Kunstpreis für Rosemarie Trockel
Verleihung am 23. Januar/Preis ist mit 55.000 Euro dotiert/Jury: Orientierungspol für jüngere Generationen
Rosemarie Trockel wurde heute (23. Januar) im Rahmen eines Festaktes im Rathaus mit dem Kunstpreis der Landeshauptstadt Düsseldorf ausgezeichnet. Der Preis ist mit 55.000 Euro dotiert. Er wurde 2006 anlässlich der 1. Düsseldorfer Quadriennale erstmals verliehen und zählte damit gleich von Anbeginn zu den herausragenden Auszeichnungen im Bereich der Bildenden Kunst.

Oberbürgermeister Dirk Elbers mit Rosemarie Trockel nach der Preisübergabe im Plenarsaal des Rathauses.
Erster Preisträger war der US-amerikanische Künstler Bruce Nauman. 2007 folgte die in Amsterdam lebende Künstlerin Marlene Dumas. Oberbürgermeister Dirk Elbers hat den Kunstpreis 2008 der Landeshauptstadt am Freitag, 23. Januar, in einer Feierstunde im Plenarsaal des Rathauses überreicht. Die Laudatio auf die Preisträgerin hielt die Kunsthistorikerin Dr. Brigitte Oetker (Berlin).

Laudatorin Dr. Brigitte Oetker
Die Entscheidung für Rosemarie Trockel fiel am 15. August 2008 in einer Jury-Sitzung im Düsseldorfer Rathaus. In der Begründung der Jury heißt es: "Die Jury hob die Vielseitigkeit und radikale Experimentierfreude hervor, die das Werk von Rosemarie Trockel auszeichnet. Ihre Arbeit, die sich in keine Kategorie einordnen lässt, wurde als richtungsweisend und als Orientierungspol für jüngere Generationen bezeichnet: Dem spielerischen Oszillieren zwischen den Medien Zeichnung, Skulptur, Video entspricht das freie Vagabundieren der künstlerischen Bedeutungen, angeregt durch ihre Beschäftigung mit Anthropologie, Soziologie und Mathematik. Der Preis gilt einer auch politisch engagierten Künstlerin, die bereits früh internationale Anerkennung erfahren hat, was sich durch eine große Anzahl von Ausstellungen in wichtigen Kunstinstitutionen weltweit manifestiert."

Videoprojektionen mit einer Auswahl der Arbeiten von Rosemarie Trockel vermittelten einen Einblick in das Werk der Künstlerin.
Der Jury gehörten an: Stadtdirektor Helmut Rattenhuber (Vorsitzender), Kulturausschussvorsitzender Friedrich G. Conzen, Kulturdezernent Hans-Georg Lohe, der nordrhein-westfälische Staatssekretär für Kultur, Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff sowie Dr. Stephan Berg (Direktor Kunstmuseum Bonn), Katharina Grosse (Künstlerin), Dr. Amine Haase (Journalistin, Köln), Prof. Dr. Markus Lüpertz (Rektor Kunstakademie), Dr. Pia Müller-Tamm (Direktorin der Kunstsammlung NRW, K20), Paula van den Bosch (Bonnefantenmuseum Maastricht) und Beat Wismer (Generaldirektor der Stiftung museum kunst palast).
Rosemarie Trockel - Kurzvita

Rosemarie Trockel
Rosemarie Trockel wurde am 13. November 1952 im westfälischen Schwerte geboren. Von 1974 bis 1978 studierte sie Malerei an der Werkkunstschule in Köln. Seit Ende der 70er-Jahre hat sich Trockel auf vielen Feldern der Kunst betätigt. Dazu gehörten Zeichnung, Skulptur, Installation, Fotografie, Druck und parallel dazu seit Ende der 80er-Jahre Videoarbeiten.
Die als Vertreterin der konzeptualistischen Kunst bezeichnete Künstlerin machte sich in der internationalen Kunstszene gerade auf Grund von Grenzüberschreitungen in Themen und Gattungen einen Namen. Trockels Werk, das sich einer Kategorisierung entzieht und mit einem einzigen Blick nicht fassen lässt, wurde bereits 1998 in einer großen Retrospektive in der Kunsthalle Hamburg gezeigt, anschließend kam die umfassende Werkschau nach London, Marseille und Stuttgart (1999). Im Jahr 2000 dann wurde Trockel erstmalig mit einer Zeichnungsretrospektive im Centre Pompidou in Paris und mit weiteren Stationen in New York und Tilburg gewürdigt. Auch das Kölner Museum Ludwig präsentierte 2005/06 unter dem Titel "Menopause" eine umfassende Überblicksschau der Künstlerin mit Arbeiten von 1980 bis heute.
Rosemarie Trockel lehrt seit 1997 als Professorin an der Kunstakademie Düsseldorf. Im "Kunstkompass", einer Liste der 100 bedeutendsten Künstler der Gegenwart, belegte sie in den vergangenen Jahren beständig den vierten Platz - nach Sigmar Polke, Gerhard Richter und Bruce Nauman, Düsseldorfs erstem Preisträger. 2008 rutschte sie auf Rang fünf, weil Georg Baselitz in das Spitzenquartett aufrückte. Laut "Kunstkompass" ist sie damit jedoch nach wie vor die bedeutendste unter den lebenden Künstlerinnen (Biographische Angaben aus Munzinger-Archiv).
(23. Januar 2009)
Stichwort: Kunstpreis
Als Kunstmetropole besitzt Düsseldorf einen historisch gewachsenen, international anerkannten Ruf. Neben den Museen trägt bis heute die Düsseldorfer Kunstakademie mit den aus ihr hervor gegangenen international bedeutenden Künstlern zu diesem Ansehen bei. Um Düsseldorf noch stärker als Stadt der Bildenden Kunst zu positionieren, stiftete die Landeshauptstadt einen neuen Kunstpreis, der 2006 erstmals anlässlich der Quadriennale verliehen wurde und der nun jährlich vergeben wird. Der Preis ist mit 55.000 Euro hoch dotiert. Er soll an herausragende Künstlerpersönlichkeiten verliehen werden, deren Werk richtungsweisend für die Entwicklung der Gegenwartskunst ist.

