Erdkröten auf Wanderschaft
Ausstellung - Internetseiten - Information von Umweltamt und Naturschutzjugend NAJUJetzt wandern sie wieder. Für ihren Schutz sind an mehreren Stellen in Düsseldorf Fangzäune aufgebaut, an denen Freiwillige und Zivildienstleistende der Stadt sie einsammeln und über die Straße bringen. Die Rede ist von der Erdkröte und anderen sogenannten Amphibien.

Ein Erdkrötenpaar; sie unten, er oben; Foto: M. Henf
"Mit der Erdkröte als häufigster Amphibienart setzt das Umweltdezernat die Reihe über Tiere in der Stadt aus dem letzten Jahr fort. Porträts einheimischer Tierarten sollen Interesse an der Natur wecken und helfen, schützenswerte Lebensräume in der Großstadt zu bewahren,", so Umweltdezernentin Charlotte Nieß-Mache beim Ortstermin am Krötenschutzzaun im Bereich Aaper Wald. "Dabei unterstützen uns Expertinnen und Experten auch aus den Reihen der Umweltverbände, wie dieses Mal Stefan Wenzel von der Naturschutzjugend NAJU."
Amphibien leben im Wasser und auf dem Land. Weltweit zählt man etwa 3500 bis 4600 Amphibienarten. Molche, Kröten, Unken und Salamander gehören dazu. In ganz Deutschland gibt es 21 Arten, davon kommen in Düsseldorf 11 Arten vor. Von den Kröten ist neben der Erdkröte nur noch die seltene Kreuzkröte in Düsseldorf zu finden. Gras- und Laubfrosch sind weitere bekannte Vertreter aus der Amphibienordnung der Froschlurche. Der wunderschöne grüne Laubfrosch - wie ein Chamäleon kann er auch andere Farben annehmen - gilt allerdings als ausgestorben auf dem Gebiet der Landeshauptstadt.
Wenn die Temperaturen nachts dauerhaft 5 Grad Celsius überschreiten, machen sich die Erdkröten auf den Weg. Sie kommen aus ihrem Winterversteck und versuchen gemächlich das Laichgewässer zu erreichen. Erdkröten sind die eifrigsten Wanderer unter den heimischen Kröten und Fröschen. Sie wandern bis zu 3 km und teilweise noch weiter zum Laichgewässer. Das Laichgewässer war der Geburtsort des Tieres, und den suchen Kröten und andere Amphibien Jahr für Jahr wieder auf - koste es, was es wolle. Straßen sind kein Hinderungsgrund. Selbst wenn Teich oder Tümpel gar nicht mehr existieren, z.B. zugeschüttet wurden, bleibt die Prägung der Tiere bestehen. Sie kommen vielleicht an, aber fortpflanzen können sie sich ohne Wasser nicht mehr.
Um sich fortzupflanzen, versucht das deutlich kleinere Erdkrötenmännchen eine bis zu 13 Zentimeter große Kröten-Dame zu ersteigen. Auf der Suche umklammert der Erdkrötenmann nahezu alles, was sich bewegt. Da kann versehentlich durchaus ein anderes Männchen oder eine andere Art umklammert werden. Man hat auf Fortpflanzung eingestellte 'Erdkröteriche' schon Fische umklammern sehen. Ruhende Weibchen werden dagegen ignoriert.
Wenn es denn geklappt hat und eine männliche Erdkröte, huckepack auf einer weiblichen Erdkröte, dem Laichgewässer zustrebt, kann ihn immer noch ein männlicher Konkurrent herunterstoßen. Die Konkurrenz ist groß - es gibt oft 10mal so viele Männchen wie Weibchen. Das Weibchen stößt im Wasser 3-5 Meter lange Laichschnüre aus, in denen sich 3.000 bis 8.000 schwarze Laichkörner befinden. Der Laich wird sofort von dem Männchen befruchtet und innerhalb von 10 Tagen entwickeln sich aus den Laichschnüren Schwärme von Kaulquappen.

Der Erdkröten-Nachwuchs. Die Kaulquappen treten in Schwärmen auf, die sich im gleichen Takt bewegen; Foto: T. Krause
Amphibienexperte Stefan Wenzel von der NAJU: "Das 'Laichgeschäft' ist für die Erdkröte eine stressige Angelegenheit. Drei Viertel der Weibchen laichen nur ein einziges Mal in ihrem Leben, was ihren Schutz um so wichtiger macht. Erdkröten können an die 12 Jahre alt werden, in Gefangenschaft noch wesentlich älter."
Die jungen, noch ganz an das Wasser gebundenen Kröten, führen eine Art 'Kaulquappenballett' auf. Schwimmbewegungen und Fressen (Kaulquappen weiden Algen und Bakterien ab) finden gleichzeitig statt. Wird ein Tier verletzt, flüchten alle blitzschnell. Meist Anfang Juli haben sich die Kaulquappen zu 1,5 Zentimeter kleinen Kröten entwickelt, die an Land gehen. Trotz zahlreicher Fressfeinde, wie Fische und andere Amphibien, sind es unter Umständen sehr viele. In früheren Zeiten sprach man dann vom "Froschregen".
Allein an den Fangzäunen Am Bauenhaus im Bereich Aaper Wald, die das städtische Landschaftspflegerevier Hexhof betreut, konnten seit 1987 jährlich zwischen 566 und 2886 Amphibien - davon ein Großteil Erdkröten - gezählt und gerettet werden. Ohne die manchmal belächelten 'Krötenretter' würde ein Großteil der Tiere vom Straßenverkehr überrollt. Denn ein Erdkrötenpaar braucht über 3 Minuten, um eine 5 Meter breite Straße zu queren. Schon bei 60 Kfz/Stunde - also nur einem Auto pro Minute - werden 90 % der Erdkröten überfahren. Und dann fehlen wichtige Nützlinge: Zur Nahrung der Erdkröte und andere Amphibien gehören viele gärtnerische Schädlinge wie Raupen oder Kartoffelkäfer. Ein Bild vom Nutzen der Amphibien vermittelt eine Zahl über den Nahrungsbedarf. Man rechnet, dass 75 kg Amphibien pro Jahr etwa 750 kg an Nahrung benötigen.
Ein Großteil der Kleingewässer wurde in den letzten Jahrzehnten zugeschüttet, trockengelegt oder überbaut. Dünger und Pflanzenschutzmittel machen den Amphibien zusätzlich zu schaffen. Neu angelegte Amphibienteiche - mit verschiedenen Tiefenzonen und einheimischen Wasserpflanzen, aber ohne Fischbesatz - können im Sinne des Artenschutzes da sehr hilfreich sein. Sie dürfen allerdings nicht von Straßen 'eingezäunt' sein. Umweltamt und NAJU halten Informationen für die Anlage von Teichen bereit. Bei besonders vorbildlichen Projekten kann die Stadt sogar Fördermittel vergeben.

Hier fühlen sich Erdkröte und Nachwuchs wohl: Ein Teichbiotop im Düsseldorfer Südpark; Foto: T. Krause
Der Schutz vorhandener Kleingewässer und nicht durch Straßen zerschnittener Lebensräume ist für Erdkröte und Anverwandte eine ganz wichtige Angelegenheit. Leider geht der Trend hin zu mehr Straßen und versiegelten Flächen. Etwa ein Drittel der Fläche Düsseldorfs gilt mittlerweile als versiegelt (durch Bauten, Straßen, Parkplätze). In ganz Nordrhein-Westfalen gibt es nur im Süden und im Osten des Landes noch wenige große Flächen, die nicht von Kreis-, Landes-, Bundesstraßen oder Autobahnen zerschnitten sind.
Wer mehr über Kröten und Frösche in Erfahrung bringen möchte, sollte sich Ausstellung und Internetseiten des Düsseldorfer Umweltamtes ansehen. Die kleine Ausstellung ist im Foyer des Technischen Rathauses an der Brinckmannstraße 5 zu sehen. Dort ist montags bis donnerstags von 7-18 Uhr und freitags von 7-15 Uhr geöffnet.
Im Internet sind Infos über mittlerweile 10 Stadttiere (von der Biene
bis zum Wanderfalken) unter www.duesseldorf.de/umweltamt (Menupunkte 'Aktuelles'
und 'Alles auf einen Blick') zu finden. Ansprechpartner im Umweltamt ist Ernst
Schramm, Telefon 0211.89-25003, E-Mail:
ernst.schramm@duesseldorf.de.
Kontakt zur Naturschutzjugend NAJU: Stefan Wenzel, Telefon 0211.15 92 51 - 32.
Steckbrief Erdkröte
Ihr wissenschaftlicher Name lautet: Bufo bufo
- Größe: Größte europäische Krötenart, bis 13 Zentimeter, Männchen meist kleiner als Weibchen
- Aussehen: Oberseite braun, graubraun bis rotbraun, manchmal auch gelblich oder schwarz, Unterseite schmutzig-weiß, grau gesprenkelt. Pupille waagerecht mit kupferfarbener Iris.
- Speiseplan: Insekten, Spinnen, Schnecken, Regenwürmer, Ameisen, Fliegen, Käfer.
- Fortpflanzung: Laichzeit März bis April. Laichwanderung bis zu 3 Kilometer. Laichschnur mit 1000 bis 3000 bzw. 3000 bis 8000 Eiern wird um Pflanzen im Wasser gewickelt. Leiser Rufer. Der Akt der Fortpflanzung dauert mal bis zu zehn oder gar bis über 40 Stunden an. Dann suchen sie das Sommerquartier auf, wo die erwachsenen Erdkröten ab Mai Beute erjagen. Bis dahin fressen sie nicht.
- Lebensdauer: 7 bis 12 Jahre im Freiland. In Gefangenschaft über 40 Jahre möglich.
- Lebensraum/Vorkommen in Düsseldorf: Bevorzugt Wälder als Lebensraum, nimmt aber auch mit Wiesen, Weiden, Feldern, Parks und Gärten vorlieb. Laicht in großen Gewässern mit dauerhafter Wasserführung.
- Interessant: Wasser ist das Element der Erdkröte, obwohl sie, wie die anderen Amphibien auch das Land bewohnt. Sie trinkt so gut wie nie, denn das Wasser wird über Haut und Nahrung aufgenommen. Die Farbe der Kröte variiert, abhängig von Jahreszeit, Feuchtigkeit oder Stimmung. Hautdrüsen sondern ein Gift ab, das für den Menschen bei bloßem Hautkontakt aber ungefährlich bleibt.
Verwandte der Erdkröte
Der Sympathieträger Laubfrosch (Hyla arborea)
In Düsseldorf leider ausgestorben

Ein quakender Laubfrosch, in Düsseldorf leider nicht mehr zu beobachten; Foto: Agentur blickwinkel
- Größe: 3 bis 4,5 Zentimeter, Männchen meist kleiner als Weibchen.
- Aussehen: Oberseite meist blattgrün, Unterseite weißlich. Enden der Finger und Zehen mit kleinen Haftscheiben ausgestattet, mit denen er selbst an Glasscheiben hochklettern kann.
- Speiseplan: Wie Erdkröte.
- Fortpflanzung: Laich wird in Form mehrerer walnussgroßer Ballen mit jeweils 10 bis 50 Eiern an Wasserpflanzen abgesetzt. Laute Rufe.
- Alter: Wie Erdkröte.
- Lebensraum: Besiedelt abwechslungsreiche Landschaften mit Wiesenflächen, Hecken und Gehölzgruppen. Laicht in Teichen, Weihern und alten Flussarmen. Intensive Besonnung des Gewässers wichtig.
- Interessant: Der Laubfrosch passt sich farblich dem Untergrund an. Sein Aussehen ist sehr variantenreich: grüne, braune, sogar blaue Frösche (denen fehlt dann allerdings ein bestimmter Farbstoff) kommen vor. Er klettert und haftet mit seinen Saugfüßchen sogar an Glasscheiben.
Der Grasfrosch (Rana temporaria) Nicht gefährdet

Grasfroschpaar. Der Kleine oben ist das Männchen; Foto: T. Krause
- Größe: bis 11 Zentimeter
- Aussehen: Oberseite gelb-, rot- bis schwarzbraun gefärbt, teilweise gefleckt. Unterseite oft marmoriert.
- Speiseplan: Wie Erdkröte.
- Fortpflanzung: Paarungsruf ist ein leises, dumpfes Knurren. Laichzeit März/April. Hält sich kurze Zeit zum Ablaichen im Gewässer auf. Laicht meist in großen Gruppen. Laichballen mit 700 bis 4500 Eiern werden in pflanzenreichen Flachwasserbereichen abgesetzt.
- Alter: Wie Erdkröte.
- Lebensraum/Vorkommen in Düsseldorf: Bevorzugt Wälder, nimmt aber auch Wiesen, Gewässerufer, Gärten und Parks an. Laicht in allen Arten stehender Gewässer.
Erdkröte und andere Amphibien: Lesestoff
- Naturschutzbund Deutschland NABU: Frösche, Kröten und Molche. Verwandlungskünstler on Tour. Broschüre, Bonn 2003. Für 6 Briefmarken zu 55 Cent erhältlich beim NABU-Infoservice, 53223 Bonn
- Josef Blab/Hannelore Vogel: Amphibien und Reptilien erkennen und schützen. Bestimmungsbuch, München 2002. Erhältlich im Buchhandel
- Hartmut Wilke: Naturteich anlegen und bepflanzen. Ratgeber, München 1995. Erhältlich im Buchhandel
Erdkröte und andere Amphibien: Surf-Tipps
www.Amphibienschutz.de
www.Kaulquappe.de
www.Herpetofauna-NRW.de
www.NABU.de
Zur Übersicht mit den Tieren des Monats von April bis Dezember 2003 hier entlang bitte
Sachstand: März 2004

