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Finanzierung von Notwohnungen für Opfer von Frauenhandel in Düsseldorf

Ein Projekt des Frauen-Netzwerkes

Für Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind, sollen eine Wohnmöglichkeit sowie weiterführende Unterstützung geschaffen werden.

Aktueller Stand

Der Ausschuss für Gesundheit und Soziales beschloss 2001 die Optimierung der vorhandenen, dezentralen Angebote. Damit im Notfall Notunterkünfte für Frauen, die Opfer von Menschenhandel werden, sofort zur Verfügung stehen, müssen diese vorgehalten werden. Dafür zahlt die Stadt jährlich bis zu 27.500 Euro.

Die Frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V. ist Trägerin des Projektes, das auch die Beratung, rechtliche Begleitung und wenn nötig die Vermittlung von Therapien umfasst.

Mehr Informationen hierzu unter www.frauenberatungsstelle.de

Hintergründe, Intention, Organisatorisches

Agenda-Relevanz

In der Agenda 21 werden neben ökonomischer Nachhaltigkeit, ökologischer Vernunft, sozialer Relevanz auch die Förderung von Frauen und die Überwindung der Kluft zwischen Entwicklungs- und Industrieländern gefordert. Die Notwohnung ist als Agenda-Projekt ideal, da sie vier der genannten Kriterien entspricht.

Soziale Relevanz und Förderung von Frauen:

Internationaler Sklavenhandel, der es Menschen erlaubt, mit anderen Menschen profitträchtig zu handeln, ist weltweit geächtet. Trotzdem werden Tag für Tag Frauen mit falschen Versprechungen aus ihren Heimatländern gelockt und geraten dann hier in Deutschland in menschenunwürdige Verhältnisse. Sie werden zur Prostitution gezwungen, werden geschlagen und vergewaltigt, arbeiten für den Profit des organisierten Verbrechens. Hier gilt es, den Frauen eine menschenwürdige Unterbringung und entsprechende Betreuung anzubieten. Zudem sollen die Frauen bei den Entscheidungen, die sie treffen müssen, unterstützt werden (z.B. Anzeige zu erstatten, in ihre Heimat zurückzukehren...).

Schließen der Kluft zwischen ärmeren Ländern und Industrieländern:

Die Frauen, um die es hier geht, kommen in der Regel aus ärmeren Ländern, in denen sie oft keine Möglichkeit sehen, wirtschaftlich zu überleben oder weiterzukommen. Auch deshalb sind sie empfänglich für falsche Versprechungen, die ihnen glauben machen, hier im "reichen" Deutschland könnten sie schnell Geld verdienen und dann ihre Familien unterstützen. Wenn ihnen neue Lebensperspektiven aufgezeigt werden - z.B. durch Rückkehrprogramme oder Ausbildungsmöglichkeiten - wird ihre Abhängigkeit verringert.

Ökonomische Nachhaltigkeit:

Mit den Unterkünften wird ein Baustein errichtet, der dem organisierten Verbrechen den Boden entzieht. Der weltweite Drogen- und Menschenhandel nimmt bedrohliche Ausmaße an. Es gilt, wirksame Maßnahmen entgegenzusetzen, denn das organisierte Verbrechen kostet die Weltgemeinschaft Milliarden. Mit der Notwohnung und entsprechender Betreuung kann es besser gelingen, Hintermänner und beteiligte am Frauenhandel anzuzeigen und vor Gericht zu bringen.

Vorbildcharakter

Das Projekt wurde bereits im ersten Anlauf (1998/1999) vom Agenda-Beirat vorgeschlagen, weil es ideal den Agenda-Kriterien entspricht. Zudem machte der Antrag die schwierige Situation der betroffenen Frauen deutlich. Die Frauen werden entsprechend dem lnnenminister-Erlass nicht inhaftiert, wenn sie von der Polizei aufgegriffen werden oder sich an diese wenden. Sie können aber nicht in Frauenhäusern aufgenommen werden, da diese auf Grund der Nähe der Frauen zum organisierten Verbrechen die notwendige Sicherheit nicht leisten können. So haben die Frauen keine geeignete Unterbringung, in der sie ihrer Traumatisierung entsprechende Betreuung und den notwendigen Schutz vor den Menschenhändlern erhalten können.

Bürgerbeteiligung

Das Projekt wurde in der Arbeitsgruppe "Arbeit und Soziales" des Frauennetzwerks der Agenda in Düsseldorf entwickelt. Beteiligt waren Frauen aus der Zukunftswerkstatt der schulpsychologischen Beratungsstelle, freiberufliche Journalistinnen, Frauen von der Frauenberatungsstelle, vom Mädchenhaus, "Knackpunkt", "Trebecafe" und engagierte Bürgerinnen.

Finanzierung

Die ursprüngliche Planung belief sich auf 71.000 DM für einmalige Anschaffungen und jährlich ca. 660.000 DM für laufende Kosten. Diese konnte bislang nicht finanziert werden.

Der Ausschuss für Gesundheit und Soziales hat am 30.05.2001 beschlossen, Geld zur Finanzierung von fünf (dezentralen) Unterbringungsplätzen zur Verfügung zu stellen.

Seit 2003 ist die Frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V. Trägerin des Projektes. Für die Bereitstellung der Frauennotschlafplätze werden jährlich rd. 27.500,- Euro durch den Rat der Stadt bewilligt.

Träger des Projektes

Trägerin des Projektes ist die Frauenberatungsstelle Düsseldorf e.V..

Die Frauenberatungsstelle arbeitet seit einigen Jahren zu diesem Thema. Sie hat Erfahrung in der Beratung, Betreuung und Begleitung der betroffenen Frauen und kooperiert bereits mit ähnlichen Institutionen in Belgien und Holland sowie mit Beratungsstellen in Deutschland. Sie ist nach dem Innenministererlass als eine der wenigen Stellen anerkannt, an die sich die Polizei wenden soll, wenn sie vom Menschenhandel betroffene Frauen aufgreift oder diese sich bei der Polizei einfinden. Sie hat die nötige Kompetenz.

Berichte im Agenda-Rundbrief

Rundbrief 20 | PDF-Datei 2,4 MB
Hilfe für Zwangsprostituierte (Seite 18)

Rundbrief 14 | PDF-Datei 605 KB
Schutz für Opfer von Menschenhandel (Seite 21)

Kontakt

Ansprechpartner
Frauenberatungsstelle
Telefon 0211 - 686854