Aquazoo eröffnet am 22. September

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Das Aquazoo Löbbecke Museum soll am 22. September wiedereröffnet werden. Der aktuelle Fortschritt der Sanierungsarbeiten lässt nun - auf Grundlage der vorliegenden Zeitplanung der externen Projektsteuerung - diesen konkreten Eröffnungstermin zu. Kulturdezernent Hans-Georg Lohe stellte gemeinsam mit dem Direktor des Aquazoo Löbbecke Museums, Dr. Jochen Reiter, am Donnerstag, 19. Januar, im Kulturausschuss einen Sachstandsbericht zu den umfangreichen Umbau- und Sanierungsarbeiten zur Modernisierung des Institutes vor.

Der vom Stadtrat bewilligte Kostenrahmen von 18,8 Millionen Euro wird wegen zusätzlich anfallender Kosten, insbesondere im Bereich der Mess-Steuer-Regelungs-Technik, überschritten werden. Die genaue Höhe der Mehrkosten wird derzeit ermittelt. Es wird erwartet, dass diese jedoch unter einer Million Euro liegen. Sobald genaue Angaben dazu vorliegen, bedarf es eines entsprechenden Änderungsbeschlusses durch den Rat der Landeshauptstadt.

Oberbürgermeister Thomas Geisel: "Vor dem Hintergrund eines gewaltigen Sanierungsbedarfs gerade auch im Bereich der Kulturbauten nehmen wir diese erhebliche Zeit- und Kostenüberschreitung beim Aquazoo zum Anlass, Prozesse und Organisation bei Bauprojekten dieser Art - insbesondere in Hinblick auf Vergabe, Durchführung und Überwachung - zu prüfen."

Den Ausführungs- und Finanzierungsbeschluss zur Sanierung des Aquazoo Löbbecke Museums hat der Stadtrat am 11. Juli 2013 gefasst. Das Volumen: 12.880.000 Euro. In diesem Betrag ist eine Zuwendung des Freundeskreises Löbbecke-Museum und Aquazoo, Gesellschaft der Zoofreunde e.V. in Höhe von 1,8 Millionen Euro enthalten. Der Zoo wurde am 4. November 2013 für die Öffentlichkeit geschlossen, Beginn der Arbeit war im März 2014 - nach zum Teil europaweiter Auslagerung von 15 Prozent des Tierbestandes in andere Zoologische Einrichtungen und Baustelleneinrichtung mit Containerdorf für die Mitarbeiter zur Aufrechterhaltung des verbliebenen Tierbestandes. Der erste Änderungsbeschluss mit Mehrkosten von 2,62 Millionen Euro wurde am 25. Juni 2015 vom Stadtrat beschlossen, den zweiten Änderungsbeschluss fasste der Rat am 10. März 2016. Die bereitgestellten Mittel wurden von 15.500.000 Euro auf 18.800.000 Euro erhöht.

Aktueller Stand im Aquazoo
Im Aquazoo Löbbecke Museum wird weiter mit Hochdruck gearbeitet: Vier Fünftel der Landbewohner sind mittlerweile eingezogen, auch im Haibecken befinden sich bereits erste Unterwasserlebewesen und Krokodile konnten zurück in die Tropenhalle.

Die fehlerhafte Beschichtung der Tropenhallenbecken wurde erneuert. Für die Arbeiten mussten die Tiere vorübergehend in die Quarantänestation des Zoos. Nun konnten Krokodile wieder zurück in die Tropenhalle ziehen. Auch das Haibecken wurde nun von den ersten Tieren bezogen: Aktuell befindet sich das große Becken in der Phase des biologischen Einfahrens (dabei werden sämtliche Wasserparameter reguliert), so dass einzelne Tiere bereits eingesetzt werden konnten, wie zum Beispiel Seeigel, Seesterne und Riffbarsche. Im Landbereich sind bereits vier Fünftel der Tiere eingezogen. Auch die Restarbeiten im Ausstellungsbereich – Wandtafeln, Vitrinen – laufen.


Die Probleme im Bereich der Heizungsanlage sind behoben worden, so dass die übergangsweise aufgestellten Heizlüfter nicht weiter nötig sind. Im Bereich der Mess-Steuer-Regelungs-Technik (MSR-Technik) sind alle wesentlichen Anlageteile in Betrieb, dazu zählen die Schaltschränke, in der die Regel- und Steuereinheiten untergebracht sind, sowie die zu steuernden wassertechnischen Anlagen. Die aufwändige Feineinregulierung der Anlagen ist noch im Gang.

Bei den Aquarienscheiben werden die letzten Dichtigkeitstests durchgeführt. Hier hatten sich zuletzt Terminverschiebungen ergeben. Der Einbau wurde zwar im Wesentlichen Ende Juni 2016 fertiggestellt, aufgrund zunächst optischer Beanstandungen mussten Scheiben jedoch ausgetauscht werden. Bei den anschließenden Beckenfüllungen wurden insbesondere bei den Kleinaquarien Undichtigkeiten festgestellt, jedoch auch bei den größeren Anlagen für Pinguine und Papageitaucher. Zwischenzeitlich waren davon rund 20 Becken betroffen.

Neuerungen und Maßnahmen im Überblick
Das frühere Konzept der Ausstellung hatte sich zwar bewährt, dieses musste jedoch überarbeitet und dem aktuellen Stand der Forschung angepasst werden. Der Rote Faden "Evolution" bleibt. Dabei werden einzelne Themen durch die baulichen Gegebenheiten, so genannte Buchten, und den Lebendtierbestand vorgegeben und durch einführende Themeninseln vorgestellt. Der museale Teil des Institutes wurde bei der Überarbeitung gestärkt, so werden zukünftig über 1.400 Objekte in der Ausstellung zu finden sein. Zudem wird das Bildungsangebot durch den neuen Ausstellungsbereich "Meer & Mensch" erweitert.

Die Räume an sich werden zukünftig mit neuer Farbgebung, modernem Lichtkonzept, neuem Ausstellungsmobiliar und Wandtafeln im neuen Glanz erstrahlen. Anhand eines neuen Leitsystems sind unterschiedliche Bereiche wie z.B. Meerwasser, Süßwasser und Land zudem farblich abgesetzt und visuell leicht zu unterscheiden. Die Übergänge zwischen den einzelnen Bereichen werden als evolutive Hürden besonders inszeniert. Junge Besucher werden durch den possierlichen Schlammspringer "Fred" und seinen menschlichen Freund "Theodor Löbbecke" im Rahmen einer eigenen Kinderebene, die auch Animationen an großformatigen Displays vorsieht, durch die Ausstellung begleitet. Durchgehend umlaufende Trittstufen erlauben den Kindern nun einen ungetrübten Blick in die Aquarien und Terrarien. Auch die Erwachsenen können an zahlreichen edukativen und interaktiven Stationen Erstaunliches aus dem Reich der Natur erfahren.

Im Tierbestand werden einige neue Arten zu finden sein: Rund 3.000 Tiere in 450 Arten, vom Einzeller bis zum Säugetier, können die Besucher entdecken. Neu im Aquazoo Löbbecke Museum sind dann unter anderem die Brillenpinguine, die Nacktmulle, die Grünen Leguane, die Antillen-Ochsenfrösche und die Papageitaucher. Viele Anlagen gewinnen durch eine Kunstfels-Kulissengestaltung deutlich an Attraktivität. Zu bestaunen ist zum Beispiel der große Kunstbaum in der Tropenhalle, der die neue Lüftungsanlage kaschiert. Das neue Bepflanzungskonzept in der Halle umfasst wie zuvor tropische Nutzpflanzen (Kaffee, Kakao, Vanille etc.), aber auch seltene und bedrohte Pflanzenarten.

Im Haus soll mit dem Umbau eine Verbesserung in Richtung Barrierefreiheit erreicht werden. Dazu gehören ein taktiles Leitsystem und Aufmerksamkeitsfelder  unter anderem bis zur Kasse am Eingang, die möglichst kontrastreiche Beschilderung in der Ausstellung sowie blendfreie Ausleuchtung der Exponate, automatische Türanlagen am Ein- und Ausgang und der Einbau einer Induktionsschleife im Vortragsraum. Ebenfalls im neuen Design erscheint der Eingang mit einem neuen Kassenbereich und einem kleinen Shop.

Zum Funktionserhalt des Gebäudes wurden unter anderem folgende
Maßnahmen durchgeführt:
- Erneuerung der Pyramidenverglasungen der Tropenhalle, des
Landschaftsterrariums und Landschaftsaquariums.
- Ausbesserung und Überarbeitung der Böden von Besucherbereich und
Werkstätten.
- Sanierung schadhafter Aquarien, Scheiben und Beschichtungen der
Gehege.
- Erneuerung der Scheibe des Korallenriffbeckens (Halbrundscheibe).
- Erneuerung von 13 Lüftungsanlagen.
- Installation einer Elektroakustischen Alarmierungsanlage (ELA).
- Austausch der Fußböden in den Tierpflegebereichen zur nachhaltigen
Abdichtung und Schimmelvermeidung.
- Neueinrichtung von zusätzlichen 5 Lüftungsanlagen zur Vermeidung von
Schimmelbildung in den Pflegebereichen Salzwasser, Süßwasser und
Terrarien.

Das ganzheitliche Energiekonzept umfasst insbesondere den Einbau eines Blockheizkraftwerkes mit einer Absorptions-Kältemaschine, die Optimierung der Lüftungsanlagen – insbesondere durch Wärmerückgewinnung -, ein neues Lichtkonzept für Beleuchtung und Steuerung der Besucherbereiche mit Hilfe von LED-Technik, was zur einer Optimierung der Beleuchtungsqualität und der Energiebilanz führt.

Aquazoo Löbbecke Museum - Hintergrund
Das Aquazoo Löbbecke Museum gehört zu den weltweit bedeutenden Einrichtungen auf dem Gebiet Zoo/Naturkundemuseum/naturkundliches Bildungszentrum. Es wurde von 1985 bis 1987 gebaut und hatte nach einer Betriebszeit von etwa 25 Jahren dem Alter entsprechende optische und vor allem technische Mängel, die nicht im Rahmen des Bauunterhaltes beseitigt werden konnten. Die maximale Lebensdauer der technischen Aggregate, wie zum Beispiel die der Lüftungsanlagen, der Kältemaschinen und Kessel, aber auch die der Verglasungen der Glaspyramiden, des Flachdaches und der Dichtungsbänder in der Granitfassade war erreicht, zum Teil überschritten. Erste Sofortmaßnahmen im Bereich der Haustechnik waren erforderlich. Die
Sanierung des Flachdachs wurde ebenfalls vorgezogen, um größere Schäden
an Bauwerk und Tiergehegen zu verhindern.

Im Ausstellungsbereich bestanden bautechnische und optische Mängel, die durch Dichtigkeitsprobleme und Verschleißerscheinungen der Aquarien, allgemeine Abnutzungen an Böden, Wänden und Ausstellungseinbauten
gekennzeichnet waren. In den Pflegebereichen verursachten bauphysikalische Mängel Schimmelpilzbefall. Einige Tiergehege entsprachen nicht mehr den aktuellen Haltungsrichtlinien und mussten neu strukturiert werden.  

Aufgrund zunehmender Konkurrenz durch die Attraktivierung und Neueröffnung von Zoos in der näheren Umgebung sind die Besucherzahlen in den vergangenen zehn Jahren demzufolge kontinuierlich von rund 600.000 auf 365.000 zurückgegangen. Diesem Negativ-Trend soll durch eine Steigerung der Attraktivität des Düsseldorfer Kulturinstituts begegnet werden. Aus diesen Gründen wurde eine Sanierung, verbunden mit einer Modernisierung, erforderlich.