Der Maulwurf: Herr der Gänge
Vielen Gärtnern ist er ein Gräuel: Der Maulwurf. Aber es handelt es sich um einen waschechten Nützling, so Umweltdezernentin Charlotte Nieß-Mache zum Beginn des Pressegesprächs im VHS-Biogarten. Er spürt schädliche Schnecken, Larven oder Würmer auf und vertilgt sie. Wie ein Brustschwimmer schaufelt er sich mit Hilfe der ausgeprägten Grabhände durch den Boden. Karin Blomenkamp, Biologin des Naturschutzzentrums Bruchhausen, ergänzt: "Der Maulwurf braucht täglich eine Nahrungsmenge, die dem eigenen Körpergewicht entspricht. Das sind im Jahr zusammen genommen etwa 36 kg. Schon nach wenigen Stunden ohne Nahrung würde er verhungern."

Meister Maulwurf bei einem der selteneren Ausflüge an das Tageslicht.
Foto: doerr-naturbilder.de/M. Delpho
Die winzig kleinen Augen sind tief im Fell verborgen. Sehen kann der etwa 17 Zentimeter lange Erdarbeiter mit dem samtschwarzen Fell nicht gut, dafür hat er einen hervorragenden Tast- und Geruchssinn. Sinneshaare an der Schnauze und am Schwanz leisten sehr gute Dienste. Der Maulwurf registriert mit Hilfe der Sinneshaare auch, was hinter ihm vorgeht. Er ist, mit zwischenzeitlichen Ruhepausen, rund um die Uhr aktiv. Auch Winterruhe hält er nicht.
Sein unterirdisches Gangssystem hat bis zu 200 Meter Länge. Etwa einen halben Meter unter der Erde liegt die Nestkammer. Von der Nestkammer gehen Lüftungsgänge und Laufgänge zum weiter entfernten Jagdrevier ab. Im Jagdrevier sind die Maulwurfshügel in größerer Zahl zu finden.

Foto: doerr-naturbilder.de
Das Terrain eines Maulwurfs kann, je nach Nahrungsangebot, einige hundert Quadratmeter, aber auch über 7 Hektar groß sein. Auch sein Laufpensum wechselt: 2 km pro Tag sind üblich, aber während der Paarungszeit im Frühjahr sind auch an die 20 km pro Tag drin.
Der Maulwurf gehört zur Ordnung der Insektenfresser - wie der allseits beliebte Igel. Und er ist genauso wie der Igel nach dem Gesetz geschützt. "Trachten Sie ihm also nicht nach dem Leben, wenn Sie seine Erdhügel entdecken. Das ist zunächst einmal ein gutes Zeichen, denn wohl fühlt sich der Maulwurf nur, wenn der Boden gesund und locker ist und ein vielfältiges Bodenleben aufweist", so Karin Blomenkamp. Schäden, die er verursacht sind in der Regel eher optischer Natur. Den Nutzpflanzen schadet vor allem seine Beute, die sich über Wurzeln und Pflanzenteile hermacht. Der Maulwurf tut das nicht - er ernährt sich ausschließlich von tierischer Nahrung. Seine Vorratshaltung funktioniert dabei ohne Kühlschrank: Regenwürmer kann der Maulwurf durch Biss lähmen, so bleiben sie frisch und am Leben. In gut gefüllten Depots wurden schon über 2 Kilo 'Eingemachtes' gefunden.
Wer mehr über den Maulwurf in Erfahrung bringen möchte, sollte sich Ausstellung und Internetseiten des Düsseldorfer Umweltamtes ansehen. Die kleine Ausstellung ist während der Öffnungszeiten (Freitag-Sonntag, 14-19 Uhr) im UmweltInfoZentrum Rheinufer UIZ, am Treppenabgang in Höhe der Schulstraße zu sehen. Im Internet gibt es Auskünfte unter www.duesseldorf.de/umweltamt ('Aktuelles' und 'Alles auf einen Blick'). Ansprechpartner im Umweltamt ist Ernst Schramm, Telefon 211.89-25003, E-Mail: ernst.schramm@duesseldorf.de
Steckbrief Maulwurf
Sein wissenschaftlicher Name lautet: Talpa europaea
- Größe: Bis zu 17 Zentimeter lang, bis zu 100/120 Gramm schwer.
- Aussehen: Zylindrischer Körperbau, samtiges schwarzes Fell. Rüsselartige rosa Schnauze, winzige Knopfaugen, große Grabschaufeln, kurzer Schwanz. Sinneshaare an Schnauze und Schwanz.
- Speiseplan: Gehört wie der Igel zur Ordnung der Insektenfresser. Braucht täglich eine Nahrungsmenge, die dem eigenen Körpergewicht entspricht. Das sind im Jahr zusammen genommen etwa 36 kg. Großteil Schädlinge darunter wie Engerlinge, Drahtwürmer oder Schnecken. Schon nach wenigen Stunden ohne Nahrung verhungert er.
- Fortpflanzung: Der Einzelgänger paart sich von April bis Frühsommer. Männchen bekämpfen sich teilweise heftig und geben dann Geräusche von sich. Einmal pro Jahr kommen 3 bis 4 hell gefärbte Junge zur Welt.
- Alter: 3 bis 4 Jahre
- Lebensraum/Vorkommen in Düsseldorf: Liebt mäßig feuchtes bis trockenes Grünland mit lockerer Erde und reichem Bodenleben. Sandigen und zu festen oder felsigen Boden meidet er.
- Interessant: Seine Geschwindigkeit beim Graben ist phänomenal. In der Literatur wird ein im (weichen) Wiesenboden vor Hochwasser flüchtender Maulwurf erwähnt, der eine Strecke von 10 Metern in einer Minute durchgrub.
Im Internet sind Infos über mittlerweile 11 Stadttiere (von der Biene bis zum Wanderfalken) unter www.duesseldorf.de/umweltamt (Menupunkte 'Aktuelles'
und 'Alles auf einen Blick') zu finden. Ansprechpartner im Umweltamt ist Ernst Schramm, Telefon 0211.89-25003, E-Mail: ernst.schramm@duesseldorf.de.
Sachstand: Mai 2004

