstler vertraglich darauf festzulegen, dass sie exklusiv für ihn tätig waren. Großzügiger zeigte er sich in der Frage der Präsenzpflicht am Hof. Während Grupello oder Douven in Düsseldorf ansässig waren, kamen van der Werff und Ruysch nur besuchsweise nach Düsseldorf.

Es gab große Unterschiede in der Bezahlung, Spitzenverdiener war Adriaen van der Werff mit 4.000 Reichsthalern, der niedrigste Lohn lag bei 30 Reichsthalern. Gegenleistung van der Werffs war ein einzigartiger Bestand von 34 Gemälden, darunter der berühmte Bilderzyklus mit fünfzehn Mysterien des Rosenkranzes, die Hauptattraktion im "Saal van der Werff" der Gemäldegalerie.

Jan Frans van Douven: Selbstbildnis mit Kurfürstenpaar, um 1715, Öl/Lw., Düsseldorf, Stiftung museum kunst palast
Jan Frans van Douven: Selbstbildnis mit Kurfürstenpaar, um 1715, Öl/Lw., Düsseldorf, Stiftung museum kunst palast

Die ranghöchste Stellung am Hof aber hatte der Bildnismaler Douven, der sogar zum Ritter geschlagen wurde. Er gilt als Initiator der legendären Gemäldegalerie und wurde als Kunstagent zur Vermehrung der Kunstschätze auf Reisen geschickt. 1703 schuf er das monumentale Reiterbildnis des Kurfürsten, Nr.1 der Gemäldegalerie, das die Besucher am Eingang empfing.

Die am Hof etablierten Künstler zogen andere nach: Durch Grupello folgte sein Halbbruder Jacob Dubois als Hofarchitekt und Ingenieur. Durch Ruysch kam Godfried Schalcken (1643-1706) aus Dordrecht, bezog ein Haus in der Flinger Straße und schuf viel bewunderte Nachtstücke. Der Stilllebenmaler Herman van der Mijn (1684-1741) wiederum brachte den Architekturmaler Jan van Nickelen (tätig ab 1715) und seine Tochter, die Stilllebenmalerin Jacoba Maria (geb. um 1690) mit, die den Maler Willem Troost (1684-1759) heiratete.

Giorgio Maria Rapparini: Belucci, 1709, Zeichnung, in: 'Rapparini-Handschrift', 1709, Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf
Giorgio Maria Rapparini: Belucci, 1709, Zeichnung, in: 'Rapparini-Handschrift', 1709, Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf

Eine Sonderrolle hatten die aus Italien stammenden Wandermaler oder "decoratori" wie Antonio Bellucci (1654-1726), Giovanni Antonio Pellegrini (1675-1741) oder Domenico Zanetti (gest. nach 1712), die für die Ausstattung des Stadtschlosses mit Gemäldegalerie, von Schloss Bensberg oder des Opernhauses eingestellt wurden. Nur wenige Deckengemälde sind heute erhalten: Ein dreiteiliges von Zanetti aus den Gemächern der Kurfürstin schmückt seit 1961 die 'Barockgalerie' des Düsseldorfer Rathauses . Auch deutsche und niederländische Künstler wurden zu Dekorationen verpflichtet, so Gerhard J. Karsch für das Treppenhaus der Gemäldegalerie, Jan van Kessel und der Amsterdamer Tiermaler Jan Weenix, dessen Supraporten für Schloss Bensberg von Goethe bewundert wurden.

Alles in allem trug das Hofkünstlertum unter Jan Wellem nicht unerheblich zum Wohlstand der Stadt, zur Geschmacksbildung und Weltläufigkeit ihrer Bürger, aber auch zur Blüte des europäischen Kunstmarktes bei.



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27. Nov. 2014 | 07:35 Uhr

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