Nachhaltige Entwicklung als gesellschaftspolitisches Leitbild

Nachhaltig ist eine Entwicklung, "die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen." So formulierte es die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung 1987 im sogenannten Brundtland-Bericht. Vor 25 Jahren, im Jahr 1992, verabschiedete die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung, die 1992 in Rio de Janeiro stattfand, die Agenda 21 – das Aktionsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung. Sie wurde von 178 Staaten unterzeichnet. Seitdem ist nachhaltige Entwicklung im (globalen) gesellschaftlichen Diskurs, in der wissenschaftlichen Forschung, in Wirtschaft und Politik und auch in der Bildung ein zunehmend wichtiges Thema.

Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

  1. Armut in jeder Form und überall beenden
  2. Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern
  3. Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern
  4. Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern
  5. Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen
  6. Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten
  7. Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern
  8. Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern
  9. Eine belastbare Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen
  10. Ungleichheit innerhalb von und zwischen Staaten verringern
  11. Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen
  12. Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen
  13. Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen
  14. Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen
  15. Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen
  16. Friedliche und inklusive Gesellschaften im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und effektive, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen
  17. Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung wiederbeleben.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele sind unterlegt mit 169 Zielvorgaben. Beispielsweise heißt es in Zielvorgabe 12.3: "Bis 2030 die weltweite Nahrungsmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene halbieren und die entlang der Produktionsund Lieferkette entstehenden Nahrungsmittelverluste einschließlich Nachernteverlusten verringern." Im Zielvorgabe 4.7 heißt es: "Bis 2030 sicherstellen, dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben, ..."

Titelseite des UN-Berichts zu den Milleniumsentwicklungszielen

Verbindlich?  Wirksam?

Allgemeine UN-Ziele sind anders als zum Beispiel der Klimavertrag von Paris keine völkerrechtlich verbindlichen Verträge, sondern stellen politische Übereinkünfte dar. Insofern ist die Frage nach der Wirksamkeit solcher Proklamationen berechtigt. Die Realisierung solcher Beschlüsse/Zielkataloge hängt entscheidend davon ab, ob neben der Politik die zivilgesellschaftlichen Akteure sich solche Ziele zu eigen machen und sich für deren Verwirklichung engagieren. Ein solcher Wirkungszusammenhang lässt sich am Beispiel der Millenniumsentwicklungsziele der UN belegen (MDGs 2000 – 2015, ein begrenztes Set von acht Zielen und 21 Zielvorgaben überwiegend in den Bereichen Armutsbekämpfung und soziale Entwicklung, Vorläufer der SDGs).

Die Rate extremer Armut (die als täglicher Verdienst unter 1,90 Dollar definiert ist) konnte im Zeitraum von 1990 bis 2015 von fast 50% auf 14% der Weltbevölkerung gesenkt werden. In absoluten Zahlen ist das ein Rückgang von fast 2 Milliarden auf etwas über 800 Millionen Menschen, bei steigender Weltbevölkerung! Die Zahl der Kinder, die gar keine Schule besuchen, konnte fast halbiert werden, von 100 Millionen auf 57 Millionen und der Anteil der Kinder in Grundschulen in Subsahara Afrika auf 80% gesteigert werden. Ähnliches gilt für die Müttersterblichkeitsrate, die fast halbiert wurde, was u. a. mit dem Anstieg der fachkundig betreuten Entbindungen zu tun hat. Fast verdoppelt wurde die Versorgung von Mensch mit einem Trinkwasseranschluss, von 2,3 auf 4,2 Milliarden Menschen. Und 98% der Produktion von Ozon abbauenden Stoffen (FCKWs) sind abgeschafft. Das Ozonloch schließt sich wieder, ein ermutigendes Beispiel der internationalen Kooperation im Umweltbereich.