Meister des Trommelwirbels und Tier des Monats Dezember: Der vielseitige Buntspecht
Ausstellung, Internetseiten, Information von Umweltamt und Naturschutzbund
"Der Buntspecht ist die häufigste der neun einheimischen Spechtarten. Fünf Arten sind in Düsseldorf zu Hause. Man geht davon aus, dass in der Landeshauptstadt etwa 200 Brutpaare des Buntspechts leben, " so Umweltdezernentin Charlotte Nieß-Mache zur Vorstellung des 'Dezembertiers'.
Der schwarz-weiß gefärbte Vogel mit dem roten Unterbauch und dem roten
Band am Hinterkopf (nur beim Männchen) ist nicht ganz so groß wie die
Amsel. Er hält sich meistens auf Bäumen auf und kann nur recht selten
am Boden beobachtet werden.
Charakteristisch ist das Trommeln mit dem Schnabel, wodurch Buntspecht und Verwandte
ihr Revier abgrenzen, sich mit Artgenossen verständigen und Nahrung orten.
Soweit es auf den Klang ankommt, wählt der Buntspecht bevorzugt hohle Stämme
und Äste mit guter Resonanz aus, aber auch Masten und Bleche eignen sich
für den vielseitigen Vogel. Der Trommelwirbel des Männchens dauert ein
bis zwei Sekunden und besteht aus 10 bis 16 Schlägen; gegen Ende werden die
Schläge schneller. Wiederholung fünf bis achtmal in der Minute möglich.
Um das Stakkato von Hieben aushalten zu können, ist der Kopf des Spechtes
speziell konstruiert. Schnabel und Schädel sind federnd miteinander verbunden;
Knochen und Muskeln fangen die Wucht des Hämmerns auf, so dass der Specht
trotz allem wahrscheinlich kein Kopfweh kennt.

Ein Buntspecht mit Futter im Schnabel; Foto: A. Leisten
Buntspechte verschaffen sich mit ihrem kräftigen Schnabel Zugang zu Insekten und ihren Larven unter dem Holz. Sie haben ein nahezu untrügliches Gespür dafür, wo fette Beute zu finden ist. Mit der langen, schmalen und klebrigen, mit Widerhäkchen versehenen Zunge, die bis zu vier Zentimeter herausgestreckt werden kann, zieht der Buntspecht seine Nahrung wie mit einer Angel 'an Land'. Und auch an der Baumoberfläche macht der Buntspecht Jagd auf Insekten und Spinnen - er sucht die Rinde akribisch danach ab. Gerne macht er sich zudem über pflanzliche Kost her, auf die er mehr Appetit entwickelt, als andere Spechte. Samen von Kiefern und Fichten, Beeren, Nüsse und sogar Baumsäfte bereichern seinen Speiseplan. Gelegentlich vergreift er sich an Eiern und Jungvögeln.
Im Zusammenhang mit der Beschaffung pflanzlicher Nahrung sind interessante 'spechtische' Techniken zu beobachten: 'Spechtschmieden' heißen die Stelle, an denen die Vögel Kiefern- und Fichtenzapfen bearbeiten, um an die Samen zu kommen. Sie tun das sehr effektiv, indem sie beispielsweise Astgabeln nutzen, in denen sie die Zapfen festgeklemmen. So ist es möglich, die Schuppen abzuhacken und an die Samen zu gelangen. Ansammlungen von entleerten Zapfen im Wald deuten auf Spechtschmieden hin.
'Ringeln' nennt sich eine andere Technik des Buntspechts und seiner Verwandten. Im Frühling hackt er Löcher in die Baumrinde und zapft so den nahrhaften Baumsaft an. Die Löcher werden ringartig um den Baumstamm herum gestanzt. Den betroffenen Bäumen wachsen zwar Wülste oder es siedeln sich Pilze an, sie ertragen es aber im Allgemeinen problemlos, von Spechten als Tankstelle betrachtet zu werden.
Der Buntspecht hat eine besondere Bedeutung für andere Tierarten. Er kann als fähiger Höhlenbaumeister bezeichnet werden, der mehr Baumhöhlen in morsche Bäume zimmert, als er selber braucht. In zwei bis drei Wochen vollendet er eine Höhle, die dann später anderen Vögeln wie Meisen oder Kleiber, aber auch Siebenschläfer, Fledermäusen oder Hornissen als Wohnung dienen kann.
Für Spechte sind alte Bäume und naturnaher Wald wichtiger Lebensraum. Das gilt zwar noch am wenigsten für den 'Allrounder' unter den Spechten, den Buntspecht, aber auch er liebt naturbelassenen Baumbestand mit Alt- und Totholz. In Düsseldorf kommt man den Spechten in dieser Hinsicht sehr entgegen. Der gesamte Düsseldorfer Stadtwald wird bereits seit den 60er Jahren naturnah bewirtschaftet. Das bedeutet z.B.: keine Kahlschläge, natürliche Waldverjüngung, keine Pestizide, und es gibt Alt- und Totholzbereiche. Dieser Wald ist zwar nicht aufgeräumt wie eine Weihnachtsbaumplantage, aber vielfältig und ökologisch unschätzbar wertvoll. Seit dem Jahr 2000 trägt das Holz aus dem Düsseldorfer Stadtwald sogar FSC- und Naturland Zeichen. Beide Logos stehen für anerkannt ökologisch erzeugtes Holz. Kein Wunder, dass auch Spechte diese Umgebung besonders mögen.
Wer mehr über das Tier des Monats in Erfahrung bringen möchte, sollte sich Ausstellung und Internetseiten des Düsseldorfer Umweltamtes ansehen. Die kleine Ausstellung zum Buntspecht ist noch bis in das nächste Jahr hinein im Foyer des Technischen Rathauses an der Brinckmannstraße 5 zu sehen. Dort ist montags bis donnerstags von 7-18 Uhr und freitags von 7-15 Uhr geöffnet.
Im Internet sind Infos zum Tier des Monats unter www.duesseldorf.de/umweltamt über die Menupunkte 'Aktuelles' und 'Alles auf einen Blick' zu finden. Ansprechpartner im Umweltamt ist Ernst Schramm, Telefon 0211.89-25003, E-Mail: ernst.schramm@duesseldorf.de Bei Fragen und Beobachtungen über die Düsseldorfer Vogelwelt hilft Alfred Leisten vom Naturschutzbund Deutschland NABU, Telefon 0211.27 46 79, gerne weiter Geschenktipp für Weihnachten: "Die Vogelwelt der Stadt Düsseldorf" gibt es im Buchhandel und beim Herausgeber: Biologische Station Urdenbacher Kämpe e.V., Haus Bürgel, Urdenbacher Weg, 40789 Monheim am Rhein.
Buntspecht-Steckbrief
(Sein wissenschaftlicher Name lautet: Dendrocopus major)
Ein Bunstspecht füttert den Nachwuchs; Foto: A. Leisten
- Größe: 22-23 Zentimeter, ca. 100 Gramm schwer (etwas kleiner als Amsel)
- Aussehen: Schwarz-weiß mit rotem Hinterkopffleck (nur Männchen) und rotem Unterbauch bei Männchen und Weibchen. Ähnlich gezeichnet, aber deutlich seltener in Düsseldorf sind: Mittelspecht und Kleinspecht.
- Speiseplan: Insekten, Insektenlarven, Spinnen, aber auch Koniferensamen, Beeren, Nüsse, Baumsäfte.
- Brut: 5-7 weiße Eier, werden in 9-12 Tagen ausgebrütet. Nach etwa 20 Tagen fliegen die Jungen aus, werden aber noch an die 10 Tage gefüttert.
- Lebensdauer: Wird relativ alt, im Schnitt 8-9 Jahre, aber auch bis zu 13 Jahre.
- Vorkommen in Düsseldorf: Wälder, Parkanlagen, Gärten mit Baumbestand
- Interessant: Je nach Nahrungsangebot braucht ein Buntspecht-Paar bis zu 60 Hektar Platz. Ist besonders viel Nahrung zu finden, reichen mitunter aber sogar weniger als 10 Hektar.
Bebilderte Steckbriefe auch der anderen in Düsseldorf heimischen Spechte enthält das Buch: "Die Vogelwelt der Stadt Düsseldorf" (siehe unten).
Spechte und andere Vögel - zum Weiterlesen
- Alfred Leisten: Die Vogelwelt der Stadt Düsseldorf. Düsseldorf 2002.
- Klaus Richarz: Natur rund ums Haus. Expeditionen in die heimische Tierwelt. Stuttgart 2002
Spechte und andere Vögel im Internet:
www.spechte-online.dewww.nabu.de
www.birdnet.de
www.wildvogelhilfe.org
www.tierstimmen.de
Zur Übersicht mit allen Tieren des Monats seit Beginn der Reihe im April 2003 bitte hier entlang
Sachstand: Dezember 2003

