"Tell my story. Hamlet(s) Theater"
Das Theatermuseum blickt zurück auf 100 Jahre "Hamlet" im Theater/ 15. April bis 23. September
Shakespeares "Hamlet" ist das meistgespielte Theaterstück der Weltliteratur. Als erstes deutsches Museum nimmt sich das Düsseldorfer Theatermuseum nun in der Ausstellung "Tell my story. Hamlet (s) Theater" dieses Stoffes an und erzählt die Geschichte des Stückes in den vergangenen 100 Jahren. In enger Kooperation mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus ist die aktuelle Inszenierung von Staffan Valdemar Holm der Ausgangspunkt, um die künstlerischen Entscheidungsprozesse heutiger Theaterleute erfahrbar und nachvollziehbar zu machen.

Was fasziniert über vier Jahrhunderte an der Geschichte eines Sohnes, der seinen Vater rächen soll? Das um 1601 entstandene Drama markiert eine Zeitenwende, den Übergang von der Elisabethanischen Weltordnung zur Neuzeit. Der Konflikt des modernen Individuums, letztlich von uns allen, ist hier zum ersten Mal formuliert: die Erkenntnis, dass sich der Lauf der Welt den eigenen Einflussmöglichkeiten entzieht und sich Widersprüche nicht mit einem Schlag aus einer als rätselhaft empfundenen Welt schaffen lassen.
Der Kosmos Hamlet
Auch der nicht gewohnheitsmäßige Theaterbesucher kennt Hamlet. Motive und Elemente der Handlung haben in unsere Alltagswelt, in die Popkultur wie den Konsum Eingang gefunden. Der deutschsprachige Zuschauer findet Hamlet in den vielfältigen Erscheinungen unterschiedlicher Übersetzungen, die Moden und Mustern folgen und oftmals die Seh- und Hörerfahrung der Zuschauer prägen. Mit diesen Eindrücken öffnet die Ausstellung ein Feld an Fragen und Interpretationsmöglichkeiten. Unter den Schlagworten Familie, Herrschaft, Tod führt sie den Besucher zu der Beziehungskonstellation, die Shakespeare vor dem Zuschauer ausbreitet. Mit den Mitteln eines Schachspiels macht die Ausstellung die Stellung der Personen zueinander und ihre Geschichte erfahrbar.Große Monologe und große Darsteller
Hamlet ist die Traum- und Angstrolle der großen Schauspieler der Welt. Die Titelrolle bietet eine der umfangreichsten Textmengen und entsprechenden Gestaltungsspielraum für den Darsteller. Akustische Beispiele lassen den Besucher an der inneren Welt der Hauptfigur teilhaben und füllen die raumgroße Installation eines Schädels.
Raum der Macht

Alexander Radenkovic und Lea Draeger in Holms "Hamlet"-Inszenierung
Staffan Valdemar Holm legt den Schwerpunkt seiner Inszenierung auf das Auseinanderbrechen zweier Familien im Zentrum der Macht. Das Bühnenbild - drei gewaltige mit Blattgold belegte Wände umschließen einen leeren Raum - erzählt von Helsingör, dem reichsten aller europäischen Schlösser der Shakespearezeit und von heutigem Luxus.
In dieser Umgebung des Prunks und der repräsentativen Kälte werden die Figuren des Stücks auf sich und ihre Mitspieler zurückgeworfen. Ein weiteres großes Shakespearethema rückt in den Vordergrund: die Erzählung von Macht und Ohnmacht des Theaters im Ringen um Wahrhaftigkeit. Der erste Satz in Stück "Who's there?" fragt nach Identität. Im Wechselspiel von Verstellung, Versteck und Verkleidung geht jede Sicherheit verloren.
Telling Stories
1926 stellt Rudolf Jessner in seiner Inszenierung am Preußischen Staatstheater zum ersten Mal einen deutlichen Zeitbezug her. Die Besetzung der Titelrolle mit dem sprachgewaltigen Fritz Kortner bricht mit den romantisierenden Traditionen seiner Darsteller-Vorgänger Josef Kainz und Alexander Moissi. Mit der Entdeckung der "Generation Hamlet" im neuen Jahrtausend wird die Befindlichkeit der spätbürgerlichen Gesellschaft explizites Thema. Über das Verhältnis von Theater und Zeit erzählen Regiearbeiten von Gustaf Gründgens, Karl-Heinz Stroux, Peter Zadek, Hans Günther Heyme, Jürgen Gosch, Volker Lösch oder Oliver Reese. Durch den Streifzug durch mehr als einem Jahrhundert Theaterentwicklung vermittelt die Ausstellung, wie sich mit den Jahren unser Verhältnis zum Drama "Hamlet" und seinen Inszenierungen verändert.
(13. April 2012)
Hintergrund-Informationen
Die Ausstellung wird durch das Land Nordrhein-Westfalen gefördert, unterstützt durch die Firma SIGMA System Audio-Visuell GmbH, die Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität Köln, das Deutsche Theatermuseum, München, die Stiftung Stadtmuseum Berlin, das Österreichische Theatermuseum, Wien.

Hans Diehl (Hamlet), Regie: Michael Gruner, Düsseldorfer Schauspielhaus, 1986, Foto: Lore Bermbach.

