Käutner-Preis 2010 für Christoph Schlingensief
Der mit 10.000 Euro dotierte Filmpreis der Landeshauptstadt wurde am 2. März im Düsseldorfer Rathaus verliehen
Der Filmemacher, Aktionskünstler, Theater- und Opernregisseur Christoph Schlingensief wurde am 2. März mit dem Helmut-Käutner-Preis 2010 der Landeshauptstadt Düsseldorf ausgezeichnet. Oberbürgermeister Dirk Elbers überreichte die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung in einer Feierstunde im Rathaus. Die Laudatio auf den Preisträger hielt der Filmkritiker und Buchautor Georg Seeßlen. Schlingensief wird zudem mit einer umfangreichen filmischen Retrospektive und einer Studioausstellung geehrt, die nach der Preisverleihung in seiner Anwesenheit im Filmmuseum eröffnet wurden.

Käutner-Preisträger Christoph Schlingensief (links) und Oberbürgermeister Dirk Elbers mit Urkunde.
Oberbürgermeister Dirk Elbers nannte den Preisträger einen Künstler, "der immer wieder spektakulär in Erscheinung tritt, der uns zur Auseinandersetzung drängt und gegen Gleichgültigkeit, Stumpfsinn und träge Unachtsamkeit immunisiert". Schlingensief habe sich von Anfang an als multimedialer Künstler verstanden, der den Film mit anderen Kunstformen verknüpfe. "Und dies in einer Dimension, die an die ästhetischen Konzepte eines Richard Wagner oder Joseph Beuys erinnern."
Christoph Schlingensief zeigte sich über den Preis sehr bewegt, "ich freue mich unendlich darüber". Umso mehr, als dies im Namen Helmut Käutners geschehe: "Käutner war ein Wahnsinnskünstler." Schlingensief warb natürlich auch für sein Burkina-Faso-Projekt, aber zumindest ebenbürtig für die Kultur im Ruhrgebiet. Hier gelte es Kinder und Jugendliche vorbehaltlos zu unterstützen, meinte der Preisträger, und ebenso etablierte Kultur wie das Stadttheater in seiner Heimatstadt Oberhausen, das aufgrund der Finanzkrise von Schließung bedroht sei. Starker Beifall im Saal.

Laudator Georg Seeßlen
Die Käutner-Preis-Jury hat die Verleihung des Düsseldorfer Filmpreises an Schlingensief wie folgt begründet: "Mit Christoph Schlingensief würdigt der Rat der Stadt Düsseldorf eine Persönlichkeit, die sich in mehr als zwei Jahrzehnten für die deutsche Filmkultur eingesetzt hat. Christoph Schlingensief hat von Beginn an alle Möglichkeiten des kreativen Filmemachens genutzt. Er hat in allen seinen Produktionen mehrere Funktionen ausgefüllt, vom Kameramann über den Drehbuchautor bis zum Regisseur und Produzenten. Er hat seine Karriere am experimentellen Rande des Kinos begonnen und ist bis ins medienwirksame Zentrum vorgestoßen, ohne sich jemals in den Mainstream zu begeben. Er hat sich in seinem Schaffen viel mit seinem Heimatland und dessen Geschichte auseinandergesetzt und es wie kein Zweiter verstanden, das eigentlich langsame Medium Film zur Reflektion über aktuelle Themen zu nutzen."
Die Jury würdigt auch Schlingensiefs Wirken über den Bereich Kino hinaus: "Er hat sich von Anfang an als ein multimedialer Künstler verstanden, der die Kunstform Film mit anderen Kunstformen ergänzt hat: dem Theater, dem Fernsehen, durch Kunstaktionen, die Oper und Installationen."

Christoph Schlingensief beim Eintrag in das Goldene Buch der Stadt.
Christoph Schlingensief wurde am 24. Oktober 1960 in Oberhausen geboren. Nach Erwerb des Abiturs studierte er ab 1981 in München Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte. In dieser Zeit begann dann auch seine Karriere als Filmregisseur. Als Assistent von Werner Nekes produzierte er seine ersten Kurzfilme. Sein erster Spielfilm war "Tunguska - Die Kisten sind da" im Jahr 1983. Es folgten seine Deutschlandtrilogie ("100 Jahre Adolf Hitler - Die letzte Stunde im Führerbunker" (1989), "Das deutsche Kettensägenmassaker" (1990) und "Terror 2000" (1992)), mit der er erstmals größere Bekanntheit als Regisseur erlangte.
Seine Karriere als Theaterregisseur begann Schlingensief 1993 mit dem Stück "100 Jahre CDU - Spiel ohne Grenzen" an der Volksbühne Berlin. Zwischen 1993 und 2006 verwirklichte er zahlreiche Projekte innerhalb und außerhalb des Theaters. Durch die Aufmerksamkeit, die seine vorangegangenen Projekte an der Volksbühne Berlin erfuhren, wurde er zu Produktionen an den großen Opern-, Schauspiel- und Festspielhäusern in Bayreuth, Hamburg, Manaus, Zürich und Wien eingeladen.
Von 1983 bis 1986 hatte Schlingensief zudem Lehraufträge an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und an der Kunstakademie Düsseldorf. Im April 2009 wurde er für die nächsten fünf Jahre vom Kulturminister von Niedersachsen auf die Professur für "Kunst in Aktion" an die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig berufen.
Engagement für Burkina Faso
Was Schlingensief mit Düsseldorf ebenfalls verbindet, das ist das Engagement für Burkina Faso, eines der ärmsten Länder der Welt. Schlingensief arbeitet dort an seinem "Festspielhaus Afrika", das zu einem regelrechten "Operndorf" mit Schule und Krankenstation angewachsen ist. Soeben wurde der Grundstein für das Festspielhaus gelegt.

Christoph Schlingensief (links) kam mit seiner Frau Aino Laberenz, rechts Oberbürgermeister Dirk Elbers mit seiner Frau Astrid.
Düsseldorf ist Burkina Faso seit 2008 besonders eng verbunden. Da wurde die Stadt offizieller Partner der Welthungerhilfe. In über 100 Veranstaltungen engagierten sich Unternehmen, Vereine, Verbände und Privatpersonen jeden Alters für Hilfsprojekte in Kongoussi, einer Region in der Nähe der Hauptstadt von Burkina Faso. Das offizielle Ende des Partnerjahres bedeutete nicht das Ende der Unterstützung. Ein Freundeskreis macht weiter: am 7. März zum Beispiel mit einem Benefizkonzert der Clara-Schumann-Musikschule zugunsten des Brunnenbaus.
(2. März 2010)
Käutner-Preis
Der an "Persönlichkeiten mit herausragender Bedeutung für den deutschen Film" vergebene Helmut-Käutner-Preis wird 2010 zum zwölften Mal verliehen und erinnert an den in Düsseldorf geborenen Regisseur Helmut Käutner (1908 Düsseldorf - 1980 Castellina, Italien). Bekannt wurde Käutner mit Filmen wie "Die Große Freiheit Nr. 7", "Des Teufels General" oder "Wir Kellerkinder". Erste Preisträgerin war 1982 die Filmhistorikerin und -publizistin Lotte Eisner. Ihr folgten unter anderem die Regisseure Wolfgang Staudte (1984), Berhard Wicki (1986) und zuletzt Wim Wenders (2004).
Weitere Preisträger waren bisher die Schauspielerinnen Hildegard Knef (1993) und Hannelore Hoger (2001), Dieter Kosslick, Leiter der Internationalen Berliner Filmfestspiele (2007), Ulrich Gregor, Co-Direktor der Berliner Filmfestspiele, und Hilmar Hoffmann, Begründer der Westdeutschen Kurzfilmtage Oberhausen (1988), Wolfgang Kohlhaase, Drehbuchautor und Schriftsteller (1990), Hanns Eckelkamp, Filmproduzent, Enno Patalas, Filmkritiker und -kurator, und Wolf Donner, Filmpublizist (1995) sowie Rudolf Arnheim, Kultur- und Medienkritiker (1999).
Die Jury des Helmut-Käutner-Preises 2010 tagte am 28. November im Filmmuseum. Ihr gehörten an: der Vorsitzende des Kulturausschusses, Bürgermeister Friedrich G. Conzen, die stellvertretende Vorsitzende des Kulturausschusses, Marit von Ahlefeld, Walburga Benninghaus und Dr. Veronika Dübgen als Mitglieder des Kulturausschusses; Bernd Desinger (Leiter des Filmmuseums Landeshauptstadt Düsseldorf); Claudia Droste-Deselaers (Filmstiftung NRW), Hans-Georg Lohe (Kulturdezernent der Landeshauptstadt Düsseldorf , Hanns Georg Rodek (Filmkritiker Die Welt, Berlin); Ruth Schiffer als Vertreterin der Staatskanzlei (Kulturabteilung, Bereich Film), der Regisseur Tom Tykwer ("The International", "Das Parfüm") und Max Wiedemann (Geschäftsführer Wiedemann & Berg Filmproduktion GmbH & Co. KG, München).
- Rede Oberbürgermeister Dirk Elbers (PDF mit 0,02 Megabyte)
- Rede Laudator Georg Seeßlen (PDF mit 0,05 Megabyte
- Die Filmstadt Düsseldorf


