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Phänologischer Garten Eulerstraße

Phänologische Beobachtung

Beobachtet und akribisch festgehalten werden im phänologischen Garten typische Vegetationsstadien wie der Austrieb, die Blüte, die Blattentfaltung, die Blattverfärbung und der Blattfall im Herbst.

Unterlagen Beobachter
Unterlagen für Beobachter: Meldebogen, Handbuch, Tagebuch

Die Pflanzen verteilen sich auf der mehr als 10.000 Quadratmeter großen Grünfläche an der Eulerstraße. Einige wurden im April 2008 eigens angepflanzt, andere konnten aus dem Bestand zu Beobachtungszwecken ausgewählt werden. Es handelt sich um weit verbreitete Pflanzen, die teils schon seit mehr als 100 Jahren wissenschaftlich beobachtet werden, zum Beispiel Löwenzahn, Forsythie, Birke, schwarzer Holunder, Schneeglöckchen und verschiedene Obstbäume. Teams aus dem Kinderhilfezentrum notieren bei ihren zeitweise täglichen Rundgängen das Datum der Knospung, der Blüte oder der Fruchtreife und weitere Phasen. Mit Hilfe der parallel erhobenen Wetterdaten an der Station sind Schlüsse auf längerfristige Klimaveränderungen möglich.

Phänologie und Klimawandel

Die jahreszeitlich wechselnden Entwicklungs- und Wachstumsphasen der Pflanzen reagieren sehr deutlich auf Temperaturerhöhungen. Vor allem die Lufttemperaturen vor Eintritt der Frühjahrs- und Sommerphasen haben einen ausgeprägten Einfluss auf phänologische Phasen wie den Beginn von Blüte und Blattentfaltung. Dadurch können Pflanzen als hervorragende Indikatoren für Veränderungen des Klimas gelten. Besonders seit Mitte/Ende der achtziger Jahre ist ein deutlich früheres Blühen und Fruchten vieler Pflanzen zu beobachten. Bewegte sich zwischen 1961 und 1990 der mittlere Beginn der Apfelblüte in Deutschland noch um den 7. Mai herum, so ist er zwischen 1991 und 2000 auf den 30. April vorgerückt. In den meisten Regionen Europas kann eine Verlängerung der Vegetationsperiode in den letzten 35 Jahren um gut zehn Tage festgestellt werden. Mit dem phänologischen Garten und der Wetterstation beobachtet das Umweltamt die Folgen des Wandels vor Ort, trägt zur weltweiten Klimaforschung bei und stellt dies der Öffentlichkeit anschaulich dar.

Zitate aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Phänologie und Klimawandel:


  • "... in den letzten 4 bis 5 Jahrzehnten (haben sich) die Termine der Blüte und Laubentfaltung in Europa, Nordamerika und Asien im Mittel zwischen 1,2 und 3,8 Tagen verfrüht ..."
    "... die Vegetationsperiode (hat sich) insgesamt um etwa 2 Wochen verlängert ..."
    A. Menzel: Phänologische Modelle. Promet Heft 1/2 2007
  • " Mehrheitlich berichten die Autoren von Verfrühungen in der Blattentfaltung und Blüte von Pflanzen, die sich in den letzten 30 bis 50 Jahren auf 1,4-3,1 Tage pro Jahrzehnt in Europa und auf etwa 1,2-2,0 Tage pro Jahrzehnt in Nordamerika belaufen"
    "Die stärksten Veränderungen in den Eintrittsterminen sind bei den frühen Phänophasen zu erwarten. So könnte sich bis 2050 der Blühbeginn der Salweide im Mittel um nahezu einen Monat verfrühen."
    F.M. Chmielewski. Promet Heft 1/2 2007
  • "Auch Schädlinge passen sich an: So zeigt der Apfelwickler einen verfrühten Erstflugtermin und hat in unserem Gebiet in den Jahren 2003 und 2006 eine partielle zweite Generation ausgebildet. Die höheren Temperaturen werden den Befallsdruck durch Insekten weiter ansteigen lassen."
    "Ob der Apfelanbau auch bei einer Temperaturerhöhung von 3 bis 4° Celsius, wie für das Jahr 2100 als Extremprognose vorhergesagt, unter Beibehaltung der heute angebauten Sorten noch rentabel ist, erscheint weniger sicher - solche Temperaturen gibt es derzeit in Norditalien und Südfrankreich."
    Y. Henniges, F.M. Chmielewski, R.W.S. Weber, M. Görgens. Phänologie-Journal Nr. 29/2007
  • "Für den aktuellen IPCC-(Weltklimarat-)Bericht 2007 wurden 30jährige Datenreihen ausgewertet. 120.000 Datensätze konnten dafür gesammelt werden, von denen 80 Prozent ebenfalls eine Verfrühung der phänologischen Phasen zeigten."
    Phänologie-Journal Nr. 30/2008
  • "Als ein wichtiges Ergebnis offenbarte sich, dass sich die Vegetationsperiode (Differenz des jahreszeitlichen Beginns der 'Sal-Weide Blüte' bis zum Beginn der 'Stiel-Eiche Blattverfärbung') in Brandenburg zwischen 1951-2008 um rund 20 Tage (3,4 Tage pro Jahrzehnt) verlängerte.
    Grundsätzlich kann festgestellt werden: je regionaler die Daten betrachtet werden, desto differenzierter die Veränderungen, wie es am Beispiel der Vegetationsdauer besonders deutlich wurde. Während sich beispielsweise in der Naturraumgruppe Nordbrandenburgisches Platten- und Hügelland die Vegetationsperiode im Beobachtungszeitraum insgesamt um 41,5 Tage (!) verlängerte, ist im Odertal ein Anstieg von lediglich 0,3 Tagen zu verzeichnen, obwohl sich auch hier die phänologischen Jahreszeiten in sich stark verschoben haben."
    Katrin Haggenmüller, Vera Luthardt. Phänologie-Journal Nr. 33/2009
  • "We derived a 250-year index of first flowering dates for 405 plant species in the UK for assessing the impact of climate change on plant communities. The estimated community-level index in the most recent 25 years was 2.2-12.7 days earlier than any other consecutive 25-year period since 1760. The index was closely correlated with February-April mean Central England Temperature, with flowering 5.0 days earlier for every 1C increase in temperature."
    T. Amano, R. J. Smithers, T. H. Sparks, W. J. Sutherland. Proceedings Of The Royal Society B(Biological Sciences), published online 7 April 2010.

Phänologische Programme

Mit dem Garten an der Eulerstraße nimmt die Stadt Düsseldorf an zwei phänologischen Programmen teil:
Global Phenological Monitoring GPM
DWD Programm

Quellenangaben zu den Pflanzenporträts auf den GPM- und DWD-Seiten/Leseempfehlungen


  • Deutscher Wetterdienst: Anleitung für die phänologischen Beobachter. Offenbach 1991
  • Reinhold Erlbeck/Ilse E. Haseder/Gerhard K.F. Stinglwanger: Das Kosmos Wald- und Forstlexikon. Stuttgart 2002
  • Ruprecht Düll/Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Wiebelsheim 2005
  • Werner Rothmaler u.a.: Exkursionsflora von Deutschland, Band 4. Heidelberg 2005
  • Andreas Roloff/Andreas Bärtels: Flora der Gehölze. Stuttgart 2006
  • Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (Hg): 55 Wildpflanzen im Porträt. Recklinghausen 2008

Fotos: Umweltamt Düsseldorf, Krauß Abstatt


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25. Mai 2012 | 03:27 Uhr

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