HUNDERT JAHRE BERLANGA - Der Chor der Armseligen

Am

Filmreihe vom 02. bis 28. November

Luis García Berlanga (1921 – 2010) gilt als einer der bedeu-tendsten und eigenartigsten Filmregisseure Spaniens. Seine Filmografie gehört in Spanien zur Allgemeinbildung und das Wissen über die Eigenheiten seines Schaffens ist so weit verbreitet, dass die Real Academia de las Letras Españolas 2020 einstimmig das Adjektiv 'berlanguiano' in ihr renommiertes Wörterbuch aufge-nommen hat. Juan Luis Cebrián, Mitgründer der einflussreichen Zeitung El País, hat erst kürzlich vorgeschlagen, folgende Definition für dieses Adjektiv ins Wörterbuch hinzuzufügen: „grotesk, aber real“.Für die Tatsache, dass Berlanga im Ausland eher unbekannt geblieben ist, gibt es mehrere mögliche Erklärungen: etwa der scheinbar volkstümliche Charakter seiner Filme oder die bewusste Orientierung an den speziellen Problemen der spanischen Gesell-schaft. Berlanga gilt als ein außergewöhnlicher Chronist seines Landes. Auch die teilweise hartnäckige Distanzierung von allen politischen Bewegungen seiner Zeit – er selbst sieht sich als eine Art liberalen Anarchisten – haben womöglich zu dieser relativen internationalen mangelnden Bekanntheit von Berlanga als Kult-regisseur beigetragen.

Dennoch haben mehrere seiner Filme renommierte internationale Auszeichnungen und Nominierungen erhalten: BIENVENIDO MR. MARSHALL gewann 1953 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes den Preis für die beste Komödie sowie die lobende Erwähnung für sein Drehbuch, EL VERDUGO erhielt 1963 den FIPRESCI-Preis bei den Filmfestspielen in Venedig, PLÁCIDO wurde 1961 als bester nicht-englischsprachiger Film für den Oscar nominiert. Die spanische Filmakademie ernannte Berlanga 1986 zum Ehrenpräsidenten und ein Jahr später erhielt er als erster Filme-macher einen Ehren-Goya für sein Lebenswerk.Die Filmografie Berlangas lässt sich in zwei unterschiedliche Schaffensphasen aufteilen, die erste während der von Zensur bestimmten Franco-Diktatur und und die zweite danach. Wenn auch bei allen Filmen eine sehr zärtliche und zugleich extrem groteske Darstellung der Gesellschaft zu erkennen ist, die klare Bezüge zum italienischen Neorealismus aufweist, werden die Figuren in den Filmen ab Ende der 1970er-Jahre Jahre eigenständiger, individueller und unvorhersehbarer. Auch die Themen ändern sich: Im Einklang mit vielen spanischen und europäischen Filmen dieser Zeit wird die Macht der Erotik in Berlangas Spätwerk zum Paradigma.

In der vorliegenden Filmreihe werden hauptsächlich Filme der ersten Phase gezeigt, wobei TAMAÑO NATURAL (1973) genau den Wendepunkt zur zweiten Phase des Regisseurs darstellt.Durch langjährige Arbeit wurden alle Filme dieser Reihe – größtenteils zum ersten Mal für das deutschsprachige Publikum – vom Workshop Filmuntertitelung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf unter Leitung von Miguel Herrero übersetzt und unter titelt. Der Workshop Filmuntertitelung findet jährlich im Institut für Romanistik der Heinrich-Heine-Universität statt und hat dank der Zusammenarbeit mit Studierenden der Romanistik über dreißig italienische, französische und spanische Klassiker ins Deutsche übersetzt.

Kuration und Text: Miguel Herrero

In Zusammenarbeit mit der Botschaft von Spanien und dem Workshop Filmuntertitelung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dessen Teilnehmer*innen auch die einzelnen Ankündigungstexte der Filme verfasst haben.