Helmut-Käutner-Preisträgerin 2017 zu Gast im Filmmuseum

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Einer der gezeigten Filme: "Hannah Arendt", Foto: Filmmuseum Düsseldorf.

Kommt persönlich zum Filmgespräch am 12. Mai in die Black Box: Margarethe von Trotta.

Das Filmmuseum zeigt anlässlich des Helmut-Käutner-Preises 2017 von Mittwoch, 3. Mai, bis Sonntag, 28. Mai, eine Filmreihe zu Margarethe von Trotta. Acht Filme der Regisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin geben in der Black Box, Schulstraße 4, einen interessanten Einblick in ihr Werk. Als Höhepunkt ist Margarethe von Trotta persönlich zu einem Filmgespräch am Freitag, 12. Mai, 19 Uhr zu Gast.

Margarethe von Trotta wuchs in Düsseldorf auf und gilt heute als eine der wichtigsten Regisseurinnen des deutschen Kinos. In ihren Filmen behandelt sie immer wieder wichtige Episoden der deutschen Geschichte. Mit dem Nachkriegs-Drama "Die bleierne Zeit" gelang von Trotta der internationale Durchbruch, wofür sie bei den Filmfestspielen in Venedig 1981 den Goldenen Löwen gewann. Zu ihren größten Erfolgen bei Publikum und Kritikern zählt der Film "Das Versprechen", eine Ost-West-Liebesgeschichte in Zeiten des Kalten Krieges. Als Vertreterin der feministischen Bewegung ist die Regisseurin aber auch für ihre Filme über starke weibliche Persönlichkeiten wie "Rosa Luxemburg", "Hildegard von Bingen" oder "Hannah Arendt" bekannt.

Im Rahmen der Filmreihe haben die Zuschauer selbst die Möglichkeit, die Preisträgerin und ihr Werk am Freitag, 12. Mai, 19 Uhr im Kino des Filmmuseums kennenzulernen, wenn Margarethe von Trotta persönlich zu Gast sein wird. Gezeigt wird der Film "Der Fangschuss", eine bittere Geschichte unerfüllter Liebe inmitten der chaotischen Zustände im Baltikum nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, in dem von Trotta die Hauptrolle spielt. Im Anschluss an die Vorführung spricht sie mit dem Direktor des Filmmuseums, Bernd Desinger, über ihr Leben und ihr filmisches Schaffen. Dabei hat das Publikum die Möglichkeit, selbst mit der Regisseurin zu sprechen. Eine telefonische Kartenreservierung unter 0211-8992232 wird empfohlen.

Die feierliche Verleihung des Helmut-Käutner-Preises durch Oberbürgermeister Thomas Geisel an Margarethe von Trotta findet am Freitag, 12. Mai, 11 Uhr im Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses, Marktplatz 2, statt. Die Laudatio hält der bekannte deutsche Regisseur Volker Schlöndorff.

Die Entscheidung der Jury des Helmut-Käutner-Preises Margarethe von Trotta als Preisträgerin zu küren, fiel am 26. November 2016. Der Filmpreis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird an "Persönlichkeiten, die durch ihr Schaffen die Entwicklung der deutschen Filmkultur nachdrücklich unterstützen und beeinflussen, ihr Verständnis gefördert und zu ihrer Anerkennung beigetragen haben" verliehen. Seit 1982 wird der Filmpreis alle zwei Jahre von der Landeshauptstadt Düsseldorf in Erinnerung an den in Düsseldorf geborenen Regisseur Helmut Käutner (1908 Düsseldorf - 1980 Castellina, Italien) vergeben. Bekannt wurde Käutner mit Filmen wie "Große Freiheit Nr. 7", "Des Teufels General" oder "Wir Kellerkinder".

Filmprogramm

Mittwoch, 3. Mai, 20 Uhr / Sonntag, 14. Mai, 15 Uhr
"Hannah Arendt"
D/LUX/F/ISR 2012, 113 Minuten, DF/OmU, digitalDCP, FSK 6, Regie: Margarethe von Trotta
Die bereits kurz nach Machtübernahme der Nationalsozialisten nach Frankreich und später in die USA geflüchtete jüdische Journalistin Hannah Arendt bietet dem New Yorker 1960 eine Artikelserie an, als der israelische Geheimdienst den berüchtigten NS-Verbrecher Adolf Eichmann überaus öffentlichkeitswirksam nach Israel entführt, um ihm dort den Prozess zu machen. Die idealistische Arendt reist zum Prozessauftakt in den noch jungen Staat, um dort eine signifikante Beobachtung zu machen: Eichmann ist nicht die abgründige Fratze des puren Bösen, nicht der Täter aus Überzeugung, sondern handelt aus purem Opportunismus angesichts der sich bietenden Gelegenheit.

Sonntag, 7. Mai, 15 Uhr / Mittwoch, 24. Mai, 19 Uhr
"Die bleierne Zeit"
BRD 1981, 106 Minuten, DF, 35mm, FSK 16, Regie und Buch: Margarethe von Trotta Margarethe
von Trottas vielfach prämierter internationaler Durchbruch als Filmemacherin: "Die bleierne Zeit" beschreibt den Ursprung des linken Terrorismus der siebziger Jahre anhand des Lebens der beiden unterschiedlichen Schwestern Juliane und Marianne, angelehnt an die Biografien von Christiane und Gudrun Ensslin.

Sonntag, 7. Mai, 17 Uhr
"Schwestern oder die Balance des Glücks"
BRD 1979, 95 Minuten, DF, 35mm, FSK 12, Regie: Margarethe von Trotta
Die zielstrebige Maria arbeitet diszipliniert als Sekretärin und hat ihr Leben scheinbar fest im Griff, während ihre jüngere Schwester Anna mit sich hadert. Einer ungewissen Zukunft entgegensehend taumelt sie durch ein von Maria finanziertes Studium. Marias Bevormundung und Vereinnahmung der Schwester geht so weit, dass Anna zunehmend depressiv wird, was schließlich zum Suizid führt.

Freitag, 12. Mai, 19 Uhr
"Der Fangschuss"
BRD/F 1976, 97 Minuten, DF, 35mm, FSK 12, Regie: Volker Schlöndorff
Eine bittere Geschichte unerfüllter und verhinderter Liebe inmitten der chaotischen Zustände im Baltikum nach dem Ende des Ersten Weltkrieges: Der preußische Offizier Erich kanalisiert seine latente Homosexualität in einer Verlängerung des/seines Krieges und zieht den Kampf gegen die Rotgardisten einer Sesshaftigkeit vor. Als sich die junge Sophie in Erich verliebt, zerbricht sie an seiner Zurückweisung. Bald schließt sie sich den Rotgardisten an und wird Erich unter veränderten Vorzeichen wiederbegegnen.

Im Anschluss findet ein Gespräch zwischen Margarethe von Trotta und Bernd Desinger, Direktor des Filmmuseums, statt. Eine telefonische Kartenreservierung unter 0211-8992232 wird empfohlen.

Samstag, 13. Mai, 19 Uhr / Sonntag, 28. Mai, 17.30 Uhr
"Rosa Luxemburg"
CL/D 1986, 123 Minuten, DF, 35mm, FSK 12, Regie und Buch: Margarethe von Trotta
Die polnische Jüdin Rosa Luxemburg macht zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Rednerin und Verfasserin sozialistischer Texte auf sich aufmerksam. Dies hat eine schnelle Karriere in der SPD zur Folge. Allerdings sind ihre Ansichten der Partei zu radikal, weshalb im Kriegsjahr 1914 der Partei-Ausschluss folgt. Mehrfach landet Rosa im Gefängnis. An der Seite ihres Gesinnungsgenossen Karl Liebknecht setzt die radikale Friedenskämpferin den eingeschlagenen Weg aber unbeirrt fort.

Sonntag, 21. Mai, 15 Uhr
"Das Versprechen"
D 1995, 115 Minuten, DF, 35mm, FSK 6, Regie: Margarethe von Trotta
1961 wagen fünf junge Erwachsene, darunter das Liebespaar Konrad und Sophie, die Flucht aus der DDR nach Westdeutschland. Der Plan gelingt nicht ganz und Konrad bleibt zurück. Trotz strengster staatlicher Bevormundung bleibt er mit Sophie in losem Kontakt, doch dem Paar gelingt die erneute Zusammenkunft nicht. Vom kommunistischen Staatsapparat forciert, schlägt Konrad eine Karriere als Wissenschaftler ein, während sich Sophie ihr eigenes Leben einrichtet.

Sonntag, 21. Mai, 17.30 Uhr
"Heller Wahn"
BRD 1983, 105 Minuten, DF, 35mm, FSK 16, Regie und Buch: Margarethe von Trotta
Die sensible und verschlossene Malerin Ruth hat sich in eine bürgerliche Sackgasse manövriert, als sie die unabhängige Olga kennen und schätzen lernt. Olga lehrt feministische Studien und lebt ein selbstbestimmtes Leben. Zwischen beiden Frauen entwickelt sich schnell eine tiefe Freundschaft, die anfangs noch von Ruths Ehemann Franz unterstützt wird. Spätestens als Ruth aber neue Interessen entwickelt, sich vom bisherigen ehelichen Gleichklang wegbewegt und gemeinsam mit Olga nach Ägypten reist, wird die Frauenfreundschaft für Franz zur Bedrohung.

Sonntag, 28. Mai, 15 Uhr
"Rosenstraße"
D 2003, 136 Minuten, DF, 35mm, FSK 12, Regie: Margarethe von Trotta
New York, Anfang des 21. Jahrhunderts: Nach dem Tod ihres Mannes besinnt sich Ruth Weinstein auf ihre jüdischen Wurzeln und verbietet ihrer Tochter Hannah die Hochzeit mit ihrem nicht-jüdischen Freund. Hannah beginnt, ausgehend von einer ihr bisher unbekannten Verwandten, die Spurensuche nach den Wurzeln ihrer Familie. Sie reist nach Deutschland, um dort die inzwischen 90-jährige Frau aufzusuchen, die ihrer Mutter vor vielen Jahren das Leben rettete.