Tier des Monats August ist ein seltener einheimischer Schmetterling: Der Schwalbenschwanz
Wissenswertes wieder im UIZ und hier im Internet
Er ist kein Vogel, sein deutscher Name bezieht sich aber auf das in einer Hinsicht schwalbenähnliches Aussehen: Der Schmetterling hat an seinen Flügelenden schwalbenschwanzähnliche Fortsätze - was ihn deutlich von den anderen bunten Tagfaltern abhebt. Er gehört zur Familie der Ritter-Falter, zu denen die größten Schmetterlinge der Erde zählen. Der größte und zudem einer der schönsten, die auf dem Düsseldorfer Stadtgebiet vorkommen, ist er damit sicherlich. Aber er ist selten. Und obwohl einzelne Funde von Schwalbenschwänzen oder deren Raupen fast aus dem gesamten Stadtgebiet vorliegen, dürften die meisten Menschen ihn noch nicht 'in natura' gesehen haben.

Foto: Ludwig Amen
Was nicht für Ludwig Amen vom Naturschutzbund Deutschland NABU zutrifft. Der pensionierte Lehrer hat in Düsseldorf erst kürzlich auf Deichwiesen in Himmelgeist fünf Schwalbenschwänze beobachtet. Dort wird nur zweimal im Jahr gemäht, nicht gedüngt und auf Biozide verzichtet, so dass sich blumenreiche Wiesen entwickeln können, die den Schwalbenschwänzen und natürlich auch anderen Schmetterlingen und Insekten reichlich Nektar zur Verfügung stellen.
Vom Ei über die Raupe zum Schmetterling
Besonders spannend bei den Schmetterlingen und ziemlich einmalig im Tierreich ist die Entwicklung vom Ei über die gefräßige Raupe und die Puppe bis hin zur oft farbenfrohen fliegenden Schönheit. Die 'Schwalbenschwanzdame' legt ihre Eier auf Blätter der Wilden Möhre, des Fenchel oder anderer Doldenblütler. Aus den Eiern entwickeln sich die Raupen, als den meisten Menschen wenig sympathisches, aber doch notwendiges Stadium der Entwicklung zum Schmetterling. Die Raupen des Schwalbenschwanzes fressen an wilden Pflanzen, aber auch an Gartenpflanzen, zum Beispiel Möhren. Vorsicht: Gedüngte Pflanzen der selben Art können sich tödlich auf die Raupen des Schwalbenschwanzes auswirken. Frisch geschlüpfte Schwalbenschwanz-Raupen sind noch klein und schwarz-weiß gefärbt. Sie sehen Vogelkot täuschen ähnlich und schützen sich damit vor interessierten Fressfeinden. Innerhalb von 14 Tagen legen die Raupen dann etwa das 1000fache an Gewicht zu. Sie wachsen von wenigen Millimetern auf ungefähr 5 Zentimeter Länge und sind dann so dick und lang wie ein kleiner Finger. Die Färbung der älteren Raupen ist auffällig grün-schwarz-orange.
Foto: Ludwig Amen
'Hilltopping' bei Schwalbenschwänzen
Ein ganz charakteristisches Verhalten der 'Schwalbenschwanz-Herren' ist das sogenannte 'hilltopping'. Das heißt, die Tiere versammeln sich an hochliegenden, herausgehobenen Plätzen wie Berg- und Hügelkuppen, Burgruinen oder auch Deichen und führen regelrechte Kunstflüge durch. Ziel der Anstrengungen ist die Paarung mit der 'Schwalbenschwanz-Herz-Dame', die sich davon beeindrucken lässt.
Foto: Ludwig Amen
Steckbrief des Schalbenschwanzes

Foto: Ludwig Amen
- Flügelspannweite: Etwa 55-80 Millimeter
- Speiseplan:
Raupen: Möhre, Kümmel, Petersilie, Fenchel, Dill, Liebstöckel u.a.
Falter: Große Disteln, Wiesenflockenblume, Acker-Witwenblume, Phlox, Schmetterlingsbaum, Geranien und andere.
Achtung! Gezüchteten Geranien fehlt der Nektar teilweise, Schmetterlinge fliegen sie zwar an, können aber nichts mit den Pflanzen anfangen. - Flugzeit der Falter: April bis September
- Lebensdauer (Schmetterling): 3-4 Wochen, bei uns 2 Generationen im Jahr
Was tun für Schmetterlinge
Jeder kann etwas für Schmetterlinge tun. "Wer Blumenwiesen anlegt, auf Düngen und Spritzen verzichtet, 'outet' sich als Schmetterlingsfreund", so Umweltamtsleiter Dr. Werner Görtz beim Pressetermin im UIZ. Dabei gehe es darum, sowohl Futterpflanzen für die Raupen als auch Nektar liefernde Blütenpflanzen für die Schmetterlinge zu berücksichtigen. "Schmetterlinge ohne Raupen geht nicht!", daher solle man nicht gleich in Panik geraten, wenn Raupen im Garten etwas wegfressen und in Ruhe beobachten, ob sich überhaupt deutlichere Schäden einstellen. Ein gutes Bestimmungsbuch verrät einem auch, um was für eine Raupe es sich handelt. Mit einigen Brennnesseln in einer ruhigen Ecke des Gartens stellt man einer Vielzahl von Schmetterlingen wie dem Kleinen Fuchs, dem Admiral und dem Tagpfauenauge schon wichtige Raupennahrung zur Verfügung. Als Nektarquelle kommen neben dem bekannten Sommerflieder (auch Schmetterlingsstrauch genannt) zum Beispiel Disteln, Huflattich, Kartäusernelke und viele andere Blütenpflanzen in Frage. Auch Kletterpflanzen wie Efeu, Hopfen oder Geißblatt sind übrigens etwas für Raupen und Schmetterlinge. Gute Ratgeberliteratur für die Schaffung von Blumenwiesen und 'giftfreien' Gärten gibt es im Buchhandel. Informationen hält auch der VHS-Biogarten im Südpark bereit. Dort finden zahlreiche Veranstaltungen zum naturnahen Gärtnern statt. Kontakt über Telefon 0211.39 41 30 (Gisela Redemann). Wer dem Biogarten direkt einen Besuch abstatten will: Er hat immer dienstags von 16-19 Uhr und samstags von 10-13 Uhr geöffnet.
Ausstellung im UIZ und Schmetterlings-Exkursion
Einige der schönsten Schwalbenschwanz-Fotos von Ludwig Amen
Foto: Ludwig Amen
Bücher über Schmetterlinge:
- Wolfgang Dierl: Schmetterlinge. Heimische Tagfalter und Nachtfalter. Bestimmungsbuch. München 1994
- Reinhard Witt: Ein Garten für Schmetterlinge. Stuttgart 2001.
- Ute Evers: Schmetterlinge im Garten. Ulmer 1999.
Sachstand: August 2003

