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Gewässer in Düsseldorf - Unterbacher See

Vom Baggerloch zum Biotop

Der Unterbacher See: Eine ökologisch wertvolle Freizeitoase

Bis zu 13,4 Meter tief, 87 Hektar groß und künstlich angelegt - das sind die Kennzahlen des Unterbacher Sees. "Der Unterbacher See ist ein ökologisch wertvoller Freizeitsee", erklärte Umweltdezernentin Charlotte Nieß-Mache bei der Vorstellung im Rahmen der neuen Reihe "Gewässer in Düsseldorf".

Der Unterbacher See entstand zum Zweck der Kies- und Sandgewinnung durch Ausbaggern zwischen 1926 und 1973. Sein Volumen beträgt 4,1 Millionen Kubikmeter. Durchschnittlich ist der See rund fünf Meter tief. Das an dieser Stelle bei der Auskiesung offen gelegte Grundwasser durchströmt den See und bestimmt auch dessen Wasserstand. Er kann bis zu 1,5 Meter schwanken.

Luftbild Unterbacher See
Luftbild des Unterbacher Sees im Düsseldorfer Süden (Vermessungs- und Katasteramt).

Inzwischen hat sich der See zu einem herausragenden Naherholungsgebiet gewandelt. An dem von Wald gesäumten Gewässer kann man viele Wassersportarten ausüben: Segler, Surfer, Paddler, Ruderer und Angler kommen dort auf ihre Kosten. Am einzigen "zugelassenen" Badegewässer der Stadt kann gleich an zwei Stränden gebadet werden. Besucher haben die freie Auswahl zwischen normalem Sandstrand, Liegen, Strandkörben und FKK-Strand ausgewählt werden.

Jährlich nutzen durchschnittlich rund 200.000 Badelustige das Angebot des Zweckverbandes Unterbacher See. Im Ausnahmesommer 2003 waren es sogar 307.000 Menschen. Mitglieder des Zweckverbandes sind die Städte Düsseldorf, Hilden und Erkrath. Seine Ziele sind die Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege, des Sports und des Landschaftsschutzes. Damit das Baden in der Natur auch sorglos genossen werden kann, wird die Qualität des Wassers ständig vom Umweltamt und vom Gesundheitsamt kontrolliert. Zuletzt erhielt der Unterbacher See bei der Bewertung der Gewässerqualität ein "sehr gut". Dies war nicht immer so. 1999 bis 2001 wurde der Badesee nur die Note "befriedigend" bewertet. Doch inzwischen gab es "Mähaktionen", wobei Wasserpflanzen entfernt wurden. Auch wurde der See in den letzten Jahren wieder besser mit Grundwasser durchströmt.

Obwohl der Unterbacher See durch Freizeitsportler stark frequentiert wird, hat er gleichzeitig auch Biotop-Charakter. Seit Jahren hält sich der Nährstoffgehalt auf einem geringen Niveau. Das wirkt sich positiv auf die Artenvielfalt aus, denn: Je geringer der Nährstoffgehalt, desto größer die Artenvielfalt. "Im Unterbacher See kommen 15 der insgesamt 42 Fischarten vor, die in Düsseldorf registriert sind", erklärt Umweltamtsleiter Dr. Werner Görtz. Darunter sind Hecht, Flussbarsch, Aal, Karpfen oder Schleie.

Für Wasservögel spielt der Unterbacher See trotz intensiver Freizeitnutzung eine wichtige Rolle. Fast 60 Vogelarten sind übers Jahr dort zu finden. Vier als Vogelschutzgebiet ausgewiesene Inseln sind Anlaufpunkt für Schwäne, Blässhühner, Grau- und Kanadagänse. Im Winterhalbjahr ist das Gewässer als Trittsteinbiotop für Durchzügler und Gastvögel von besonderer Bedeutung. Dann sind dort seltene Wasservogelarten wie Rothalstaucher, Schellente und Zwergsäger zu finden. Für tauchende Wasservögel spielt auch die relativ geringe Tiefe des Sees eine wichtige Rolle. Die Unterwasserwiesen mit Beständen an seltenen Armleuchteralgen und Laichkräutern sowie die darin lebenden Kleintiere wie Wasserschnecken, Kleinkrebse und Muscheln sind als Nahrungsquelle für die Vögel leicht erreichbar.

Das Umweltamt stellt im folgenden einige der Lebewesen vom Unterbacher See vor:

Karpfen
Karpfen (Cyprinus carpio). Foto (wie alle weiteren): Agentur Blickwinkel.

Der Karpfen zählt zu den Friedfischen, das heißt er frisst wirbellose Kleintiere und Pflanzenteile. Tagsüber versteckt er sich, nachts durchwühlt er den Gewässerboden auf der Suche nach Nahrung. Der bis zu 120 cm lange Fisch stammt ursprünglich aus Asien, ist aber heute weltweit verbreitet. Im Unterbacher See wird er regelmäßig von Anglern eingesetzt

Rothalstaucher
Rothalstaucher (Podiceps grisegena)

Charakteristisch und Namen gebend ist der rostrote Hals (nur im Sommer!). Der Rothalstaucher ist kleiner als der Haubentaucher und eher seltener Durchzügler und Gast am Unterbacher See. Die erste Beobachtung in Düsseldorf geht auf das Jahr 1967 zurück. Seit 1980 rasten Tiere so gut wie jedes Jahr auf dem Unterbacher See. Meist bleibt der Vogel aber nur wenige Tage, selten bis zu einem Monat.

Stockente
Stockente (Anas platyrhynchos)

Als häufigste und verbreitetste Entenart ist die Stockente den meisten Menschen bekannt. Am Unterbacher See wurden im Winter schon an die 400 Tiere gezählt. Die Männchen tragen ein farbiges Federkleid mit metallisch grüner Kopfzeichnung, die Weibchen sind schlicht braun gefärbt, um besser getarnt zu sein. In den meisten Bundesländern ist die Stockente die einzige noch jagdbare Entenart. Ihre Name rührt von dem bevorzugten Brutplatz in Baumhöhlen und Kopfbäumen hin.

Hecht
Hecht (Esox lucius)

Der Hecht als bekannter Raubfisch ist bei Anglern sehr beliebt und bevorzugt stehende bis langsam fließende Gewässer. Er kann bis zu 150 cm lang werden. Der Einzelgänger lauert im unterseeischen Bewuchs auf Beute. Dazu zählen vor allem Fische, er verschmäht aber auch Amphibien, Wasservögel und Kleinsäuger nicht und macht sich sogar über Artgenossen her.

Schleie
Schleie (Tinca tinca)

Die Schleie fällt durch ihre goldbraune Färbung und ihre rötlichen Augen auf. Die kleinen Schuppen verleihen ihr ein elegantes Aussehen. Länge meist 20 - 40 cm, in Ausnahmen bis zu 60 cm. Der nachtaktive Fisch frisst wirbellose Bodentiere und Pflanzen.

Aal
Aal (Anguilla anguilla)

Die kleineren männlichen Aale werden bis 50 cm lang, weibliche Aale können 150 cm Länge erreichen. Der Wanderfisch begibt sich zum Laichen auf die weite Reise in das Sargasso-Meer im Westen des Atlantiks. Die Larven driften mit dem Golfstrom innerhalb von 3 Jahren wieder an die Küsten Europas und steigen als 6 cm kleine (durchsichtige) Glasaale die Flüsse hinauf.

Flussbarsch
Flussbarsch (Perca fluviatilis)

Der Flussbarsch ist einer der farbenfrohsten Süßwasserfische unserer Gewässer. Er frisst alles, was er bewältigen kann und kommt im Unterbacher See häufig vor. Länge: 15 - 45 cm. Der Flussbarsch jagt im Verbund. Im Alter entwickelt er sich allerdings zum Einzelgänger. Vorsicht vor seinen stachelbewehrten Flossen.

Zwergsäger
Zwergsäger (Mergus albellus)

Der Zwergsäger ist ein seltener aber regelmäßiger Wintergast aus dem Norden. Bis zu 25 Tiere wurden am Unterbacher See gezählt. Er hat wegen seiner geringen Tiefe eine besondere Bedeutung für diese Vogelart. Von Oktober bis April wird das auffällig schwarz-weiß gezeichnete Männchen des Zwergsägers (Foto) bei uns gesichtet. Zur Brutzeit im hohen Norden bevorzugt er waldumsäumte Gewässer, weil er in Baumhöhlen brütet.

Blässhuhn (Fulica atra)

Hier haben wir einen häufigen und für vegetationsreiche Gewässer typischen Wasservogel vor uns. Die Nahrung sucht er im flacheren Wasser (nicht tiefer als 2-3 Meter), in das er mit einem Kopfsprung hinein taucht. Der Allesfresser Blässhuhn macht sich auch über Samen, Halme und Blätter ufernaher Wiesenpflanzen her. Als höchsten Winterbestand hält das Buch "Die Vogelwelt der Stadt Düsseldorf" 3.000 Individuen fest. Dabei handelt es sich fast durchgängig um Durchzügler und Gäste. Die Zahl der Brutpaare ist wesentlich kleiner (2001: 4 Brutpaare).

Schellente
Schellente (Bucephala clangula)

Die Schellente ist regelmäßiger Durchzügler und Wintergast am Unterbacher See. Die Zahl in Düsseldorf schwankt im Allgemeinen zwischen 20 und 50 Tieren. Die Weibchen (Foto) sind deutlich kleiner als die Männchen und können sogar in Spechthöhlen brüten.

Haubentaucher
Haubentaucher (Podiceps cristatus)

Der Haubentaucher ist ein fischfressender Tauchvogel und typisch für große Seen. Am Unterbacher See leben mehrere Paare, die in Schwimmnester auf dem Wasser brüten. Im Winter 1999/2000 wurden besonders viele, nämlich 47 Individuen gezählt. Etwas kleiner als die Stockente, lässt der Haubentaucher sich gut bei der Balz oder der Fütterung der Jungen beobachten. Die Fluchtdistanzen sind vielerorts sehr gering geworden.

Armleuchteralge (Chara aspera)

Diese Algen bilden im Unterbacher See ausgedehnte unterseeische Wiesen mit für ganz NRW bedeutenden Beständen. Ihre Färbung variiert von graugrün bis gelbgrün. Die Hauptachse ist 10 - 30 cm lang. Der Bestand an Unterwasserpflanzen spielt eine bedeutende Rolle für die Fischbestände: Hier laichen und verstecken sie sich. Auch filtern die Unterwasserpflanzen Schweb- und Nährstoffe aus dem Wasser.

Eine Ausstellung mit Bildern dieser Internetseiten ist im Foyer des Technischen Verwaltungsgebäudes in der Brinckmannstraße 5 zu sehen. Dort ist montags bis donnerstags von 7 bis 18 Uhr und freitags von 7 bis 15 Uhr geöffnet. Ansprechpartner im Umweltamt ist Ernst Schramm, Telefon 0211.89-25003, E-Mail: ernst.schramm@duesseldorf.de

Literaturtipps:

  • Herbert M. Ludwig: Tiere und Pflanzen unserer Gewässer. Merkmale, Biologie, Lebensraum, Gefährdung
    BLV Verlag. München 2003
  • Wilfried Stichmann: Der große Kosmos Naturführer Tiere und Pflanzen
    Franckh-Kosmos Verlag. Stuttgart 2003
  • Alfred Leisten: Die Vogelwelt der Stadt Düsseldorf
    Herausgeber: Biologische Station Urdenbacher Kämpe 2002

Link zum Zweckverband:
www.unterbachersee.de

Stand: Juni 2005


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10. Februar 2012 | 07:53 Uhr

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