Im Inneren der Kaiserpfalz
1300 Jahre Geschichte am Rhein
Die Kaiserpfalz ist eine der letzten erhaltenen kaiserlichen Wohnbauten im Rheinland. Im Zusammenhang mit der 1300-Jahr-Feier Kaiserswerths im Jahr 1998 führte der Denkmalschützer Gerd Mania mit Firmen und ehrenamtlichen Helfern umfangreiche Restaurierungsarbeiten durch, die vom Förderverein Kaiserpfalz auf vielfältige Weise mitgetragen wurden. So wurden unter anderem Infotafeln im Pfalzgelände angebracht, die die Besucher durch die Anlage leiten.

Abendlicher Blick vom Obergeschoss der Treppenaufgangs der Kaiserpfalz.
Die Mauern
Die Kaiserpfalz ist nicht als Wohnbau in einem repräsentativen Stil, sondern als wehrhafte Zollfeste erbaut worden. In keiner anderen deutschen Pfalz finden sich gleich starke Mauern wie in Kaiserswerth.
Graue Trachytquader bilden als Hausteine die Ecken des Gebäudes und die Partien um die Fenster. Sie erlauben ein genaues Arbeiten an den Kanten und geben den großen Wandflächen (bis zu 3 Metern Stärke) aus vieleckigem, dunklem Basalt zusätzliche Stabilität. Zudem wurden Tuffsteine und Ziegel verarbeitet. Ein Inschriftenstein auf dem Pfalzgelände nennt den Drachenfels bei Königswinter als Herkunftsort des Baumaterials. Der Transport der Steine konnte leicht auf dem Wasserweg erfolgen.
Der Bergfried
Die niedrigen Mauern auf dem Platz unterhalb des Dammes zeigen den Innenraum (8x8 Meter) des quadratischen Bergfrieds, des höchsten Turms der Anlage. Seine Wanddicke betrug 4,5 Meter.
Der Palas

Anschaulicher Material-Mix im Erdgeschoss des Palas
Die sich in nord-südlicher Richtung ausbreitenden Ruinen gehören zum Hauptbau der Pfalz, dem Palas. Mit 50x30 Metern weist er eine beachtliche Fläche auf. Seine Südost-Ecke ist durch einen auf den alten Fundamenten aufgebauten Ziegelpfeiler markiert. Die heutige Höhe der Westwand von 14 Metern zeigt nur noch einen Teil ihrer ehemaligen Größe, denn die Pfalz besaß zu ihren Glanzzeiten noch ein weiteres Geschoss.
Die auf Bodenhöhe liegenden Räume gelten als Wirtschaftsräume, deren Nutzung im Einzelnen bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Balkenlöcher über diesen Räumen zeigen die Lage der hölzernen Zwischendecke zu den Repräsentationsräumen im Obergeschoss. Am oberen Rand der hohen Mauern erkennt man die Ansätze einer gemauerten Gewölbedecke.
Der Portalstein

Blick vom heutigen höchsten Punkt der Pfalz, dem ehemaligen zweiten Geschoss des Palas', auf den Rhein.
Durchschreitet man auf dem Weg zum höchsten Aussichtspunkt den ersten Bogen, befindet sich rechts unter einem Schutzdach der originale Türsturz des Haupteingangs. Die lateinische Inschrift besagt, dass Kaiser Friedrich I. dieses Bauwerk im Jahre 1184 zur Zierde des Reiches errichtet hat.
Die Küche
Der hinter dem zweiten Bogen liegende Raum lässt an seiner Nordwand die Reste einer großen Kaminanlage erkennen. Von daher wird dieser Raum als Küche bezeichnet.
Der Kerker
Obwohl bekannt ist, dass auf der Kaiserpfalz hochrangige Persönlichkeiten inhaftiert waren, lässt sich kein Raum als Gefängnis nachweisen.
Der Brunnen
Im südlichen Teil des Palas ist unter einem hohen Gewölbe ein runder Brunnenschaft erkennbar. An diesem Gewölbe glaubt man die alte Pfalzkapelle zu erkennen. Als später zu kurfürstlichen Zeiten auf sie verzichtet werden konnte - es gab ja die nah gelegene Stiftskirche - wurde der Brunnen, offenbar bis ins Obergeschoss erhöht und konnte bei Belagerung die Insassen der Pfalz versorgen.
Der Eingang

Restaurierter Portalstein (Original) vom Pfalzeingang.
Nach den ersten Stufen auf der nach oben führenden Treppe liegt rechts der Haupteingang der Pfalz. Der Portalstein auf der Außenseite ist eine Kopie des unten aufbewahrten Steins. Geschützt war der Pfalzzugang mit einer Zugbrücke und dem davor liegenden Klever Turm. Unter der Zugbrücke lag vermutlich die Einfahrt zu einem kleinen Binnenhafen.
Die kaiserliche Treppe
Die weiter aufwärts führende Treppe hat wahrhaft kaiserliche Dimensionen. Vom ersten Podest aus führte der Zugang zum großen Festsaal. Gegenüber deuten Kragsteine auf einen rheinseitigen Balkon hin.
Ganz oben angekommen erkennt der Besucher die besondere Lage dieser Zollfestung:Weit geht der Blick über den Fluss in beide Richtungen und in die niederrheinische Landschaft.

Kaiserswerther Rheinfront mit ehemaligem Mühlenturm, Anleger (links), Stiftskirche (Mitte) und der Ruine Kaiserpfalz (rechts).

Luftaufnahme der Kaiserpfalz

