Reptiliengruppe

Die Feuerwehren sind die Retter in der Not. Und das gilt nicht nur für die klassischen Aufgaben der Menschenrettung und Brandbekämpfung. Oftmals sind es auch Tiere die "gefangen" oder verletzt sind und Hilfe benötigen. Die Katze auf dem Baum oder der Vogel auf dem Dach sind schon lange nicht mehr die einzigen Tierrettungseinsätze, die in einer Großstadt gemeldet werden.

Regenbogenboa (Würgeschlange)

Zahlreiche Reptilienhalter gehen ihrem Hobby nach und hegen Exoten jeder Art. Leider nicht immer artgerecht. Der "Liebling" büchst dann auch gerne mal aus, um die Umgebung zu erkunden. Aufgeregt rufen dann die ahnungslosen Nachbarn an und melden "Hier hängt eine Giftschlange am Balkon." Und wenn die Feuerwehr dann kommt ist alles wieder in Ordnung! Doch leider weit gefehlt. Die meisten Feuerwehren haben von solchen EXOTEN keinen blassen Schimmer und sind auf Spezialisten angewiesen. Ein solcher Spezialist ist der Düsseldorfer Feuerwehrmann Michael Harzbecker, der sich bereits seit über 20 Jahren mit Reptilien beschäftigt. Neben der Nachzucht von Echsen-, Schlangen- und Amphibienarten ist er im Artenschutz sehr engagiert. Sein neuestes Projekt ist eine Freilandterrarienanlage in der er Kreuzottern und Smaragdeidechsen für ein Arterhaltungsprojekt züchtet.

Klapperschlange (Giftschlange)

Nicht nur eine langjährige Erfahrung im Umgang mit Reptilien machte den Feuerwehrmann Michael Harzbecker zum Fachmann. Er absolvierte etliche Lehrgänge und Sachkundenachweise bevor er zum "Reptilienbeauftragten" ernannt wurde. Bei der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) erlangte er die Sachkunde im Bereich Terraristik und Terraristik mit gefährlichen Tieren. Außerdem pflegt er gute Kontakte zu diversen zoologischen Einrichtungen wie z.B. dem Zoo Leipzig, Berlin und Frankfurt, um sich dort schulen zu lassen. Zwei Seminare besuchte er auf Europas größter Giftschlangenfarm im Harz, um den Umgang mit Giftschlangen zu erlangen bzw. zu festigen. Die Feuerwehrschule Düsseldorf bildet seit einigen Jahren das Einsatzpersonal im Umgang mit Tieren/Exoten intensiv aus.

Einsatzbeispiele

Ein Grüner Leguan wird in Wersten auf einem Baum entdeckt. Das verletzte Tier wurde eingefangen und gesund gepflegt. Nach der Genesung wurde es artgerecht untergebracht.

In Derendorf konnten die Tierretter eine geschützte Äskulapnatter einfangen. Dies gelang nur mit viel Mühe und unter erschwerten Bedingungen. Das Tier windete sich an einer Regenrinne hoch. Bei schwerem Gewitter musste eine Drehleiter eingesetzt werden, um das Tier zu fangen und die besorgten Anwohner zu beruhigen.

In Bilk wurde auf der Strasse ein Leguan gesichtet, der unbeschadet eingefangen werden konnte.

Häufig werden der Feuerwehr umher schleichende Giftschlangen gemeldet. Dabei handelt es sich oftmals um die völlig harmlose Ringelnatter. Mit einer gezielten Aufklärungsaktion im Sommer 2003 hat sich die Situation dann deutlich entspannt. Ringelnattern sind ungefährlich und leben gerne in heimischen Biotopen.

Einen netten Einsatz erlebte die Feuerwehr im Sommer 2004. Die Polizei fragte an, ob die Feuerwehr einen erfahrenen Spinnenfachmann hat. Das zählt zwar nicht unbedingt zu den Vorlieben der Tierretter, aber Grundkenntnisse sind auch hier vorhanden. Die Polizei war zu einem Einsatz am Unterbacher See gerufen worden und fand auf einen Campingplatz in einem Lavendelstrauch eine "tropische Giftspinne". Alles was Beine hatte postierte sich um das Spinnennetz. Im Internet hatte ein Campinggast Nachforschungen angestellt und eine ähnliche Spinne entdeckt, die "sehr gefährlich ist", so seine Aussage. Wie gesagt aber eben nur ähnlich. Bei der vorgefundenen Spinne handelte es sich um eine Wespenspinne aus dem Mittelmeerraum, welche sich inzwischen bis nach Dänemark ausgebreitet hat. Diese Art ist ungefährlich! Nach kurzer Aufklärung der Camper durfte die sichtlich nervöse Spinne an ihrem Platz bleiben. Nur der arme Camper der im Internet nachgeforscht hatte, wurde anschließend lauthals von den Eidgenossen beschimpft.

Etliche Kornnattern haben die Feuerwehrleute schon gefangen, die in den meisten Fällen durch offen stehende Terrarien entweichen konnten. Diese Tiere wurden nach kurzem Aufenthalt ihren Besitzern wieder übergeben.

Zwei Einsätze mit Giftschlangen sind im Einsatzleitrechner bisher verbucht. So wurde ein Schlangenfreund zu hause von einer Bambusotter gebissen und musste durch den Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht werden. In einem Hausflur in Flingern wurde eine Schlange entdeckt. Der Finder stülpte der Schlange einen Eimer über. Glück gehabt! Hierbei handelte es sich um eine sehr giftige Kobraart, die auch die alarmierte Klein-Einsatz-Fahrzeug-Besatzung vor ein großes Problem stellte. Das Tier verschaffte sich durch ihr Verhalten mächtigen Respekt. Glücklicherweise kam der Besitzer zurück und fing das Tier selber wieder ein.