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Polychlorierte Biphenyle (PCB)

Was sind polychlorierte Biphenyle?

PCB sind farblose bis gelbliche Flüssigkeiten, die bei hohem Chlorierungsgrad harzig werden. In der Umwelt kommen diese Stoffe nicht natürlich vor, sondern sie sind durch technische Produktion in die Umwelt gelangt. Seit ca. 1930 werden PCB eingesetzt.
Polychlorierte Biphenyle sind chemisch betrachtet eine Gruppe von über 200 verschiedenen Verbindungen, die zu den chlorierten Kohlenwasserstoffen zählen. PCB entstehen bei der Chlorierung von Biphenyl, welches bei der Destillation von Steinkohleteer anfällt. Bei der Chlorierung werden Wasserstoffatome durch Chloratome ersetzt.
Anwendungstechnisch verfügen sie über vorteilhafte Eigenschaften. Sie weisen eine hohe Hitzestabilität auf, sind relativ beständig gegen Säuren und Laugen, sind stabil gegen Hydrolyse und Oxidation, ihre Wasserlöslichkeit ist gering, ihre Fettlöslichkeit hoch und sie verfügen über eine sehr geringe elektrische Leitfähigkeit.

Wo fanden PCB Anwendung?

In der Anwendung werden geschlossene und offene Systeme unterschieden.

Offene Anwendung:

  • als Weichmacher in Kunststoffen (z.B. Chlophen 50 in elastischen Fugenmassen)
  • als Papierbeschichtungsmittel
  • als Imprägnier- und Flammschutzmittel
  • als Zusatz in Kitten, Klebstoffen und Spachtelmassen.

Geschlossene Anwendung:

  • als Dielektrikum in Kondensatoren, Leuchstoffröhren und Transformatoren
  • als Hydraulikflüssigkeit

Seit 1973 sind PCB nur noch in geschlossenen Systemen eingesetzt worden, seit 1983 werden sie in der Bundesrepublik nicht mehr hergestellt. Im privaten Bereich wurden PCB-haltige Baustoffe kaum angewendet. Eine mögliche Anwendung sind Fugendichtungsmassen in Beton-Hochbauten, die im Zeitraum von 1955 bis 1975 in Skelett- und Elementbauweise erstellt wurden. Eine weitere Quelle können noch alte Kondensatoren in Leuchtstoffröhren sein. Kondensatoren von Leuchtstofflampen, die vor 1983 hergestellt wurden, enthalten in der Regel etwa 100 Gramm PCB. Bei defekten oder undichten Kondensatoren besteht akute Gefahr. Ölige Flüssigkeiten oder gelbe Flecke an der Innenseite der Lampenschirme sind ein Indiz für das Auslaufen von PCB.

PCB-haltige Kondensatoren sind an folgenden Aufdrucken zu erkennen:
CP, CD, C, CP, CP25, CP40, CP50, CPA30, CPA40, CPA50, CIp30, CIp40, P, P25,3CD, 4CD.
Kein PCB enthalten: MP, MKP, MPK.
PCB-haltige Kondensatoren und Leuchtstoffleuchten aus Privathaushalten gehören als Sondermüll zu den Recyclinghöfen.

Welche Gefährdung geht von PCB-haltigen Baumaterialien aus?

Die akute Toxizität der PCB ist sehr gering. Bei Arbeitern, die im Rahmen gewerblicher Unfälle, zum Beispiel durch aus ausgelaufenen Transformatoren- oder Kondensatorenölen verdampftes PCB geschädigt wurden, sind akute Vergiftungserscheinungen (Chlorakne, Haarausfall, Lebererkrankungen und Blutbildveränderungen) aufgetreten. Nach groben Berechnungen haben die dabei aufgenommenen PCB-Mengen mindestens im Bereich mehrerer 100.000 Nanogramm - also dem Zehnfachen des maximalen Interventionswertes für Sofortmaßnahmen - pro Kubikmeter Luft gelegen.

Die Frage der chronischen Gesundheitsgefährdung durch jahre- und jahrzehntelange Aufnahme kleinerer PCB-Mengen ist nicht abschließend geklärt. Im Tierversuch haben sich Hinweise auf eine krebserregende Wirkung ergeben, die allerdings in vielen epidemiologischen Studien vor allem in den USA und in Schweden an kleineren und größeren Kollektiven betroffener Personen nicht bestätigt werden konnten. Auch in weiteren Tierversuchen war lediglich eine promovierende Wirkung der PCB auf schon vorhandene Tumoren (beschleunigtes Wachstum) bei Ratten und Mäusen nachweisbar, wenn die Tiere hohen Dosen schwerflüchtiger PCB ausgesetzt waren.

Untersuchung der Schadstoffaufnahme durch den Menschen

Das Gefährdungspotenzial der PCB liegt in der schweren biologischen Abbaubarkeit. Sie sammeln sich deswegen in der Umwelt und in tierischen Lebensmitteln (z.B. Fisch) an und werden vom Menschen überwiegend über die Nahrung, aber auch über die Atemwege und über direkten Hautkontakt aufgenommen.
In der Raumluft PCB-belasteter Räume sind überwiegend die leichter flüchtigen, niedrigchlorierten PCB (zum Beispiel PCB 28, 52) anzutreffen. Die niedrigchlorierten PCB werden wesentlich schneller als die hochchlorierten vom Körper abgebaut. Sie können im Blut nur während der Exposition bzw. kurzfristig (wenige Tage) nach mindestens mehrwöchigem Aufenthalt in hochbelasteten Räumlichkeiten (über etwa 15 000 Nanogramm) nachgewiesen werden. Das bedeutet, dass die niederchlorierten, leichtflüchtigen PCB, die bei Raumluftbelastungen auftreten, nicht in dem Maße akkumulieren, wie die höherchlorierten PCB 138, 153 und 180, die vor allem in fettreicher Nahrung vorkommen.
Die im Körper nachweisbaren PCB stammen in der Regel zu 90 % aus der Nahrung. Die Gesamtbelastung und vor allem ihr Anteil aus der Nahrungskette ist im vergangenen Jahrzehnt deutlich zurückgegangen. Das lässt sich gut am Verlauf der Belastung der Muttermilch in Schleswig-Holstein dokumentieren, die in 10 Jahren auf ein Drittel zurückgegangen ist.

Wie sieht das Vorgehen bis zur ggf. notwendigen Sanierung aus?

Wenn Gebäude als PCB-belastet erkannt werden, so ist die Höhe der Belastung für das weitere Vorgehen entscheidend (PCB-Richtlinien). Im allgemeinen kann bereits durch hygienische Maßnahmen, wie vermehrtes Lüften, eine deutliche Abnahme der Raumluftbelastung erreicht werden. Danach ist es vor allem wichtig, weitere Maßnahmen und ggf. Sanierungen gut und überlegt zu planen. Wichtig ist, dass die Maßnahmen langfristig erfolgreich sind und der Erfolg kontrolliert wird. Sanierungen sind nur von qualifizierten Unternehmen unter Beachtung der einschlägigen Arbeits- und Umweltschutzauflagen durchzuführen.

Gesetzliche Regelungen

Die am 18.07.1989 in Kraft getretene Verordnung zum Verbot von polychlorierten Biphenylen, polychlorierten Terphenylen und zur Beschränkung von Vinylchlorid (PCB-, PCT, VC- Verbotsverordnung, (BGBl. I, S. 1482) jetzt ChemikalienverbotsV) untersagt das in den Verkehr bringen von Materialien mit mehr als 50 mg PCB/ kg.

Richtlinie für die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden (PCB-Richtlinie)
Fassung Juni 1996 (MBl.NRW Nr.52 vom 9.8.1996, S.1260)
PCB-Richtlinie NRW

Richtwerte für den Gehalt von PCB in der Raumluft

  • Raumluftkonzentrationen unter 300 ng PCB/m3 Luft sind als langfristig tolerabel anzusehen (Vorsorgewert).
  • Bei Raumluftkonzentrationen zwischen 300 und 3000 ng PCB/m3 Luft ist die Quelle der Raumluftverunreinigung aufzuspüren und unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit mittelfristig zu beseitigen.
    Zwischenzeitlich ist durch regelmäßiges Lüften sowie gründliche Reinigung und Entstaubung der Räume eine Verminderung der PCB-Konzentration anzustreben
  • Bei Raumluftkonzentrationen oberhalb von 3000 ng PCB/m3 Luft sind akute Gesundheitsgefahren nicht auszuschließen (Interventionswert für Sofortmaßnahmen).


Polychlorierte Biphenyle (PCB) Fuge in der Wand
PCB in Fugenmassen ( Quelle: Stadt Düsseldorf)

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25. Mai 2012 | 02:33 Uhr

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