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Tell my Story - Hamlet auf dem deutschen Theater

Ausstellung als Manifestation für das Theater im Theatermuseum

William Shakespeares 450. Geburtstag am 23. April bietet in diesem Jahr Gelegenheit zu einer umfassenden Auseinandersetzung mit dem weltberühmten Autor und seinem Werk. Auf Initiative und unter Federführung des Theatermuseums der Landeshauptstadt Düsseldorf gingen daher im vergangenen Jahr verschiedene deutsche Kultur- und Forschungseinrichtungen eine intensive Kooperation ein - mit dem Ziel, die weltweit erste Ausstellung zur deutschen Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte des Dramas "Hamlet" um den Dänenprinzen zu erarbeiten. Mit von der Partie waren neben dem Düsseldorfer Kulturinstitut die Institute für Theaterwissenschaft und Anglistik der Ludwig-Maximilians-Universität München, das Shakespeare-Globe-Zentrum Deutschland, das Deutsche Theatermuseum und die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft.

Herr Bruckner als Claudius, Madame Henke als Gertrud, Johann Brockmann (sitzend) als Hamlet, Mademoiselle Döbbelin als Ophelia. Berlin, 1777/78. Kupferstich von Daniel Chodowiecki, 1778. © Deutsches Theatermuseum München
Herr Bruckner als Claudius, Madame Henke als Gertrud, Johann Brockmann (sitzend) als Hamlet, Mademoiselle Döbbelin als Ophelia. Berlin, 1777/78. Kupferstich von Daniel Chodowiecki, 1778. © Deutsches Theatermuseum München

William Shakespeares "Hamlet" hat seit über 400 Jahren nichts von seiner Faszination und Aktualität für Theatermacher und Zuschauer eingebüßt. Es ist ohne Zweifel das meistgespielte Theaterstück der Weltliteratur. Der Mensch und seine Beziehungen stehen im Zentrum. Doch zugleich ist es ein Stück über das Theater. Als es 1602 zum ersten Mal in London aufgeführt wird, ist London schon eine Theatermetropole. Englische Schauspieler bringen das Stück auf den europäischen Kontinent. Mit ihrem Wirken in Deutschland nimmt auch das professionelle deutsche Theater seinen Anfang.

Josef Kainz als Hamlet. Um 1891. Fotograf unbekannt. © Deutsches Theatermuseum München.
Josef Kainz als Hamlet. Um 1891. Fotograf unbekannt. © Deutsches Theatermuseum München.

Die Liste der Hauptdarsteller gleicht einem "Who is who" des Theaters, birgt aber auch Überraschungen, wenn Regisseure (deutsche wie ausländische Gäste) die Rolle "gegen den Strich" besetzen. Berühmte Darsteller wie Johann Brockmann, Josef Kainz, Alexander Moissi, Gustaf Gründgens bis zu Ulrich Wildgruber, Klaus Maria Brandauer, Ulrich Tukur oder Lars Eidinger lassen die Vielschichtigkeit und die unzähligen Interpretationsmöglichkeiten des Stückes und seiner Titelfigur nur erahnen.

In Fotografien, Ton- und Videoaufzeichnungen spiegeln sich die vielfältigen Möglichkeiten, Stück und Rolle aufzufassen. Regiekonzepte und ihre künstlerischen Entscheidungen werden an den zentralen dramatischen Wendepunkten des Stückes aufgezeigt. Wie das Theater zum Seismographen der Zeit geworden ist, die nach Hamlet "aus den Fugen ist", machen unterschiedliche Interpretationen (bis zu 100 deutsche Übersetzungen sind bekannt) und Regieansätze vom 18. Jahrhundert bis heute deutlich. Aktuelle Inszenierungen wie die von Leander Haussmann, Volker Lösch, Jan Klata oder Luc Perceval werden durch Einblicke in Inszenierungen aus der Goethezeit oder Regiearbeiten von Max Reinhardt, Gustaf Gründgens, Karl Heinz Stroux, Peter Zadek, Hans Günther Heyme oder Jürgen Gosch kontrastiert und lassen künstlerische Entscheidungsprozesse erfahrbar und nachvollziehbar werden.

Dimitrij Schaad als Hamlet. Regie: Jan Klata. Schauspielhaus Bochum, 2013. Foto und ©: Thomas Aurin
Dimitrij Schaad als Hamlet. Regie: Jan Klata. Schauspielhaus Bochum, 2013. Foto und ©: Thomas Aurin

Das Stück bietet Gelegenheit, das Theater und die Rollen kennen zu lernen, und die Auseinandersetzung mit den Kunstmitteln des Theaters leistet einen wesentlichen Beitrag zur kulturellen Bildung für aktuelle und zukünftige Theaterzuschauer. Informationen in englischer Sprache werden für ausländische Besucher bereitgehalten.

Zur Ausstellung ist im Henschel-Verlag eine begleitende Publikation erschienen. Die Herausgeber Dr. Claudia Blank und Dr. Winrich Meiszies leiten die Theatermuseen in München und Düsseldorf. Außerdem kommen darin namhafte Theaterwissenschaftler und Museumspraktiker sowie Shakespeare-Experten zu Wort. Neben Einzelbeiträgen zu Hamlet im deutschen Theater im 17. und 18. Jahrhundert stehen einzelne Darsteller wie Gustaf Gründgens. Fritz Kortner und Ulrich Wildgruber im Blickpunkt. Eine Bildgeschichte der Hamlet-Aufführungen in vier Jahrhunderten mit ausführlichen Kommentaren macht die deutsche Theatergeschichte anschaulich. Die vielfältigen Möglichkeiten für die pädagogische Arbeit mit dem Stück im Unterricht und in der interkulturellen Bildung eröffnen Erfahrungs- und Projektberichte aus der Theater- und Museumspraxis. Ausstellung und Publikation werden durch die Landeshauptstadt Düsseldorf und das Land Nordrhein-Westfalen neben einer Reihe von Stiftungen und Initiativen in besonderem Umfang gefördert.

Das Buch zur Ausstellung

Das Buch "Sein oder Nichtsein - Hamlet auf dem deutschen Theater" folgt Hamlets Spuren durch die deutsche Theaterentwicklung, beschreibt die künstlerischen Leistungen des Theaters und Wendepunkte der vergänglichen Theaterkunst.

In seinem einleitenden Beitrag verweist Düsseldorfs Museumsdirektor Dr. Winrich Meiszies auf die beispielhafte Funktion des Buch- und Ausstellungsprojektes: Entstanden ist auf diese Weise eine Hall of Fame des Theaters - bevölkert von Schauspielstars - in der sich das deutsche Theater und seine Protagonisten seit dem 17. Jahrhundert spiegeln. Über verschiedene historische Epochen, in unterschiedlichen Besetzungen, Bühnenbildern, Rollentypologien und Textfassungen wirkt die Attraktivität dieses Stückes bis in unsere Gegenwart.

In einem letzten Teil wird das Buch praktisch, stellt Konzepte für die kulturelle Bildungsarbeit mit "Hamlet" vor. Neben Vanessa Schormann, der Leiterin des Shakespeare-Globe-Zentrums Deutschland, stellen Theater- und Museumspädagoginnen sowie Kulturwissenschaftler Projekte und Konzepte aus ihrer Arbeit am Theater und im Museum vor.

"Sein oder Nichtsein. Hamlet auf dem deutschen Theater"
Hrsg. von Winrich Meiszies und Claudia Blank
Henschel Verlag (Leipzig, 2014),
160 Seiten, 72 Abb., davon 11 in Farbe
ISBN: 978-3-89487-758-3,
18,95 Euro an der Museumskasse oder im Buch

(7. November 2014um)

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Gustaf Gründgens als Hamlet Regie: Ulrich Erfurth. Städtische Bühnen Düsseldorf, 1949. Foto: Liselotte Strelow. © Theatermuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf
Gustaf Gründgens als Hamlet Regie: Ulrich Erfurth. Städtische Bühnen Düsseldorf, 1949. Foto: Liselotte Strelow. © Theatermuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf

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24. Nov. 2014 | 09:02 Uhr

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