Dreireihige Platanenallee ersetzt den Tausendfüßler
Wettbewerb Kö-Bogen II: Molestina Architekten und FSWLA Landschaftsarchitekten einstimmige Sieger des Wettbewerbes
"Der siegreiche Wettbewerbsentwurf von Molestina - FSWLA bietet uns eine einmalige Chance, das Herz unserer Stadt neu zu entwickeln. Es ist eine große Freude für mich, dass ein solch tolles Projekt für das Herzstück unserer Stadt in diesen Zeiten auf den Weg gebracht werden kann." So kommentierte Oberbürgermeister Dirk Elbers das Ergebnis des städtebaulichen und freiraumplanerischen Wettbewerbes für den Bereich zwischen Hofgarten, Königsallee, Berliner Allee und Schadowstraße. Zu den Kernüberlegungen der Planer gehört neben der Anordnung verschiedener neuer Baukörper, so am Rand des Gustaf-Gründgens-Platzes und auf der Tuchtinsel, eine rund 400 Meter lange, dreireihige Platanenallee anstelle des Tausendfüßlers.

Das Modellfoto zeigt den siegreichen Entwurf. Deutlich wird die neue große Achse zwischen Johanneskirche und Thyssen-Hochhaus. Gut auszumachen auch die vorgeschlagenen Neubauten, so am Rand des Gustaf-Gründgens-Platzes und im Bereich der Tuchtinsel, vor dem Gebäude der IHK und vor allem auch die Baureihen anstelle des Tausendfüßlers. Auf Empfehlung der Jury soll das Baufeld im Übergang zum Dreischeibenhaus im Rahmen der Überarbeitung noch reduziert werden.
Der Siegerentwurf aus der Sicht der Verfasser

Oberbürgermeister Dirk Elbers mit den Siegern Thomas Fenner und Pablo Molestina (von rechts).
Als Vorsitzender der Jury lobte Professor Albert Speer, dass sich alle in der zweiten Stufe beteiligten acht Büros - in der ersten Phase waren 28 Büros dabei, aus denen acht für die zweite Stufe ausgewählt worden waren - mit den Anregungen der Bürger aus der zurückliegenden Ausstellung der Arbeiten aus dem ersten Durchgang noch einmal auseinandergesetzt haben. Die siegreiche Arbeit verwirklicht nach seiner Ansicht einige entscheidende Punkte. Dazu rechnet er die Vergrößerung der Achse zwischen Hofgarten und Johanneskirche, die gelungene städtebauliche Ergänzung der südlichen Bereiche des Planungsgebietes bis zur Johanneskirche, die Stärkung der Schadowstraße, wo großzügig Raum für die Verbindung von U-Bahn und Straßenbahn geschaffen wird, und die Heranführung des Grüns des Hofgartens bis an die Schadowstraße.
Die geplanten Gebäude am Gustaf-Gründgens-Platz, auf der Tuchtinsel, vor der Industrie- und Handelskammer und an der Johanneskirche verlangen nach seinen Worten nach qualitätsvoller Architektur. Durch Beteiligung verschiedener Architekten werde das Gesicht der Stadt an dieser Stelle neu geprägt. Speer: "Dieser Entwurf war die eindeutig beste Lösung unter den eingereichten Arbeiten. Damit macht die Düsseldorfer Innenstadt einen riesigen Schritt nach vorn. Ich gratuliere zu dem Ergebnis."

Übersicht des Planungsgebietes

Verkehrliche Planung
Platz für Wohnungen
OB Elbers machte deutlich, dass er sich auf das Jahr 2014 freut, wenn das Projekt Kö-Bogen nach den Plänen von Daniel Libeskind und auch die Überlegungen für den gesamten Bereich der neuen Innenstadt darum herum verwirklicht sind. Eine Herzensangelegenheit ist ihm dabei, in den geplanten Neubauten auch Wohnungen zu schaffen. Ein Gedanke, der auch von den Planungsfachleuten als erstrebenswert hervorgehoben wird.
Planungsdezernent Dr. Gregor Bonin zeigte sich erfreut, dass die Planung für die Innenstadt nun endlich mit Bildern unterlegt wird. "Diese Planung zeigt jetzt auch eindeutig", so Bonin, "warum der Abriss des Tausenfüßlers richtig ist." Für diesen zentralen Bereich der Stadt, so der Planungsdezernent weiter, liegen nun die entscheidenden Impulse vor.
Große Herausforderung
Professor Pablo Molestina (Köln) sah in seiner Planung eine große landschaftsplanerische Herausforderung, die von der großen Präsenz der Parkflächen ausgeht. Die Planung wurde in Bereichen aber auch kleinteilig angegangen, um Akzente zu setzen, so mit den Pavillons in den Grünbereichen. Thomas Fenners (Düsseldorf) als Partner für die Grünplanung möchte die typischen geschnittenen Platanen auch anstelle des Tausendfüßlers pflanzen. Er verspricht sich sehr viel von den neuen Freiräumen rund die Johanneskirche und auch den als Arbeitstitel "Berliner Platz" benannten Schnittpunkt von Berliner Allee und Schadowstraße.
(03. April 2009)
Hintergrund zum Wettbewerb

Das Wettbewerbsgebiet
Das Wettbewerbs-Gebiet umfasst im Westen den Übergang der Innenstadt zum Hofgarten, vom Nordende der Königsallee vorbei an der geplanten Promenade am Jan-Wellem-Platz und entlang der Hofgartenstraße bis zur Achse Maximilian-Weyhe-Allee - Jägerhofstraße. Im nördlichen Teil umschließt es das Ensemble des Dreischeiben-Hauses und des Schauspielhauses um den vorgelagerten Gustaf-Gründgens-Platz, im zentralen Bereich die Haupteinkaufsstraße Schadowstraße zwischen dem Schadowplatz im Westen und der Bleichstraße im Osten. Der südliche Teil des Plangebietes umfasst das historische Ensemble des Martin-Luther-Platzes mit Justizministerium und Johanniskirche sowie die heute durch das Zusammentreffen der Berliner Allee, der Immermannstraße und der beiden Abfahrtsrampen der Hochstraße "Tausendfüßlers" stark vom Verkehr dominierten Räume südlich der Schadowstraße.
Ausgangsbasis der neuen städtebaulichen Möglichkeiten sind umfangreiche Verkehrsplanungen, durch die der Verkehr unter die Erde gebracht wird. So werden im Zusammenhang mit dem auf dem Jan-Wellem-Platz entstehenden Komplex Kö-Bogen im ersten Bauabschnitt zwei Tunnel gebaut, einer in Süd-Nord und einer in Nord-West-Richtung. Im Süd-Nord-Tunnel zweigt eine Tunnelröhre in westlicher Richtung ab. Die heute ebenerdigen Verkehre im Bereich Berliner Allee und Jan-Wellem-Platz / Nordende der Königsallee werden durch diese Tunnel aufgenommen. Bestehen bleibt oberirdisch vorerst nur der Verkehr in Nord-Süd-Richtung über die Hochstraße "Tausendfüßler". Im zweiten Bauabschnitt folgen der Abriss des Tausendfüßlers und die entsprechende Tunnelröhre in Nord-Süd-Richtung, die damit diesen Bereich der Innenstadt endgültig vom oberirdischen Verkehr befreit und eine Verbindung der heute noch getrennten beiden Teile des Hofgartens ermöglicht.
Im Zuge der Baumaßnahmen für die Wehrhahn-Linie ist der Corneliusplatz zu einem Hauptbaubereich geworden und der Schalenbrunnen, der den Platz bestimmte, wurde entfernt und wird konserviert. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird dieser Platz in seiner historischen Form vollständig wieder hergestellt.
Rahmenbedingungen des Wettbewerbes
Im Ausschreibungstext des Wettbewerbes wurden den planenden Architekten einige Vorgaben gemacht. So zählt es zu den zentralen Aufgaben, die nördlich an die Einkaufszone der Schadowstraße angrenzenden Räume zwischen den prägnanten Solitären und der neuen Bebauung auf dem Jan-Wellem-Platz in einen gestalteten öffentlichen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität für Fußgänger umzuwandeln, der einen Übergang bis zum Hofgarten ohne Barrieren ermöglicht. Die Gestaltung der ehemaligen Verkehrsräume sowie die Umwandlung des Gustaf-Gründgens-Platzes in einen repräsentativen Stadtraum unter Einbeziehung der denkmalgeschützten Gebäude Dreischeiben-Hauses und Schauspielhaus ist aus Sicht der Stadt ebenfalls ein wichtiges Anliegen. Ein weiterer besonderer Aspekt ist der städtebauliche Umgang mit dem neu geschaffenen Freiraum, der durch den Wegfall des Tausenfüßlers entsteht.
Der Schadowplatz, der heute nur von zwei Seiten eingefasst ist, erhält durch die Bebauung des Jan-Wellem-Platzes im Rahmen des ersten Bauabschnittes Kö-Bogen eine nördliche Begrenzung und somit einen eindeutigen Platzcharakter. Hier soll Aufenthaltsqualität direkt an der zentralen Lauflage der Schadowstraße geschaffen werden.
Über bestehende Baublöcke nachdenken
Ausdrücklich fordert die Stadt Düsseldorf in der Ausschreibung dazu auf, Gedanken für den Umgang mit den bestehenden Ensembles zu liefern. Das gilt vorrangig für die Bebauung der so genannten Tucht-Insel wie auch für den Baublock zwischen Gustaf-Gründgens-Platz im Westen und Norden, die Bleichstraße im Osten und der Schadowstraße im Süden. Lösungsvorschläge können sowohl für den Erhalt als auch für Abriss oder Neubau geliefert werden.
Offene Gewässerverbindung
Die heute als Betondurchlass bestehende Gewässerverbindung Innere Nördliche Düssel zur Landskrone soll mit dem Bau des Kö-Bogen-Straßentunnels und dem dadurch an der Oberfläche entfallenden Autoverkehr als offenes Gewässer geführt werden. Die Gewässer sind heute über einen 72 Meter langen Durchlass miteinander verbunden. Die Landskrone soll im Rahmen des Projektes Kö-Bogen am historischen Vorbild orientiert soweit wie möglich an die Königsallee geöffnet herangeführt werden.


