Caroline Link: Gespräch und Filmreihe

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Die Regisseurin und Drehbuchautorin Caroline Link wird mit dem Helmut-Käutner-Preis der Landeshauptstadt Düsseldorf ausgezeichnet. Dies hat die Jury des Preises am Samstag, den 15. Juni, bei ihrer Sitzung im Filmmuseum entschieden. Das Filmmuseum zeigt vom 15. bis 25. November ihre sechs bisher entstandenen Kinofilme. Am 15.11.wird Caroline Link zudem für ein Gespräch mit Filmmuseumsdirektor Bernd Desinger in der Black Box zu Gast sein.

In der Begründung der Jury heißt es: „In ihrem filmischen Werk der letzten drei Jahrzehnte überzeugt die Regisseurin mit Arbeiten wie JENSEITS DER STILLE (1996), dem Oscar-prämierten NIRGENDWO IN AFRIKA (2001) oder ihrer jüngsten Literaturverfilmung DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT (2018). Es gelingt ihr immer wieder, emotional tiefgründige Themen einfühlsam einem breiten Publikum nahezubringen. Damit schafft sie es, gesellschaftlich relevanten Aspekten im Kino erfolgreich ein Forum zu geben. Mit ihrer sensiblen Schauspielerführung gelingt es ihr, sowohl namhafte Darstellerinnen und Darsteller als auch immer wieder junge Talente zu Höchstleistungen anzuspornen.“

 

Die Filme:

Fr. 15.11. 19:00 JENSEITS DER STILLE

D 1996 · 112 min · DF · 35mm · FSK 6 · Regie: Caroline Link · Drehbuch: Caroline Link, Beth Serlin · Kamera: Gernot Roll · Sylvie Testud, Tatjana Trieb, Howie Seago, Emmanuelle Laborit, Sibylle Canonica, Matthias Habich u.a.

Mit ihrem Kinodebüt schaffte Caroline Link nicht nur einen großen Publikumserfolg, sondern konnte sich auch gegen Zweifel und Kritik von Produktions- und Verleihfirmen durchsetzen. Der Film über ein gehörloses Elternpaar, dessen Tochter ihre Brücke in eine für sie schwer zugängliche Welt ist und sich durch ihre Liebe zu ihrem Musikinstrument, der Klarinette, jedoch immer mehr von ihnen zu entfremden droht, schien zu speziell, gar anstrengend und nicht dem deutschen Komödienhype der 1990er-Jahre entsprechend. Doch Links Drehbuch und ihre Inszenierung belehrten alle eines Besseren.

Im Anschluss: Filmgespräch mit Caroline Link. Moderation: Bernd Desinger (Direktor des Filmmuseums)

 

Sa. 16.11. 21:15 NIRGENDWO IN AFRIKA

D 2001 · 140 min · DF · 35mm · FSK 6 · Regie: Caroline Link · Drehbuch: Caroline Link nach dem autobiographischen Roman von Stefanie Zweig · Kamera: Gernot Roll · Darsteller: Juliane Köhler, Matthias Habich, Regine Zimmermann, Merab Ninidze, Gabrielle Odinis u.a.

Basierend auf dem autobiografischen Roman von Stefanie Zweig, erzählt der Film von der Emigration der jüdischen Familie Redlich 1938 von Deutschland nach Afrika. Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten versuchen Jettel und Walter sich gemeinsam mit ihrer Tochter Regina ein neues Leben aufzubauen. Doch während sich die Fünfjährige schnell an die neue Umgebung gewöhnt, wird der Neuanfang gerade für Jettel zur Bestandsprobe.

 

Mo. 18.11. 20:00 IM WINTER EIN JAHR

D 2008 · 129 min · DF · 35mm · FSK 12 · Regie: Caroline Link · Drehbuch: Caroline Link nach der Romanvorlage von Scott Campbell · Kamera: Bella Halben · Darsteller: Karoline Herfurth, Josef Bierbichler, Corinna Harfouch, Hanns Zischler, Misel Maticevic u.a.

Der Maler Max Hollander wird beauftragt, ein Portrait eines Geschwisterpaars anzufertigen, von dem der jüngere Bruder Alexander vor einem Jahr Selbstmord begangen hat. Seine Schwester Lilli wird von ihrer Mutter dazu gedrängt, dem Künstler Modell zu stehen. Das Besondere: Den Bruder muss Hollander mit Hilfe von Fotos und Erzählungen rekonstruieren. Zwischen Hollander und Lilli entwickelt sich eine emotionale Bindung, die verdeutlicht, dass sie den Verlust noch nicht verarbeitet hat. Das Trauma nach dem Unbegreiflichen wirkt nach, nicht nur bei ihr, auch bei den Eltern.

 

Sa. 23.11. 21:00 EXIT MARRAKECH

D 2013 · 123 min · DF · digitalDCP · FSK 6 · Regie: Caroline Link · Drehbuch: Caroline Link · Kamera: Bella Halben · Darsteller: Ulrich Tukur, Samuel Schneider, Hafsia Herzi, Josef Bierbichler, Mourad Zaoui u.a.

EXIT MARRAKECH wurde in der Presse als der zweite Afrika-Film von Caroline Link bezeichnet und führt in gewisser Weise doch eher zu ihrem Kinodebüt zurück. Stand in JENSEITS DER STILLE das Verhältnis zwischen der Musikerin Lara und ihrem gehörlosen Vater im Mittelpunkt, zeigt uns die Regisseurin in ihrem fünften Film anhand eines Vater-Sohn-Konfliktes die Landschaft und Kultur, aber auch den Tourismus in Marokko. Der Theaterregisseur Heinrich nimmt seinen 17-jährigen Sohn Ben mit auf eine Geschäftsreise nach Marrakech, wo er an einem internatio nalen Theaterfestival teilnehmen und Emilia Galotti inszenieren soll.

 

So. 24.11. 15:00 PÜNKTCHEN UND ANTON

D 1998 · 109 min · DF · 35mm · FSK 0 · Regie: Caroline Link · Drehbuch: Caroline Link nach dem gleichnamigen Roman von Erich Kästner · Kamera: Torsten Breuer · Darsteller: Elea Geissler, Max Felder, Juliane Köhler, August Zirner, Meret Becker, Sylvie Testud, Benno Fürmann, Gudrun Okras u.a.

Diese zweite Verfilmung des Klassikers von Erich Kästner versetzt die Handlung über die Freundschaft zweier Kinder mit unterschiedlicher sozialer Herkunft aus dem Berlin der Weimarer Zeit in das München der Gegenwart. Der Kontext der Weltwirt-schaftskrise weicht einer subtilen Kapitalismus- und Sozialkritik und einer realistisch-komplexen Charakterisierung der Figuren.

 

Mo. 25.11. 20:00 DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT

D 2018 · 100 min · DF · digitalDCP · FSK 6 · Regie: Caroline Link · Drehbuch: Ruth Toma nach dem autobiografischen Roman von Hape Kerkeling · Kamera: Judith Kaufmann · Darsteller: Julius Weckauf, Luise Heyer, Diana Amft, Sönke Möhring, Joachim Król, Maren Kroymann, Ursula Werner, Elene Uhlig u.a.

Die Ende letzten Jahres in den deutschen Kinos angelaufene Buch-Verfilmung DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT ist eine tragikomische Nacherzählung einer Kindheit und gleichzeitig ein Stück deutscher Film- und Fernsehgeschichte. Denn Caroline Links neuestes Werk ist die Adaption von Hape Kerkelings Best-seller aus dem Jahr 2014. Darin schilderte er nicht nur, wie er als pumme liges und gehänseltes Kind in Recklinghausen aufwuchs, sondern auch, wie er dank seiner Komik und des Rollenspiels Selbstvertrauen gewann und die ersten Schritte seiner späteren Karriere unternahm.