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Der Siebenschläfer - Porträt einer Schlafmaus

Den Siebenschläfer kennt fast jeder, oft aber nur dem Namen nach. Er ist das Wildtier des Jahres 2004 und gehört zur Familie der Bilche oder Schlafmäuse. Aus dieser Tierfamilie leben vier Arten in Deutschland: Der Siebenschläfer, der Gartenschläfer, der Baumschläfer und die Haselmaus. "Der Siebenschläfer sieht ein bisschen aus wie ein in Ehren ergrautes - kleines - Eichhörnchen und ist mit ca. 35 cm der größte und verbreitetste der heimischen Bilche." Umweltdezernentin Charlotte Nieß-Mache stellte ihn im Rahmen der Reihe "Tiere in der Stadt" auf dem Gelände des Hubbelrather Golfplatzes vor.

Siebenschläfer
Siebenschläfer am Eingang seiner Höhle, einem alten abgebrochenen, hohlen Buchenast. Neben vielerlei Früchten und Samen werden auch Eicheln verzehrt (bogon-naturfoto).

Bilch-Experte Manfred Henf von der Faunistisch-Floristischen Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Niederberg e.V. FAUFLO präsentierte den interessierten Journalisten einen Düsseldorfer Siebenschläfer. Der zeigte sich aber gar nicht schläfrig. Wohl auch, weil sein sieben Monate dauernder Winterschlaf - daher sein Name - seit Mai vorbei ist. Handschuhe sind wichtig; bei Störungen kann der kleine Kerl überaus unwirsch reagieren und beißt zu. Leise ist er auch nicht, die Palette seiner Lautäußerungen reicht vom "Muckern" über Knurren bis hin zum Quieken. Das eichhörnchenartige Tier wird in der Dämmerung und nachts aktiv, worauf schon seine schönen großen Augen hindeuten.

Die längste Zeit des Jahres (September bis April) verbringt "Glis glis" - so die wissenschaftliche Bezeichnung - schlafend. In einer Baumhöhle, einer Hütte oder auch bis zu einem Meter tief in die Erde eingegraben liegt er dann da: Zusammengerollt, mit dem buschigen Schwanz über den Augen und ganz kalt. Die Körpertemperatur beträgt in der 'Winterpause' nur noch wenige Grad Celsius. Sein Herz schlägt statt 350 mal im aktiven Zustand noch ganze 3 mal in der Minute. Und statt 90 Atemzügen pro Minute, macht er nur noch 2. Trotz dieses überaus energiesparenden Zustands, muss der Siebenschläfer sich im Herbst ein für seine Größe stattliches Gewicht anfuttern. Mit etwa 200 Gramm geht er, fast dreimal so schwer wie zur Sommerzeit, in den Winterschlaf. Brehms Tierleben schreibt dazu ganz unmissverständlich: „Gegen Herbst hin strotzt er vor Fett".

In seiner aktiven Zeit von Mai bis September hält sich der Siebenschläfer vorwiegend auf Bäumen auf. Er klettert hervorragend, kommt bis an das Ende auch dünner Äste. Sprünge über mehrere Meter sind keine Seltenheit. Er bevorzugt Buchen- und Eichenwälder als Lebensraum, kommt aber auch in Parks oder Obstgärten. Seine Nahrung ist vielfältig und der Jahreszeit angepasst. Im Frühjahr sind es Knospen, junges Laub und zarte Baumrinde, später dann Nüsse, Eicheln, Kastanien, Bucheckern, Obst, Beeren und Insekten. Eier und Jungvögel gehören ebenfalls zum Nahrungsrepertoire. Wer waldnah wohnt, kann Siebenschläfer zu Besuch bekommen. Mit Ihrer Vorliebe für Süßes schnappen sie sich gerne auch einmal Plätzchen, wenn sie zu kriegen sind.
Den Siebenschläfer ‘zum Fressen gern' haben wiederum seine Feinde, zum Beispiel Marder, Eulen, Katzen.

Alle Bilche sind geschützte Tiere, der Baumschläfer ist sogar in ganz Deutschland als "stark gefährdet" eingestuft. Alte Eichen und Buchen müssen zum Schutz der Tiere erhalten bleiben.Mit Reisighaufen und Nistkästen kann der Mensch ihnen ebenfalls helfen. Der Siebenschläfer nimmt sie als Schlafplatz und Unterschlupf an. Weniger gerne duldet der Mensch den Siebenschläfer auf seinen Dachböden oder Gebäuden, da das Tier erhebliche nächtliche Ruhestörungen hervorrufen kann.
Was für den Siebenschläfer gut ist, hilft auch einer ganzen Reihe anderer nützlicher Tiere. Igel, Hermelin, Amphibien, Spinnen, Insekten oder der Zaunkönig nehmen die genannten Verstecke ebenfalls an.

Selbst die ungefähre Anzahl der auf dem Gebiet der Stadt Düsseldorf lebenden Siebenschläfer ist nicht bekannt, da bisher keine Untersuchungen zur Erfassung der Siebenschläferpopulationen im Stadtgebiet stattgefunden haben. Es gibt nur wenige punktuelle Beobachtungen, die bisher bekannt geworden sind. Ein Verbreitungsschwerpunkt im Raum Düsseldorf scheint das Neandertal zu sein. In diesem Bergischen Bachtal, wie auch im Anger- und Schwarzbachtal, wird seit einigen Jahren die Verbreitung des Siebenschläfers durch FAUFLO erforscht. Vermutet wird er auch im Aaper und im Grafenberger Wald.

Siebenschläfer
Manfred Henf von der FAUFLO mit einer Siebenschläferdame beim Pressetermin auf dem Gelände des Hubbelrather Golfclubs. Das Areal des Golfclubs ist der einzige bekannte Fundort in Düsseldorf (Foto: Umweltamt Düsseldorf).

Der Siebenschläfer hat übrigens nichts mit dem als Siebenschläfertag bekannten 27. Juni zu tun. Diese Bezeichnung geht zurück auf eine christliche Legende, nach der sieben Verfolgte in ihrer Zuflucht über 300 Jahre lang schliefen.

Wer mehr über den Siebenschläfer in Erfahrung bringen möchte, sollte sich Ausstellung und Internetseiten des Düsseldorfer Umweltamtes ansehen. Die kleine Ausstellung ist im UmweltInfoZentrum Rheinufer UIZ, in Höhe der Schulstraße, jedes Wochenende von Freitag bis Sonntag, 14-19 Uhr zu sehen.
Im Internet sind Bilder und Texte zu mittlerweile 12 Wildtieren, die in der Landeshauptstadt vorkommen (von der Biene bis zum Wanderfalken) unter www.duesseldorf.de/umweltamt zu finden. Ansprechpartner im Umweltamt ist Ernst Schramm, Telefon 0211.89-25003, E-Mail: ernst.schramm@duesseldorf.de

Steckbrief Siebenschläfer
Glis glis

Größe: 35 Zentimeter lang, beträchtlich kleiner als Eichhörnchen
Aussehen: Oberseite gelblichgrau, Unterseite weiß, langer buschiger Schwanz. Haarbüschellose Ohren, relativ klein.
Speiseplan: In Brehms Tierleben heißt es: „Wenige Nager dürften dem Bilch an Gefräßigkeit gleichkommen. Er frißt, solange er nur fressen kann." Hauptsächlich Eicheln, Haselnüsse und Bucheckern, Walnüsse, Kastanien, saftiges süßes Obst, aber auch Kleintiere, Eier und junge Vögel.

Siebenschläfer
Siebenschläfer auf dem Ast eines abgestorbenen umgestürzten Baumes, der von Gebüsch des Wolligen Schneeball umwachsen ist. Die Beeren im Hintergrund (Wolliger Schneeball) werden gern gefressen (bogon-naturfoto).

Fortpflanzung: Nach 31 Tagen gebiert das Weibchen einmal im Jahr 5-9 Junge. Sie sind nackt und blind.
Alter: 5-9 Jahre
Lebensraum: Der Siebenschläfer bevorzugt hohe Bäume, nimmt aber auch gerne Vogelkästen als Schlafplatz an. Oder er baut frei im Geäst ein kugelförmiges Nest. Am liebsten hält er sich in Waldungen mit vielen Eichen und Buchen auf. Grobborkige Bäume wie Eschen und Weiden sollten aber auch nicht fehlen. Das Tier turnt oft nachts in größerer Zahl dort herum.
Interessant: Im alten Rom wurden Siebenschläfer gehegt und gepflegt. Am Schluss landeten sie zur Mast in kleinen vergitterten Gefäßen, um als leckerer Braten auf der Tafel zu enden. In einigen Teilen des Balkans gehörten aus Siebenschläferfellen gefertigte Mützen zur Tracht einiger Volksstämme.

Siebenschläfer-Links:
www.glirarium.org
www.nabu.de/nh/200/schlaefer200.htm

Sachstand: Juni 2004


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7. Februar 2012 | 09:48 Uhr

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