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Notfallpsychologie

Ziel der Notfallpsychologie ist eine psychische 1. Hilfe nach Großschadenslagen zur Vorbeugung und Bewältigung akuter Belastungsreaktionen sowie posttraumatischer (Belastungs-) Störungen nach erschütternden Ereignissen.
Notfallpsychologie beginnt bereits als Krisenintervention parallel zu den Rettungs- und Bergungsarbeiten bei Großschadenereignissen. Neben einer Erfassung und Erstversorgung von Betroffenen besteht eine Aufgabe darin, spätere Ansprechpartner(innen) und Anlaufstellen zu benennen. Die psychosoziale Betreuung nach einem Schadensereignis ist in der Regel auf eine circa 3wöchige Dauer ausgerichtet. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um ein heilkundliches Angebot. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass es sich bei den auftretenden Symptomen um normale Reaktionen auf unnormale Ereignisse handelt. Betroffene werden bei Bedarf selbstverständlich dabei unterstützt, psychotherapeutische Angebote zu finden, wenn sich im Rahmen der Betreuung herausstellt, dass eine Störung mit Krankheitswert vorliegt.

Informationen für Betroffene

Normale Reaktionen auf unnormale Ereignisse

Unnormale Ereignisse sind dadurch gekennzeichnet, dass sie sehr intensiv sind, plötzlich und unvorhergesehen auftreten, unausweichlich und gefährlich sind. Sie sprengen den alltäglichen Bezugsrahmen und lösen eine veränderte Wahrnehmung aus.
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es den meisten Betroffenen gelingt, schwierige Situationen gut zu verarbeiten!


Es gibt aber ebenso einen Teil von Betroffenen, die von speziellen Hilfen profitieren, damit sie das Erlebte ohne die Entwicklung schwerwiegender psychischer Folgestörungen bewältigen können. In der Konsequenz bedeutet dies, mit allem zu rechnen, für unnormale Situationen gibt es keine Standardreaktionen. Schnelle professionelle Hilfen sind wichtig.
Für die Entwicklung einer psychischen Störung ist es übrigens unerheblich, ob ein Unfall tödlich ist oder die Menschen eine direkte Schadensbeteiligung erlebten, zum Beispiel Augenzeuge des Unfalls wurden. Es ist zum Beispiel ebenso möglich, dass Kollegen oder Angehörige Beschwerden entwickeln, die nicht selbst anwesend waren.


Halten individuelle Belastungssymptome länger als vier Wochen an, sollte in jedem Fall eine professionelle psychologische Beratung erfolgen. Das Anhalten der Symptome muss dabei kein Anzeichen für eine psychische Erkrankung sein und eine schnelle Intervention kann eventuell gerade die Entwicklung einer Erkrankung verhindern! In der Regel lassen allerdings diese Symptome schon in den ersten Tagen nach dem Ereignis von alleine nach.

Beispiele hilfreicher und belastender Reaktionen

Während körperliche Verletzungen sichtbar sind, haben unnormale Schadensereignisse häufig auch eine nicht sichtbare psychische Komponente.
Auf ein Schadensereignis können verschiedene hilfreiche Reaktionen folgen. Betroffene schildern z.B. eine starke Entschlossenheit und größere Zielstrebigkeit, eine schärfere Wahrnehmung. Sie betrachten das Schadensereignis als persönliche Herausforderung, das sie mobilisiert und zur aktiven Lebensgestaltung beiträgt.
In der Folge kann es aber ebenso zu belastenden Reaktionen kommen, dazu können Schlaflosigkeit, Alpträume, Schreckhaftigkeit oder eine erhöhte Anspannung und Reizbarkeit ebenso gehören wie Wut, emotionale Taubheit, Rückzug, zunehmende Konflikte etc. Insbesondere an den Tagen nach dem Ereignis ist der Schreck noch groß und es treten oft auch Ängste auf.

Veränderte Wahrnehmung durch Extremereignisse?

Wie eine veränderte Wahrnehmung nach einem Extremereignis aussehen kann, soll dieses Beispiel verdeutlichen:
Was haben Sie am 11.September 2001 gemacht?
Und was haben Sie am 11. September 2011 gemacht?

Während Sie sich an den 11. September 2001 in der Regel sehr genau erinnern können, wissen Sie wahrscheinlich nicht, was Sie am 11. September 2011 gemacht, gegessen, wen Sie gesehen oder wie Sie sich gefühlt haben.
Extremereignisse werden anders wahrgenommen und anders gespeichert. Mit Ihnen umzugehen ist eine Herausforderung.

Was kann helfen?

Es hilft, wenn nahe Bezugspersonen in dieser Zeit den Betroffenen signalisieren, dass sie als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, ohne jedoch auf ein Gespräch zu drängen. Nehmen Sie sich Zeit für angenehme Dinge und Aktivitäten. Darüber hinaus hilft es oft, wenn die normale Alltagsstruktur so weit wie möglich beibehalten wird.

Kontakt

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