VFX|SFX: Semiologie der Effekte

Am

Angelehnt an die Sonderausstellung "Fantastische Welten, perfekte Welten - Visuelle Effekte im Film" zeigt das Filmmuseum monatlich eine thematisch eingeordnete Filmreihe. Beruhend auf den Analysen des Filmtheoretikers Christian Metz (1931–1993) untersucht der Monat Februar die durch VFX | SFX angestrebte Kinorevolution. Metz übernimmt für seine Semiologie des Films die Modelle von Zeichen, Sprachen und Filmanalyse, um die Komplexität der Kinoerfahrung bewusst zu machen. Dabei ist interessant, wie und mit welchen künstlerischen Mitteln die Realitätswirkung der filmischen Manifestation auf die Leinwand kommt.

Die vier ausgewählten Filme können als erweiternde Plattform betrachtet werden, auf der räumliche und zeitliche Ebenen zusammengetragen werden. Die VFX | SFX dienen dazu, die oft nicht durch Sprache ausdrückbaren Emotionen, beispielsweise Angst und Neugier, in eine visuellen Sprache zu übersetzen, die kein anderes Medium so zeigen könnte. Die bewusst beschränkte Filmauswahl geht quer durch die Filmgeschichte von den 1930er-Jahren bis heute und schafft eine Begegnung verschiedener Genres. Im Mittelpunkt stehen vier VFX- bzw. SFX-Meister am Höhepunkt ihrer Karriere: Mit ihren Beiträgen haben sie sich und andere stark beeinflusst und zugunsten dieser Revolution gegenseitig inspiriert.

Ein phantastisches Werk wirkt nur phantastisch, wenn es überzeugt (andernfalls wirkt es bloß lächerlich), und die Wirksamkeit des Irrealismus im Kino beruht darauf, dass das Irreale dort realisiert erscheint und sich unter dem Schein eines tatsächlich vollziehenden Ereignisses und nicht in der Form einer plausiblen Illustration irgendwelcher außergewöhnlicher rein erfundenen Prozesse dem Beschauer bietet.
(Christian Metz, Semiologie des Films, 1972)

 

SA 9.2. 21:00

JURASSIC PARK

USA 1993 · 127 min · OmU · 35 mm · FSK 12 · Regie: Steven Spielberg · Drehbuch: Michael Crichton, David Koepp nach einer Vorlage von Michael Crichton · Kamera: Dean Cundey · Darsteller: Sam Neill, Laura Dern, Jeff Goldblum u.a.

Basierend auf Michael Crichtons gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1990 lieferte Steven Spielbergs Adaption den Start einer der populärsten Hollywood-Blockbuster-Filmreihen. Die Geschichte eines Multimilliardärs, der auf einer Insel einen Erlebnispark eröffnet, in dem gezüchtete Dinosaurier als Attraktion vorgeführt werden, löste eine regelrechte „Dino-Manie“ aus. Jedoch waren es die Spezialeffekte und nicht die Story, die im Bereich der Computertechnologie bereits in den 1990er-Jahren neue Maßstäbe setzten: Obwohl bereits die STAR WARS-Trilogie (1977-82) und TRON (1982) Computeranimationen und CGI („computer generated imagery“, d.i. computergenerierte Bilder) enthielten, übertraf die Darstellung der urzeitlichen Kreaturen diese Filme bei weitem. Ebenso wurde durch den Bau und Einsatz von Animatronics die Illusion realistischer Interaktionen und der Tyrannosaurus Rex als eine der gefürchtetsten Kreaturen der Filmgeschichte eingeführt.
Vortrag: „Jurassic Park und das Ende einer Stop-Motion-Ära“ von Andrea Polywka (Graduiertenkolleg Konfigurationen des Films)

 

FR 15.2. 19:00

VYNÁLEZ ZKÁZY · DIE ERFINDUNG DES VERDERBENS

CZ 1958 · 78 min · OmeU · digitalDCP · FSK 6 · Regie: Karel Zeman · Drehbuch: Frantisek Hrubín, Karel Zeman nach einer Vorlage von Jules Verne · Kamera: Bohuslav Pikhart, Jirí Tarantík, Antonín Horák · Darsteller: Lubor Tokos, Miroslav Holub, Arnost Navrátil u.a.

Ein Ingenieur, der an einer Geheimwaffe arbeitet, wird von einem böswilligen Millionär und einer Piratenbande mit einem U-Boot entführt und auf eine Insel gebracht. Dort soll er einen gefährlichen Sprengstoff weiter entwickeln, der dramatische Folgen für die Erde haben könnte. Für die Verfilmung des Antizipationsromans von Jules Verne Die Erfindung des Verderbens (1896) nimmt Karel Zeman, der Meister des Animationsfilms, die Ästhetik der Illustration auf. Er verbindet originale Kupferstiche des Illustrators Édouard Riou mit Trickfilmsequenzen, Marionetten und Schauspiel. Die optischen Täuschungen schaffen beeindruckende räumliche Illusionen, die die Betrachter*innen mit auf die Reise nehmen. Das verblüffende Ergebnis der schwarzweißen fantastischen Welt wirkt wie eine animierte Collage.

Einführung: Markus Gabriel (Film- und Fernsehwissenschaftler)

 

FR 15.2. 21:00

KING KONG · KING KONG UND DIE WEISSE FRAU

USA 1933 · 100 min · OF · digital1080p · FSK 6 · Regie: Merian C. Cooper, Ernest B. Schoedsack · Drehbuch: James Creelman, Ruth Rose nach einer Vorlage von Merian C. Cooper, Edgar Wallace · Kamera: Edward Linden, J.O. Taylor, Vernon L. Walker, Kenneth Peach · Darsteller: Fay Wray, Robert Armstrong, Bruce Cabot u.a.

Als Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack Anfang der 1930er-Jahre für ihr Filmprojekt Talente suchten, trafen sie auf Willis O’Brien, der seine Stop-Motion-Fähigkeiten bereits in THE LOST WORLD (1925) unter Beweis gestellt hatte. Für KING KONG arbeitete O’Brien dann erneut mit Marcel Delgado zusammen und erschuf mit Hilfe eines Metallskeletts, überzogen mit Tierfellen, den König von Skull Island sowie weitere Dinosaurier und zum Teil auch menschliche Figuren. Er verwendete das Matte-Painting- und Travelling-Matte Verfahren, Miniaturmodelle sowie Rück- und Miniaturprojektionen für die Einbindung von Live-Action Darsteller oder Stop-Motion-Figuren. Dabei ist in diesem Kontext besonders spannend, wie zur damaligen Zeit der Produktionsprozess in der Öffentlichkeit diskutiert wurde, zu einer Zeit, als „Spezialeffekte“ und „Stop-Motion“ noch keine geläufigen Begriffe waren.

Vortrag: „Miniatures, Motion and Monsters: Wie King Kong zum Leben erweckt wurde“ von Andrea Polywka (Graduiertenkolleg Konfigurationen des Films).

 

MI 27.2. 20:00

VOYAGE OF TIME: LIFE’S JOURNEY

USA 2016 · 90 min · OF · digitalDCP · FSK 12 · Regie: Terrence Malick · Drehbuch: Terrence Malick· Kamera: Paul Atkins · Darsteller: Cate Blanchett (Stimme), Jamal Cavil u.a.

40 Jahre lang soll Terrence Malick an dem Projekt VOYAGE OF TIME gearbeitet haben. Diese Ode an das Universum zeigt „die Reise des Lebens“ von der Entstehung der ersten Sterne bis zu umherirrenden Menschenmengen in den Großstädten und die wissenschaftlichen Theorien, auf denen der Film basiert,
werden durch die Verbindung von Live-Aufnahmen, Studiorekonstruktionen und Computerbildern in Szene gesetzt. Der Sinn der kurzen Existenz des Menschen wird durch Leben und Sterben, Religion, Traditionen und Liebe bestimmt.

Einführung: Océane Gonnet (Filmmuseum)