Eine Veranstaltung des Heinrich-Heine-Instituts und des Zentrums für Rheinlandforschung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, gefördert vom Landschaftsverband Rheinland
Dem Aspekt des bewussten oder auch unbewussten Zusammenarbeitens in der künstlerischen Produktion ist in letzter Zeit in der Forschung erhöhte Aufmerksamkeit gezollt worden. Die Relevanz des Themenfeldes erschließt sich in literaturhistorischer wie auch zeitgenössischer Perspektive – das gemeinsame und gemeinschaftliche Produzieren literarischer Texte, musikalischer Werke und visueller Artefakte durch Künstler-Duos, -Trios oder -Gruppen wird nicht erst seit der historischen Avantgarde verstärkt gepflegt. Heutzutage sind kollektive Arbeitsweisen geradezu an der Tagesordnung (nicht nur im primär künstlerischen Bereich, man denke etwa an die Autorenteams von TV-Serien).
Dazu kommen weitere komplexe und hintergründige Formen des Ineinanderwirkens von Akteuren, etwa die Zusammenarbeit von Autor und Lektor, aber auch von Autor und Zensor. Solche (durchaus nicht immer nur konfliktbeladenen) Kooperationsprozesse sind nicht leicht zu rekonstruieren. Selbst die offen zu Tage liegenden Praktiken künstlerischer Zusammenarbeit, ob explizite gemeinschaftliche Produktion, ob das Zusammenwirken im Kontext von Künstlergruppen, zieht eine Reihe von Fragen nach sich, etwa nach den verschiedenen Anteilen der jeweiligen Autorinnen und / oder Autoren, wer hat welchen Part beigesteuert, wie ist das Werk in diese spezifische Form gebracht worden? Oder für den Bereich der Künstlergruppen: Wie war die Dynamik, wer hat den größten Einfluss auf die Gruppe gehabt, wie stark hat sich dieser in den Arbeiten der einzelnen Gruppenmitglieder niedergeschlagen, wie viel also in ihrer konkreten künstlerischen Produktion ist der Gruppenprogrammatik geschuldet, wie viel ist individuelle künstlerische Überzeugung? Weiterhin stellen sich Fragen an die Dokumentation und Erforschung dieser Kooperationen: Welche Archivalien transportieren das Wissen über diese Kooperationen? Welches Quellenmaterial kann hierfür nutzbar gemacht werden und mit welchen Methoden kann in der Forschung darauf reagiert werden? Nicht zuletzt entstehen Fragen in Bezug nach der Zeitlichkeit von kreativen Gemeinschaften, z.B. in Form von Intertextualität und innerliterarischen Gemeinschaftsformen.
Gleichzeitig fehlen bislang Überblicksdarstellungen künstlerischer Gruppen, die in erschöpfender Weise aufführen, welche Gruppierungen es überhaupt gegeben hat. Für den Bereich des Rheinlands arbeiten das Rheinische Literaturarchiv im Heinrich-Heine-Institut und das Zentrum für Rheinlandforschung in zwei vom Landschaftsverband Rheinland geförderten Projekten daran, a) eine interaktive Kartografie von Künstlergruppen im Rheinland zu erstellen (Zentrum für Rheinlandforschung), b) eine digitale Ausstellung zu „Literarischen Gruppierungen, Aktionsbünden und Kooperationsprojekten im Rheinland nach 1945“ zu realisieren.
Um diese Projekte einerseits mit theoretischen Grundlagen, andererseits der Darstellung konkreter Fallbeispiele zu bereichern, veranstalten Heinrich-Heine-Institut und Zentrum für Rheinlandforschung am 6. und 7. November 2025 eine interdisziplinäre Tagung. Neben einer theoretischen Einordnung der Praktiken künstlerischer Kollaboration werden Beispiele von Gruppierungen oder Arbeitszusammenhängen aus den Bereichen Kunst, Literatur und Musik behandelt, ausgehend vom Territorium des Landschaftsverbands Rheinland, und schwerpunktmäßig aus der Zeit nach 1945.