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Umweltamt im Einsatz für sauberes Grundwasser

29. Juli 2009

Sanierungsanlage in Bilk-West beseitigt Chromat/Pro Stunde werden 60.000 Liter Grundwasser gereinigt

Eine Sanierungsanlage rückt in Bilk-West Chromat zu Leibe, das dort das Grundwasser verunreinigt. Das Umweltamt der Landeshauptstadt hat die Anlage auf dem städtischen Grundstück an der Volmerswerther Straße 105 errichtet. "In der Anlage werden 60 Kubikmeter Grundwasser pro Stunde gereinigt", erklärt Umweltdezernentin Helga Stulgies.

Chromat ist ein Salz der Chromsäure. Es wird in der Galvanik zur Oberflächenveredelung von Metallen eingesetzt. Chromate sind stark giftig, wassergefährdend und krebserzeugend. Die Grundwassersanierung ist geboten, da innerhalb der Verunreinigungsfahne das Grundwasser in der Regel ohne Aufbereitung nicht nutzbar ist. "So konnten in der Vergangenheit von zwei Betrieben beabsichtigte Brauchwasserförderungen wegen der damit verbundenen Aufbereitungskosten nicht realisiert werden. Auch die Geothermie- oder Erdtemperaturnutzung für das im Bau befindliche Landeskriminalamt war erst nach Umplanung realisierbar", betont der Leiter des Düsseldorfer Umweltamtes Dr. Werner Görtz.

Das zu reinigende Grundwasser wird aus drei Brunnen auf dem Eintragsstellengrundstück Südring, auf dem Grundstück der Sanierungsanlage und der Völklinger Straße gefördert. Über unterirdische Rohrleitungen von insgesamt 1,75 Kilometer Länge wird das verunreinigte Wasser zur Sanierungsanlage gepumpt. Dort wird zunächst ein Reduktionsmittel zugegeben und damit das Chrom in eine schlechter wasserlösliche und ungefährlichere Bindungsform überführt. Chromat wird zuerst zu dreiwertigem Chrom reduziert. In einer zweiten Stufe wird dann das umgewandelte Chrom durch ein spezielles Adsorptionsmittel aus dem Wasser gefiltert. Das gereinigte Wasser wird auf Höhe der Bachstraße in die Innere Südliche Düssel eingeleitet.

Verursacher der Verschmutzung ist ein nicht mehr existierendes Galvanikunternehmen, das sich am Südring befand. Von dort aus hat sich die Verunreinigung mit der Hauptgrundwasserströmung über 1,5 Kilometer in nord-nordwestliche Richtung bis zum Hafen ausgebreitet. Die maximale Breite der so genannten Fahne beträgt in Rheinnähe 500 Meter. Die Verunreinigung erstreckt sich laut Umweltamt über eine Gesamtfläche von 46 Hektar.

Die Grundwassersanierung mittels der Anlage an der Volmerswerther Straße ist der zweite Sanierungsschritt. In einem ersten Schritt wurde die Eintragsstelle von November 2002 bis März 2003 saniert. Im Schutz einer Grundwasserförderung wurde auf einer Fläche von rund 250 Quadratmetern auf dem Grundstück Südring 119 chromverunreinigter Boden ausgehoben. Der Boden wurde innerhalb eines Spundwandkastens zur bautechnischen Absicherung der Aushubgrube lokal bis zu einer Tiefe von 11,5 Meter ausgegraben. Wegen der zum Zeitpunkt des Bodenaushubs herrschenden sehr hohen Grundwasserstände konnte allerdings die vorgesehene Aushubtiefe von 29,5 Meter über Normalnull, das entspricht etwa 9,5 Meter unter der Bodenoberfläche nicht flächendeckend erreicht werden. Insgesamt wurden auf dem ehemaligen Betriebsgrundstück und dem nördlich anschließenden Nachbargrundstück 4.500 Tonnen chromverunreinigter Boden ausgehoben und entsorgt. Dies entspricht einer entfernten Chrommenge von mehr als zwei Tonnen.

Die Sanierung der Eintragstelle der Chromverunreinigung auf dem Grundstück des ehemaligen Galvanikbetriebes wurde nach Konkurs des Verursachers und Eigentümer in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag mit einem Investor in Verbindung mit der Errichtung eines Autoteilemarktes geregelt. Danach hatte der Investor die Sanierung des Grundstückes bis zur Höhe der ihm zumutbaren Kosten, am Kaufpreis des sanierten Grundstückes orientiert, zu tragen. Darüber hinaus erforderliche Sanierungskosten gehen mangels weiterer leistungsfähiger Verpflichteter zu Lasten der Stadt als zuständiger Sonderordnungsbehörde.

Die erforderlichen Rohrleitungen und Sanierungsbrunnen wurden mit Zuschüssen des Landes fertig gestellt. "Bei einer geschätzten Sanierungsdauer von fünf bis zehn Jahren kostet die Grundwassersanierung zwischen 2,2 und 3 Millionen Euro", erläutert die Umweltdezernentin.

Hintergrund: Grundwassersanierung

Grundwasser wird in Düsseldorf traditionell vielfältig genutzt. Im Stadtgebiet werden fünf Wasserwerke zur öffentlichen Trinkwasserversorgung betrieben, deren Einzugsgebiete etwa ein Drittel der Stadtfläche in Anspruch nehmen. Darüber hinaus sind mehrere 100 private Grundwasserentnahmen für unterschiedliche Nutzungen wie Produktionswasser, Brauchwasser, Trinkwasser, Spülwasser, Eigenwasserversorgung, Feldberieselung, Zierbrunnen über das Stadtgebiet verteilt. Zusätzlich hat in den letzten Jahren die geothermische Nutzung des Grundwassers zu Kühl- und Heizzwecken deutlich zugenommen.

Durch jahrzehntelange industrielle und gewerbliche Nutzungen wurde das Grundwasser an vielen Stellen verunreinigt und so die Nutzbarkeit zum Teil erheblich eingeschränkt. Die in Bezug auf den Grundwasserschutz wichtigste Schadstoffgruppe sind die CKW, leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe. Würde man die einzelnen Verunreinigungen dieser Stoffgruppe hintereinander aufreihen ergäbe sich eine Gesamtverunreinigungslänge von 47 Kilometern. Die Verunreinigungen aller anderen Schadstoffe liegen jeweils aufsummiert unter fünf Kilometern. Daher wurde und wird die Sanierung von CKW-Grundwasserverunreinigungen von der Stadt mit Priorität betrieben. Auf der Grundlage des erreichten Sanierungsstandes und im Zusammenhang mit den vielen Bauvorhaben in der Innenstadt werden seit 2008 von der Stadt auch Sanierungen von Chromatgrundwasserverunreinigungen vorgenommen.

Chromat wird vornehmlich in Galvaniken zur Oberflächenveredlung eingesetzt. Chromat ist giftig, akut und gesundheitsgefährdend. Auf Grund seiner guten Wasserlöslichkeit ist Chromat sehr mobil und kann durch Handhabungsverluste oder über Undichtigkeiten in Anlagen, Rohrleitungen und Kanalisation in den Untergrund und von dort in das Grundwasser gelangen. In Düsseldorf sind drei großflächigere und drei lokal begrenzte Grundwasserverunreinigungen durch Chromat, die durch Galvanikbetriebe verursacht wurden, bekannt. Dabei gilt das Grundwasser als verunreinigt, wenn mehr als sieben Millionstel Gramm Chromat in einem Liter Wasser gemessen werden. Für die Stoffgruppe der CKW gilt ein Geringfügigkeitsschwellenwert von zehn bis 20 Millionstel Gramm je Liter.

Um die Nutzbarkeit des Grundwassers wieder zu verbessern und auch für zukünftige Generationen sicherzustellen, müssen vorhandene Grundwasserverunreinigungen saniert werden. Durch konsequente Sanierung hat sich die Flächenausdehnung der CKW-Grundwasserverunreinigungen im Stadtgebiet in den letzten 20 Jahren um fast zwei Drittel reduziert. Von 1989 bis Ende 2008 wurden über 110 Millionen Kubikmeter verunreinigten Grundwassers abgepumpt und gereinigt. Mit der Sanierung wurden 33,1 Tonnen CKW aus dem Grundwasser entfernt. Zusätzlich wurden durch Bodenluftsanierung 28,1 Tonnen CKW entfernt, bevor diese in das Grundwasser gelangten. Entsprechend den wasserrechtlichen Vorgaben sind die aktuell noch vorhandenen Verunreinigungen des Grundwassers bis zum Jahr 2027 zu sanieren und damit flächenhaft ein guter chemischer Zustand des Grundwassers wieder herzustellen.


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