Das Tier des Monats September ist ein Nachtschwärmer: Die Fledermaus
Wissenswertes wieder im UIZ und hier im Internet
Sie haben lustige Namen wie Abendsegler, Zwergfledermaus, kleine Bartfledermaus, Zweifarbfledermaus, Langohr, Bechsteinfledermaus oder Fransenfledermaus. Von den einzigen Säugetieren, die fliegen können, existieren weltweit etwa 1.000 Arten. In Deutschland bilden 20 Arten Fortpflanzungskolonien, in Düsseldorf findet man 9 Fledermausarten. Wenn man sie findet. Denn Fledermäuse genauer zu beobachten ist nicht einfach. Die Tiere sind nachtaktiv und sie sind schnelle und wendige Flieger. Tagsüber verstecken sie sich in Hohlräumen alter Bäume, in Mauerspalten, Dachstühlen, alten Scheunen und Felshöhlen.

Eine Wasserfledermaus in der Hand von Fledermaus-Fachmann Tobias Krause. Foto: T. Krause
Wenn sie nachts unterwegs sind, vertilgen die heimischen Fledermausarten Insekten in rauhen Mengen. Das können bei einer Wasserfledermaus bis zu 4.000 Mücken pro Nacht sein, ein Abendsegler kann innerhalb kurzer Zeit 30 Maikäfer verspeisen, eine kleine Kolonie von 50 Tieren schafft es, in einer Saison 15-30 kg Insektennahrung zu erjagen.
Damit sich die Fledermäuse bei der Nahrungssuche nicht zu sehr in die Quere kommen, nutzt jede Art unterschiedliche Bereiche: Mal wird direkt über dem Wasser, mal hoch über den Baumkronen gejagt. Oder die Insekten werden vom Laub der Bäume und Büsche aufgesammelt. Fledermäuse können das, trotz Dämmerung und Dunkelheit. Ihr Ortungssystem gleicht hochmodernen Radarantennen. Es arbeitet mit für den Menschen unhörbaren Ultraschallwellen, die durch Nase oder Mund ausgestoßen werden. Bei der Annäherung an ein Beutetier helfen bis zu 100 Rufe pro Sekunde, den Happen auch bei völliger Finsternis zielsicher zu erwischen. Wer wie die Langohren auf kurze Distanz jagt, geht dabei relativ leise vor, andere Fledermäuse wie der Abendsegler rufen so laut, dass es dem Schalldruck eines Presslufthammers nahe kommt. Der Abendsegler jagt im freien Luftraum und 'sieht' so etwa 50 Meter weit. An der Art der Schallwellen erkennt man, um welche Fledermaus es sich handelt.

Aug' in Aug' mit einem Großen Abendsegler
Foto: Agentur Blickwinkel
Die heimischen Fledermäuse halten allesamt Winterschlaf. Sie suchen sich kühle, aber frostfreie und feuchte Quartiere wie Höhlen, Keller, Mauer- und Felsspalten - je nach Art. Um mit den angefutterten Fettreserven über den Winter zu kommen, passen die Fledermäuse ihre Körpertemperatur der Umgebung an. Herzschlag und Atmung werden erheblich langsamer.
Trotz ihres großen Nutzens ging die Zahl der Fledermäuse zurück. Das Verbot des Schädlingsbekämpfungsmittels DDT führte dazu, dass sich die Bestände erholten. Dennoch: Lebensräume für Fledertiere, in denen opulente Insektenmahlzeiten möglich sind, bleiben rar und die Insektennahrung kann auch heute noch vergiftet sein. Wie so oft anlässlich der Reihe "Tier des Monats" kann es hier auch nur wieder heißen: Bunte Gärten mit standortgerechter Bepflanzung und Verzicht auf Biozide helfen vielen Tieren, auch den Fledermäusen. Zudem lässt sich mit Fledermauskästen Wohnraum für die Flattertiere schaffen. Sie werden - ähnlich den Kästen für Vögel - an Bäumen oder auch am Haus angebracht, haben statt eines Lochs aber eine schmale Einlassöffnung unten im Kasten.

Fledermauskasten
Foto: Tobias Krause
Fortpflanzungszeit ist von Ende Juli bis in den Frühling hinein. Die Befruchtung der Eizellen kann lange Zeit nach der Paarung erfolgen. Das Fledermausweibchen hat nämlich die Fähigkeit, die männlichen Samen über Monate frisch zu halten. Die meisten bringen nicht mehr als ein Junges pro Jahr zur Welt. Trotzdem wachsen sie nicht als Einzelkinder auf - in so genannten Wochenstuben tun sich Fledermausmütter zusammen, um die Jungen großzuziehen. Fledermäuse können bis zu 20 Jahre alt werden.
Wer mehr über unsere heimischen Fledermäuse in Erfahrung bringen, wird im September wieder im UmweltInfoZentrum UIZ (kleine Ausstellung und Broschüren zum Mitnehmen) und auf den Internetseiten des Umweltamtes www.duesseldorf.de/umweltamt fündig. Im UIZ findet am Sonntag, 28. September, ein Infonachmittag über die Fledermaus statt. Das UIZ liegt am Unteren Rheinwerft in Höhe des Treppenabgangs Schulstraße und ist an Freitagen, Samstagen und Sonntagen von 14-19 Uhr geöffnet.
Einige Düsseldorfer Mitglieder der Fledermaus-Familie
Groß und laut: Abendsegler (Foto weiter oben)
- Gewicht: 16 bis 40 Gramm
- Kopf-Rumpf-Länge: 7 cm
- Flügelspannweite: bis zu 40 cm
- Vorkommen in Düsseldorf:
Wie häufig? Regelmäßig zu finden/verbreitet.
Wo? Über größeren Gewässern, in Wäldern und Parkanlagen, besonders in den Bachtälern wie Rotthäuser oder Hubbelrather Bachteil.
Wann? Im Sommer selten, überwiegend Durchzügler aus Ost- und Nordosteuropa machen in Düsseldorf halt.
Die Kleinste: Zwergfledermaus

Foto: Naturschutzbund Deutschland NABU NRW
- Gewicht: 3 bis 8 Gramm
- Kopf-Rumpf-Länge: 3,5 bis 5 cm
- Flügelspannweite: bis zu 20 cm
- Vorkommen in Düsseldorf:
Wie häufig? Häufigste Fledermausart in Düsseldorf.
Wo? Parkanlagen, Friedhöfe, in mehr oder weniger 'verwilderten' Hinterhöfen, entlang grünreicher ruhiger Straßenzüge - jagen auch unter Laternen.
Wann? Ganzjährig zu finden.
Die Neue: Mückenfledermaus (1998 erstmalig wissenschaftlich beschrieben)
Der Zwergfledermaus ausgesprochen ähnlich (Gewicht und Größe siehe oben)und daher erst so spät entdeckt.Vorkommen in Düsseldorf: Wie häufig? Einzelne Funde. Wahrscheinlich aber bisher oft übersehen.
Wo? Jagt vornehmlich in Waldgebieten in Gewässernähe. Bisher ausschließlich in Heerdt gefunden.
Wann? Nicht bekannt
Fledermäuse - zum Weiterlesen
- Dietmar Nill/h3jörn Siemers: Fledermäuse. Eine Bilderreise in die Nacht. München 2001
- Klaus Richarz/Daniela Bühnen: Eine Fledermaus wird groß. Kinderbuch. Stuttgart 2001
- Gunter Steinbach/Klaus Richarz/Michael Barataud: Geheimnisvolle Fledermäuse. Beobachten - Ansiedeln - Schützen. Mit 60 Fledermausrufen auf CD. Stuttgart 2000
- Naturschutzbund Deutschland NABU: Fledermäuse. Flugkünstler der Nacht. Broschüre. Begrenzte Stückzahlen auch im UIZ erhältlich.
Fledermäuse im Internet:
www.batnight.de
Sachstand: September 2003

