Tunnelbauten in der Innenstadt sind Fundgruben für die Archäologen

Neue Broschüre und neuer Internet-Auftritt
Mit dem Bau der Wehrhahn-Linie und den Tunnelbauten für den Kö-Bogen setzt die Stadt Düsseldorf Zeichen für ihre städtebauliche Zukunft. Beide Vorhaben lassen aber auch höchst eindrucksvolle Einblicke in die Vergangenheit zu. "Ein Blick in die archäologische Geschichte unserer Stadt in diesem großen Stil ermöglichen nur Projekte solcher Größenordnung, bei denen der Untergrund großflächig freigelegt oder aufgegraben wird. Wir nutzen diese Chance und arbeiten die Düsseldorfer Vergangenheit an vielen Stellen auf", erklärte Verkehrsdezernent Dr. Stephan Keller jetzt bei der Vorstellung des neuen Internet-Auftrittes hier auf www.duesseldorf.de und einer neuen Broschüre zu diesem Thema.

Vorstellung von archäologischen Fundstücken (von links): Andrea Blome (Leiterin des Amtes für Verkehrsmanagement), Verkehrsdezernent Dr. Stephan Keller und der von der Stadt beauftragte archäologische Grabungskoordinator, Andreas Kupka.
Mit den beiden Vorhaben Wehrhahn-Linie und Kö-Bogen wird nicht nur Geschichte geschrieben, die Bauarbeiten finden auch auf geschichtsträchtigem Grund statt. Immer wieder fördern die Bauarbeiten archäologische Fundstücke als Zeugnisse der Vergangenheit ans Tageslicht, die jetzt Dr. Keller, die Leiterin des Amtes für Verkehrsmanagement, Andrea Blome, sowie der von der Stadt beauftragte archäologische Grabungskoordinator, Andreas Kupka, im Info-Pavillon am Schadowplatz präsentierten.
Mauerreste und Kanonenkugeln
Die Bauarbeiten im Herzen der Innenstadt stoßen insbesondere auf die denkmalgeschützte, ehemalige renaissancezeitliche Stadtbefestigung. Gefunden wurden bereits Mauern der Flinger Bastion, Reste einer Palisade, ein 20 Meter langes Mauerstück der Flinger Kontergarde sowie Kellerfundamente, Latrinen, Brunnen oder Reste von Gartenanlagen. Eine kleine Sensation für die Archäologen fand sich in der Elberfelder Straße: bei Kanalarbeiten wurde eine massive 10 Meter lange Mauerstruktur mit Rundbögen freigelegt. Dabei handelt es sich um die Reste einer der beiden Brücken, die seit dem Ende des 17. Jahrhunderts das Flinger Tor mit dem Flinger Ravelin und dem Festungsvorfeld verbanden. Auch Funde wie Tonpfeifen, Kanonenkugeln und sogar eine mit Schwarzpulver gefüllte Granate zeugen von der ehemaligen Festungsstadt Düsseldorf.

Mauerreste der Flinger Kontergarde.
Aber auch Funde aus dem täglichen Leben der Düsseldorfer vermitteln einen Eindruck vergangener Zeit: Steingutflaschen, Weihwassergefäße, Spielzeug oder Senftöpfchen gehörten zum damaligen Haushalt. Im Bereich um die Kö ging es schon vor 200 Jahren vornehm zu, wie dort gefundene Austernschalen und Zahnpasta mit Kirschgeschmack belegen.
Enge Abstimmung mit der Landes-Bodendenkmalpflege
Bereits Jahre vor Aufnahme der ersten Bautätigkeiten wurde das Thema Archäologie berücksichtigt und ein detailliertes Grabungskonzept erarbeitet. Archäologen sind unter Aufsicht des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland während der Bauarbeiten damit beschäftigt, gefundene Bodendenkmäler freizulegen und wissenschaftlich zu dokumentieren. So wird sichergestellt, dass die Kenntnis der verschwundenen archäologischen Substanz für die Nachwelt erhalten bleibt.

Mauerreste der Flinger Kontergarde.
Einige Funde später in einem Präsentationsraum im neuen Teil des U-Bahnhofes Heinrich-Heine-Allee gezeigt, der zurzeit für die Wehrhahn-Linie gebaut wird. Dort sollen nach Abschluss der Bauarbeiten an Wehrhahn-Linie und Kö-Bogen die Besucher mit originalen Funden und mittels verschiedener Medien anschaulich über die archäologischen Untersuchungen und die Geschichte der Stadtbefestigung informiert werden.
Zu dem interessanten Thema der Archäologie im Rahmen von Bauprojekten hat die Stadt nun eine Broschüre sowie ein spannendes Internetangebot unter www.duesseldorf.de/wehrhahnlinie erarbeitet. Die 20-seitige Broschüre ist im Info-Pavillon am Schadowplatz, im Rathaus am Marktplatz sowie im Amt für Verkehrsmanagement, Auf'm Hennkamp 45 erhältlich. Wer sich einige Fundstücke ansehen möchte, dem sei die Ausstellung im Info-Pavillon empfohlen, die dort bereits seit letztem Jahr zu sehen ist.

Mauerreste der Flinger Kontergarde.
(7. Februar 2012)


