"Aufbruch zu neuen Malgründen"

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Direktorin Dr. Daniela Antonin und Kurator Thomas Belz vor den Reichsadlerhumpen mit Wappen, ein Highlight der Kabinettausstellung; Foto: Lammert

Direktorin Dr. Daniela Antonin, Leihgeber Dr. Hans-Jürgen Schicker (M.) und Kurator Thomas Belz vor den Reichsadlerhumpen mit Wappen. Das älteste Ausstellungsstück der Humpen ist von 1510; Foto: Lammert

Kugelfußbecher mit Landschaft, Glas, Schwarzlot (radiert), Johann Schaper (nach Gebriel Perelle), Nürnberg, um 1667/1670; Foto: Kunstpalast Düsseldorf - Glasmuseum Hentrich

Apostelkrug, Steinzeug, Schmelzfarben, Zinndeckel, Creußen, datiert 1655; Foto: Hetjens – Deutsches Keramikmuseum

Enghalskanne mit biblischer Szene, Fayence, Schmelzfarben und Schwarzlot, Abraham Helmhack, Nürnberg, 1. Hälfte 18. Jh.; Foto: Hetjens – Deutsches Keramikmuseum

Apostelhumpen, Glas, Emailfarben, Böhmen, datiert 1611; Kunstpalast Düsseldorf - Glasmuseum Hentrich/Stefan Arendt

Birnkrüge aus den Jahren 1750 (l.) und 1684 werden ebenfalls bei der Ausstellung "Aufbruch zu neuen Malgründen" gezeigt; Foto: Lammert

Im Hetjens - Deutsches Keramikmuseum ist die Kabinettausstellung vom 4. Juli bis zum 27. Oktober zu sehen.

Im deutschen Sprachraum erblühte im 17. und 18. Jahrhundert eine Vielfalt von Malerei auf Glas und Keramik. Beginnend mit der Glaskunst ermöglichten vor allem die Schmelzfarbendekore aus E-Mail eine reiche Palette zur farblichen, figürlichen und szenischen Gestaltung, die bald auch auf Steinzeuge und Fayencen übertragen wurde. Letztere boten mit ihrem weißen Fond einen idealen Malgrund, der insbesondere von freischaffenden Künstlern, sogenannten Hausmalern, erfindungsreich gestaltet wurde. Darunter gab es viele, wie etwa Johann Schaper und Abraham Helmhack aus Nürnberg, die ursprünglich selbst als Glasmaler tätig waren.

Unter dem Titel "Aufbruch zu neuen Malgründen. Malerei des Fränkischen Barock auf Glas & Glasur" geht das Hetjens - Deutsches Keramikmuseum diesem Thema in seiner neuen Kabinettausstellung vom 4. Juli  bis 27. Oktober nach. Neben den hochwertigen Beständen des Hetjens und des Glasmuseums Hentrich zeigt die Ausstellung Glas- und Keramikobjekte herausragender deutscher Museen und Privatsammlungen von internationalem Rang. Darunter befinden sich einige, die erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Eröffnung der Kabinettausstellung findet am Mittwoch, 3. Juli, um 18 Uhr im Hetjens, Schulstraße 4, statt.

Die Region Franken liegt nicht ohne Grund im Fokus dieser Präsentation ausgewählter Gläser, Steinzeuge und Fayencen. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts entstanden in den Glashütten Frankens Gläser, die in bunten undurchsichtigen Schmelzfarben bemalt wurden, sogenannte Emailgläser. Unweit entstehen im Verlauf des 17. Jahrhundert farbliche Fassungen der Creußener Steinzeuge, die sich auch in Adel und Patriziat außerhalb Frankens großer Beliebtheit erfreuten. Unter diesen Einflüssen war es den berühmten Nürnberger Hausmalern wenig später möglich, auf den glatten, weißen Oberflächen der Fayencen in Schwarzlot und Schmelzfarben ganz neue Maltechniken anzuwenden.

Der "Aufbruch zu neuen Malgründen" erfolgt in den Hütten, Werkstätten und schließlich Manufakturen nicht ohne gegenseitige Inspiration der Glasmacher, Hafner, Glasierer und Maler. Durch deren Wandertätigkeit, wie auch die Exporte der Waren selbst, verbreiteten sich entsprechende Motive und Techniken im ganzen deutschsprachigen Raum. Eine hochwertige Auswahl, insbesondere der Apostel- und Kurfürstendarstellungen, die bereits Ende des 16. Jahrhunderts weite Verbreitung fanden, illustriert sowohl die Inspiration durch bekannte Glasdekore aus Böhmen oder dem bayrischen Wald, wie auch die deutliche wechselseitige Beeinflussung zwischen fränkischen Emailgläsern und Creußener Steinzeugen.

Während sich die Hütten und Werkstätten handwerklich reproduzierbaren Motiven widmeten, wurden in Nürnberg bereits früh individuelle Aufträge an freischaffende Maler vergeben. Nach Mitte des 17. Jahrhunderts nutzten diese sogenannten Hausmaler, zumeist ausgebildete Glasmaler, die Fayence erstmals als Malgrund für Schwarzlot und farbige Schmelzfarben. Neben der Individualisierung durch Wappen und Besitzermonogramme bedienten sie sich in szenischen Darstellungen auch zeitgenössischer Grafiken.

Das Hetjens hat das große Glück neben einer großen Bandbreite früher Emailgläser aus den Hütten Frankens und ihren stilistischen Vorbildern auch Gläser und Fayencen aus über hundert Jahren Hausmaler- und Manufakturtradition in der Ausstellung präsentieren zu können. Die in Nürnberg aufgekommene Technik des Glasschnitts verdrängte die Emailgläser zunehmend, so dass stattdessen viele der steigenden Nachfrage nach Fayencen folgten. Zunächst waren die Maler selbst noch auf Importe weißer Ware aus Hanau, Frankfurt und anderen Manufakturen angewiesen. Später besiegelte die serielle Produktion zumeist in unempfindlicheren Scharffeuerfarben bemalter Fayencen der zwischen 1710 und 1715 begründeten fränkischen Manufakturen das baldige Ende der Hausmalertradition.

Rahmenprogramm:

Kuratorenführungen
An folgenden Terminen werden Kuratorenführungen durch die Ausstellung angeboten: Samstag, 6. Juli, 15 Uhr; Samstag, 10. August, 15 Uhr; Mittwoch, 11. September, 17 Uhr; Samstag, 19. Oktober, 15 Uhr.

Fränkischer Abend
Am Mittwoch, 4. September, 18 Uhr, bietet das Hetjens fränkische Hausmannskost mit Bier, stimmungsvolle Musik und einer Kurzführungen durch die Ausstellung an. Die Teilnahme liegt bei 38 Euro pro Person - die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine verbindliche Anmeldung ist bis zum 28. August zu den Öffnungszeiten an der Museumskasse oder telefonisch unter 0211-8994210 möglich.

Malerei auf Glas & Glasur
Das Hetjens lädt am Mittwoch, 23. Oktober, 18 Uhr zu einem Abend mit den Sammlern und Leihgebern der Ausstellung ein. Es gibt Kurzvoträge und -führungen durch die Ausstellung. Die Teilnahmegebühr liegt bei zehn Euro pro Person - die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine verbindliche Anmeldung ist bis zum 16. Oktober zu den Öffnungszeiten an der Museumskasse oder telefonisch unter 0211-8994210 möglich.